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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-18 · 12 (18.3.1932) · p. Seite 106

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
12 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
Seite 106 (sequence 6)
Language
German
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(Das „rflte (Testament" in Qoethes Werk / HJon Raimund Cbevhaxd Ist richtige Weg zur JärlaagtiBg schöne? wdß®f2älma BKSM^EKSsasEsssa hghiitz gefärbten Zahnbelages ist folgender: Drücken Sie einen Strang Chlorodont-Zahnpaste auf die trockene Chlorodcnt- Zahnbürste (Spezialbürste rnit gezahntem Borsten« schnitt), bürsten Sie Ihr Gebiß nun nach allen Seiten, auch von unten nach oben, tauchen Sie erst jetzt die Dürste in Wasser und spülen Sie mit Chlorodont- Mundwasser unter Gurgeln gründlich nach. Der Erfolg wird Sie überraschen! Der mißfarbene Zahnbelag ist verschwunden und ein herrliches Gefühl der Frische bleibt Zurück. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen und verlangen Sie ausdrücklich Worodont-Zahnpafte. Unter-Vorkriegspreifs. Goethe gemacht hat. das kann eigentlich nur ein Fanatiker wie Chamberlain bestreiten — bestreiten gegenüber den allerbündigsten, zahlreichen Versicherungen, die Goethe selber darüber gegeben hat! (Dabei verlauft der Einfluß dieses einzigen Philosophen, der jemals in Goethes Leben eine bedeutende Rolle spielte, natürlich auch nicht durch Aufnahme seiner Begrisssordnungen, sondern durch das Erlebnis seines Erundgefühls.) Wenn Goethe von Werken jüdischen Geistes aber so tief bedeutsame Forderung erfahren hat, so kann er sich der Gesamtbedeutung der jüdischen Geschichte, über die er oft nachdenkt, nicht verschließen. Auch hier ist er ohne dogmatisches Vorurteil zum Guten oder zmn Bösen. Unleugbar bleibt ihm am Wesen des Judentums etwas fremd und unbehaglich — es ist die besondere, schnell bewegte Rhythmik der jüdischen Art, die der seinen durchaus entgegengesetzt ist. Aber was ihn immer wieder mit staunender Bewunderung für die Gesamterscheinung der Juden erfüllt, das ist jene wunderbare Bestätigung, die die jüdische Geschichte für die innerste Triebkraft der Goethefchen Welt gibt: der große Liebhaber des Lebens erachtet ja Dasein als die höchste Pflicht! Und die Lebensenergie des Judentums, die unverwüstliche Zähigkeit des Daseins, sie ist für ihn ein ungeheuer positives Schauspiel! So genügt es nicht zu sagen, daß Goethe — insoweit der rechte Sohn und Erbe der großen, heute mit viel Unrecht unterschätzten Aufklärung — bte Lehren des Lesfingschen „Nathan" übernomnten und „das darin ausgesprochene göttliche Duldungs- und Schonungsgefühl der Ration heilig und wert" zu erhalten empfohlen hat. Tie Kraft, mit der Goethe über die großen Erkenntnisse der Aufklärung weiterdraug.. beruht ja eben in seiner an keinen Legriss mehr gebundenen Hingabe an jede Einzelerscheinung. Und so hat er nicht nur alles Menschliche im Judentum nüt einer von Vorurteilen freien Lebensliebe beachten können, er hat auch die Gesamterscheinuug der Judenheit in ihrer besonderen Leistung zu würdigen vermocht. Eben jene um ein geistiges Prinzip gesammelte Lebenskraft, in der die Unzerstörbarkeit der Inden wurzelt, ließ Goethe den jüdischen Menschen als ein I n d i v i d u n m achten — als die höhere, die in ihrer geistigen Organisation unzerstörbare Form des Lebewesens. Und so konnte er in Deutschlands