Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 11 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- Seite 95 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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95 Betätigung der Warenhäuser, so bedauerlich Vielleicht ihre Auswirkung sei, geschehe mit gesetzlich zulässigen Mitteln. Im übrigen handle es sich rm vorliegenden Falle nur zum kleinsten Teil um größere Kaufhäuser. Aus der Tatfache, daß der Boykott sich auch gegen Aerzte und Anwälte richte, gehe deutlich hervor, daß die angebliche Abwehr gegen Warenhäuser nicht den Leitgedanken der Kundgebung bilde. ji ' '' 1 -' f v 5;!'!' -/-v!'! h.l •:! j si.r '.-! . . .. <*•>7 Vi!J V s/ Ö VV & W V v) y ->)/' V'i j kf V v V ')/ 7v) & V Vj/ Jjftv« J J vi v v'(^ CStnörutfe eus der C. V.-Arbeit / Don Maunü'us Kahn Spna§o§Lnschanöun§ in Am Freitag, dem 4. März d. I., wurden mittags zwischen 12 und 4 Uhr Steine verschiedener Grösze gegen die Fenster der Synagoge in Düsseldorf geschleudert. Einige kleinere Löcher in den Fensterscheiben lassen sogar aus Projektile aus Schußwaffen schließen. Gegen Abend, während Des Gottesdienstes, wiederholten sich Die Stcinwürfe. Glücklicherweise wurde weder der amtierende Rabbiner Dr. Eschelbach er, noch einer der Eotteshausbesucher verletzt. Für den politischen Kampf Dr. Walter Schcunemann: „Der Nationalsozialismus. QueLentritrsche Studie seiner StanLs-urrdWirtschastsarrffasfurrg." Der Neue Geist Verlag, Berlin. Ein junger Nationalökonom erlebt die Reichstacpwahl vom 14. September 19Z0. T-er Wahlsieg der Nationalsozialisten erregt ihn aufs tiefste. Sune persönliche politische Stellung, die den Nationalsozialismus ablehnt, verlangt nach Begründung seiner instinktiven Verneinung. Aus dieser Selbstprüfung entsteht eine mipenschastliche Arbeit, die die Gießener Fakultät als T-ok- Lordipertatwn annnnmt. Nüchtern und fachlich nennt der Student, nunmehr Dr. Walter Scheunemann, seine Arbeit „Ter Nationalsozialismus, OMllenkri tische Studie seiner Staats- und Wirtschaftsaufsaffungst Es geht jedoch, bei aller Sachlichkeit, Nüchternheit und Wissenschaftlichkeit, die die Untersuchung aus- Zeichnet und ihren Wert ausmacht, jene Erregung durch die Auseinandersetzung, die sich immer dann einstellt, wenn ein Gegenstand für einen Wissenschaftler mehr als Objekt einer Analyse ist. Die Scheunemannsche Arbeit fügt die nationalsozialistisck)e Bewegung in ihren zeitgeschichtlichen Rahmen ein; sie nimmt ihr dadurch die schtvache Gemüter verwirrende Größe, sie gibt rhr aber gleichzertig ihren Platz innerhalb des ollgemeinen Gelchehens und veranlaßt damit eine nicht an den Symptomen, sondern am Inhalt zu orientierende, geistige mrd politische Einstellung. Ter überaus reiche Inhalt der Schrift soll hier nicht einmal angedeutet werden. Eine ausführliche Besprechung enthöbe den ernsten Politiker nicht der Notwendigkeit, die Schrift zu lesen. Sie ist keine Kampfschrift, aber beste R ü st u n g f ü r d e n Ka m p f. A. H. Dies ist die Bilanz eines Vierteljahres: Dutzende von Vortrügen, Hunderte von Unterredungen, Tausende von Zuhörern. Vom Riesengebirge bis zur Ostsee, vom Rhein bis zur Oder, von K o n st a n z bis Tilsit, quer durch Deutschland von Schlesien nach Baden, von Hessen nach Mecklenburg — im steten Wandel der Landschaft stets neue Art im Fühlen, im Denken, im Wesen der Menschen. Und dennoch überall die gleiche Gesinnung, das gleiche Grundgefühl der ZuPammengehörigkeit, die gleiche Einheit des Willens. .Kaum anderswie wird man die innere Verbundenheit der im Centralverein zusammengefaßten deutschen Juden sinnfälliger verspüren, als wenn in schnellem Wechsel Städte und Landschaften vorüber.ziehen und man doch an allen Orten und zu jeder Stunde die gleiche leidenschaftliche Anteilnahme am Kampfe findet, den wir zu führen haben, die gleiche Offenheit der Herzen und dle gleiche Opferwilligkeit. Es ist das Bewußtsein, nicht allein zu stehen in diesen: Lebenskämpfe der deutschen Juden um Recht und Freiheit, gleicherweise beglückend für den Redner wie für die Menschen, die sich in immer überfüllten Sälen aus Stunden aus der Vereinzelung gelöst, inmitten ihrer Gemeinschaft geborgen und vereint fühlen. Dies Gefühl der Zusammengehörigkeit zu wecken und zu stärken, ist von entscheidender Notwendigkeit mcht nur für die Schlagkraft der Organisation, sondern vor allem für die Menschen