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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-22 · 17 (22.4.1932) · p. Seite 164

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
17 (22.4.1932)
Date
1932-04-22
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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Hamburg Fortsetzung von Serie 162 Ü^C10. \J\v <\ W # nur zu gut und weiß, daß eine zu laut propagierte Drosselung der Einfuhr gleichbedeutend mit einem Rückgang der Ausfuhrmöglichkeiten ist. Ter Hamburger Hasen muß vom Verkehr mit den überseeischen Ländern durchpulst sein, und Stillstand des Warenaustausches wäre der Ruin der Hamburger Wirtschaft. Den Nationalsozialisten wird in den Wahlkämpfen ein kräftiges Argument entgegengehalten: mit ihrer Unterstützung konnte im vergangenen Jahr ein wilder kommunistischer Hafenarberterstreik in Szene gesetzt werden, der Die Lebensader Hamburgs schwer gefährdete. Hier zeigte sich deutlich die Unfähigkeit der Rechtsopposition, die Besonderheit der Lage Hamburgs mit ihrem nur zerstörenden Agitationsbedürsnis in Einklang zu bringen. * Wenn nicht alle Anzeichen trügen, so dürste hier in Hamburg die nationalsozialistische Welle zum Stehen gekommen sein; das ist die Folge der unsachlichen und unfruchtbaren Tätigkeit der im Dezember gewühlten 43 nationalsozialistischen Bürgerschastsmitglieder. Wieder offenbart sich in Flugblättern, in Umzügen und Versammlungen die jndenfeindliche Haltung. Auch die Schulen bleiben hiervon nicht verschont. Ern Flugblatt der Ortsgruppe Hamburg des EcnIraLvcreruo, das in 250 OVO Haushaltungen verteilt worden ist, tritt der Hastpshchofe in würdiger Form entgegen uns hat starren Widerhall gesunden. Neuerdings haben die Nationalsozialisten für die Frauen eipe besondere Gefühlswalze aufgesetzt, denn trotz der stiefmütterlichen Behandlung, die sie den Frauen in allen Fragen der politischen Gleichberechtigung angedeihen lasten wollen, wollen sie auf die Stimmen der weiblichen Wählerschaft doch nicht verzichten. Bei den bürgerlichen Mittelparteien. zumal bei der Deutschen StaaLspartei, hofft man auf einen Stimmenzuwachs. Ob die bei der Reichspräsidentenwahl von kommunistischer Seite für Hitler abgegebenen Stimmen bei der Bürgerschaft-Wahl der RechLZopposition zugute kommen werden, mag dahingestellt sein. Für die Mitbestimmung der Geschicke Hamburgs sind sie so oder so gleich unnütz und hinderlich. ° Unsere Freunde in Hamburg misten, um was es geht: Es geht tun die Weltgeltung der großen durch tausend Fäden mit dem Ausland verknüpften alten Hansestadt, um die Offenhnlkung des Tores Deutschlands und um die Dokunrenlierung des gefunden Sinns ferner Bürger in der Ablehnung aller Wirtschaftlichen und politischen Experimente! W. N. Das Bürgertum ist etwas in Mißkredit geraten. Bei vielen von uns taucht bei dem Wort Bürger unweigerlich die Vorstellung von jenen George-Groszschen Zeichnungen auf, - die den Spießer wie den „Bourgeois" in gleicher Weise treffen sollen. In Wirklichkeit kann das Bürgertum eine Verallgemeinerung dieser Typen ebenso als falsch zurückweisen, wie die Arbeiterschaft es mit Recht und Entschiedenheit tut, wenn von der Reaktion die „Bonzen" als ihre Vertreter hingestellt werden. Das Bürgertum umfaßt — trotz allen Geredes von seinem Untergang — auch heute noch den größten Teil unseres Volkes. Bürgerliches Denken, bürgerliche Kultur sind vorherrschend. Dabei ist es absolut nicht notwendig, dieses Bürgertum in einen klastenmäßigen Gegensatz zur Arbeiterschaft zu stellen. Aber es würde bedeuten, wichtige, doch nun einmal taffächlich vorhandene soziale und kulturelle Differenzierungen und damit JnteresienverschiedenheiLen übersehen, wollte man die Existenz und Lebensberechtigung des Bürgertums bestreiten. Den wesentlichen Kern dieses Bürgertums ' bildet der schaffende Mittelstand. Da sind zuerst die wirtschaftlich selbständigen Existenzen kleinen und mittleren Umfanges, in denen Mann und Frau, oft genug auch die herangewachseuen -Kinder arbeiten und schaffen, um das eigene Unternehmen zu unterhalten, auszubauen und zu fördern, um den Ertrag so zu gestalten, daß eine Rente übrigbleibt für einen beschaulichen Lebensabend. Dann ist da die Angestelltenschaft und auch ein großer Teil der Spezialarbeiterschast, die in die Reihen dieses Mittelstandes gehören. Da ist der größte Teil der Beamtenschaft, der sich zu ihm