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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-29 · 18 (29.4.1932) · p. Seite 176

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
18 (29.4.1932)
Date
1932-04-29
Page
Seite 176 (sequence 4)
Language
German
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17H SJamen.dieH/sr}- auf iiir&ußsres fögsn, DenTeint mit ¥M$hf- B öfc!X pffagen bis zunr Stöttfinben der Versammlung hängen bleiben konnte.' Ter Centralverein wird die Angelegenheit keineswegs auf sich beruhen lassen, um so weniger, als das Bayerische Loerste LandesgerichL gerade die Plakatierüng des Satzes: „Tie Juden sind unser Unglück!" als Störung der öffentlichen Ordnung und groben Unfug gekennzeichnet hat. Hier geht es um unsere Sicherheit und um unsere Ehre. Fast gleichzeitig erschien Nr. 16 des „Stürmer". Ter „Stürmer" hatte es sich nicht nehmen taffen, das abscheuliche Verbrechen in Paderborn als übelste Ritualmordhctze auszuschtachten. Gibt es aber eine schwerere Beschimpfung für die Religionsgemeinschaft als die Behauptung des RttuatmordeZ, also eines Mordes aus Gründen -des Ritus, des Religionsgebrauches, gibt es einen Anwurf, der die Gemüter einer" Religionsgemeinschaft mehr in Erregung versetzen mutz? Ter „Stürmer" har seinen Lesern das gleiche Märchen ausgetischt, wegen dessen Verbreitung sein verantwortlicher Leiter vom Schwurgericht Nürnberg 31t empfindlicher Gefängnisstrafe verurteilt worden ist: das ist ein Zeichen dafür, wie von dieser Seite das Gesetz beachtet wird. Selbstverständlich hat der Centralverein sofort Anzeige wegen Rcligiousvergehens erstattet und die Beschlagnahme beantragt. Bei der klaren Rechtslage wurde dem Bcschlagnahmeantrag von Staatsanwaltschaft und Gericht sofort entsprochen. Der lleberfall auf GWs Zugendbimdler in MenZEn Berufttttgsinstauz verschärft die Urteile K. G. Witzenharrserr, 20. April. Im Augüst vergangenen Jahres fand bei dem Städtchen Witzenhausen im Werratal — wie in der „C. B.-Zeittmg" gemeldet — ein Treffen eines jüdischen Wanderbundes statt, zu dem aus ganz Deutschland Besucher erschienen waren. Ein Teil dieser Jugend lagerte im nahegelegenen Wendershausen in einer Scheune. Eines Nachts gegen 24 Uhr trommelten schwere Steine gegen die Scheunentürelt, und als die aufgeschreckten Jungen herauskamen, wurden sie auf brutalste Weise verprügelt und zusammen gehn neu. Aut schlimmsten grng es einem christlichen Kraft- Wagenführer aus Köln, der Jugendliche nach Wendershausen gefahren hatte und vor der Scheune parkte; er'wurde so zugerichtet, daß er bis heute noch nicht seiner Arbeit nachgehen kann. „Ich kann nie mehr recht arbeiten...!", bekundete er als Zeuge, da neben anderen schweren Verletzungen auch sein Arm gebrochen wurde. Tie Angegriffenen, die sich tapfer wehrten, hatten acht Schwerverletzte-und vrc'le Leichtverwundete zu beklagen. Tie Täter waren Schüler der W r tz e n h ä u s e r K 0 l 0 n i a l s ch u l e, sämtlich Mitglieder der S.-A. In derselben Nacht konnten zwölf von ifjucn gestellt unb Mon der Polizei der Täterschaft überführt werden. Im Septenlber vergangenen Jahres wurden bereits sechs zu Gefängnis verurteilt, die anderen freigesprochen. Sowohl von den Verurteilten als von der Staatsanwaltschaft war Berufung eingelegt worden, über die die Große Strafka mmer Kassel am 10. und 20. Avril in Witzcnhausen verhandelte. Keiner der Angeklagten hatte den Mut, sich zu der Tat zu bekennen. Tas Beweismaterial war aber so erdrückend und die Ausreden waren so unwahrscheinlich, daß die Anklage aus Landfriedensbruch nicht im entferntesten erschüttert werden konnte. Erster Staatsanwalt Tw Ludwig hielt sämtliche Angeklagten für überführt und verlangte nicht nur Ausrechterhaltung der in erster Instanz festgesetzten 'Gefängnisstrafen der Verurteilten, sondern auch die Bestrafung der damals Freigesprocheneu. Ter Vertreter der Nebenkläger bedauerte besonders die Unehrlichkeit und Unwahrhaftrgkeit der jugendlichen Angeklagten. Er habe viel Verständnis für Zur Fachinger Versands teile, Berlin SW11 Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow: 8260,61 vaterländische Begeisterung, erkenne jeden