Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- Seite 139 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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139 E f.^5* i>'s ,57 v/' .. /;i' J,^ H v» '■ ( I ' / ■> <'f"j *. '•Jf y * SRoeckl-ZKandschuhe Tie Tatsache, daß ein Verlag, der -ach ans den verschiedensten Gebieten. betätige, sein hundertjähriges Bestehen feiern kann, rechtfertigt ein Wort über die .Entwicklung des Unternehmens in seinen verschiedenen Zweigen. Tie Firma I. Kauf f tu a n n Verl a g in F r a n t f u r t q. M. blickte in diesen Tagen auf ein hundertjähriges Bestehen zurück. Im März 1832 kam der aus Buchsweiter (im Elsaß) stammende Jsaac Kaufsmann nach Frankfurt a. M. Er hatte ursprünglich die Absicht, rabhinische Studien, die er schon früher begonnen hatte, in Frankfurt fortzusehen, und zwar bei dem schon in jener Zeit als Thoragröße loeit über Frankfurts Grenzen hinaus bekannten und anerkannten 3t a b b i S a l o - mon Trier. Nebenher wollte sich Jsaac Kausfmann seinen Unterhalt verdienen durch den Verkauf antiquarischer hebräischer Bücher, die er zum Teil aus seiner elsässischen Heimat mitgebracht hatte. Was ursprünglich Nebenerwerb sein sollte, wurde allmählich Hauptberuf, und so begründete Jsaac Kauffmann am sogenannten „Judenbrückchen" eine kleine Antiquariatsbuchhandlung. Er hatte schwer zu ringen, um sich aus dem Erträgnis seines kleinen Buchladens eine Existenz zu schassen, aber tapfer und unverzagt baute er Steiuchen auf Steinchen, und so wuchs, nicht zuletzt dank der tiefen Kenntnisse des biblischen und talmudischen Schrifttums, über die er verfügte, das kleine Buchhandelsuuternehmen schneller, als der Begründer es selbst gedacht hatte. Ter Raum am „Judenbrückchen" war bald zu klein, so daß eine Verlegung in größere Räume notwendig wtirde. Diese fanden sich im Hause Bornheimer ^straße 13, der späteren Börnestraße. Neben dem Antiquariat, das Jsaac Kaufsmann mit besonderer Vorliebe pflegte und ausbante, begründete er einen Verlag, und erster Autor dieses Verlages war er selbst, indem er im Jahre 1850 das „Zeker hajaschar“ von Raben utam, das „Buch vom rechten Lebenswandel", in jüdisch-deutscher ttebersetzuug herausbrachte. Besondere Bedeutung erhielt das junge Verlagsunternehmen, als der nach Frankfurt _6. M. an die- Israelitische Rcligionsgesellschaft berufene Rabbiner Samson Raphael Hirsch, noch heute anerkannt als der bedeutendste Vertreter des separatistischen Judentums, seinen Pentateuch-Kommentar (seitdem 'in einer -Reihe von Neuauflagen erschienen), seine Uebersetzung des Geberbuches, seinen Psalmon-Kommentar, sein für das jüdisch-kou strvative P slichtleben gruudl:gcndes Buch „6Horeb, Versuche über Israels Pflichten" u. a. m. dem Verlage übergab. Seinen wertvollsten Mitarbeiter fand Jsaac Kaussmaun in seinen.'. Sohn. Ignatz Kauffmann (geboren 5. Juni 1849), der - in das Geschäft eintrat, nachdem er seine buchhändlerische Lehre in deui Voelckerschen Buchhandels'anternehmen am Römerberg bestanden hatte. 