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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 60

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 60 (sequence 8)
Language
German
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] so ^Dss Gshsr^ms ör§ HH rraisrr §rz'rörlH unö LuSwig Sarnörr^rr Unter der auch hier gewählten Ueberfchrisr: „Das Geheintnis der 9 V T a g e“ fiat Dr. Ernst Feder in der „Frankfurter Zeitung" 311m ersten Male die Tage u ü äj c r Ludwig Bamberge r s über di e R e - gierungszeik Kaiser Friedrichsveröffentlicht. Ein Leberbissen für jeden geschichtlich interessierten Politiker, aber auch, und vor allem, eine Fundgrube für amr, neue politische Erkonntnifle. Alle, auch Bismarck, haben während jener tragischen 99 Tage des Jahres Iddd na ei', dem unbekannten Ratgeber des trauten Kaisers gefahndet, haben hin und her geraten, an Karl Schräder gedacht, an Eugen Richter, an Rudolf Virchow — daß cs Ludwig Bamberger war, hat bis vor kurzem niemand geahnt. Tie Baronin von Stocknauer, eine vertraute Frem.din der Kaiserin, eine Nachbarin von Bamberger unt) daher in den Briefen „Liebe Nachbarin" genannt, war der Vermittler. Bantberger selbst har das Geheimnis peinlich gehütet. Als nach dein Tode Kaiser Friedrichs Jagd auf alle ur.ö auf alles gemacht wurde, was seiner Freundschaft, seines Interesses verdächtig sein konnte, verschwanden die wichtigen Dokumente aus Deutschland und , ruhten irgetrdwo in der Schweiz als „Depositmtt des Herrn Dr. L. Bamberger". Nach Bismarcks Sturz kamen sie zurück. Es kann nicht die Aufgabe dieses kurzen Aufsatzes sein, Einzelheiten aus den Tagebüchern wiederzugeben — obwohl es intcrepant genug wäre. Mit rücksichtsloser Brutalität ^werden hier die Schattenseiten des Bismarck schon '^nsiems ungewollt bloßgelegt. — wie schamlos wurde an den Stufen dieses Kaiseruhrons auf Befehl des „mächtigsten Mannes" (io heißt Bismarck in den Tagebüchern Ludwig Bambergers) intrigiert, gehetzt, verleumdet! „Gegen mich wird geschürt -und'gehetzt, so weit cs nur irgend geht. 'Es ist nicht angenehm, aber wer einen so namenlosen Schmerz am Herzen trügt .— fühlt das übrige nicht mehr. Wenn mcnch sich auch schämt rüber das Maß von Bosheit, Schlechtigkeit und Niedrigkeit, welckie bei dieser Gelegenheit zutage getreten ist." So schreibt verbittert die Kaiserin, deren Bild in den Aufzeichnungen Banwergers mit menschlich warmen und sympathischen Zügen -erscheint. Und trotzdem, Tr. Feder deutet es mit Recht an, hat Lrnbwig Bamberaer bis zu feinem Tode an der Auffassung fest gehalten, daß .der Staatsmann Bismarck, der -eine ganze Generation mit seinen Füßen getreten hat, eine für Deutschlartd rrobrvendigc Mission zu erfüllen gehabt hat. Ob .sie wohl noch aufzutreiben ist. die Schrift des nach 1806 ins deutsche BatcrlmD zurückgekehrt-cn Unerkannten von 18-18, in der -er damals dern deutschen Liberalismus ins Gewissen redete, das Bündnis mit dem siegreichen Bismarck einzugehen? So ward Ludwig Bamberger Mitglied der neugegrüudeten National» liberalen Partei, um sich im Jahre 18M gleich anderen — Laster, Forckenbeck. SrauffeuNrg — in die Opposition zu begeben rrnd die Fusion der „Sezossionistench wie mau diese Gruppe liberaler Politiker nannte, mit der Deutschen Forckchriltspartei zur Deneschffreisinnigen Partei vorzubereirou. Was ist es nun, was als bleibender Eiwdnrck aus-der Lektüre des BambergeriBru Tageouch.es hasten bleibt? Es ist das, wenn: '.nan es am eine .eüvas schwere -geschichtlich-polnische Formel bringen darf (trnd das läßt sich hier nick;: rur-h. umgehen): Die Tragödie der 99 Tage beste ge ne cnd. gültig die Tatsacge, daß das 18. Jahrhundert mir seinen -großen Humanitären Gedanken, die zunächst Frankreich, dann England lind das ganze westliche und nördliche Europa -eroberten, sich in