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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-11 · 11 (11.3.1932) · p. Seite 96

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
Seite 96 (sequence 4)
Language
German
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AÄ w rufen und sie in immer steigendem Prozentsatz im Centralverein zu organisieren — es Uz keine Veranstaltung vorübergegangen, ohne^ daß Neu- Werbungen und Neuanmeldungen eriolgren —, sondern vor allem ist eine systemati'che Abwehrarbeit, die Wirkung der weitverbreiteten Abwehrschriften und der Btonatsausgabe der „C. D.-Zeitung" zu spüren. wo In dieser Richtung wird sich vor allem da^ Ergebnis der vierteljährlichen umsagenden Vortragstätigkeit auszuwirkeu haben. Kein Vortrag, keine Diskussion, keine Aussprache unter vier Augen oder in vertrautem Kreise schloß ohne die Mahnung, allem zum Trotz die Tuchfühlung zu der nichtjüdischen Umwelt nicht zu verlieren. Wir sind der Ueberzeugung, daß man uns verstanden hat, wenn wir an allen Orten zum Bewußtsein zu bringen suchten, daß zwar die politische Sicherung von der Organisation als solcher geleistet werden mich daß aber die — entscheidende — menschliche 3idjeriing nur aus dem immer noch möglichen und immer noch fruchtbaren Zusammenleben und Zusammenwirken mit der nichtjüdischen Umwelt errungen werden kann. Das aber ist eine Ausgabe, die nur vom einzelnen, von jedem an seiner Stelle und in seinem Lebenskreise gelöst werden kann. Und es war vornehmlich in diesem Sinne gemeint, wenn wir überall, wo wir das Glück hatten, in diesem fruchtbaren Vierteljahr zu wirken, zur Mitarbeit im Sinne und in den Reihen des Centralvereins ausgefordert haben. Am 28. Februar hielt Rabbiner Dr. Hugo Sahn (Esten), Hauptvorstandsmitglied des Centralvereins, in der Westcrrdsyuagoge zu Frankfurt a. M. einen öffentlichen religionswiffenschastlichen Vortrag über das Thema,IVas steht im Talmud?" Ter Redner gab ein anschauliches Bild von der Entstehungsgeschichte, vom Wesen und Inhalt sowie von der Bedeutung des Talmud und wies die Sinnlosigkeit der aus dem Talmud gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen überzeugend nach. Zu der gut gelungenen Veranstaltung waren weit über 1000 Personen, darunter vorwiegend Nichtjuden, erschienen. Tie Frankfurter Tagespresse brachte ausführliche Berichte, die „R h e i n - M a i n i s ch e Volkszei - tung" schließt ihren Aufsatz mit den Worten: „Einen größeren Zuhörerkreis von Nichtjuden hätte man den Ausführungen Tr. Hahns gewünscht, da ja gerade heute von einigen politischen Gruppen wiederum eine unverantwortliche Judenhetze betrieben wird.* Die „Grotz-Frankfurter Volksstimm e" schreibt u. a.: „....Tie Zuhörer begriffen aus dem Dortrag, warum er in dieser bewegten Zeit vor die Oestentlichkeit gehört und was er zutiefst bedeutet: Die ungeheure Kluft, welche den guten Christen wie den gläubigen Juden von jeder Art Untermenschentum trennt, die unseres Lölkes und Vaterlandes Hei! in Haß- und Hctzpredigten verkündet. Nicht nur der deutsche Men'ch, sondern die ganze gesittete Welt muß sich von solchen .Erneuerern' der Nation abwenden.