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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-22 · 17 (22.4.1932) · p. Seite 165

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
17 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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D c' Z ** 0 er nJ \j v\) *i> >j -<y v^ Wr v>«> v •*> 4^ „Für den inneren Frieden, für ein freiheitliches Preußen, für ein glücklicheres Deutschland!" Unter diesem Motiv stand die Groß- Berliner Kundgebung des Centralvereins, die Sonntag mittag im Tauentzienpalast-Kino hei starkem Besuch einen glücklichen Verlauf nahm. Dr. Bruno Graserfeld, der Vorsitzende des Landesverbandes Groß-Berlin, wies einleitend aus die Bedeutung des 24. April als des Schicksalstages der freiheitlichen sozialen und demokratischen Republik hin und forderte die deutschen Juden auf, sich in die Front der freiheitlichen Parteien einzureihen. JnstiZraL Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des Centralvereins, sprach von der besonderen Notwendigkeit, als Juden für den inneren Frieden in Deutschland zu kämpfen. Wenn er von innerem Frieden spreche, so müsse er offen Sdh©ini© w©ä^© Z^äisi© nach einnrüÜLrnr Putz-rn mit bet herck. erfrisch. Bkenden , scnrerot uns em er. Tube L0 Pf. u. 80 Pf. Versuch üöerZeugt. erklären, daß er in dieser Zeit kein Verständnis für innerjüdischen Zwist habe. Alle Schreier in allen jüdischen Lagern Hütten jetzt zu schweigen. Wenn man uns einrede, daß Hitler einen Unterschied zwischen deutschen und ausländischen Juden machen wolle, so wipen wir genau, daß es in der Praxis anders aussieht. Jetzt gilt es in erster Linie die Nerven Zu behalten. Hitler lebt zum großen Teil davon, daß wir sein Kommen für unentrinnbar halten. Er braucht nicht zu kommen; der Nationalsozialismus wird wie em Schemen schwinden, wem: wirklich fest zugepackt wird. Wir deutschen Juden tragen die Not genau so und noch mehr als alle deutschen Brüder im o> . „t..-V. o». vam f^am *+•fr^.A/"*.** ^HlltUUUUt:. QU VC *r uuycmuuvit Wirtschaftsnot in Deutschland kommt für uns noch die Belastung mit dem Asemitismus und dem Antisemitismus. Wir find alle Proletarier geworden. Die erschreckende Parole unserer Zeit „3o geht es nicht weiter, es muß anders werden!", darf uns nicht einschüchtern. Besonders hart ist das Schicksal der jüdischen Jugend, die vielfach auch heute noch, um der Ideale willen, Berufe ergreift, die in der Zukunft fast brotlos 1 sein werden. Wenn Teile dieser Jugend das Heil in der Flucht in die radikalen Parteien suchen, so haben wir menschliches Verständnis dafür, aber wir rufen ihnen zu: Laßt euch nicht beirren in eurem Glauben_mt die Zukunst, ihr werdet ja noch die Ernte dopen erleben, was jetzt gesät wird. Es hängt, so schloß Justizrat Bwdnitz unter lebhaftestem Beifall, alles von unserem Willen ab. Wir wollen eine neue Zukunft, wir wollen ein glücklicheres Deutschland und in ihm ein blühendes Judentum. Als zweiter Redner richtete der Vorsitzende des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gc* meinten, Mitglied des Hauptvorstandes des Centralvereins, Kammergerichtörat Leo Wolsf, einen starken Llpyell an alle Anwesenden, sich in die politische Ausllärungsarbert noch bis zum Tage der Wahl hinein^ustellen. Jeder habe die Pflicht, im Kreise ferner christlichen Freunde und Bekannten Aufklärung über die herrschenden Vorurteile zu vcrbreiteu. Kammergerichtsrat Wolfs schilderte die politische Situation in Preußen, die Notwendigkeit, die staatserhaltenden Parteien gegenüber dem Radikalismus zu.stützen. Die Nationalsozialisten