Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 9 (26.2.1932)
- Date
- 1932-02-26
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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76 WiOZWsSM ds§ AaiZchr' Eine politische AuSemanderfetzurrg mit Hans Biüher i. Die^ seinacsponnene Auseinandersetzung zwischen Hans Blühcr und seiner» Kritiker über „Die Erhebung Israels argen die christlichen Güter" (,,C. B.-Zeitung" Nr. 3 und 6) hat, wie uns scheint, eine Verzweigung und eine Verschiebung erfahren, die einer Klärung der politischen Seite der Angelegenheit bedenklich eutgegeusteheu. Wenn wir auch keineswegs verhehlen, daß es bedeutsam sein mag, wenn ein nichtjüdischer und ein jüdischer Theologe sich aus der Ebene gleicher metaphysischer Ueberzeugilngen finden, scheint uns der nüchterne Tatbestand durch diese Verlagerung auf eine angeblich jenseitige Ebene verfälscht. "Denn Blüher ist — jedenfalls für unseren laienhaften Verstand — .kein Theologe; seine Interessen sind, Mich voo sie angeblich in der Ebene der „reines! Geschichte" liegen sollen, keineswegs jenseitig. Deutlich sind die politische:: Hintergründe nachzuweisen, die seine Haltung bestimmen, und der Einfluß, den das neue Buch (wie seine übrigen) üben soll, sollt in die höchst reale Ebene der Politik — was schon aus der Verbindung zun: Kreise derer um Stapel ersichtlich wird? Entkleidet man die antisemitischen Argumente der Biüherscheu Schrift ihres mittelalterlich-mystischen Gewandes, so begegnet man einer Vorstellung, dis längst aus "der politischen Demagogie des Antisemitismus bekannt ist: es ist der Wahn von dein Bestehen eines angeblichen jüdischen Weltreiches', das von einem „Fürsten der Verbannung" regiert werden soll. Diesen leibhaftigen Antichristen hat Blüher aus dem Arsenal der antisemitischen Fälschungen . hervorgeholt: schon im Jahre 1925 hat nämlich Strack nachaewwsen, daß der vom Blüher zum Kernstück seiner Beweisführung gemachte „Erlaß" aus dem Jahre 1489 erst ein Jahrhrmdert später von dem Kardinal Juan Martinez deutlich zu Zwecken der antisemitischen Hetze geschrieben wurde. Bei diesem eindeutigen Sachverhalt, den man kennen muß, wenn man historische Bücher schreibt, härte ein^Mann, der nach)' Erkenntnis ringt, sich aller ^chlußwlgerungen aus dieser Fälschung enthalten müssen. Der Politiker Blüher aber, dem das Bestehen dieser Fälschung für die Zwecke seiner Koustruttion sehr gelegen konunt, setzt sich auf folgende Weise über alle Bedenken hinweg: „Auch hier besagt Echihcit oder Ilncchihckck gar nichts, sondern nur ihr inteUißiMer Inhalt. Däner ist aber bei jenem Erlaß des Fürsten der Verbannung unbedingt wahr." Wir gestehen offen, daß es uns ganz 'unerfindlich ist, wie eine Fälschung einen „intelligiblen Inhalt" haben kann, der „unbedingt wahr" sein soll. Läßt man sich überhaupt aus solche „Sinndcutuug" der Geschichte ein, so müßren jcdenalls die geschichtlichen Tatsachen erwiesen ein. Sonst wird der „intelligible Inhalt" einer olchen Geschichtskonstruktion — einfach Hnfum. II. Der allgemeine Inhalt des Blüherschcn Buches ist "unseren Leiern berests berichtet worden?) Doch scheint uns darin die Blüherfche Konstruktion der historischen Zusammenhänge, aus der sich die Politiken Aonoeudigkeilen der Gegenwart ergeben sollen, nicht genügend verdeutlicht. Dckstu Zusammenhang neht Blüher in einer eigemckmli neu Dreischich- Uuiq des Stusenbaus der Ge'ch:.h!e, die, in verständliche Formulierung gebracht, etwa folgenchwulaßen aassiehl: -Die trauende Schicht der christlichen Kultur sei das absolute Königtum, ohne das ein Bestand'des Staates nichr denkbar sei. Tie gegen Königtum und Swar wirkende Macht sei das I u d c u t u m. Weil aber die Gegenwirkung sich gegen christliche Güter richtet,?ci das I ii den tu m zugleich Sendbote des *) VF. Ar. 3 und 6 der „C. V.