zählt. Dieses rnittelständlerische Bürgertum aller Religionen als Kreise darstellen, die in Wohlleben oder gar Nichtstun und Sorglosigkeit ihren Tag verbringen, kann nur eine gewistenlose Agitation. In Wirklichkeit kämpft man gerade dort, wo vielfach keine Sozialversicherung einen Rückhalt gibt. Tag für Tag um die Existenz, um die Möglichkeit, seinen Kindern eine gute Ausbildung und Erziehung zu geben. Diesem Bürgertum kommt heute Politisch die größte Bedeutung zu. Das Zeigen die heftigen politischen Kämpfe, um deren Entscheidung jetzt seit Wochen und Monaten Wahlschlacht um Wahlschlacht geschlagen wird und die am kommenden Sonntag ihren Abschluß finden sollen. Nicht bei der Arbeiterschaft, von der wir hoffen, daß es ihr auf Grund - der starken Formation der Eisernen Front gelingen wird, auch im bevorstehenden Wahlkampf ihre Stellung zu halten, nicht beim Zentrum, dessen Turm bisher — wenn auch nicht allein aus eigener Kraft — dem nationalsozialistischen Ansturm standgehalteu hat, wird die letzte Enti© Ueira<d®B,w©iy©ro geSten ©SS® Peutsdhien Unser Kampf muB weifergehen! Stärkt unseren Kampffondsl - scheidung bei diesen Kämpfen liegen. Die Entscheidung wird im Bürgertum fallen. Ein großer Teil dieses Bürgertums hat, verbittert infolge wirtschaftlicher Notlage, politisch nur oberflächlich und keineswegs so durchgebildet wie die Arbeiterschaft, in zunehmendem Maße sich dem Nationalsozialismus zugewandt. Diejenigen Teile des Bürgertums, die mit Entschiedenheit eine freiheitliche und fortschrittliche Entwicklung verfechten, sind geschwächt worden. Ein großer Teil des Bürgertums hat den Glauben an die Möglichkeit, seine politischen Interessen selbst zu vertreten, verloren. Resignierend verharren Teile dieses Bürgertums in politischer Jnaktwität, während seine Mehrheit zu den Nationalsozialisten übergelaufen ist. Jetzt kommt es darauf an. ob es gelingt?das freiheitlich gesinnte Bürgertum politisch organisiert und damit Politisch aktiv zu erhalten und so die notwendige Bundesgenosienschoft hcranzuführen, die erforderlich ist, um die zukünftige Entwicklung Deutschlands als demokratische Republik zu sichern. Tie Arbeiterschaft ist sich wohl bewußt, daß sie für diesen Kampf einen starken freiheitlichen Stoßtrupp des Bürgertums als Bundesgenossen braucht. Rein zahlenmäßig und parteipolitischbetrachtet erscheint nun im gegenwärtigen Moment die freiheitliche Bewegung des Bürgertums schwach. Tie politische Geschichte der letzten Jahre hat aber bewiesen, daß sein tatsächlicher Einfluß doch ein außerordentlich großer ist. Tie Einsicht von der Notwendigkeit einer bürgerlicher! Mitte neben einer starken Sozialdemokratischen Partei muß in diesem deutschen Bürgertum wieder starke Resonnanz finden, wenn nicht Preußen und damit Deutschland unter der Hochflut des Nationalsozialismus verschwinden sott. Lei hem freiheitlichen Bürgertum liegt die Entscheidung. In letzter Stunde muß es sich feiner Bedeutung kewußl werden. Bei den radikalen Parteien gibt es nie eine Dahlmüdigkeil, — auch das freiheitliche Bürgertum muß am 24. April wach fein! Der politische Terror Eine lehrreiche Ausstellung politischer Kampfesweisen Die Deutsche Liga für Menschenrechte veranstaltet aus Anlaß der preußischen Landtagswahlen eine Ausstellung: ,^r Politische Terror". in der Bilder und Plakatmaterial die Entwicklung des politischen Mordes und des Terrors in der Nachkriegszeit dem Besucher anschaulich machen. Die Ausstellung, die sich im Pschorrhaus am Potsdamer Platz in Berlin befindet, wurde am Dienstag nachmittag in Amvcsenheit zahlreicher Persönlichkeiten und Pressevertreter eröffnet. Ter Eentralverein hat aus seinem reichen Material vieles zu der Ausstellung beigesteuert, so große Tafeln mit Abbildungen der verschiedenen und wohl schlimmsten Schändungen jüdischer Friedhöfe und Synagogen. Aus dem vielseitigen sonstigen Material seien noch Drohbriefe, die namhafte Männer, wie Minister Severing. erhalten haben, erwähnt. Außerdem finden wir die BiRrer der Persönlichkeiten, die ein Opfer des politischen Mordes wurden wie Walther Rathencm. Tie Ausstellung gibt alles in allem genommen einen Anschauungsunterricht, wie Deutschland ausschen würde, wenn dieser Geist Allgemeingut werden würde. Und darum kommt diese Ausstellung, deren Besuch nur dringend empfohlen werden kann, gerade zur rechten Zeit. M. R.

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