* Tie objektiv aufklacenden und belehrenden Darlegungen Dr. Hahns fanden bei den Zuhörern so" reges Interesse, daß sie um die Veranstaltung eines zweiten Vortrages baten. * Drr Landesverband Rheinland-Westfalen hat in der Erkenntnis, daß die Beschäftigung mit der Lage der deutsch-jüdischen Angestellten eine der wichtigsten Ausgaben des C. V. darstellt, eine Reihe von Angrstelltenversammlnngen veranstaltet. Ter Snndikus des Landesverbandes Dr. Blaut (Essen) sprach vor Hunderten von jüdischen Angchellten zunächst" in Bochum, Dortmund, Esten und Gelscntirchcrr über das Thema „Wirtschastsnot und jüdische Angestellte-'. Es kam dem Redner darauf an, aus den Erfahrungen des C. B. und aus der durch die heutige Lage bedingten neuen Gegenwart neue Wege für die Tätigkeit der südiichen Augesielltcuschast zu finden und aufzuwersen. Au die Ausführungen jcistoß sich in federn Falle eine Aussprache. Laß .die jüdische Angestelltenschaft in dem C.V. dis geeignete Organisation erblickt, sie gegen Zurücksetzung und Entrechtung zu schützen, zeigt der in den letzten Wochen erfolgte Beitritt von mehr als hundert Angestellten. * Am 6. März d. I. hielt der Landrover-» band Provinz Sachsen des C. V. seine Landesverbandsragung ab. Aus fast allen Orten des Bezirks waren Vertreter erschienen. Tie Sitzung erhielt ihr besonderes Gewicht dadurch, daß die Uebersührung des Landesverbandes in einen neu zu gründenden Landesverband M i L t e l d e u L s ch L a n d beschlossen werden sollte, der aus den gegenwärtig bestehenden Landesverbänden Freistaat Sachsen, Provinz Sachsen, Thüringen und Anhalt zum Zwecke der Verstärkung der C. V.-Arbeit in Mitteldeutschland gebildet wird . Am Vormittag hatten die Mitglieder einer zur Vorbereitung der Uebergangsmaßnahmen eingesetzten Kommission in gründlicher Beratung die in Betracht kommenden Fragen geklärt. Tie Vollversammlung stimmte dann nach einem Referat von Tr. Alfred Hirschberg (Berlin) einstimmig den vorgelegten Anträgen zu. Die Tagung stand in ihrem weiteren Verlauf unter dem Eindruck eines großen Referats von Direktor Tr. Ludwig Holländer, der die gesamte politische Lage unter dem Gesichtspunkt der Tätigkeit des C. V. einer eingehenden Untersuchung nach ihrer grundsätzlichen und taktischen Seite hin unterzog, die Macht- und Krästeverteilung in den verschiedenen politischen Lagern ermittelte, die Zusammenhänge unseres Tuns mit den großen allgemeinen Entwicklungslinien aufzeigte und ein Programm für erfolgreiche Arbeit ausstellte. Die beherrschende Bedeutung der Reichspräsidentenwahl für die nächsten Monate und Jahre und die Notwendigkeit einer Stimmabgabe gegen Hitler bildeten den Mschluß der Ausführungen, die mit starkem Beifall und tiefer innerer Bewegung ausgenommen wurden. Die Aussprack>e, die mehrere Stunden lang allgemeine und Einzelfragen sehr lebendig betrachtete, wurde durch ein Schlußwort non Dr. Hirschberg beendet. Rechtsanwalt Dr. Merzbach (Mägdebürg), der den Landesverband Provinz Sachsen seit seiner Gründung als Vorsitzender geführt hatte und ihn jetzt in den neu zu gründenden Landesverband Mitteldeutschland überführen soll, konnte die voraussichtlich letzte Tagung des alten Landesverbandes mit der Feststellung schließen, daß gute Arbeit geleistet worden sei, und daß die alten Ideen auch in neuer Organisation mit frischen Kräften zum Siege geführt werden sollen. SrMtzrrimg örr SÄ&f Mim Am 15. März, nachmittags 3 Uhr, findet im Auktionshaus Mar Perl. Berlin W 8, Unter den Linden 19, zugunsten der Wvhlfahrtskasscn des Vereins