fordern in ihren Plakaten: Preußen muß wieder preußisch werden! Diese Forderung können nur übernehmen, aber wir denken dabei nicht an das Preuße;:, wie die Nationalsozialisten es wünschen, sondern an das freiheitliche Preußen Friedrichs des Großen, der jeden nach seiner Fasson selig werden lassen wollte, an das Preußen Steins und Hardenbergs und an das von 1843. Wenn die soziale Not ein Grund wäre, die Staatssorm zu ändern, wie es die Nationalsozialisten glauben, so hätten wir Juden die rnerre Ursache dazu. Tenn die Arbeit im Preußischen Landesverband und in der Berliner Jüdischen Gemeinde lehren, daß das Anwachsen der sozialen Lasten infolge der ungeheuren Verelendung für die deutschen Juden kaum noch tragbar ist. 'Aber wir haben zu viel Verantwortungsgefühl und es wäre auch ungerecht gegen die Männer der Revolution, die für unsere Freiheit und Gleichberechtigung mitgekämpft haben. Für die ^Erhaltung dieser Freiheit und Gleichheit müpen alle deutschen Juden am 24. April gegen den Radikalismus wählen! Unter ungeheurem Beifall betrat Polizei- * Vizepräsident Dr. Bernhard Weif; das Rednerpult. Unter dem glücklichen Leitstern „Für den inneren Frieden!", so führte er aus, steht unsere heutige Kundgebung. Wir deutschen Juden können wohl ohne Einschränkung bekennen, daß wir ausrichtigen Herzens den inneren Frieden erstreben, eine wahre Gemeinschaft aller Deutschen, die niemals in der deutschen Geschichte so wichtig war wie heute. Ob wir die deutsche Lage vom außen- oder innenpolitischen Gesichtspunkt. betrachten, immer werden wir erkennen, daß nur in unserer Einigkeit unsere Starre Üegr. Aber was nützt uns der Wille zum inneren Frieden,^ wenn es dem ,chösen Nachbarn nicht gefällt", ^rese bösen Nachbarn p.nd dre d>.echtsboe;2;ewljren und die Linksbolschewisten. Dr. Weiß schilderte dann aus seiner mehr als 14jährigen Tätigkeit bei der Berliner Polizei die immer sich wiederholenden und zunehmenden Vorstöße der Putschisten gegen die Republik. Die Geschichte der republikanischen preußischen Polizei sei gleichzeitig die Geschichte der staatsumstürzlerischen Bewegungen, angefangen bei den Spartakus- W.3 ■*'t >\nr> 4u*“rrfc*» Ö" s'v«» cvut.ji..4.u,..vui-i>iii.'-u*u.iu[.*i im vorigen Jahre und dem Verbot der S. A. und S. S. in der letzten Woche. Er charakterisierte die Landsknechtsnaturen der unverbesserlichen Putschisten, die sich immer wieder auf den nächsten Putsch freuen, wenn ein Putsch gescheitert ist. Die Putschisten von rechts und links sind sich in der Verneinung alles Bestehenden gleich, und der Polizei ist das dauernde Ueberwechseln ihrer Führer und Anhänger eine durchaus vertraute Erscheinung. Tie Nationalsozialisten predigen neben ihrem Haß gegen den Staat auch den Haß gegen die deutschen Juden. In Plakaten. Broschüren, Flugblättern, Zeitungen und Terrorakten aller Art versuchen sie täglich gegen die Staatsform anzurennen. Dabei fühlen sie im Grunde die Schwäche ihrer Position. Deshalb ist die Auslösung der nationalsozialistischen WehrorganisatiLnen so reibungslos vonstatten gegangen. Diese durchgreifende"Maßnahme hat den Nationalsozialisten bewiesen, daß sie nicht Subjekt unserer Gesetzgebung sind, iuie sie Zu sein es sich anniaßen möchten, sondern lediglich Objekt der Gesetzgebung sind. Dr. Weiß schilderte dann eingehend die judenfeindlichen Kampfmetboden der Nationalsozialisten und schloß mit oer Aufforderung: Jeder muß wählen, damit Preußen so preußisch bleibt, wie es seit dem 9. November 1918 gewesen ist: Hort der Demokratie und der Freiheit. Als letzter Redner sprach der Syndikus des Centralvereins Dr. Alfred