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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-18 · 12 (18.3.1932) · p. Seite 111

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
12 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
Seite 111 (sequence 11)
Language
German
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G in . . . and in den Das Feierjahr, in das das deutsche Volk am hundertjährigen Todestage Goethes eintritt, .^n begehen in erneuter Besinnung auf die Kräfte, mit denen dieser größte Bildner seiner Geisteskultur heute noch in ihm fortwirkt, hat der deutsche Jude noch einen besonderen Anlaß. Tenn an seiner „Verdeutschung" Hai Goethes Sein und Werk einen sehr wesentlichen Anteil; an ihm hat er sich gleichsam in das Wesen deutscher Geistigkeit, Sprache, Dichtung, Bildung hineingelebt. Es fiel \a rein äußerlich die „Goethe-Zeit" zusammen mit der sozialen und kulturellen Emanzipation der deutschen Juden, denen Moses Mendelssohn die Wege zu deutscher Bildung und damit zu gesellschaftlichem Ansehen erschlossen hatte. Daß aber im Zentrum dieses BildungssLrebens — neben Kant — vornehmlich Goethe stand, das ist vor allem das Wert der Frauen des Mendelssohn-Kreises. Und zwar wirkte die besonder Art ihrer jüdischen Geistigkeit: einsühlende Empfänglichkeit, kritische 'Verstandeskraft, „seelische Lockerung und Nervosität" — wie Gundols einmal sagte — hier zusammen mit jener neuen Bewegung, die in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts zur Bildung der romantischen Schule führte. Tenn eben diese Geistigkeit begegnete sich mit der besonderen Weise der Einfühlung in das Wesen von Sprache und Dichtung, der schöpferischen Kritik an den dichterischen und künstlerischen Werken vergangener und eigener Zeit, die die geschichtliche Leistung der romantischen Schule 'Berliner Salons vor allem ihrer Führer, der Brüder Wilh e l ni und Friedrich Schlegel, ausmachen. Sie waren es, die die Erscheinung Goethes zuerst voll erfaßten und in eindringenden Analysen seiner Werke — sowohl in vergötternder Verehrung wie auch in ablehnender Kritik — ihm die erste breite Besonanz bei den deutschen Bildungsschichien bereiteten. Und gerade an dieser Tat haben die Frauen, die ihnen verbunden waren, einen nicht geringen Anteil: neben Caroline, Wilhelm Schlegels Gattin, in Jena, die Berliner Jüdinnen, deren Verstand und Empfindung sich weit den Strömen des Geistes und der Bildung öffneten, als deren stärksten sie Goethe erlebten. Henriette herz, Torothea Veit, Friedr i ch Schlegels spätere Gattin, vor allem aber Rahel Lewin-Varnhagen, zu denen sich u. a. die Goethe persönlich befreundete M a r i q n e Meie r (spätere Frau von EY - b e n b e r g) und ihre Schwester Sarah (Frau v o n t o 11 f) u B) gesellten, begründeten durch ihre Salons den Berliner Goethe-Kultus. Tie Memoiren und Briefe, die davon Zeugnis oblegen, lassen sehr deutlich die verschiedene Weise erkennen, in der Goethes Gestalt und Werk sich in dem Geiste dieser Frauen spiegeln. Je nach ihrer seelischen Anlage und Begabung wurde er zum Zentrum ihres Bildungsstrebens, zur Basis ihrer kulturellen Assimilation. Ter Anteil, den Henriette Herz an der „Verkündung" Goethes hat, war, ihrer passiven. geistig nicht selbständigen Natur gemäß, allein der der gesellschaftlichen Vermittlung. Au den Leseabenden ihres berühmten Salons wurden Goethes Dramen mit verteilten Nöllen gelesen, seine Gedichte rezitiert. Selbständige Urteile über Goethesche Werke finden sich in ihren Erinnerungen nicht; nur im allgemeinen spricht sie von den „unendlichen Genüssen, die der Dichter ihr bereitete", und die späte Begegnung mit ihm in Dresden 1810^ „bleibt ein Heller Punkt" in ihrem Leben, ^ehr subjektiv, sehr weiblich reagiert sie auf Goethes menschliche Persönlichkeit. Sie konnte es ihm nicht vergessen, daß er einen ihr werten Freund (Nicolovius) gekränkt habe, und von dem Ernste seines Wesens fühlt sie sich ebenso abgestoßen wie von seiner Liedensmürdigkeit augezogen — Äußerungen, die erkennen lassen, daß Henriette zu einer eigenr- Lichen objektiven Anschauung von Goethes Sern kaum vorzudringen vermochte. Sehr viel bedeutender, dynamischer, aber auch negativer ist das Verhältnis Dorothea Schlegels zu Goethe. Tie Verstandesschärfe Tochter Mendelssohns hat an niemandem leidenschastlicher die Krast ihres kritischen Geistes geübt als an ihm; und wenn sie sich auch in ganz anderer Weise als Henriette in die objektive Sphäre seines Werkes begibt, so hinderten sie doch die Grenzen ihrer Natur, bicfem Wert ganz gerecht zu werden. Eine solche Grenze war ihr zunächst gesetzt in ihrer vergötternden, blindmachenden Liebe zu Friedrich Schlegel, dessen wechselnde und sich später immer mehr verschlechternde Beziehungen zu Goethe sich in ihren n ijn r\n A r\ rvcinü ü H H & :(iUvinnp;'!^ t\h\ti y L'J ^la LilJL3üüisi/jllu Die zweiigrcsste kontinental a private Lebens- Versicherungsgesellschaft Vertragsgesellschaft grosser jüdischer Organisationen \n ©3 vi i K | © r^.^N r"7 Müll 0 0, FrMni-ESffil-Sfr. 2/3. B1 Mrsi BW. - \3|, . i t * ,o^e f o)(o [fe\ unübertroffen bei! 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