1877 wurde Ignatz Kauffmann Teilhaber und nach bcm Ableben seiner Mutter im Jahre 1894 Alleininhaber. Ignatz Kauffmann, ein Mann von besonderer Intelligenz, von schöpferischem, kaufmännischem Weitblick, von uncrmüdlichetn Unternehmungsgeist und ausbauender Gedankenkraft, verstand es, unterstützt von besonderer Liebenswürdigkeit in seinem Auftreten, den Verlag zu dem Ansehen hinaufzuführen, das er noch jetzt innerhalb des deutschen Buchhandels und weit über ihn hinaus genießt. Grundlegende Werke zur jüdischliturgischen und Neligionsphilosophie von Leopold Z u n z, M o r i tz Lazarus, nahezu das gesamte literarische Schassen des Bll c i ft e r 5 i b liogravhen M o r i tz 5 t e i n s ch n e i d « r wußte er in seinem Verlage zu vereinigen. Im Jahre 1900 erwarb Ignatz Kauffmann die burd) ihre mustergültige Altsgabe »verkünd festtäglicher Gebekliteratur damals schon weltberührnte Vuchdruclerei RA. Lehrberger 6 E o., die Nachfolgerin der Wolf Heidenheimschen Offizin. Kein geringes Unternehmen war es damals, das alte Heidenheimsche Fe ü tagsgebetb'uch (Machsor) in seiner neunbändigen Ausgabe mit einer neuen Uebersetzung des Hamburger Rabbiners Bamberger herattszttbringen. Im Jahre 1909 zog sich Ignatz Kauffmann ins Privatleben zurück mtd übertrug die Führung feiner Unternehmungen seinem drirch orientalische und philosophische Studien gut vorgebildeten Sohn Tr. F elix K a n s f - mann, der noch heute der Alleininhaber der gesamten Betriebe ist. Leine Hauptaufgabe erblickte Tr. Felix Kauffmann darin, den Verlag getreu bcn Traditionen der beiden Generationen, die ihn vor ihm ausgebaut hatten, fortzuführen und dem Unternehmen die Neutralität zu erhalten, die schon bis dahin seine Stärke war. So erschienen seitdem im Verlag der Firma I. Kauffmann neben den religionsphilosovhischen und zeitgeschichtlichen Arbeiten von. Jsaac Breuer, üctmanu Cohen, neben Franz Rosenzweigs grundlegendem Buch „Ter Ltern der Erlösung", Rabbiner S a l o m o n Breuers nachgelassene Lchristerklärungcn, der Jcsaia - Kommentar von Julius Hirsch, Lch! e s i n g e r s „Geschichte des Zionismus", Cäsar Seligmanns, des Führers des liberalen Judentums, „Geschichte der jüdischen Reformbewegung", T i e n e m a n n § „Judentum und Ehristentum". Im letzten Jahrzehnt erschien das bis weit in christliä>theo!ogische Kreise hinein als wertvoll und wegweisend anerkannte Buch des Berliners Rabbiners Tr. Leo Baeck „Tas Wesen des Judentums", das mit seinen bereits vorliegenden sechs "Auslagen wohl das verbreitetste Buch aus jüdisch-tvissenschasilichem Gebiet sein dürste. Von dem bekannten Greisswalder Protestantischen Theologen und Valäsnnasorscher Gustav D a l in a n erschiene!^ im Kanffmannsäoen Verlag das Wörterbuch zu Talmud und Mischnah, dann die große Konkordanz zur Mischnah von Kassowsth. Auch in der jüdischen Schnlbuchliteratnr rückte der Verlcxg au erste stelle. Es gelang ihm, führende Schulmänner, »nie M. Abraham, I. B. L e v tz , E i n st ä d t e r, F u ch s , Härter und andere mehr, für die Bearbeitung Von Fibeln, Ilebersetznngs- und Geschichtsbüchern zu gewinnen. Im gleichen Zeitraum erschien Elbogens grundlegendes Werk „Ter jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung" schon in dritter Auflage. Die neuzeitliche jüdische Kunst ist im Kausfmannschen Verlage vertreten durch den Müntf/cnor Maler Stanislaus Bender, das jüdische kantorale Schaffen in Sulz er, Lewa n d o w s k i, B a e r , I a p h e t usw. 27 eigene Filialen in allen grösseren Stadien des Reiches In der Nachkriegswü wcirdc von der J'raelitischen Gemeinde Franküm a. Bl. das in ibrcm Auftrag von dem Meister »sranffnrter Gr'ä'ich:^-- ' schreibung I. Kracaner bearbcillre zweibändige Werk über die ..Geschichte der Franl'nrrcr Juden" dem Verlag üöergeöcn. Um das Bild zu runden, 'ei auf das umwngreiche Schaffen des Vcrla'.ws aiff >cm Gcoi.i der Jugendliteratur verwie'.n. Hier baden die Besten der Gegenwart, wie Gut. tTalUuei, B r o d , Äut tue r, E i n st adle r. ^p e tz e r u. v. a.. zuletzt die G r o ß l o a e von 7 t! ch - laut), die von ihr b.ran-aeaebene Sammlung „Jüdische Jugendbüch er. G dem I. Kaufmann Verlag anvertrant. _ 1912 wurde die Bnchdrnckerci Lebrberger Sc Co. erworben, und dadurch kamen die re.brbergcrichen Firmen, die einst Famüienzwi'ücreir zur Teilung gebracht batte, wieder in eine Hand, und der gesamte Betrieb wurde nunnwhr irr die neuen Räume im Gcoäude des „Frank'urwr General-Anzeigers"' nach Frankiurr a. verlegt, wo er nch noch henke bchindet. In di.Tn Zwei Jahrzehnten erlebte u. er. das weiwekannte Rvd.lhcimcr Gebetbuch seine I.H. Auslage. Dem Antiauariat widmete^ ar^^Fcüx Kauffmann sein besonderes Jntere^e. Tie bekannten Judaica-Biüliorheken G roß - Augsburg v o ch - fe! d (Berlin) und Borges -.Leirzig) kamen durch ihn zum Verkauf, und es lebt noch in allgemeiner Erinnerung die T-affach-e, daß gs seinem Spürsinn gelang, das letzte in freiem Besitz besindliche Vergamenteremplar der berüb.w.ten Gntenberg-Bibel ausfindig zu machen, und den Weiterverkauf zu vermitteln. Ter für ne erzielte Breis von 1*290 000 Mark stellt den höchsten Betrag dar. der je iür ein Buch gezahlt wurde. Tas Eremvkar befindet sich jetzt in der Library of Congress in Washington. Ter Rückblick auf Entwicklung und Leistung der I. Kauffnmn.n'chen Unternehmungen im Zeitraum eines Jahrhunderts darf schließen mit der Feststellung, daß der Verlag den Ruhm für sich in Anspruch nehmen kann, das größte und' bedeutendste iüdisch-beöräische Verlagsunternehmen nicht nur in Deutschland, sondern eines der bedeuLendsten der ganzen Welt zu feilt. —g BrWMst mÄ ZMMsA Tie Berliner Jüdische R es o r m gemeinde veranstaltete kürzlich einen Gemeindeabend, dessen Zweck, wie der Vorsitzende Paul P i n c n s ausführte, eL war, dem zahlreichen schulentlapeneu Jugendlichen gegenüber von allen Seiten erlöüeüden Wacmiugsrustn Aufftiegsu-ck-gUchkeiten zu zeigen und die ernste ^orge der Elstern um die Berufszukunft ihrer Kinder zu mindern. Ter Seniorchef der Warenhäuser Hermann Tietz. Georg Tietz, Krach über die Aussichten in kausmännischeu Vertne::. Tas Problem der Verufs'.vahl sei nicht in erster stiuie eine Angelegenheit der jüdischen Fchligionsgemeinichvx. sondern eine dringende nationale Frage für die deutschen Juden. Für die jungen Inden wi allerdings die Wahl eines aussichtsreichen Berufes heute doppelt schwer, da sehr viele Arbeit- DER TT.A ILIVll IJ D FÜR JEDERMANN Wlgemelnverftändli'che Auswahl in deutscher Lleberiragung von Fromer. — Ein begeisterter Freund unserer Talmud-Atisgabc^ hat einen Fonds gestiftet, durch den cs möglich ist, das vielfarbig gedruckte, großangelegie, herrliche Monumenialwer? in reichvergoldctem Ganzleinenband bis aus wciicres statt 36 Mark j** ’flih franko zu liefern (auch in zwei Monatsraten L 6,26 Mark). — Benutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, für. (H Sie muffen den Talmud kennen,* er gehört neben der Bibel in jedes jüdische Haus. Bestellungen nur an Sömund Meyer, Buchhandlung. Berlin W50, Äamberger Straße 61, p-Meck aiso?, gegen Der-knsendung ober Trachnehme.