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Central-Verein-Zeitung · 1932-03-04 · 10 (4.3.1932) · p. Seite 85

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
10 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
Seite 85 (sequence 1)
Language
German
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-9. 3 ]c%clin, 4. März 1932 äi. Fahrgang ♦■ Kr, 10 (inzrlnummre 20 Pfennig?SSB fsßii35':v3?3r;S y33iK£i"y' 'MsWMHMWWHM KONLSQSS.N. Allgemeine Zeifung des3udeniums Verlag u?U) Echriftleitung: Berllri v/13, Emse-Str. 42. Fsr^spiech-r: 3 2 Oliva 5074. Postscheckkonto: Berlin 2-04 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Deposttenkasse Hl Berttn-DilurersLorf 1, Hoh-aZollerrrdaaurr 194, und von GoldschnridL > Rothschild L Co., Berlin W 8. Tlleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Exvedition Rudolf Masse, Berlin SW ICO, und deren Filialen. An-eigeuvreise: 0,90 JUX für die Igespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Ronnalzrilenmesser Rr. 4, Familienan^-eigen unld Stellengesuche (nicht Stellenangebore) für Mitglieder des CentralrersinL 0.45 JUX, dir 62 mm breite Reklamezeile 0,50 JUL nni> SSiertcliaörsabonnctnent . 2.25 RM. (ZUZÜgl. Bestellgeld). V 15, Emser Str. 42. Fernsprecher: 3 2 Oliva 5074. 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Wie sollen wir über die ins Riesenhafte gewachsene wirtschaftliche Not, über das mit der Arbeitslosigkeit kommende . Elend dieses Winters Herr werden, wenn nicht alle sittlichen Mächte ohne Unterschied der Konfession und Standessch ich t und Partei zusammen helfen? Wie wollen wir sonst den Hüsz abfcatiat, der blindwütig über unsere israelitischen Mitbürger oder über andere Volksgruppen in Bausch und Bogen, ohne Schuldrrachwcis von Kopf zrr Kopf, den Stab bricht, oder dem Bürgerkriege wehren, der unabsehbare neue Verwüstungen anstiften und die Verelendung unseres armen Volkes durch Selbstzersleischung besiegeln würde?" Dieser Brief könnte im Februar 1932 geschrieben sein. Die Klage über den Haß, über die rein negative Kritik, über das Hinsteuern auf einen Bürgerkrieg sind noch heute von einer bedauerlichen Aktualität. Das hat die Reichstags sitzung der letzten Woche der Oeffentlichkcit deutlicher als all unsere Hinweise in der Zeitung und in den Vorträgen, als alle dicken lieberschriften in Tageszeitungen und alle Protestkundgebungen gezeigt. Die Wogen des Hasses und der Zerstörungswut brachen sich dort an den Bemühungen des Reichstagspräsidenten. dem Reichskanzler und den Ministern für ihre Reden Ruh»,' 2i! schaffen; dem deutschen Volke mag die Uebertragung der Brüning-Rede durch Schallplatte und Rundfunk endlich gezeigt haben, wo die wirklich aufbaueuden Kräfte im Deutschen Reich zu suchen sind. Und wenn die Abstimmung eine stärkere Majorität für die Regierung ergeben hat, als vorher erwartet wurde, so dar' vielleicht angenommen werden, daß der nationalsozialistische Anschauungsunterricht schon manchen Parlamentarier im letzten Augenblick zur Besinnung gerufen hatte. IL Zwei Reichslagsreden haben für uns als Juden besonderes Interesse; jener Teil der Brüning- Rede, in der der Reichskanzler dem jüdischen Deutschen Melchior für sein unerschrockenes vorbildliches Eintreten für Deutschlands wirtschaftliche Rechte in dem Sachverständigenausschuß zur Regelung der Reparationen dankte. Der Reichskanzler nahm Dr. Melchior gegen Angriffe des Nationalsozialisten Rosenberg und des Deutschnationalen von