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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-19 · 8 (19.2.1932) · p. Seite 68

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
8 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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6$ | S) jj fy-'jJ ii^ Von Dr. Ernst Zeder WANS Sioeckl-^Kandschuhe Die antisemitischen Angriffe, die gegen Bismarck während seiner Kanzlerschaft gerichtet worden sind, haben große Ähnlichkeit mit Len nationalsozialistischen Verleumdungsseldzügen, die gegen die Politischen Führer der Deutschen Republik gerichtet wurden und werden. „Es ist bekannt", so hieß es in einem dieser Pamphlete („T-as kleine Buch vom großen Bismarck"), „daß Bismarck bei seinem selbst von Hesekiel geschilderten wüsten Leben stets bis über die-Ohren in Schulden steckte und dabei vollständig in die Hände der Juden geraten war." Eine andere judensemdliche Broschüre, „Politische Gründer und die Korruption in Deutschland", kam zu dem Ergebnis: „Dafür wollen wir einstehen, daß die Korruption unerhörte Dümenfionen angenommen hat, seit das System Bismarcks daselbst herrscht . . - Es ist ein arges Regiment, unter dem wir leben, sein Name aber ist Bismarck." In diesen- Zusammenhang gehörten auch die sogenannten >,Aera-Aufsütze", die ein konservativer Neichstagsabgeordneter namens Perrot, übrigens französischer Abstammung, 1875 in der „Kreuz-Zeitung" veröffentlichte, und die unter scharsen antisemitischen Ausfällen die Behauptung ausstellten, daß Bismarcks Politik durch jüdisches Geld bestimmt worden sei. Im ersten dieser fünf Artikel wurde der Satz geprägt: „Wir werden ja zur Zeit von den Juden eigentlich regiert", wurde Bismarcks Bankier Gerson von Bleichrrder zum intellektuellen Urheber der deutschen Wirtschaftspolitik, wurden die Abgeordneten Laster, Bamberger und Oppenheim zu den allmächtigen Führern des Reichstags, Delbrück, Eamphausen, Miquel und Kardorff zu ihren willfährigen Werkzeugen gestempelt. Dann hieß es von Bismarck selbst: „Auch mit dem Fürsten Bismarck sollen, schon ehe er Minister in Preußen wurde, hochsinanzielle Kreise in Berührung getreten sein. Die intimen Beziehungen des Herrn von Dleichröder zum Fürsten dürsten, mindestens indirekt, schon an die vorministerielle Zeit des Fürsten anknüpfen-, als derselbe, um mit spärlichem Preußischen Sesandtengehalte und ohne erhebliches Vermögen seinen Souverän in Petersburg, Paris und Frankfurt repräsentieren zu können, allerdings guten Rat in finanziellen Dingen haben mußte." Bismarck holte, wie er in seinen „Gedanken und Erinnerungen" erzählt, nach Beginn dieses VerleumdungsfeDzuges juristische Auskunft ein, ob bei Strafantrag eine Verurteilung mit Sicherheit zu erwarten sei. Er verzichtete aus eine Strafverfolgung, als das Gutachten dahin ausfiel, ,-datz die Verurteilung wahrscheinlich, aber bei der vorsichtigen Fassung nicht sicher sei". Er brach den persönlichen Verkehr mit allen ab, die „sich die ehrenrührigen Beschimpfungen aus der Feder Pcrrots angee'gnet hatreu". Sechs Jahre später, 1881, erklärte Per rot in der „Kreuz-Zeitung": „Die Tatsachen, auf welche ich zu meinem Bedauern uw irr Urteil über den Reichskanzler in den Acra-Artikeln gegründet hatte, haben sich bei näherer Prüfung als irrtümlich erwiesen." Damit schien dies unerfreuliche Kapitel der Bismarck-Geschichte abgeschlossen. Jetzt wird es wieder amgeschlagen. Herr L. F e l d m ü l l e r -- P e r r o t, anscheinend ein Nachkomme von Franz Perrot, veröffentlicht ein Buch, das unter dem Titel „Bismarck und die Juden" eine Anzahl dilettantischer und völlig überholter Artikel Perrots über Bank- und Geldfragen aus den siebziger Jahren sowie die Aera-Artikel abdruckt, wiederum Bismarcks „Abhängigkeit von der internationalen jüdischen Großfinanz" behauptet, ihn aber zugleich als den „größten Mann des Jahrhunderts" rühmt. T-as Buch will das Interesse an dieser Polemik, die völlig uninteressant geworden ist, durch die Behauptung beleben, daß d'ese Gedanken heute neu auserstanden sind. Denn „die große rechtsradikale Bewegung kämpft den Kampf gegen die jüdische Korruption, nachdem die Perrots und mit und nach ihnen so viele tapfere deutsche Männer, das H 27 eigene Filialen r~ . . --i r--*/i allen grösseren ~j Stadien des Reiches Banner in der sterbenden Hand, dahin gesunken sind." Der Herausgeber erhofft vom „Dritten Reich" eine Heilung der Schäden, die „Bismarcks verjudete Wirtschaftspolitik" hervorgerufen hat. So bedeutungslos die Schrift ist, in die Oede und Verblödung nationalsozialistischer Wirtschafts- und Geschichtsprogranuue ordnet auch dieser Unsinn sich zwanglos ein. i 