Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 15 (8.4.1932)
- Date
- 1932-04-08
- Page
- Seite 138 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Reise nach Bayern Direktor Dr. Ludwig H o l l ä n d e r hat in den letzten Wochen Bamberg, Nürnberg, Regensburg. München, Augsburg und Koburg besucht und neben Vorträgen über die Gegebenheiten der -Zeit mit unseren Freunden eingehend Not und Forderung der Stunde besprochen. Tie politische Temperatur ist in Südbayern viel weniger erhitzt als in Norddeutschland. Nicht nur, daß die Menscher', dort durch die Erlebnisse früherer Tage vernünftig geworden find, nicht nur, daß der Pendel der Zeit viel geringeren Ausschlägen ausgesetzt ist als in Norddeutschland; die Hauptsache bleibt der starke Wille der bayerischen Regierung, sich unter keinen Umstanden dem rücksichtslosen .Diktat und der fanatischen Methode zu fügen, welche die Nationalsozialisten mit immer größerem Terror in Norddeutschland einzuführen versuchen. Gewiß sind die wirtschaftlichen Verhältnisse auch in Bayern sehr schwer. Gewiß kann man auch dort von einer täglich um sich greifenden Lebensangst vieler Kreise der deutschen Juden sprechen. Aber im großen sieht man deutlich, daß Bayern, namentlich das südliche Bayern, unter einem glücklicheren Stern steht als weite Teile des durch die politischen und ökonomischen Bedingungen so arg zerzausten Norddeutschland. Don diesem glücklicheren politischen Bild macht Koburg eine traurige Ausnahme. Es ist bezeichnend, daß der frühere Herzog von Koburg und Gotha, der große Summen aus der Pacht des ihm gehörigen und von Juden stark besuchten Schloßhotels in Oberhof bezieht, einen Aufruf für Hitler unterschrieben hat. Tabei ist Koburg nach der inneren Gesinnung seiner Bürger keineswegs so stark nationalsozialistisch, wie immer behauptet wird. Mer immerhin geht ^der Terror in dieser Stadt so weit, daß selbst eine Kundgebung des Hindenburg- Ausschusses für die Wahl des , Reichs präsidentenmehrals schlecht -besucht war, obwohl die Ergebnisse der .Wahl schließlich durchaus nicht so schlecht waren, wie es der äußere Anschein an sich vermuten ließ. . Soeben erschien die j Zweimonatsschrift;DERMORGEN * Begründer: Julius Goldstein. * ' Jahrgang 8 Heft 1 I Aua dem In Kalt: Hans Bach: „Was .; kommt danach?*4 — Heinrich F r i c k : Wider die Aechtung des Liberalismus (Nachwort zu - Hans Bach). — Michael Müller-Clau- dius: Psychologie des Hassens. — Alfred i Marcus: Die Berufswahl der Jugend.^ —; I. Heine mann: Die griechische Weltanschauungslehre bei Juden und Römern IV. — > ’ Ludwig Rosenthal: Jüdisches Mittelalter i ' in Frankreich und Deutschland. — Arno * N a d e i : Aus dem „Hebräischen Diwan." — . Wilhelm Michel: „Das Reich." — Eva , Reichmann-Jungmann: „Der Untergang .des Judentums." — Mauritius Kahn: Bestand und Untergang der deutschen Juden. l Antwort an Constantin Brunner. > Abonnementspreis 12 Mark jährlich. i PMIo-Verlag M ÜM G. in. b, XL Tel. 12 OHfa 5074 BSrllO W15 Etnser Strasse 42. Glücklicherweise ist überall festzustellen, daß der Lpuk der Hitler-Bewegung verblaßt; daß die Einsichtigen den Bolksbctrug durchschauen und immer mehr als solchen enthüllen. Aber dieser Erfolg tritt nur ein, wo in wirksamer und eindrucksvoller Weise immer und immer, wieder gegen den Nationalsozialismus gearbeitet wird. Wo das nicht geschieht, wo man der nationalsozialistischen Agitation freien Lauf läßt, ohne ihr irgendwie zu begegnen, vermehrt sie sich.ungezügelt. Hier steht eine Forderung vor uns auf, der wir uns nicht entziehen dürfen, und deren nachdrücklicher Erfüllung die Reise unseres Direktors wiederum gedient hat. Ausssrordenfikhe Deleglsrten&aguns des Ler.dasverbsndas Rheinland «Westfalen Am 3. April fand in Essen eine außerordentliche Telegiertentagung statt, die schon durch ihren ungewöhnlich starken Besuch das kräftig Pulsierende Leben des Landesverbandes bezeugte. ‘ Der Vorsitzende, Dr. K r o mbach (Essen), begrüßte die Erschienenen und forderte in schwungvollen Worten angeuchts der bevorstehenden schweren Politischen Entscheidungen zu erhöhter Aktivität auf. Nsdann gedachte er in ehrenden Worten des am 31. März aus der amtlichen Tätigkeit im Landesverband ausgeschiedenen Herrn Paul Waldstein, der in zehn schwierigen Jahren die Syndikatsgeschäfte mit Sachkunde und Hingabe geführt hatte. Ter Landesverband wird sich den bewährten Rat des verdienstvollen Mitarbeiters durch Zuwahl in den Vorstand erhalten. Für den in letzter Minute verhinderten Tr. Wiener sprach der ftctLücrtretenbc Syndikus Tr. Hans Reich m a it n (Berlin) über das Thema „Wo stehen wir?" Der unleugbare Erfolg der verfassungstreuen Mehrheit des deutschen Volkes — so führte er aus —. dürfe uns nicht zu übertriebenem