Berliner Presto die Versteigerung der Bibliothek unseres unlängst verstorbenen Mitgliedes Dr. I. K a st a n statt. Ein Katalog, versehen mit einer im Auftrag des Vorstandes geschriebenen Einleitung und geschmückt nüt einer Nevroduktion der Pvrträy.eichnung Dr. Kaftans von Max Lieberm a n r,, kann von der Auktionsfirma angesordert werden. Wir wünschen der Veranstaltung einen schönen Ertrag, denn das würde die schönste Garung für das Andenken des Heimgegangenen Seniors der deutschen Prelle sein, der seine Anhang-ich.ccit an das deutsche Schristtum dadurch bewiesen hat, daß cr den Verein Berliner Presse zu seinem Erben einsetzts. erbitten wir als Richtbeitrag für die täglich notwendige Abwehr- und Aufklärungsarbeit. Ü Ü Vfesr Wirsollen für Euch kämpfen, gebt uns die Waffen! Zahlt Eure fälligen Beiträge! C. V. Landesverband Gross-Berlin Postscheckkonto: Berlin 115''501 Sonderkonto. Zahlungen werden auch an der Kasse des Büros, Emser Strasse 42, entgegengenommen. LLchsr Couvcnhove-Katcrghi: „Stalin u. Co." Pancnropa-Verlag, Leipzig—Wien. Preis 00 Pfennig. Ein Büchlein von nur 54 Seiten, das in hervorragender Weise in ganz knappen Sätzen über den heutigen Inhalt des Bolschewismus wie des Faschismus unterrichtet. Ter Leser wird sich, je nach seinem Standpunkt, verschieden zu den hier aufgeworfenen Problemen einstellen. Entscheidend ist, daß in dem Werke eine kurze Zusammenstellung des Wesentlichen dargeboten wird, das für eine objektive Urteilsbildung von Bedeutung bleiben muß. L. H. Karl Gronarr, „Drr Staat im Urteil der Neuzeit und Gegenwart". Verlag Georg Wesiermann, Braunschweig. Preis 5,40 Mark. Ich empfehle dieses Buch insbesondere unserer Jugend, die sich über den Staat und vor allem über seine Aufladungen und Forderungen unterrichten will und muß. Das von einem überaus kenntnisreichen Mann geschriebene Werk enthält namentlich auch die nötigen Hinweise, die ein weiteres Studium möglich machen. In feinem geschichtlichen Teil ist das Buch wertvoller als da, wo es Urteile nder die Gegenwart abgibt. Hier erscheint es etwas einseitig, wenn auch stets vornehm und nach einem gerechten Urteil strebend. Zusammensaflend: Ein Buch, das gut unterrichtet und besonders geeignet zum Lesen und Lernen ist. L. H. Joses Maria Frank: „Volk im Fieber." Roman. Sieben-Stäbe-Verlag, Berlin. Erstens: Hätte ich an „unpolitischer" Stelle über diesen Roman zu referieren — so täte ich es nicht und wiese statt besten hin ans Falladas ,^8-auern, Bonzen und Bomben" (Rowohlt). worin die Fädelungen in einer kleinen deutschen Stadt plastischer, lebenswahrer und eben dadurch dichterischer dargestellt sind. Franks Roman ist „redlich". Redlich in der Milieuabschild-erung. der Tyvisierung von Freund und Feind usw. — so redlich, daß all das vom Geruch des Wirklichen, des Selbsterlebten umwittert ist. („Wirklich aber ist weniger als „wahr" — so seltsame Woge wandelt die Algebra der jtimft.) Zweitens: Diest Zeitschrift ist eine politische. Also mag vorbehaltlich des Punktes eins gesagt fein, daß Franks Bach politisch etwa in der Nähe der „Eisernen Front" steht und, auf dieser Ideologie basierend, Ws Zugrundegehen eines ehrenhaft bemühten Schuldirektors infolge nationalsozvalistischen Kesseltreibens künstlerisch nicht •/? 0 0 ‘? * k $ 7!U Y.» ' Ci t K'*? 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