'S. HB 1a ** CTft § *<v am 22. ALttmr Am 22. Februar dieses Jahres wiederholt, sich Zum zwechundertsten Male der Tag. an dein George Washington, der Begründer der Vereinigten Staaten von 2lmerika, geboren wurde. Sein dankbares Vaterland wird sein Andenken in großartiger Weise feiern. George Washington ist nicht nur der bedeutendste Mann, den die Vereinigten Staaken von Amerika hervorgebracht haben, sondern einer der größten Männer aller Zeiten. Er besaß hervorragende Begabung sowohl als Feldherr wie als Staatsmann. Aber vielleicht noch größer als seine geistigen Fähigkeiten waren seine Charaktereigenschaften. Er war standhaft im Unglück wie im Glück, kannte keine Selbstsucht und strebte weder nach Geld, noch nach Ehrenstellen. Er war streng gegen sich selbst, gegen andere aber, soweit es das allgemeine Interesse zuließ, mild und nachsichtig. Vor allem war er ein Malln edelster Humanität. Tie Ideale der Freiheit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit erfüllten sein ganzes Herz. Diese Grundsätze hat Washington auch in seinem Verhalten zu den verschiedenen religiösen Bekenntnissen in Amerika bewährt. Immer wieder hat er betont, daß die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses keinen Unterschied inden bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechten beg^ründen dürfe. Ter von ihm geschaffene ^taat ist der erste gewesen, der diesen erhabenen Grundsatz in seine Verfassung ausgenommen und praktisch verwirklicht hat. Die jetzt zu Ehren Washingtons auf Veranlassung des Kongresses ' der Vereinigten Staaten von Amerika unter der Bezeichnung „Honour to George Washington“ herausgegebene Sammlung von Schriften über Washington enthält Aussprüche, die von seiner Gerechtigkeit auf religiösem Gebiet zeugen. An dieser Stelle seien nur einige Erklärungen angeführt, die sich auf Washingtons Stellung 511 d-en Juden beziehen. In einer Erwiderung aus eine Adresse der jüdischen Kongregation von Newport sagt Washington: Man dürfe jetzt überhaupt nicht mehr von Toleranz sprechen wie dereinst in den Zeiten. da es bevorzugte und nur geduldete Religionen gegeben habe. Die Vereinigten Staaten begünstigten zu ihrem Glück keine Bigotterie und unterstützten keine Verfolgung, sondern fragten nur danach, daß alle, die unter ihrem Schutze stehen, sich als gute Bürger beivähren. In einer Ansprache an die jüdische Kongregation von Savannah heißt es: „Möge der wunderwirkende Gott, der vor langer Zeit die Juden von ihren ägyptischen Unterdrückern befreit und in das Gelobte Land verpflanzt hat, desien vorsorgliches Walten sich sichtbar gezeigt hat in der Errichtung dieser Bereinigten Staaten zu einem unabhängigen Volke, noch sorrsahren. sie mit himmlischem Tau zu bewässern und die Einwohner jedes Bekenntnisses teilnehmen zu lassen an den weltlichen und himmlischen Segnungen jenes Volkes, dessen Gott Jchovah ist." Ein solcher Mann verdient es, nicht nur in seinem Staate, sondern von der gesamten Menschheit gefeiert zu werden. Rechtsanwalt Dr. Orzegow (Düsseldorf). # Wer sich ein lebendiges Bild von dem Leben George Washingtons machen will, lese das im Societätsverlag. Frankfurt a. M., soeben erschienene Buch von Walter R einhardt: „George 2Bc|fjtngton, dio Geschichte.einer D t a a t e n g r ü n d u n g". Es wird Ntrin das Werden des Führers, sein Leben in Krieg und Frieden geschildert und damit zugleich das für jeden modernen Politiker hochinteressante Bild der Gründung des amerikanischen Staates gegeben. _ Gegen das Schächten. Die Nationalsozialisten bereiten gegenwärtig in großem Hm* fange Anträge vor, durch die in Stadtparlamenten möglichst vieler deutscher Städte kommunale Schächtv erböte oder Betäubung s z w a n g s Verordnungen herbei geführt werden sollen. Wir bitten aus diesem Anlaß unsere Freunde, die Ratschläge für die Gegenarbeit benötigen, sich unmittelbar au die Reichszentrale für Schächtangelegenheitcn, Berlin N 24, Artilleriestraße 31, zu wenden, mit der der Centralverein bei der Bearbeitung dieser Fragen in engster Zusammenarbeit steht, und den Centralverein durch Ucberscndung eines Briesdurchschlags bzw. einer Abschrift über die schwebendere Fragen in Kenntnis zu setzen. DER TALM U D FÜR JEDERMANN für Ein begeisterter Freund unserer Talmud-Ausgabe hak einen Fonds gestiftet, . jn reichoergoldetem GanZleinenband bis auf weiteres Mark). '— Benutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, der Äiöel in jedes jüdische Haus. Bestellungen nur an Edmund Meyer, Buchhandlung, LeUin r/50, Lamberger Straße 61, J>ö(fföc<f 81509, gegen Voreinsendung oder Nachnahme. 'CSSaSZSShBScÄfiSZ-’

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