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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-26 · 9 (26.2.1932) · p. Seite 80

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
9 (26.2.1932)
Date
1932-02-26
Page
Seite 80 (sequence 8)
Language
German
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m tim mm f 3X23-0:5; im Deutschrn DLchtsr§arten irr Ärvelarr- ■\??y 3)itm begegnet oft der irrtümlichen, in der politisch-geistigen Struktur unserer Zeit begrün* - beten Ansicht, als hätten wir in Teutchiand überhaupt kein Heine-Denkmal. Wir haben es zwar, obgleich der Dichter sich in stolzer Zuversicht ein Monument schon vor fast 100 Jahren selbst prophezeit hat, noch immer nicht Ln Düneldors, seiner Geburtsstadt (die Lorbereitun-- gen sind, nach Ueberwindung weit zurückliegen- . der. beinahe grotesker Widerstände, längst getroffen und rverden, trotz einer soeben inszenier- \ teil neuen Hetze, hoffentlich in absehbarer Zeit zu einem glücklichen Ende führen); aber wir haben sogar zwei Standbilder Heinrich Heines in Ham* "bilrg, seiner Seelenheimat. der schönen Wiege seiner Herzensleiden: das eine, ehemals im Besch der Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, ein feierlich-ornamentales Werk des dänischen Bildhauers H a s s e L r i i s, mir der müden -Schmerzensgestalt des dein Tode geweihten Dichters: das andere, ans der Hand Hugo Lederers, die lässig-anmutige, ^sinnende, aufrechte Fstgur des von der Krankheit noch unberührten Lyrikers Herne, den Blick in' weite Ferne geeichter . . Ein drittes Denkmal hat G. Kolbe -.dem Dichter in Frankfurt a. M. geschaffen: Heine selbst nur als viereckiges Relief am. Sockels die männliche und weibliche Hauptgestalt als allegorisch-symbolische Verkörperungen der beiden Wesenselemente von Heines Dichtung, dem tanzenden, springenden Witz, und der lyrischmelancholischen Versunkenheit. Lange jedoch, bevor diese drei Statuen in Deutschland ihren Standort fanden, haben die ^Deutsch-Amerikaner dem weit über die Grenzen seines Vaterlandes berühmt gewordenen Dichter ihren pietätvollen ^Erus; entboten, indem sie den ehemals für Düyeldorf bestimmten Lorelei- Brunnen von Professor Ernst H e r t e r der .Hauptstadt der Bereinigten Staaten zum Ge- - schenk machwn. Und nun ist vor einigen Monaten, abermals auf amerikanischem Boden, eine neue Monumentalbüste Heinrich Heines enthüllt worden: die eigens zu diesen! Zwecke gegründete Heinc- Momorial-Gommisüon hat ihr im „Deutschen Dichtergarttmck in Glevetand im Staate Ohio, zur Seite Schillers, Goethes und Lesüugs. ans einein Sockel von grünen: Granit einen -würdevollen Platz zugewiesen. Der Schöpftr dieser Büste ist der junge Berliner Bildhauer K u r t H a r a l d I s e n st e i n , ein Künstler Dort Eiacmvuchs und plastischer Phantasie, dazu von ungewöhnlicher Vielseitigkeit, die sich nicht nur iu zahlreichen Skulpturen, sondern auch iu einer Fülle von Gemälden. Radierungen. Zeichnungen, Karikaturen Geltung zu verschaffen wußte. Seine Heine-Büste reibt sich ebenbürtig in. die Galerie der zahlreichen Pvrträtp.aslcken. dn er. immer ans eine lebendige Heriwsarbeillmg de? inneren Wesenswrus bedacht, von führenden Männern der Wissenschaft und Kunst gemeißelt hat. Als überzeugter Jude — Jsenfteiu ist'mütterlicherseits ein Urenkel des ehemaligen Oberrabbiner? Prosesior Wolf in Kopenhagen — wandte er sich in seinem Schassen cm meisten den hervorragenden jüdischen Persönlichkeiten zu. die, wie Albert Einst c i n , Ernst Eassirer . Moritz