selbst. Es ist für uns notwendig zu zeigen, und es ist für den einzelnen bitter notwendig zu erleben, daß Mwehrkräste zielbewußten Willens der brennend großen jüdischen Not zu steuern suchen, notwendig zu wißen, welche Maßnahmen zur Bekämpfung der antisemitischen Hetzslut ergriffen werden können, auf welchen Wegen Erfolge erzielt wurden und welche sich als ungang, bar erwiesen. Das geht jeden einzelnen heute an und jeder einzelne verspürt es am eigenen Leibe, daß man nicht mehr beiseitestehen kann und darf, daß alles, was getan werden kann, nur daun zum Ziele führt, wenn alle Kräfte eingesetzt werden. So ergab sich aus allen Aussprachen immer gleichzeitig zweierlei: die tiefe Erschütterung über Tatbestand und Ausmaß des Antisemitismus im Deutschland von heute, über den der verantwortliche Ernst, mit dem allein unsere Arbeit zu leisten ist, keine Beschönigungen zuläßt, und doch zugleich, aus solcher Einsicht erwachsend, Mut und Entschlossenheit, den uns auferzwungenen Kampf zu führen. Es gab gewiß in vielen Auseinandersetzungen Kritik, aber es war eine ausbauende Kritik, getragen vom Willen, mitzuwirken und mitzuhelfen, durchtränkt von dem beherrschenden Gefühl der absoluten, unausweichlichen Notwendigkeit eine? umfassenden Abwehrorganisation des deutschen Judentums, voll Vertrauen zum Centralverein. Niemals war das Derantwortungsbewußtsein im Kreise unserer Mitglieder so deutlich wie heute, niemals das Zusammenstehen unserer Menschen enger, niemals die Bereitschaft größer. Das ist die Erfahrung aus einem Vierteljahr Arbeit. II. Schlesien im November. Breslau, Liegnitz, Glogau, Glatz, Hirschberg, Brica, Görlitz. Vorher nach Guben. Im gleichen Monat in H e s s e n - N a s s a u. Bezirkstagungen in Kaffe! und Limburg mit Delegierten aus Dutzenden von kleinen Orten. Tann Frankfurt a. Main, Wiesbaden, Hanau, Bad Homburg, Fulda, Eschwege. Zwei Monate später^ noch Alzey, Kirchhain, Marburg, Gelnhausen und Bad Hersseld. Im Dezember, im Zeichen der Notverordnung. Stralsund, Rostock, Güstrow und Schwerin, zu Jnformationszwecken noch Kie! und Lübeck. Im neuen Jahre Baden, das schöne, geistdurchtränkte Heidelberg, Bruchsal, Pforzheim, Karlsruhe, Mannheim, Gailingen, Konstanz. Es würde jeden denkbaren Raum eines zusammenfassenden Berichts sprengen, wollte man versuchen, jeden einzelnen Orr auch nur andeutend zu charakterisieren. Man kann nur die Namen nennen: aber hier gilt nicht, daßchName nur Schall und Rauch ist. Man weiß, daß jeder sein Gesicht hat. Und man weiß auch, daß jeder unserer Landesverbände seine besondere Struktur hat. Am glücklichsten ist der Süden dran; Baden hat nicht umsonst den Ruf, ein „Muschterländle" zu sein. Tie hügelige Heiterkeit der Landschaft, 1; c-_ i~ f -- cra — :-r.— - cmyt'uutcuc uci cny« Zueinandergehoren der jüdischen und nichtjüdrscheu Bevölkerung seit einem Jahrtausend — das alles im Verein mit der Herrschaft der katholischen Kirche - bewirkt, daß der Judenhaß jene bösartigen Formen weniger kennt, wie sie anderswo sich breit machen. Namenrlich in Norddeutschland. Die Not ist hier bedrückender spürbar, die Gegensätze scharf ausgeprägt, was mit der Art der Menschen zusammenhängt, die Dinge schwer zu nehmen. Es hat auch mit der soziologischen Struktur der Landstrichs zu tun: Mangel an großen Städten, Vorwiegen der Landwirtschaft, ausschließliche Herrschaft des Protestantismus. Hier ist die Entzweiung groß, die Entfremdung zwischen der dünnen jüoischen Bevölkerung und der nichtjüdischen groß. Hier wirkt sich der Boykott, hier wirkt sich'die Unduldsamkeit verheerend aus. Hessen-Naffau und Schlesien stehen in der Mitte. Die katholischen Enklaven und Gegenden sind in antisemitischer Beziehung weit weniger gefährdet: die ausgtcichende Macht der katholischen Kirche und die Vormachtstellung der Zentrumspartei in diesen Gegenden verhüten, daß die judenfeindliche Hetze Formen des Terrors und der Gewalt anninimi. In diesem Zusammenhänge ist die Wichtigkeit einer straffen Organisation zu betonen, wie sie sich im Landesverbünde Hepen-Naffau findet. Nicht nur ist es der Frankfurter Führung des Landesverbandes gelungen, das politische Bewußtsein der jüdischen Bevölkerung wachzu- '!!!■ 1 r / Q j | r -f u U i i H, c?' j y j ' '• Ij ■(- sMMHLt SV y Neu ausgenommen! HDD W ISO Neu ausgenommen! Alleinvertrieb durch die Firma J. &Rt@ra ßienaeelGF* ISqfüIss $3018» Landsberger Strasse 91.