Wiener. Er gab in kurzen Zügen einen Einblick in die vielfältige ernste und würdige Arbeit, die der C. V. unausgesetzt in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen durch Wort und Schrift leistet. Wenn der Nationalsozialismus, so führte der Redner aus, mit Hilfe jeines gewaltigen Agitationsapparates Haß ms Volk tragt, so werde der Urheber solcher Gesinnung dereinst unausbleiblich dem von ihm entfachten Feuer selbst zum Opftr fallen. Auf die Dauer werde sich aber der alte Spruch der Vater, daß die Welt aus drei Säulen ruhe, auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden, bewahrheiten. Trotz aller Bedrängnis muffe unsere Arbeit, unser Streben fortgesetzt werden, getragen von der starken Idee vom Judentum und von der heißen Liebe zum deutschen Vaterlande. In später Mittagsstunde schloß Dr. Bruno Glaferfeld die Kundgebung mit der eindringlichen Mahnung, am 24. April zur Wahlurne zu gehen und die Stimmen den Parteien zu geben, die den demokratischen Gedanken Hochhalten und für ein in Wahrheit freiheitliches Preußen eintreten. Die Versammlung sang stehend das Deutschlandlied. Gibt es elm ösMchr Iuösrrfrsgr Am 16. April sprach Dr. Friedrich Brod- . nih auf einem AufklärungMbend der C. D.- Orlsgruppe Landsberg (Warthe) vor einem stark interessierten nichtjüdischen Publikum über das Thema: Gibt es eine deutsche Judenfrage? Der Redner gingFwn einer Untersuchung der völkischen Rapenlehre aus, betonte die Verbundenheit der deutschen Juden mit ihrem deutschen Vaterland und wies eindringlich am die Leistungen der deuttcken Juden auf kulturellem unb politischem Gebiete hin. Im Anschluß an die mit starkem Beifall aufgenommenen Ausführungen des Redners fand eine äußerst rege Aussprache statt, die bewies, wieviel Unklarheit teilweise über die Stellung der deutschen Juden im deutschen Volke noch herrscht. In seinem Schlußwort ging Dr. B r o d - nitz auf die einzelnen Fragen der Diskussionsredner ein und gab hierzu ausführliche Antworten, deren Richtigkeit er in einzelnen Punkten mit statistischen: amtlichen Der Abend trug in erfreulichem Maße zur Beseitigung von Vorurteilen unter rrnserer .christlichen Umwelt bei. preffekonferenZ im Ceniralderem Am 20. eorr hatten sich die Vertreter der jüdischen Presse in Berlin zu einer politischen Aussprache in der Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins eingefnnden. Syndikus Dr. Alfred Wiener hieß die zahlreich Erschienenen willkounnen. Als Vertreter des Hauptvorstandes nahmen an der Konferenz die stellvertretenden Vorsitzenden des Centralvereins Ernst Wallach und Dr. Ludwig Tietz, außerdem Dr. Friedrich V r o d n i tz teil. Tr. Hans Re i chm an n gab einen knappen Ueberblick über die gegemvärtige politische Lage in Deutschland. Zur Beleuchtung der Stimmung im Laude verlas er Auszüge aus iutereffanten Berichten, namentlich aus dem Osten des Reiches. Er referierte über den Wahlkampf und die Agitationsmittel, wie sie insbesondere die NSDAP, anwendet. Seine mit großem Interesse aufgenommenen Ausführungen wurden von Dr. Alfred H i r s ch b e r g ergänzt. Insbesondere berichtete er von der Verbreitung und erfreulichen Wirkung der Monatsausgabe der „C. V.-Zeirung" und der von: Centralverein hergestellten Denkschrift über die Friedhofs- und Synagogenschändungen. Zahlreiche Anfragen von seiten der Konferenzteilnehmer wurden in mehr oder minder ausführlicher Weise von den Referenten beantwortet. Die Pressevertreter sprachen den Wunsch aus, daß diese Aussprachen nach Möglichkeit allmonatlich stattsinden sollen. . .th—

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