Geiger, Emil L n d w i g , Ernst Toller, Alfred D ö b - l i n, in ihrer differeuzlrrchn Geistigkeit und der charakteristischen Ausdrnckssorm der menschlichen Züge, dem elementaren, schöpferischen Gesuchtungswillen des bildenden Künstlers besonders dankbare Modelle boten. Auch Heinrich Heine, bei dem freilich der Dichter und der Mensch sich niemals in einer unauflöslichen Einheit zusammengesuudeu haben, mußte gerade den jüdischen Künstler Jftnstein zur Nachbildung reizen — derselbe Heine, ^der trotz der Taufe kein Hehl daraus machte, daß er zum Judentum nicht zurückzukehren brauche, nmt er es, nach eigenem Bekenntnis, niemals verlassen habe. Und so ist es denn kein Zufall, daß die Erscheinung des Dichters sich dom inneren Blicke des nachschaffenden Bildhauers zunächst als Jude darstellen mußte: tatsächlich wird mau denn auch die Merkmale der Abstammung in der Erneuerung des Herne-Bildes bei Jsenftein unschwer wiodererkemren. Wesentlicher aber ist, daß der Physiognomie Heines jede Idealisierung und auch jede sentimentale B einst sch ung fehlt — cs ist Heine ans der besten Zeit seiner rmlyrischen Pachftr Kampf- und Mannesjahre, in denen das blaue, schmächtige Oval des Gesichts, wie es noch den: berühmten Oppenheimschen Gemälde seinen spezifischen Ausdruck gibt, sich wohlig gerundet hat. („Ich bin nämlich seit einiger Zeit" — schrieb Heine 1839 ans Paris — „sehr wohlbeleibt und dick geworden.") In dieser natürlichen, unstilisierten Aufsagung spiegelt sich aber auch ein ganz moderner Heine, ein Heine up to date, der mit seinen leisen oder lauten Sarkasmen unmittelbar 311 unserer Gegenwart zu sprechen scheint. Und mdem Jsenstein mit seiner bildlichen Darstellung Heines die Illusion der Zeit nähe gewahrt hat. wußte er gleichzeitig in höherem Sinne Zeugnis abzulegen für das an keine Zeit grenze gebundene Forstwirten von Heines Dichterpersönlichkeit. Dr. Hugo Lachman^ki. / von vr. Max- Hrrmwa!- Don einem ebenso wenig gekannten, als oft genannten Luche, einem Buckle, das für den Aufgaben- und Leserkreis dieser Zeitschrift ganz besonders in Betrat kommt, vom ^ohar, ist soeben im Verlag Tr. Heinrich Glanz, Wien, aus der Feder des auf diesem Gebiete erprobten Tr. Ern st M ü l l e r, eine llebersetzung in Auslese erschienen. Die somit offenkundige Tatsache, daß diesem in zahlreichen Ausgaben erschienene Hauptwerk der Kabbala durch Uebersetzungen allgemein zugänglich gemacht werden kann, darf als ein Beweis Zöafür gelten, daß cs in dem Sinne einer gcwiyeu gegnerischen Presse und Literatur jüdische Geheimschriften nicht gibt. Wenn auch die Sprache des Sohar, ein Gemisch aus Aramäisch, Hebräisch und verstümnwlten Fremdworten, besonders aus dem Griechischen, dem Verständnis^ des überdies oft verderbten Tortes manche .^chwieri gleiten bereitet, so erschließt sich doch jedem, der des Sprachlichen mächtig und mit dem Ideengehalt darz Kabbala vertraut ist, nunmehr aber an der Hand der llebersetzung, zu einem Teil auch dem Laien der Sinn der vom Sohar vorgetrazouen Lehren und Schriftdeutungen. Um so memoer begreift man die Unverfrorenheit, mit der in dieses Buch Ausfälle gegen das Ghriftentmn, Aufforderung zum 'Ritualmord und, was derlei Märchen mehr erfunden wurden, hineingelesen werden konnten. Den Gutachtern in dem bekannten Prozeß Rohling—Bloch siet es deshalb nicht allz'ch schwer, solche Verdächtigungen all Werk eines Fälschers und Verleumders zu erweffen. Tie Einzelheiten kann man bei I. S> Bloch. „Israel und die Böller" S. 638 