Sicherheitsgefühl führen. Unerhörte Geldmittel scheinen den rechtsradikalen Gruppen zur Verfügung zn stehen, die den Kampf um die Reichspräsidenten-' wähl als Vorbereitung der Länderwahlen führen. Die Spanne zwischen Hindenb u r g s und Hitlers S t i m nt c n dürfe s ich keinesfalls verringern. Hindenbürg müsse noch mehr Stimmen als im ersten Wahlgang erhalten. Der letzte Wähler im Kampfe ' um unsere Gleichberechtigung muß mobilisiert werden. Ter Redner gab ein anschauliches Bild über die vom G V. in den letzten Monaten unternommenen Maßnahmen. Er führte eine Fülle von Beispielen aus dir täglichen Praxis der Aufklärungsarbeit und des Abwehrkampses an, so daß die Ztlhörer von neuem den Eindruck gewannen, daß der G. B. als die berufene Notgemeinschaft der jüdischen Deutschen auf denr Posten ick, um mit allen gesetzlichen und moralischer! Mitteln die deru Judentum drohenden Entrechiungsgefahren wirksam zu bekämpfen. Tr. Plaut (Esten) gab einen Rechenschaftsbericht über die in den Wintermonaten geleistete Arbeit des Landesverbandes. Nahezu au jedem Wochentag hat eine Veranstaltung des C. D. stattgefunden. Bon geringen Ausnahmen abgesehen fanden die vom Landesverband beschickten Versanunlungen in überfüllten Raumen statt. Andrang und Aussprache bewiesen stets aufs neue das lebendige Interesse an den Arbeiten und Aufgaben des Vereins. Durch viele tausend aus Esten ergangene Rundschreiben wurde die-enge Fühlungnahme mit der Mitgliedschaft ausrechtechalten. 'Der Referent gab aus der Fülle der täglichen Arbeit Ausschnitte von besonders interestanten Fällen. Dem Bericht über Erstrebtes und Erreichtes schloß sich der Appell um geistige und materielle Mitarbeit au den bevorstehenden Ausgaben an. An die Vorträge schloß sich eine Aussprache von außerordentlich hohem geistigen 'Stand. Erfreuliche Einmütigkeit der Vertreter aller Ortsgruppen bewies den Willen, den seelischen Austrieb der Tagung nicht wieder verklingen zu lassen, sondern in der Arbeit in den Ortsgruppen die ideellen und materiellen Grundlagen zu verbreitern und vertiefen. Mit Worten des Dankes konnte der Vorsitzende die wagung schließen, die erfüllt war von dem Wissen um das Notwendige und getragen von dem Willen zu tätiger Mitarbeit. Der Syndikus des Landesverbandes Nheinland- Wesitalen, Paul Wald st ein, schied am 1. April d. I. in freundschaftlichem Einvernehmen aus den Diensten des Central-Dereins. Wir danken Herrn Waldstein auch an dieser Stelle hcrllich für die Hingabe und Lpfcrbcreitschaft, die er nlls für den Ccnteal-Verein ansgewendet hak. Wir ehren in ihm einen Mann untadeliger und vornehmer Gesinnung und freuen uns, mit ihm weiter in naher Verbindung zu bleiben. Dalsgleilenisgimg des lartäes¥erbandes Osipreussen Aus mehr als zwanzig ostpreußischen Ortsgruppen trafen sich die Delegierten ent Sonntag, 3. April, zu einer Landesverbandstagung in Königsberg, die vom .Landesverbandsvorsihenden, Sanitätsrat Tr. Pollnow, geleitet wurde. Bemerkenswert war die Teilnahme sehr vieler Jugendlicher; als ihr Vertreter hielt das Vorstandsmitglied der Königsberger Ortsgruppe, Günther G r o w a l d, ein beifällig aufgenommenes Referat über „Ter E. V. und die Jugend". . Nacheinander gaben die Vertreter der Ortsgruppen ein Bild von der politischen Lage in ihrem Wirkungskreis, das den leoendigen Eindruck Unterließ: Ostpreußen ist heute der politische Wetterlvinkel, dem das besondere Jntereste des Eentralvereins gelten muß. Der stellvertretende Syndikus des C. D., Arthur Schweriner (Berlin), gab einen anschaulichen Bericht über die politische Lage und über die Arbeit der Zentrale, die jetzt naturgemäß. ihre Hauptaufmerksamkeit auf den 10. und 24. April richte. Das Wahlergebnis vom 13. März habe gezeigt, wieviel in Ostpreußen noch zu tun sei. Mit besonderer Aufmerksamkeit folgten die Delegierten den vertraulichen Mitteilungen des Redners. Tie Ausführungen Schweriners wurden durch einen übersichtlichen Tätigkeitsbericht des Landesverbandssyudikus Kurt ^abatzky ergänzt, der die vertrauensvolle'Zusammenarbeit des Landesverbandes mit der Zentrale und den Ortsgruppensührern unterstrich und neue Wege für die künftlge Arbeit im gefährdeten deutschen Osten wies. An der lebhaften Aussprache über die Referate beteiligten sich unter anderen Geheimrat Profestor Falkenheim, Hauptvorstandsmitglied des C. D. Nach mehr als fünfstündiger Tuner schloß der Vorsitzende die eindrucksvoll verlaufene Tagung. , * f Als Auftakt zur Landesverbandstagung fand am Sonnabendabend eine von denr Hauptvorstandsmitglicd des C. B., Rechtsanwalt Tr. G rum ach geleitete Mitgliederversammlung statt, bei der Syndikus Schweriner '(Berlin) ein eineinhalbstündiges, mit reichem Beifall ausgenouunenes Referat hielt.