Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 14 (1.4.1932)
- Date
- 1932-04-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277939-2277953--07264-2288152- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
/&*. fsf 7 KARLSRUHER LEBEHSVERSiCHERü!-3&3E£>Hi fi.-G. Ursprung 1835 SPflR-UHD LEBEHSVEHSICHERÜMG H1TM0H2TSBEIIRMGEH $ Mitarbeiter .gesucht aber laßt sich weder ändern noch verschwciacn und stürzt daher die von einer .auf ihr begründeten Anfeindung betroffenen Jugendlichen in eine verzweifelte Lage, aus der cs'sttzlcchterdings kein Entrinnen gibt. In einer Polemik gegen mich behauptete neulich die -bekannte rechtsstehende Zeitung „Der 'Reichs böte", offenbar seien die indischen Schüler viel empfindsamer und leichter verletzlich als ihre nichrjüdischen Kameraden, denn von seelischer Mißhandlung aus politischem Gründen sei bei diesen letzteren doch viel seltener die Rede. Das ist nun in der Tat ein wunderlicher Einwand, der die einfache Tatsache übersieht, daß die Juden — von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen — doch eben in einer verschwindenden. Minorität zn sein pstegen und daher allen Angriffen und Anfeindungen ungleich stärker ausgesetzt sind. Man kann tatsächlich die Lage vieler jüdischer Kinder gar nicht schwarz genug malen; sie.ist zum großen Teil einfach furchtbar, und wenn sie nicht öfter zu eklatanten Katastrophen führt, so beweist das im Gegensatz zu der vom „Reichsbotcn" ausgesprochen: Mernung nur, daß die seelische Widerstandskraft gerade hier verhältnismäßigfg r 0 ß fern nun;. Was ist nun dagegen 31t tun? Ich st he drei Wege, von denen jeder für sich allein nicht ansreiast, sondern die alle drei gleichzeitig beschrittcn werden müssen. Ter erste Weg ist der der r ü ckfichtslosen strenge in allen Fällen, in denen sich ausgesprochene antisemitische Rüpelei, Rohheit und Vergewaltigung bemerkbar macht. Natürlich weiß ich, daß strenge strafen nur ein sehr fragwürdiges pädagogisches Mittel und: aber bei der Zugespitztheit der ganzen Lage kommt man ohne sie nicht ans. freilich sind sie nur dann wirksam, wenn sie jedesmal und rechtzeitig einsetzen, was wieder zur Voraussetzung hat, baß die verantwortlichen Lehrer und Tirettoren unverzüglich und schonungslos von jedem vorkommenden Fall in Kenntnis gefetzt werden. Taran mangelt es leider noch lehr häufig: es gibt viele jüdische Eltern, die ans begreiflicher oder a n d) unbegreiflicher 3 d) c u viel 3 u lange w arten, ehe sie de n K l a s se n - Lehrer oder Direktor ihrer Kinder über Sie wirkliche Situation auf« kläre u. Hier kann n u x i m m er w i ed e r d i e B i L t e ausgesprochen w erde n , d i e s e S ch e u e n d l i d) e t n ut a l 5 11 überwinden und m itOfsenheit n n d Vertrauen der Sck)ule gegenüber« z u t r e t e n : uutncf-c notwendige Strafe ist nur deswegen uichr erfolgt, weil die Lehrer von der ganzen Sache ^nichts wußten und auch tatsächlich nichts Witzen konnten. So entstehen dann Vorwürfe gegen die Schule, die berechtigt erscheinen, aber es im Grunde doch nicht und, weil sie eigentlich auf die betreffenden Eltern selbst zu rück fallen. Aber natürlich ist mit solchen Bestrafungen selbst nur wenig ausgerichtet, ja manchmal können sie sogar das Gegenteil des gewünschten Erfolges erzielen. Notwendig ist darum zweitens. daß der g e f a m t e Unterricht der Schule zwar v 2 u parteipolitis cher A g i t a r i 0 n s r e i g e h a l t e n wird, wohl aber die Politik immer mehr als ein ganz w i di t i g e r. Ge u ft and seiner A r b e i t erkannt wird. Wenn es die Aufgabe der Schule ist, vor allem dnrd) das Mittel des Unterrichts zu erziehen und auf das Leben vorzubereiten. so kann er an solchen tragen, wie der des Antisemitismus, die Kops und Herz unzähliger Jugendlidjer erfüllen, nicht vorübergehen. Geioiß handelt es sich hier um ein heißes Enen, aber dieses Eisen anzmasten ist Aufgabe ^nnb Pflid)t des Lehrers, der er sid) nicht ent- ' ziehen darf. Vor allem der Unterricht in Religion, Tentsetz, Geichiäne und Erdkunde wird jede sich bietende Gelegenheit benutzen müssen, inn den hier vorliegenden Problemen gründlich zu Leibe zu gehen. Nicht in der Form von Mahuredei: oder Predigten, sondern in der Form, die dem Umerricht allein gemäß ist. das heißt in der F 0 r m f a d) sicher, lt ü dj - t e r u c r , alle Kräfte des jung e n M e n s dj e 11 i n A11 s r* r u d) 11 e h m enbex Denk a r b e i t. In diesem sinne darf es nicht heißen: „Politik gehört.nicht tu die Sd)nleF sondern gerade umgekehrt: „D i e P o l i t i k i n d i e S ch u l e!" Soll aber solcher Unterricht seine ganze Wirksamkeit entfalten, so ist noch etwas Trittes nötig. Alle Fragen des Tageskampfes und