nsw., Nachlesen. In der Gedankenwelt des Sohar, soweit uns die vorliegende Uebersttzung in ftc^ ernen Einblick gewährt, fühlt man sich sogleich hoimstch, wenn man ein wenig mrllwlogisth und folttoristisch vorgebildet ist. Daß alle Irdischen Dinge ein getreues Spiegelbild der himmlischer! sind, glauben, wie die alten Anhänger der Herrnesllchren n. a., noch heut die Pownee, ein Judiancrstamm Nordamerikas. „Das Gebeinuus der 9tuß", in anderer: kabbalistischen Schriften noch eingehender behandelt, begemret uns in einigen Sagen Kärntens, die schöpferische Kraft des intensiv auf einen bestimmten Goncnstand konzentrierten Denkens (Kmonmua) bei den Zamcnten in Litauen wie im 'Buddhismus. Die Macht des Wa-ncs ist eberrso wie jüdisch, auch indiim. altgrien "äa alexnndrinisch, christlich. Der Narne'Avraham. der den deinen seine Frück'te br.rl'ietct, den Unreinen sich eutzielst, crinnert am die^ Tautast' :-staue, ^an dris Meyer Wielands des ^chrrriedrs, das weissagende eck^rfrichterschroert bei Brentano, den Todesfälle an» kündigenden Hammer des Schultlopftrs einer Prager <mgeM Die Himmetsreisen der Seele im Schlafe sind weitLstoerbrcitett-r Volksglaube, der Lebensbaum Gemeingut der verschiederrsten Ncythologien usio., nsw. Bekennt doch der Sohar selbst z. L. an einer Stelle, die offenbar dem Tiamat-MhthoZ entstammt, „aus allen Büchern" geschöpft zu Haben- Tie Form, in der das vor etwa siebenhundert Jahren niedergeschriebene, in vielen Zeilen aber einer viel weiter zurückliegenden Zeit angehörende Buch zu uns spricht, befremdet natürlich auf den ersten Blick. Doch gibt die Auswahl Müllers einen gutew Begriff von dem Wert des Inhalts. Sa beginnt der Sohar mit einem Gleichnis von der Rose. Die dreizehn Blatter im Kelch der Rose entsprechen den dreizehn Eigenschaften der Liebe Gottes (2. Mose 34. 6 s), die fünf Kelchblätter den fünf Fingern, mit denen wir „den Becher des Segens" erheben. Dieses Gleichnis läßt sich auch, wie es gelegentlich geschehen ist, auf die Cenieinde Israels anwenden. Die Blätter im Rosenkelch erfreuen durch Duft und Farbe, sie stehen brüderlich zusammen: die Kelchblätter sind rauh und nicht /arbenfchön, sic streben ausemander. Ein Beispiel, wie der Sohar die Phantasie anregt: wir lesen 1. Mose 47,29: „Und es nahten die Tage Israels (Jakobs) zu sterben," nicht etwa: „es nahte der Tag" seines Todes. Dies will besagen': sobald die von Gort bestimmte Zeit des Sterbens einem Menschen naht, läßt Er die Lebenslage des dem Tode Geweihten vor sich hin treten, um seine Taten an jedem Tage zu mustern. Wohl dem, besten Tage, wie die Jakobs, Gott furchtlos nahen dürfen, die Musterung nicht zu scheuen brauchen! Der Prophet Elischa fragt — es war gerade am „Tage des Gerichtes" — die Sunamitiu: „Hast du dem König etwas zu bestellen?" Sie antwortet: „Inmitten meines Volkes wohne ich." Am Tage. des Gerichtes allein vor dem höchsten Richter hinzutretou. ist mißlich. Wenn Er mit jedem einzelnen ins Gericht gebt, kann keiner bestehen. Aber „inmitten des Volkes", in den: einer den anderen ergänzt, hält die Summe dos gemeinsamen Verdienstes der der gemeinsamen Verschlungen die Waage. Diese Proben mögen einen Begriff voll dem Geist des als so »lerrschenfcindlich verschrieenen Sohar asttn, für dessen Übertragung in ein gutes und schönes Deutsch wir Müller dankbar sein müssen. Auch der Verlag, der das stattliche Buch voll Und Brrnba u nr geschmackvoll hat verzieren (anen, verdient Anerkennung.

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