-Zeiwng" vom N>. Jan.urrr und b. Fcoruar d. I. Antichristen. Im Dienste des Judentums Habs nun heute Frankreich diesen „Sendungsauftrag" üöernoiumeu. Jin Auftrags des Judentums müsse Frankreich Deutschland bekämpfen, weil, das protestantische Deutschland allein dazu berufen sei, die christliche Kultur in Europa und in der Welt zu retten. Die Konstruktion läuft also darauf hinaus, einen Zusammenhang zwischen dem historischen Verfall des Absolutismus und dein Eintritt der Juden in die Geschichte zu stiften (was schon Ehamöerlain behauptet hat) und auf Grund dieses Zusammenhanges eine Begründung für die Notwendigkeit der „Erbfeindschaft" Mischen Deutschland und Frankreich zu geben. Diesen, wie man ficht, hochpolitischen und durchaus in der Wirklichkeit spielenden Zusammenhängen gibt Blüher eine angeblich „metaphysische" Wendung: in einer Form, die keinen Widerspruch duldet, werden diese Zusammenhänge als weftnsnvtweudig und unbestreitbar hiugestellt und erheben Anspruch darauf, sich unnüttelbar aus dem chm der Geschichte zu ergeben. Eine solche Geschichtsdeutung wird, in Liese wenigen kurzen eäue zusammengefaßt, so unverständlich und grotesk erscheinen, daß wir uns verpflichtet fühlen, sie mit den eigenen Zitaten des Autors zu belegen. Das Buch beginnt mit einem Angriff auf die deutsche Repnhgfl hie eine .wes publica corrupta“ genannt wird, und die — seibswersiänd- Ech! — durch den „zersetzenden Geist des Judentums" korrumpiert worden ist. Aber eigentlich gibt es sr e ga r nicht— in metaphysischem Sinne, versteht sich: „Es gibt Deutsches Reichst es gibt Kaiser und Reich, es gibt aber nicht .Deutsche Republik" — so lautet das unerschütterliche Dekret des Herrn Blüher. Tenn: „Wo eine echte und geschichtsfähige Republik austritt, da handelt es sich immer um ein im Vorstadium stecken gebliebenes Königtum. . . . Denn in der Tat: der Staat ist der König. Ter Staat ist das Eigentum des Königs, freilich nicht sein privates; rmd wo diese königliche Eigentumüd-fät des Staates aushöri, da tritt er aus der Geschichte aus und Ln die Wirtschaft ein/ (Sperrungen von Blüher; übrigens zeigt das Zitat die'Betveistechnik des Verfassers, die im wesentlichen in verblüffenden Wortspielen und ebenso verblüffenden Antinomien liegt.) Dieser Heber tritt des Staates aus der Geschichte in dis Wirtschaft vollzieht sich im Zusammenbruch der Königs macht, „imt> cs meldet sich die Frage, ob es für einen Christen erlaubt ist, zur Deutschen Republik m einem Verhältnis zu neben wie zum Deutschen Reich unter einem christlichen Kaiser/ Denn: „Die einzige für einen Christen wirklich annehmbare Verfassung ist das Cottcsguadeutuur des Königs. Nur eine Obrigkeit, die von Gott seinen Will-ch. und die allein vor Gott sich verantwortlich fühlt, ist dem Ehristentum voll vereinbart Lstan könne, meint Blüher, „nicht an Gott glauben unb a u ch an den Menschen. . . Aber es muß hier verstanden werden, sonst ist cs zu spät: daß der Glaube an „imuuuäUlck das Christentum, ausschUeßl." Und wenn man gar eine religiöse Haltung zu haben vermeine und doch nicht hundertprozentig tönigsireu sei, sondern „ein Widerspruch in sich selb st", e:wa religiöser Sozialist, dann ist man völlig verworfen: „Ich behaupte und ich werde beweisen, daß diele Religion rächt etwa identisch ist mit dem Judentum. wohl aber ein deutlicher Absenter davon, und überdies der von Nvstrvdamus zum lechen Nücke buwsräbllch und chronologisch genau gesehene vtu!id)r;4t ist". Wir verspüren das Bedürfnis, hier sogar die Feite anzu-mbon, aus der das im Blühericyen Buche geschrieben ist (S.L9), weil wir desärchten, daß ruan sonst bei einigermaßen lü-chGrner Bennlnn-g uns n'chr glau.ben wird, daß heutzutage Brophezeinngen eines chüiwlackerlicheu Zauberers-;n!d nie mittelalterliche BorsteUuug von dein Aufkommen des Antichrist in nLem Ernst als Waffen irri