der Tagespolitik lasten tzch nur dann wirklich sachlici) und wirklich fördernd und befreiend behandeln, loenn ne betrachtet werden von einem Standpunkt, der über all diesen Tagesereignissen liegt. Und daran mangelt es freilich and) in der heutigen Schule noch lehr ost. Ilm es noch einmal zu sagen: Ten häufig zu hörenden Vorwurf, daß die Lehrer selber sich direkt an der Verhetzung und Aufreizung ihrer Schüler beteiligten, halte id) in den meisten Fällen für unberechtigt: aber dem heute st allgemein herrschenden Relativismus ist natürlich and) die Lehrerfehaft weithin zum Spier gefallen. Ätzt bloßen Relativismen aber vermag man Krankheiten wie die der politischen Verhetzung im allgemeinen und des Antisemitismus im besonderen nicht zu heilen. Es gilt and) hier das Wort des alten griechischen Weisen: „Gib mir einen festen Standpunkt außerhalb der Erde, dann werde ich die Welt aus den Angeln heben." Plan muß über einer suche stehen, wenn mau die Sache selbst richtig beurteilen will. Wer die Ansichten einer politischen Partei oder die Glaubenssätze der Rasseutheorctiler für absolute Normen hält, der wird and) beim besten Willen niemals in der Lage sein, seine Schüler ans dem Zank und Streit der gegenwärtigen Lage herauszuführen.-Wo mm dieser überlegene Standpunkt zu suchen ist, das kann und soll verschieden beantwortet werden. Dem einen wird die Idee der M e n s d) heit in der Art Leasings und Goethes die überragende Größe sein, angesichts derer alle Rassen-, Klassen- und Parteiunterschiede gewiß nicht umrichtig werden, aber dock; zu bloß relativer Bedeutung herabsinkeu. Dem andern wird der Glaube an das R e i ch Gottes, das höher ist als alle Vernunft und höher als alle Reiche der Erde, diesen Dienst tun und diese Ueberlegenheit geluähtcn. Das mag jeder mit seinem Geivijsen ausmachen. Aber ganz stark muß betont werden: Ehe nicht in der gesamten Lehrerschaft und darüber hinaus in dem gesamten Volke solche Gläubigkeit wieder lebendig und allgemein wird, eher wird man in dem Kampfe gegen politische Verhetzung alleWArt auch leinen wirklich Sieg erringen. Ter Antisemit ist notwendig ein Klein- oder Ungläubiger: wer w a h r - Haft gläubig ist, der wird allein imstande sein, sid) und seine Sck)üler vor ihm zu beinah re n und der Entwicklung eines freien, frohen.und stolzen Menschentums auch in unseren Schuten den Weg zu bereiten. Der Morö von Paörrbsrn Tie westfälische Presto ist mit Berichten über ein a b s ch e n l i d) e s V e r b r e d) c n angefüllt, das i n P a d e r d 0 r n an einem Mädchen begangen wurde. Am Freitag voriger Woche vermißte mau eine llöjährige Hausangestellte Martha Kaspar, die bei einem jüdischen Schlächtermeister und Viehhändler namens Meyer beschäftigt war. Bald darauf fand mau an verschiedenen stellen Leichemeile und verhaftete den Arbeitgeber des ermordeten Mädchens und denen Sohn. Im Verhör erklärte der Sohn, daß zwischen ihm und' dem Mädchen nahe Beziehungen bestanden hätten, die nicht ohne.Folgen geblieben seien. Bei einem Abtreibungsverstch sei das Mädchen gestorben. Er habe, um die Entdeckung zu verhindern, die Leiche zerstückelt und die einzelnen Leiehenteile zerstreut. Ter grauenhafte Vorgang erregte in allen Bevölkerungsschichren Abscheu und Entsetzen — Empfindungen. die jeder normale M e n s ch teilen wird. Tie Paderborner Bevölkerung, die man von gewisser Seile durch die Nitualmordlegende in eine Haßftimruung gegen füdische Mitbürger und die ^noen überhaupt hmenrhetzeu «rollte, war diesen Bemühungen gegenüber dank ihrer Aufgeklärtheit nicht zugänglich). Ter nationalsozialistischen „Rational-Zeitung" blieb es Vorbehalten, das Verbrechen folgendermaßen zu kommentieren: . . eine derartig grausige Tat konnte nur in einem asiatischen Gehirn ansgeheckt werden, und die Ausführung derselben läßt Schlüsse auf eine geradezu abgründige Perversität der Täter zu, in die sich ein deutscher Mensch nicht einmal hineinzudeuken vermag." Uns sind, ohne in Kriminalstaristiken zu blättern, aus der Erinnerung die Fälle der Massenmörder T e u k e, H a a r m a n n , K ü r - ten, Anger st ein. Groß mann bekannt, von denen keiner dein Judentum angehörte. Es gehört also, um bei der Formulierung der nationalsozialistischen „National- Zeitung" zu bleiben, die „abgründige Perversität" eines nationalsozialistischen Redakteurgehirns dazu, nur eine grauenhafte Untat, die unterschiedslos - von allen Bevölkerungskreisen verdammt wird, zmn Ausgangspunkt politischer Verhetzung zu machen und damit zu parteiegoistischen Zweckeir zu mißbrauchen. Eb-L Jb-r^-kf s fefijr HfloroyUaU hcÜ öüf-die Schuppen verschwinden-'die KftÄCe vy.flchsefi wiadsfl Triiysin ist überall zu hoben!