Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 10 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- Seite 86 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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M Reichstagsabgoordnete Tr. Sorbit am 16. Jammr 1961 im K r i e - glorifiziert. Dafür folgende Beweise: Am 1. Juli 1031 propagierte der „Angriff" gegen die Kommunisten: „War: soll das rote Mordpackzeng mit Handgranaten und Maschinen gr.vehrrn von den Straßen veArciben!" Dr. T e l s ch o w führte in einer Bechammllmg in Ne uh aus am 22. Olt ober IS2S aus: „Wir morden Len Kampf uüt allen Mitteln führen. Im Kampf gibt es Leiche::. Wenn es gegen btn jü-rschen Janhagel acht, schreiten wir auch über Gräber." Der bels hat gervereinshauZ folgendes ausgeführti „Tie Spannung'und Empörung in un- - seren Reihen ist bis zur Siedehitze gestiegen. Vielleicht findet sich darunter einmal einer, der seine persönliche Ehre identifizier: mit der Ehre der Partei und sie in der Weise, . wie es ihm seine Ehre gebietet, wiederherstellt. Ich fordere nicht dazu auf, aber was der einzelne tut, können wir nicht kontrollieren.^ (Hört, hört' links und in der Mitte, Unruhe rechts.) In der D i e n st v o r s ch r i f t für die S. A. der NSDAP., die ich zufällig erhalten habe, wird siür die jungen Leute, für die diese Dienstanweisung bestimmt ist, die geschichtliche Einleitung im 2. und 3. Absatz darauf abgestellt, da st von „blutiger Saalschlacht" und von dein „Auseinanderjagen von Marristenhausen mit blutigen Schädeln" gesprochen wird; eine dlufforderung au junge Leute, so vorzugehen. In cinxm bekannten eturmüeb der S. Ä. heißt es in den letzten Versen: ,LVenn der Sturmsoldat ins Feuer zieht, Turm hat er frohen Mut, Und wenn das Judenblut vom Messer spritzt, Tann geht's noch mal so gut . . . Die Jude tt und Marxisten, Die bringen uns kein >peil, Don Severing und Genosten Erschlagen wir mit dem Beil" . . , Und der Schlußrefrain lautet: „Blut muß fließen knüppelhageldick. Wir Pfeifen auf Liese Freiheit der I udeure publik." Mag sich Vas Hohe Hans rrnd die OesfcnLlichtest selbst über diese Dinge ihr Urteil bilden. Wenn ein Mann wie ich, der durch praktische Erfahrungen, die er selbst macht, nach gesteigerter Erregung und aus großer Liebe zu Zcinern Vaterland hier Gelegenheit nimmt, die Herren der äußersten Rechten, die als Ehrentitel für ihre Partei stets das Wort „national" in Anspruch nehmen, auf diese Zustände und auf ihre Verantwortlichkeit aufmerksam zu machen, so kann darin niemand einen unzulässigen Angriff gegen eine Partei erblicken, sondern lediglich das berechtigte, ernste Lestreben, gerade stuit Rücksicht auf die sehr schnoierige außen- und innenpolitische Lage unseres Reiches das Bürgertum vor weiterer Durmsermng mit derartigen radikalisrischen Gewaltla-eorien zu schützen, den Herrn R eichswehrminister aus die Gefahr seines Erpcrimcnts aufmerksam zu machen und die Regierung und die Jauch zu ersuchen, mit Energie gegen jeden politischen Gewaltakt, komme er von rechts oder linlS, einzuschreiten, das halte ich für die Aufgabe eines ReichZtarFabgeordneten, der sein Volk und sein Vaterland EebtA Wir veröffentlichen diese Neve im Wortlaut, obschon das darin euchaAeneu Material rar unsere Freunde nicht neu ist. Die Tachache aller, daß es vom Rednerpult des Reichstags aus gewissermaßen der Gesamtheit des denrschen Volkes endlich einmal vorgetragen werden formte, die starke Aufmerksamkeit, die die Rede bei allen noch Glicht völlig verhetzten Abgeordneten fand, geben den Ausführungen doppeltes Gewicht. lis. Das Verhalten der Nationalsozialisten im Reichstag, die Berichterstattung des „Völkischen Beobachters" über diese Reichstagssitzlmg, der sich erst durch den Hinweis aus die lllotverordnuug zur Berichtigung zrvingen lassen mußte, die Angriffe gegen Melchior, die Beispiele, die August Weber vortrug und darüber hinaus jede einzelne Nummer irgendeiner nationalsozialistischen Zeitung, jede Versammlung zeigen, wie leichtfertig vielfach die Anhänger des Herrn Hitler mit der Ehre ihrer Mitmenschen umgehen. In merkwürdigem Gegensatz dazu steht die Empftnd lichtest Herrn Hitlers, wenn es vermeintlich an seine eigene Ehre geht. So beschwert er sich bei dem Reichspräsidenten in einem Schreiben vom 29. Februar über die angebliche „Unritter- Mjfeit" in dem Kampfe gegen ihn als Präsidentschaftskandidaten. Er behauptet, er sei „als Freiwild der parteipolitischen Lüge und Verleumdung" preisgcgeben. Wer die Verwilderung der Sitten unter seinen Anhängern in dem Maße duldet, wie Sie, Herr Hitler, der hat nicht das Recht, sich über sie zu beklagen, wenn sie sich einmal gegen ihn richten sollte! Wir deutschen Juden konnten Ihnen und Ihren