schlintmster Zeit zu Nie nt e r sprechen: „Deutsche gehen nicht Zugrunde, so wenig wie die Juden, weil sie Individuen sind." Wir müssen uns dieses Wort lebendig halten; denn es birgt für uns dreifachen Trost — weil wir Deutsche sind, weil wir Juden sind, weil wir deutsche Juden sind! Jahrhundertelang hat unter der Christenheit der religiöse Wert des Alten Testaments wenigstens im großen und ganzen unangefochten dagestanden. Das Alte Testament war neben dein Renen Testament ein Volksbuch, aus dem das Volk Bildung und Gesittung entnahm. So sagt etwa Goethe in der „Geschichte der Farbenlehre", Band 2: „Jene große Verehrung, welche der Bibel von vielen Völkern und Geschlechtern gewidmet worden, verdankt sie ihrem inneren Werte. Sie ist nicht etwa nur ein Volksbuch, sondern das Buch der Völker, weil sie die Schicksale eines Volkes zum Symbol aller übrigen ausstcllt, die Geschichte desselben an die Entstehung der Welt anknüpft und durch eine Stusenreihe irdischer und geistiger Entwicklungen. notwendiger und zufälliger Ereignisse bis in die entferntesten Regionen der äußersten Ewigkeit hinausführt. Wer das menschliche Herz, den Bildungsgang der einzelnen kennt, wird nicht in Abrede sein, daß man einen tüchtigen Menschen herausbilden könnte, ohne ein anderes Buch zu brauchen, als etwa Tschudis schtoeizerische und Aventins bayerische Chronik. Wieviel mehr muß also die Bibel zu diesem Zwecke genügen, da dos Volk, als dessen Chronik sie sich darstellt, auf die Weltbegebenheiten so großen Einfluß ausgeübt hat und noch ausübt. Es ist uns nicht erlaubt, hier ins einzelne zu gehen, doch liegt einem jeden vor Augen, wie in beiden Abteilungen dieses mächtigen Werks der geschichtliche Vortrag mit dem Lehrvortrage derart innig verknüpft ist, daß einer dem anderen auf- und nachhilst wie vielleicht in keinem anderen Buche." Wie man sieht, zieht Goethe bei Hervorhebung des Bildungswertes der Bibel das Alte Testament ausdrücklich mit, ja ganz vorzugsweise heran. Indessen in neuester Zeit ist in weiten Kreisen unseres Volkes der religiöse und Bildungswert des Alten Testaments stark angezweiselt worden. Ja, es macht sich vielmch sogar ein fanatischer Haß gegen das Alte Testament bemerkbar, so daß man es am liebsten aus Kirche und Schule verbannen möchte. Ursache hierzu ist vor allein der grassierende Antisemitismus, dessen fanatische Vertreter mit ihren völkischen Verstiegenheiten das Alte Testament in Grund und Boden verdammen, und zwar größtenteils, ohne es gründlich zu kennen. Da ist denn Goethe uns ein Helfer und Rufer im Streite für den Mcnschhcitswert des Alten Testaments, er, der Zeit seines Lebens von frühester Jugend bis zum spätesten Alter dem Alten Testament sein Interesse zugewandt hat, und in dem er, „der Bibelfeste", wie er sich selber nennt, in ganz erstaunlicher Weise zu Hause war, dergestalt, daß cs sich bei ihm nicht nur um einige abgeülaßte Jugenderinnerungen und gelegentliche Zitate handelte, sondern daß die Kenntnis des Alten Testaments ihm ein „Besitz für immer" und eine der Konstituante« seines Geines war. Ja, wie es H. Henkel, „Goethe und die Bibel" (Leipzig 169b), bemerkt: „Tie Bibel ist ein lebendiger Besitz unseres Dichters, von der Genesis bis zur Apokalypse, ist ihm ihr Inhalt zu augenblicklichem Gebrauch bereit und gegenwärtig. Immer von neuem sieht er in den Enahrungen der Gegemvart die alte Kernweisheit derselben sich bewähren, die Vorgänge