politischen Kampf verwendet werden sollen, lind wir tonnen, in diesem Zusaurmachange, auch nicht ein anderes Zitat unterdrücken, das sich auf S. 48 findet und das allch ohne Kommentar die Art der historischen Forschung von -vans Blüher kennzeichnet. Tort ist zu lesen: ' _ „Vielmehr ist an zu nehmen, daß die erlesene Substanz der Germanen sich in einem hohen Rchezustaud befunden hat, der das Christcutmn beinahe hätte erzeugen können — wenn nicht eben der Sohn Gottes zu Bethlehem im jüdischen Lande zur Welt gekommen wäre und nicht an der porU westfalica/ Ta nun aber nach unersorWichen: Ratschluß der Stifter des Christentums im jüdischen Lande geboren war, muß ein anderer Grund als der eines Mangels religiöser Erlebnissähigkeit gesucht werden, um den auf dem Judentum angeblich lastenden „Fluch" zu erklären. Es fällt Blüher nicht schwer, sie in der „Messiasverfchlung" des Judentums zu finden: das Judentum hat den „Neuen Bund" nicht anerkannt. Was sonst für Blüher die größte Stärke ansmacht: -rreue der Gesinnung und Festhalten an der ererbten Religion, wird hier im Falle dos Judentums zu einer, versteht sich metaphysischen, Schuld. Und aus diesem augeblichen Schuldbewußckein stammt ein' Pakt mit dem Teufel (wenn df gestattet ist, den Antichrist bei seinem landläufigen Nomon zu nennen), der dem Judentum, ganz ähnlich wie dazumal Fausten, ewige Jugend und die Herrschaft über dis Welt verschrieb. Seit jener Stunde der Messiasvcrfehkung bezieht das Judentum „jenen Posten, den es niemals umgibt: iw. Kampfe gegen das dumpfe Seschichtsgesühl der Messias- Verfehlung, der die jüdische Seele belastet, die 'Wahrheit des israelitischen Glaubens zu halten und den Völkern das Christentum wieder abzunehnwn". Zwar: „Ter jüdische Wellplan kann gar nicht im Bewußtsein liegen; aber es gibt ihn, und er reicht ins Bewußtsein.* Was nutzt diese Einschränkung und die Ablehnung des Gedankens „an eine Zentralregicrung des Judentums" im Sinne des Vulgärantisemitismus, die Blüher an dieser Stelle ausdrücklich für notwendig hält? Im Grunde Lut er selbst nichts anderes, als was er bei „unseren Antisemiten^ ablchnt: er stellt schleckrthin Behauptungen auf ohne jede Spur eines Beweises. Denn woher sollte Herr Blüher oder sonstivcr von einen: „Weltplan" wissen, der nicht ins Bewußtsein kommr? Wissen ^kann man nur von eckvas, was ins Bewußtsein kommt: das kann Blüher aus der ersten Seite jedes erkenntnistheoretischen Lehrbuches lernen. Wie dieser jüdische Welt plan aussieht, ergibt sich aus bem Verlaufe der Geschichte, deren Darstellung erst dann richtig wird, wenn „dauernd die gesäjichlliche Macht des Judentums als eines latenten und ständig mit spie lenden Reiches sichtbar wird". Dann wird klar, daß „die politiühe Seite die'cs Kampfes die Tiskrediticruug der angcümmuirn Herrschergeschlechter der Völker und ihrer heroisll-en AAmsausiussung" ist. „Ter Gedanke, daß der ^taat ,GestUschasck sei. ist ja erst ein korruptivcr Gedankenaang des Judentums für die anderen Völker, und nur diele glauben daran, nicht ober dos Judentum sellcktck Nun kann freilich auch Blüher nicht bestreiten, daß dieser Güdauke in seiner gcschick:!ich rvirksamcu Form für den europäischen Kulturkreis von der französischen Revolution ausgesprochen worden ist. Und solgerichkig sieht er in den Männern dieser zsicoolution Sendboten des Antichristen. Nur daß sic allesamt in geheimen Tienstcu des Judentuurs standen. Das ist zioar handgreislichwr Unsinn, aber es wird aus folgende Weise „vencke^en", w ,V>aß Frankreich die vom Judentum ausersebene Filialnracht, ick urr Turckneyuna jüdischer Ziele unter den christlicken Vecklern Curope^-": „Nach be:;i Tode vndwm XIV. erläßt der .Fürst der Vorbauivavch ein Vchmoriul an die in Fran!reich lebendn jüeicken' lü.a.niudunchas ne . auschrdert, unter tun zu ir:e.. ucnbcj: sthlvacheu