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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-29 · 18 (29.4.1932) · p. Seite 175

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
18 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
Seite 175 (sequence 3)
Language
German
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175 sehen verlernt, fängt die Welle des Unglücks an, sich immer weiter zu verbreiten. * v v rif}^ Die Gegnerschaft gegen die Juden ist ein Einzelsall jener Schmach des Jahrhunderts, die in der Gedankenlosigkeit und Unsicherheit der Gesühle ihren Ausdruck findet. So hat die Judenheit mehr denn je die Gesamtnot der Zeit zu spüren. Sie ist am ehesten der Verächtlichmachung ausgesetzt, denn sie hat am wenigsten die Möglichkeit, sich zu wehren. In vielen Teilen unseres Landes ist es der jüdischen Stimme säst unmöglich, sich Gehör zu verschaffen. Nicht gegen denJuden,wieer ist, wendet sich die Stimmung, sondern gegen eine F r a tz e, die dem Volk vorgehalten wird und die die meisten für das wahre Gesicht halten. Würden wir die Macht ausbringen können, uns wie Herr Hitler in jedem Torf zu zeigen, so würde die Ueberzeugungskrast unserer Gründe die Gegner von selbst in die Flucht schlagen. Deshalb darf unsere Arbeit nach dieser Richtung hin niemals ermatten. „Systeme" gehen und kommen, die Wahrheit bleibt. Die Tage des Befreiungsfestes liegen hinter uns; wir lesen in den alten und ewig neuen Büchern von Verfolgungen und von dem Brot des Elends. Aus den Lehren der deutschen Geschichte und aus der Kenntnis des deutschen Dolkswesens kommt uns die Einsicht: krank kann die deutsche Volksgemeinschaft werden, Fehler kann sie begehen, aber die letzten und ewigen Gedanken, die wir mit allen großen. Geistern der Weltgeschichte verfechten, setzen sich durch, wenn sie von starkem Willen zur Gerechtigkeit getragen werden. Allerdings darf man dann nicht dem überhitzten nationalistischen Gefühl einer aufgewühlten Zeit irgendwelche Zugeständniffe machen. Wir muffen endlich lernen, den wirklich nationalen deutschen Standpunkt dem verzerrten nationalistischen Gedanken mit Nachdruck entgegenzusehen. Jeder Ehauwimsmus und jeder Nationalismus ist nicht nur ein Unglück für die Judenheit, sondern ein ebenso großes Unglück für diejenigen, die ihm verfallen sind, während die Kraft eines folgerichtig durchgeführten nationalen Gedankens die Menschheit befriedigt und stärkt. Aus Grund dieser Einsicht werden wir weiter arbeiten in der Gewißheit, daß alle wirklich liberalen und demokratischen Gedankengänge sich schließlich durchsetzen werden, wenn das Geschlecht, das heute lebt, die unklaren Gedaukengänge über Bord wirft und den Mut zur Arbeit nicht verliert. Arbeiten wir mit Kraft und Nachdruck an diesem Ziel mit, dann wird das Unheil des Erdrutsches von 1932 überwunden werden. Kürzlich wurde auf dem Friedhof der jüdischen Gemeinde in Rückingen, Kreis Hanau, ein Grabstein völlig zertrümmert, mehrere Jnschrrstplatten wurden beschädigt. Auf dem Waldsriedhof in Wanne- Eiikel wurde die Grabstätte einer jüdischen Familie geschändet. An der Rücklehne einer v»,.v..~jc wuiuc uu.iu.ji ^üuuiujmriueu dener Verbindungsstücke ein Hakenkreuz ausgesägt und die Inschrift,Zuda verrecke" eingeritzt. AatisnaifoZialrstjschrMehcheitiMnhalt Cj. Dessau, den 26. April 1932. In Anhalt hat es sich gerächt, daß 14 Jahre fast ununterbrochen die sozialdemokratisch-demokratische Koalition die Regierung innegehabt hat. Tie machthungrigen Radikalen hatten ein leichtes Spiel in der heutigen Zeit der Not, die unzufriedenen Elemente auszuputschen. Noch zuletzt wurde die bedauerliche Tatsache, daß eine linksradikale Schauspielert ruppe sich eine Verspottung der Religion hatte zuschulden kommen laffen, ausgenutzt, um das Konto der Sozialdemokratischen Partei zu Unrecht, aber mit um so wüsterer Hetze zu belasten. Das Ergebnis ist, das; das einst freiheitlich gesinnte Anhalt von allen Ländern, die jetzt wählten, das einzige ist, in dem fortan eine unbestrittene Nechtsmchrheit regiert. Don 36 Sitzen haben die Nationalsozialisten 15 inne, dazu kommen je 2 Sitze der Deut sch nationalen Volkspartei und der Deutschen Volks Partei und ein Sitz der ebenfalls reaktionär gerichteten Hausbesitzergruppe. Diesen 20 Mandaten der Rechten stehen 3 kommunistische Mandate, nur ein staatsparteiliches Mandat und 12 sozialdemokratische gegenüber. In der konstituierenden Landesversammlung, die im Dezember 1918 gewählt wurde, faßen nur 2 T-eutschnationale, aber 12 Demokraten und 22 Sozialdemokraten; welch eine Wandlung ist inzwischen in der Volksseele unter oll dem wirtschaftlichen Druck eingetreten! Dabei hat die anhaltische Linksregierung kulturell gemäßigt regiert, keineswegs ihren Anhängern allein nach dem Parteibuch zu Beamtenposten verholzen und finanziell unbestrittene Erfolge erzielt. Wenn das Volk erst sieht, daß auch die Nationalsozialisten die