und Szenen, welche sie schildert, sich wiederholen und erneuern, in allen Perioden seines Lebens ver» . wendet er sie, bald in gehoben eriijki'cm, bald in treuherzig naivem, geistreich heiterem, ja, humoristischem Sinne. Namentlich in gemütlich bewegten Lcbcnsmomentcn drängen sich ihm Sprüche und Gleichnisse der Bibel fast unwillkürlich auf die Lippen." Dies gilt vor allen: vom Men Testament. So sagt er u. a. in den Roten zum „Westöftlichen Diwan" im Abschnitt „Alttestamentliches": „Wie alle unsere Wanderungen im Orient durch die heiligen Schriften veranlaßt werden, so kehren wir immer zu denselben zurück, als den erquicklichsten, obgleich hier und da getrübten, in die Erde sich verbergenden, sodann aber rein und jrisch wieder hervorspringenden Ouellwasser." Und ebenda im Abschnitt „Hebräer": „Ein großer Teil des Alten Testaments ich mit erhöhter Gesinnung, ist enthusiastisch geschrieben und gehört dem Felde der Dichtkunst an. Erinnern wir uns nun lebhaft der Zeit, wo Herder rmd Eichhorn uns persönlich hierüber ausklärten, so gedenken wir eines hohen Genusses, dein reinen orientalischen Sonnenaufgang zu vergleichen." Ja, allerdings, Herder mit seiner Begeisterung für ursprüngliche, für Vottspoene; hatte den jugendlichen Goethe aus den poetischen Wert des Alten Testaments hingewiesen und mit seinen diesbezüglichen Schriften, wie „vom Geist der ebräischen Poesie" u. a. m. Goethe zur leidenschaftlichsten Liebe für das Alte Testament entflammt. Aber der Grund zu dieser Liebe war schon früher gelegt. Es war die Mutter, die, wie ihre Briese dartun, ganz im Geiste des Alten Testaments lebte und deren „alttestamentliche Frömmigkeit" Goethe u. a. in einem Briefe an Zelter rühmte. So hat sie denn ja auch in ihrer Herzensnot bei der Erkrankung ihres Sohnes in Leipzig sich Trost durch ein Bibclorakel geholt, in dem sie mit der Radel in den Jeremias (31. 4.) stach. Und so hat „Frau Aja" sicherlich den Geist der Liebe für das Alte Testament auch auf den Sohn übertragen, wie denn ja das erste größere Jugendwerk Goethes die Josephs-Dichtung ist, wie er sich als Student in Leipzig mit Dichtungen alttestameuklichen Inhalts beschäftigte: Belsazar, Isabel, Ruth, Pharao und die Erschlagung der Erstgeburt, und wie das Schauspiel, das er auf dem von der Großmutter Tertor geschenkten Puppentheater spielte, eben auch ein alttestamentliches war: „Saul, David und Goliath". Aber auch der Vater, der den Unterricht der Kinder leitete, führte ihn ins Alte Testament ein. So enthalten denn die „Morgengrüße" des Sohnes an den Vater manchen vom Knaben Goethe selbst ausgewählten Spruch aus dem Alten Testament, und so wimmeln die sogenannten „Stechschrnten", d. h. Konkurrenzen im Schönschreiben nach Vorlagen, an denen sich auch der jugendliche Goethe aus Veranlassung des Vaters beteiligte, von Stellen aus dem Alten Testament, vor allem aus dem Buch des Jesus Siracb. Und so stößt man denn beim Turchlesen der Goethefchen Werke immer wieder auf Zitate aus dem Alten Testament oder Hinweise darauf, mag :s sich nm Dichtungen oder wissenschaftliche Werke, wie etwa die Geschichte der Farbenlehre u. a. m., handeln, und dasselbe gilt von seinen Briefen und Gesprächen. Blättert man etwa die Inhaltsverzeichnisse zu den verschiedenen Abteilungen der Weimarer großen Ausgab-e von Goethes Werken durch, so staunt man immer wieder über die Fülle der

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