Freytag-Loringhoven in Schutz und erklärte: „Ich bedauere außerordentlich, daß hier gegen Dr. Melchior Vorwürfe erhoben worden sind. Ich spreche Dr. Melchior für seine energische, kluge und taktvolle Haltung bei' den Konferenzen hier noch einmal meinen Tank aus. Er soll das französische Mitglied gegen das englische Mitglied im Ausschuß unterstützt haben? Im Gegenteil, das englische Mitglied hat ihn gebeten, in entscheidenden Punkten nachzugeben. Das hat er nicht getan, und darüber hinaus hat er es ermöglicht, entscheidende Sätze für die endgültige Regelung in das Gutachten hineinzubringen." Ilnd ferner die Rede des staatsparteilichen Abgeordneten Dr. August Weber, der am 26. Februar die Schuld der Nationalsozialisten an politischen Morden und Gewalttaten nachwies. Dr. Weber führte aus: ,Lur Begründung meiner Ausführungen, die ich vor einigen Tagen hier gemacht habe, und die sich darauf bezogen, daß die Nationalsozialisten Schuld an der Mordpsychose tragen, habe ich mir erlaubt, einige Dokumente hier auf den Tisch des Hauses niederzulegen. Das Thema der politischen Morde in D-eutschland ist viel zu ernst und tragisch, als das; es erwünscht sein könnte, ein Wort mehr darüber zu verlieren, als zur Abwehr notwendig ist. Ich will deshalb auch nur das sagen, was zur Begründung meiner von nationalsozialistischer Seite so heftig angegriffenen Behauptung dient. Die deutsche politische Geschichte kannte bis zur neuesten Zeit keine politischen M o r d e; der Kamps ist mit geistigen Waffen ausgetragen worden. Nach dem Zusammenbruch ist das leider anders geworden. Unter den großen politischen Morden in Deutschland, denen führende Politiker der Linken und des Zentrums zum Opfer gefallen. sind, erinnere ich nur an die Ermordung von Erzberger und Nathenau. Niemand kann leugnen, daß diese Morde unter einer vom Nechtsradikalismus erzeugten Atmosphäre begangen worden sind; niemand, daß sie von völkischer und nationalsozialistischer Seite her verherrlicht worden find; niemand, daß Beteiligte später Mitglieder und Funktionäre der Nationalsozialistischen Partei geworden sind. Niemand, daß damit sichtbar die Serie der politischen Morde begonnen hat, die wir als eine Schande für unser Vaterland empfinden. Und noch eine Feststellung: ein deutsches Gericht hat folgenden Tatbestand festgestellt: Im Jahre 1920 ist ein armseliger Landarbeiter, dem fälschlicherweise unterlegt worden war, er beabsichtige, einen Wafsentranspoct an die preußische Polizei zu verraten, hingemordet worden, indem ihm der Täter die Pistole ins Gesicht preßte und zweimal losdrückte. Der Täter wurde zu fünf Jahren, nach verschiedenen anderen Vorstrafen, verurteilt; die Nationalsozialistische Partei hat den Täter nach dem Stettiner Urteil am 31. März 1927 nach eigener Bekanntgabe im „Völkischen Beobachter" ans der Partei ausgeschlossen. Der Täter ist heute wieder Mitglied der Nationalsozialistischen Partei und der nationalsozialistijchen Reichstugsfraktion, eine Tatsache, zu der kein Kommentar gegeben zu werden braucht. Selbstverständlich verwerfen wir politische Morde und politische Gewalttaten nicht nur, wenn sie von rechts, sondern mit genau derselben Entschiedenheit auch, wenn sie von links her kommen. Die politische Gewalttat wird von rechtsradikaler Seite her Gross-Berliner CVer Seid so opferfreudig wie unsere Gegner! Zahlt Euren Beitrag au? Postscheckkonto Berlin 112201, Sonderkonto

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