Anhängern den Vorwurf, daß Sie uns „als Freiwild der parteipolitischen Lüge imb Verleumdung preisgegeben" haben, jedenfalls mit mehr Recht machen, als Sie cs dem Reichspräsidenten gegenüber konnten. IV. Helmnth von Ger! ach schreibt in einem Aussatz „Hitlers einzige Wahlchance" in der Sountagsausgabe der „Berliner Volkszeitung": „Es kmm immer noch schlimmer werden. Wer heute unter Hindenburg immerhin noch gegen die Kandidatur Hindenburas schreiben und reden kann, soll sich 'fragen, wogegen oder wofür er unter Hitler noch wird schreiben und reden können . . Wir sind in dieser Zeitung mit aller Deutlichkeit für die Kandidatur Hindenburg eingetreten. Wir lassen uns darin weder durch Verhöhnungen des „Stürmers" noch durch Zweifler aus den eigenen Reihen beirren. Wenn einige unserer Freunde angesichts der Haßwelle des Antifemiiismus der Blut verläßt, und auch sie sich durch das Wort von: „Nichtsmchr-zuwerlieren-haben" zur Resignation oder gar zu dem Spiel mit einer Katastrophcnpolitik verleite:: lassen ne eilen, so mögen sie sich einmal genau Rechenschaft darüber oblegen, ob cs ihnen denn wirklich nicht noch schlechter gehen könnte. Denn noch haben wir einen wahrer; Hüter der NcichsvcrsaFuttg als 9»cichspräsidenicttf und es liegt in unserer Macht, durch un-; fere Stimmabgabe seine Wiederwahl mit zu; ermöglichen. Wer Nicht wählt, sc'zr das höchste Recht des deutschen Ltaawbürgers ' jüdischen (ölauberrs, deutscher LtaatsVürgcr zu sein, anfs Spiel! T«r ösicrceichische Episkopat'pim NationaLsozmlrsmns j Ter „Bayerische Kurier" Nr. 10 gibt einen von dem österreichischen Gesamtepis k o p a t an die Katholiken Oesterreichs gerichLelen Fastenhirtenbries wieder, in dem von dem Nationalsozialismus u. a. gesagt wird:! . . . Auch vom Nationalsozialismus kann man nicht erwarten, daß er die Nebel dieser Zeit banne. - j Auch er droht noch mehr Verwirrung an pirschten, noch mehr Feindseligkeiten in das Bolk hineinzutragen. Wir müssen ein Wort über! ihn sprechen, da eine beträchtliche Anzahl von sonst guten Katholiken in der besten Ucberzeugung sich ihm anschließt und von ihm Heil und Rettung erwartet. Wir müssen um so mehr davon sprechen, als das Programm sich nicht auf das Gebiet der Politik beschränkt, sondern auch übergeht auf das Gebiet der Religion. Manche Programmpunkte lasten in ihrer Auslegung die verschiedensten Deutungen zu und wirken schon dadurch verwirrend. Aber sckfristliche und mündliche Äußerungen namhafter Führer erklären diese Programmpunkte so, daß ihre außerordentlich feindselige Einstellung gegen die katholische Religio;; und katholische Kirche klar vor aller Welt zutage tritt. Diesen verschieden radikalen und radikalsten Programmverkündern der Gegenwart ist manches gemeinsam, so Uebertreibung und Ucberfpannnng mancher sonst berechtigter Forderungen. Ihre Theorien arten vielfach zum Radikalismus aus. Sie benehmen sich wie Eroberer der Welt, wie Begründer neuer Zeiten, wie Erlöser aus dem tiefsten Elend, wie Bringer einer herrlichen Zukunft. An Stelle der Religion tritt aber bei ihnen das Programm. Die Klasse oder die Nation wird Mur Idol, zum Götzen. Gin maßloser Gcsrn- Bungstcrrorrsmns wird geübt. Selbst vor einem ^chreckensregiment scheuen manche nicht zurück. Wie kann von solchen Heil und Rettung kommen? Eilt da nicht das Wort der Heiligen Schrift im Buche der Makkabäer (1. Makll 5,57): „eie waren nicht vom Geschlecht jener Männer, durch welche die Rettung dem Bolle bewirkt werden solltet „NSDAP.-Komitee Nr. 8." Seit einigen Wochen erhalten, wie wir bereits in der „E. B.-Zeitung" vom 26. Februar erwähnten, jüdische Firmen Erpresserbriese eines sögenannten NSDAP.-Komitees Nr. 8. Es handelt sich hierbei nicht um irgendeine politische Aktion. Tie Briese gehen vielmehr von einer jugendlichen Erpresserbande ans, die auf die Äengsilichkeit von Geschäftsinhabern spekuliert. Die NSDAP, hat mit diesem Treiben nichts zu tun. Wir bitten dringend, den Briefen keinerlei Beachtung zu schenken, sie aber möglichst umgehend den: Landesverband Groß-Berlin des E. B. zu übermitteln. derTALMUD für jedermann AllgemelnvcrildnMfche Auswahl in deutscher lleberiragnng von Fremcr. - Ein begeisterter Freund unserer Talmud-Ausgabe hat einen Fonds gestiftet, Lurch den es möglich ist, das riAchrbch geörcllw, chcchagelcche, herrliche Dwnnmentalwerr in relchveraoldelem Gauzkeinenband bis au? weiteres siaii 35 Xv'a?! /ch freute -u liefern (auch in zwei Mraatsreken ö. 8,25 Marl). — Dmutzan Sie diese einmalige Gelegenheit, für ... «AuiiM Sie müffen den Talmud kennener gahöci neben de? Lrbel in jedes jüdische Haus. Bestellungen nur an Sönrunö A’C'./JV, Buch A Alu::g. LrrUn V50, Äambürser Straße 61, Postscheck SIS w, aearn Soreinseudung oder ÄschrAhme. j