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Central-Verein-Zeitung · 1932-04-01 · 14 (1.4.1932) · p. Seite 125

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
14 (1.4.1932)
Date
1932-04-01
Page
Seite 125 (sequence 1)
Language
German
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Verli?;, 1* fiptil 1\ Cmzelnummrr 20 Pfennig «y 4 *.£ V- Vierteljahrs abonnrm.ent .25 RM. LsuZügl. SeJicIIseU) Allgemeine Zeifung des3udenfums Verlag rrnd Echristleitung: Berlin VT 15, Emser Skr. 42. Fernsprecher: a 2 Oliva 5074. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Van?, Deposilenkazse H % S9erIin*23iInur$borf 1, Hohonzollerndamm 106, und von Svldschmidt > Rothschild L Co., Berlin VT 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mozje, Berlin 8W 100. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,00 JtJi für die Igespaliene Zeile nach Rudolf MosseZ Rormalzeilenmeffsr Nr. 4, Familirnanzrigen und SLellrngssuchr (nicht Stellenangebote) für MitZliedrr des Centralvereins 0,45 JUl, dir C2~min breite Reklannezeilr 3,50 &.&. ÄHt! MlhiCl&u iy.i w ,i. v v&f . v.i V* . . vV Ü ♦ W SWMW SArMk MM-LMWÄ Tnrch die von dem Reichsinnenminister Groener kürzlich veranlagte Konferenz ist die Frage der (5 n tpoli t i ] i c r u n g der Schule wieder befonderZ altnell geworden. Es ist nun im folgenden nicht beabsichtigt, den ganzen Komplex der hierher gehörenden Probleme wieder einmal oufzurollen, sondern es soll lediglich die eine Tatsache des Antisemitismus heransgegriffen und unter dem Gesichtspunkte der Entpolitisierung der Schule beleuchtet werden. Zwar werden manche Anhänger und Freunde des Antisemitismus diese Absicht von vornherein beanstanden; sie werden sagen, das sei eben der Grnndirrtum, im Antisemitismus eine politische Angelegenheit zu sehen, während er doch in Wirklichkeit ein Gegenstand der auf „rapemaßigen' Grundlagen beruhenden Glanbensüberzeugnng sei. Das ist jedoch in Wahrheit kein Gegensatz, denn jedenfalls in Deutschland liegt die Sache so, das; die politischen "Ansichten fast durchweg zu Glanbensüberzengnngen werden oder auf solche zurückgehen; das kann man bedauern, aber man must mit dieser Tatsache rechnen. Und gerade der Antisemitismus ist so sehr in die politischen Kämpfe der Gegenwart hineinverflochten, das; eine Erörterung der Entpolitisierung der Schule gar nicht möglich ist, wenn man nicht auch zu ihm grundsätzlich Stellung nimmt. Im Gegensatz 51t manchen Kritikern der heutigen. Schule bin. ich der Ansicht, daß die Entpolitisierung weniger eine Lehrerals eine Schülerfrage ist. Selbstverständlich kommen auch von seiten der Lehrer llebergrisfe und Taktlosigkeiten aller Art vor, aber sie sind doch keineswegs so zahlreich, wie man vielfach annimmt. Fast in allen Fällen, in denen Beschwerden dieser Art amtlich oder persönlich an mich gelangt sind, habe ich feststellen können, das; das, was dem bet ressenden Lehrer zur Last gelegt wurde, entweder sich in Nichts auslöste oder doch jedenfalls längst nicht so schlimm war, wie cs zunächst schien. ' Fast hoffnungslos dagegen erscheint die Sachlage, wenn man sein Augenmerk auf die innere Struktur unserer Schulklassen, namentlich der an höheren Lehranstalten, richtet; und zwar sind die Knabenschulen hier im allgemeinen noch übler dran als die Anstalten für die weibliche Jugend. In unzähligen Klassen ist es heute einfach so, das; die wenigen jüdischen oder des Judentums ^verdächtigen'" Schüler in der Gemeinschaft ihrer Klasseugenosien geradezu' ein Martyrium durch- .machen müssen, fei es, daß man sie offen befehdet, oder sei es — was fast noch schlimmer ist —, daß man sie verfehmt und in eine fürchterliche und für einen jungen Menschen kaum zu ertragende Isolation und Berernsamung hineindrängt. Bezeichnend dafür ist folgender- Borfall. Als vor einiger Zeit der Direktor eines kleinstädtischen Gymnasiums im P!!M £7* 3 » n ff II 3 P ■f fl «L--A ■ 7 w FS ,^4 i'firs-! 