Wirtschaft nicht schneller ankurbeln können, wird die Stimmung Umschlagen. Zu hoffen und zu wünschen bleibt nur, daß die Rechts- und Linksradikalen inzwischen nicht zu viel Porzellan zerschlagen! Dos Hamburger Wahlergebnis Ä. B. Hamburg, den 25, April 1932. Die Hamburger V ü rg er sch a f tswahl hat die Stellung des heute geschästsführenden Senats gekräftigt. Hinter ihm stehen jetzt 69 Llbgeordnete der SPD., der Deutschen Staatspartei und des Zentrums, während die Rechtsopposition nur über 65 ^Abgeordnete verfügt. Tie Mehrheit, die den Senat stutzt, hat also drei Stimmen gewonnen. Als ersreuliches Ergebnis darf immerhin festgestellt werden, daß die Deutsche Staatspartei unter der zielbewußten Führung von Bürgermeister Dr. Petersen die Zahl ihrer Sitze von 14 aus 18 erhöhen konnte, während die Volkspartei infolge ihres nationalsozialistischen Verhaltens eine Einbuße von zwei Mandaten erleiden mußte; sie wird nur mit fünf statt wie vorher mit sieben Mandaten in der Bürgerschaft vertreten sein. Die SPD. konnte in Hamburg ihre Position nicht nur behaupten, sondern ihre Mandate um drei 'vermehren; sie zieht mit 49 gegen früher.46 Abgeordnete in die Bürgerschaft ein. Tie Zahl der nationalsozialistischen B ü r g e r s ch a f t s m i t g l i e d e r ist von 43 auf 51 angewachsen. Der Stimmenzuwachs ist, wie bereits beim zweiten Präsidentenwahlgang deutlich wurde, aus dem kommunistischen Lager erfolgt, denn die Kommunisten verloren neun Mandate (von 35 aus 26). Das Gesamtergebnis der Hamburger Dürgerschastswahl ergibt zwar, wie voraus- -usetzm war, keine Klärung. Immerhin ist Zu hoffen, daß der alte Senat seine Geschäfte wie bisher, ohne erhebliche Störungen, sortführen kann. Ter Wahltag selbst ist in Hamburg ruhig verlausen. Die Wahlbeteiligung war etwas schwächer als bei der letzten Bürger* schastswahl 1931. Sie betrug diesmal nur 80 v. H. gegen 83,75 v. H. im September 1931. die ZlugLlattpropaganSa in Württemberg Aus SLuLLg<rrt wird uns bericht ei: Sämtliche Parteien trieben eine über alles bisher Gewohnte hinausgehende Flugblatt- Propaganda. Bemerkenswert ist darunter ein am letzten Tag verteiltes Flugblatt der Deutschnationalen, das sämtliche Parteien in Dialektversen bespricht. Darin findet sich der Vers: Freilich: d' Bonze dürfet praffe. Aber 's Volk: des ischt verlaffe. Des hot statt „Freiheit ond Brot" Nix als Sklaverei ond Not, Ond als Trascht: recht schone Spruch, Daß 's ruhig bleibt ond ordentlich Ond Franzos ond Jud net stört. Wenn se nemmet, was en g'hört . . . Verstehen Sie die Landessprache? „Und Franzos und Jud^ nicht stört, wenn sie nehmen, was ihnen (wem?) gehört." Bei den T e u t sch n a t i o n a l e n, deren „Süddeutsche Zeitung" in der letzten Zeit jeden Antisemitismus vermied, verwundert diese Gehässigkeit^ besonders. Das gleiche Flugblatt, das im übrigen von solchen Ausfällen gegen alle Parteien strotzt, lobt die Hitler-Leute warm und wünscht ihnen nur, daß s,der starke junge Gaul" sich von den Teutschnationalen zügeln "lasse. . . Sonst brachte der Wahlkampf in Stuttgart keinerlei judenseindliche Anrempelungen, auch die Nationalsozialisten gingen nicht über das übliche Maß hinaus. Die Wühischlacht in Nürnberg Aufreizende Plakate der NSDAP. — Nitualmordhctze des „Stürmer" — Strafantrag wegen Beschimpfung der Religion — Der „Stürmer" beschlagnahmt Seit Jahren ist Nürnberg eine Hochburg des Nationalsozialismus, seit Jahren gebürdet sich der Nationalsozialismus hier, weniger als eine politische Partei denn als eine politische Nadaubewegung. In dieser Form wurde auch der. Kampf um die Landtagswahlen geführt. In der Woche vor der Wahl erschien an sämtlichen Anschlageplähen ein rotes Plakat mit der Ankündigung, daß Julius Streicher über das Thema: „Tie Juden sind unser Unglück" sprechen wird. Dieser Satz war groß und fett gedruckt und siel allein aus dem Plakatinhalt heraus. Ob dieser alle bisherigen Schmähungen noch überbietenden Herausforderung, die gerade vor den jüdischen Feiertagen zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß geben mußte, bemächtigte sich der jüdischen und vieler christlicher Kreise eine begreifliche große Erregung. Ter Vorstand des Centralvereins wurde sofort bei der P o l i z e i d i r e k t i o n Nürnberg-Fürth vostellig: diese aber glaubte aus rechtlichen Gründen ein Einschreiten gegen diesen groben Unfug und diese Bedrohung von Ruhe und Ordnung versagen zu muffen. Der Centralverein wandte sich daraufhin umgehend nochmals schriftlich an die Polizeidirektion und gab davon gleich zeitig deren übergeordneter Stelle, der K r e i s r e g i e - r u n g 3Ji i t i e l f r a n ken . Kenntnis. Deren Bescheid steht noch aus, während das Plakat schon nach einmaligem Putzen mit der hsrrl. erfrisch, schmeckenden „Chlorodont-Zohnpaste", schreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. u. 60 Pf. Versuch überzeugt.

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