ehrlichen Idealismus an, aber die Taten der Angeklagten seien durch nichts zu entschuldigen. Nicht in solcher Weise zeige sich die Liebe zum Vaterland; wenn er auch von der Gegenseite nicht Liebe verlangen könne, so müsse er Achtung vor den sittlichen Grundgesetzen, dem Recht an Leben und Eigentum fordern. Tie 'Nationalsozialisten wurden von Rechtsanwalt Freister (Kagel) verteidigt: Er fand kein Wort des Bedauerns über die rohe Tat. Ten ganzen lleberfall bezeichnete er lediglich als groben Unfug. Taß das Gericht für diese Auslegungen, die mit Plumpesten antisemitischen Anwürsen gewürzt waren, kein Verständnis hatte, bewies das Urteil, das über d:e Festsetzungen der ersten Instanz hinausging. Bier in erster Instanz Frcigcsprocherrc wurden zu Gefängnisstrafen von drei bis vier Monaten verurteilt. Für die sechs damals zu Gefängnisstrafen von vier bzw. zwei Monaten Verurteilten wurde das Strasmasz der ersten Instanz anfrechterhalterr. Drr Nahlmsnat im LanöLSVZehaNö tzmmsmr Außerordentliche Landesverbandskagung Tie Leitung des Landesverbandes H annoder hat sich durch die krisenhafte Zuspitzung der Lage und durch die dadurch notwendige außerordentliche Steigerung der Arbeiten im Landesverband veranlaßt gesehen, die Vertreter der Ortsgruppen zu einer außerordentlichen Tagung nach Hannover zu berufen. In der großen Zahl von über 100 Personen aus 38 Ortsgruppen sind die Freunde und Vertrauensleute des E. B. nach Hannover geeilt, trotzdem gerade^hier die sehr großen Entfernungen, die zum Teil viele v-Zug-Stundeu betragen, den Besuch einer Tagung kostspielig und beschwerlich machen. Ter Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt L i ch t e n b e r g. begrüßte die „zwischen den Wahlschlachten zu emitet Beratung Versammelten" mit einer eindrucksvollen Rede. Er wies darauf hin. daß die Krise weniger eine Wirtschaft»- denn eine Seelcnkrise iit, und bestimmte die Zielsetzung der E. V.- Arbeit, die heute notwendiger denn je ist, als einen „Kampf gegen mittelalterliche Ideale". Di r et t 0 r T r. L u d w i g H 0 l l ä über, der sich für die Tage zwischen den Dahlen dem Lander-verband zur Verfügung gestellt hatte, gab in einem zweistündigen Referat einen Umriß Kber die Gestaltung und die Erfordernisse der politischen Lage. Ter Vortrag orientierte sich an einer sehr großen Reihe von Ein.zelfällcn; er.sollte keine theoretische Anseinandersednng, sondern eine beispielhafte Klarlegung der Wege und Ziele der politischen Arbeit des \f. V. bringen.^ Tie aktuellen Maßnahmen des E. V., -Pressekampagne und Fühlungnahme mit den Parteien, wurden aussichrlich daraelegt. Von besonderer Wichtigkeit war der Schlußreil, der sich mit den Mglichleiten der Bekämpfung der in immer weiteren Kreisen des deutschen Judentums um sich greifenden wirtschaftlichen Not auseinandersetzte. Tr. Holländer gab eine große Reihe neuer Gesichtspunkts für dis Eingliederung . namentlich des Nachwuchses in den Arbeits- und Produktionsprozeß und stellte die Forderung nach grundsätzlicher Berussnmschichtung aus. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, die dem ausdrücklichen Wunsch des Vortragenden gemäß der Erörterung ebenfalls praktischer Fragen galt. In der -Nachmittagssitzung legte Tr. Mauritius K a h n der Versammlung ein grundsätzliches Rewrat über „Wesen, Ausbau und Arbeit . eines Syndikates" vor. Ter Vortragende bestimmte die Ausgaben des Syndikates als einer örtlichen Zentrale für die politische Führung der in dem betreffenden Landesteil wohnenden jüdischen Bevölkerung und wandte sich scharf gegen die Aussassung, daß ein Syndikat nur ein B e r w a l t u n g szentr u m bilde. Aus dieser Begriffsbestimmung sieht er das Hauptgebiet der Arbeit im Politischen, dem allerdings gleich- BIOX-ULTRA ist die schäu mends Sauerstoff-Zahnpaste, deren biologische Wirkung wissenschaftlich anerkannt Ist. o ■y k: rj fi- . j ■; n hi /- r r .-- —■i L.J ff & n n 0 )U:.~ j der guten Qessllscfjaft »IN « f zrp:^ r: ■ - i n Li ü ^—iiilisJÜüd Unterkunft auch für bescheidenste Ansprüche vjs: y ü ü O v\ n m i.y r \ \.\^:! m: l> j f i : J! - Herrlichste Jahres??!: in o«r schänsr. 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