4 t:. -h Ü »fii^ paa B ly® B r\*&; ■ / -i r.^ <>nsiPji p rm r\ 7$,T\ |?3 v41 1 ..üli -n. 741 <°\ r \ *7\ rr^ Der Vorsitzende der Ortsgruppe Köln des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Heinrich Frank, gleichzeitig Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Köln, der Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln sowie der Syndikus des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in Berlin, Dr, Alfred VZiener, wurden kürzlich von dem Generalvikar des Erzbistums Köln, Dr. David, empfangen. Sie unterbreiteten eine Reihe von Materialien über die Zügellosigkeiten des politischen Kampfes gegen die Juden. Der Herr Kardinal hat daraufhin Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln das nachfolgende Schreiben zu gehen lassen: Der Erzbischof von Köln. Köln, den 10. März 1932. Euer Hochwürden! Von den überaus rohen und jeder Gesittung hohnsprechenden Beschimpfungen Ihrer Glaubensgemeinschaft, namentlich von den Grabschändungen auf jüdischen Friedhöfen, worüber Sie meinen Herrn Generalvikar — da ich verhindert war — persönlich und nachher mich durch Ueberreichung von gedrucktem Material unterrichteten, habe ich mit tiefstem Bedauern Kenntnis genommen. Ich kann Ihre innere Empörung und Entrüstung nur teilen und sehe in diesen Vorkommnissen eine neue ernste Mahnung an alle Gutgesinnten, der zunehmenden Verwilderung der Sitten in unserem Volke ohne Säumen und mit aller Energie entgegenzuwirken. In grösster Hochschätzung bin ich Ihr stets ergebenster Kardinal Schulte, Seiner Hochwürden Erzbischof von Köln. Herrn Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal in Köln, Roonstrasse 50. östlichen Preichen sich infolge politischer Anfeindungen erschossen Hatte, kam für die Wiederbesetzung seiner Stelle auch ein Studienrat in Frage, der, wenn auch scheu; in zweiter Generation evangelischer EHrist, doch von -vans ans dein Judentum angehört. Ans die Aufforderung der Behörde hin erklärte er, die ihm zugedachte Beförderung nicht annehmeu zu können. Nicht um seiner selbst willen, denn er werde sich schon durchleben; aber er sehe voraus, daß seine Söhne nach alledem, was an dem in Frage kommenden Orte vor sich gegangen war, in der Schule derartig zu leiden haben wurden und das Bild ihres Vaters in ihrer Seele so getrübt und beschmutzt lverden würde, daß er im Interesse' seiner Kinder dieses Risiko nicht auf sich nehmen könne. Was diese ganze Lage so besonders hoffnungslos macht, iffW Tatsache, daß die von der Anfeindung betroffenen Kinder und Jugendlichen ja keine Möglichkeit haben, irgendwie der Gegnerschaft zu entrinnen. Mißliebige Ueberzeugungen kann man schließlich im Notfälle ändern oder jedenfalls verschweigen; die wirkliche oder vermeintliche Zugehörigkeit zu einer „Nasse" rvä :; fl v. u tj y;] yrjf ist das Postscheckkonto für die Spenden der C. V.-Mitglieder aus Anhalt, Brandenburg, Grenzmark, Gross-Berlin, Provinz u. Freistaat Sachsen, Alle anderen C.V.er überweisen ihre Spenden auf die Postscheckkonten ihrer Landesverbände.

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