Deutschland niemals Polin sch Ltusgcwirkt hat. Wir lebten bis 1850 im Zmaller des fürstlichen Ab'clmismus, wir erlebten nun: kurzen Jahren des Schwankens die Tiitatnr eines genialen Staatsmannes, der nur dem Schein nach einige Konzessionen an die großen Ideen des Liberalismus machte (und der Liberalismus ist eben die polllffche A'nsdruckssirm der Gedanken des 18. Jahrhunderts!, wir kamen nach Bismarcks Sturz in eine Periode hllflosin Kraftmeiertnms: um dann im Taumel von Krieg und Zusannnenbrnch in eine politische und soziale Entwicklung hineinaestoßen zu werden, die deswegen sich so grausam answirkt, weil sie uni ihrer gewaltigen gesellschaftlichen Unckchicktung wohl den Schein, nicht aber die Wirklichkei! bürgerlich-liberaler Kultur zerstört. Es hat in Teuckckllaud check Politiker gegeben, die C-;n Kn Ger Friedrich gut .zu kennen glaubten und die Behauptung auftckteckr haben, cs sei sehr zweisichckt. ob C-icstr, wenn.: er sich politisch hatte an sieben können, kür Dvnckckckand roirklich ein Zeitalter Des Liberalismus heran ft genihrt Härte. Ob der Hohenzollcr in ihm nicht doen zu stark aervesin wäre rno.O sich sä ließllch gegen den Liberalismus in der eigenen Brust durchgesetzt hätte? Die Tagebücher Ltckmia Bamberacrs geben hierauf eine ganz eindeutige An.twork: Kaiser Friedrich Halle dem Lw-eralis-- rnns in Deillschlattd, wenn ihm Zeit rnD 5t rast von: Schicksal dafür gelasieu wäre, für seine Regiernngszeir zur Herrschast 'verholsink lleberlegen wir einen Augenblick: Ludwig Bamberger war -einer der anerkanntesten hochstehenden Führer der Teutsch-sreinnnigen Partei, mehr, Ludwig Bamberger war Jude. Als cs sich für den todkranken Kaiser darum handelte w-cnigstens durch einet: nnterirdi'chen Gang Zutritt zu erhalten zu dein Leben außerhalb seines Sckllosies, das Von Generälen ebne Zahl umgeben war: da führt dieser Gang zu diesem deutsch-liberalen 'Politiker jüdischen Glaubens. Dr. Ernst Feder meint. Ludwig Bamberger wäre vermutlich Minister geworden,„halle nicht der Krebs den Traum des liberalen Kaisertums zunichte gentacht". Das mag sein, mag auch nicht fein: Tatsache äst. daß dieser deutsche Jude dern sterbenden .Kaiser und der ihm gleillgesimllen. ost derzwenelnden Kackorin den Glauben vermittelt bat, daß auch diese 99 Tage des Leidens ähren Sinn für Volk und Vaterland haben müßten. Die oft gestellte Frage: Was wäre aus Tcutschland geworden, wenn Kaffer Friedrichs Regierung sich batte ansnoirken können, legt sich heute, nachbern wir durch Dr. Ernst Fcdors dankenswerte Bercksiuckichung Kenntnis crhalion haben vor: Der Ticke der humanitären Gesinnung dieses Hobenzckckrn. wirk, ich wie emo Zentnerlast am die Brust st des Deutschen, der nicht lostommt von den: Glauben, daß der Aberwitz des rtationalistifchen Armen- und Mcmeuwcsins, der heute dtwch nnstr Land geht, nicht dauernd über nuferen: Volte herrschen kann. Der LiKwalismus. dem Keiler Friedrich, dem Ludwig Bamberger arckmmtm ist. wie könnte es anders sein, ein Kleid der Zeit: der Gednnck der Humanität, im 18. Jat)rhundert um cn::;::r m:d vom Liberacksmns au; chenoa: men, ist ewig. Dck' er ütCaufc wird :i in rackerem Bocke noeb len 5: e:u trenn das I rr eee ckitb :: f-: f: a. armsin Boro ■:a;a: -0 .; elf. ':lcn Ti cs an all zu gl.m len. Gene Cer B e ifiuna cm: deuckchen Bocke eh ei.a. ■ luaUv a her ist rer tue .sicher als Bert arcff stuua. Qw et : Dr. Andreas Peter (Aeuuiulueu.)- SrisErrLZ Siegfried Yassarge: .„Aegtzpicn und der arabische Dri-eert." — .Hauo E 0 h rr: „Orient rrnd Okzident." Zcutral-Derlag, Berlin W 35. 1031. Batrd 23 u nd 24 der „BibelL^oiiti sch an Bücherei", hrrausgegeberr von Dr. Tldolf Grabowsty. Der Hamburger Geograph Professor P a s s arge untersucht lllegvpten in:d der: arabischen Orient von Der Politischen Geographie her. indem er insbesondere den Einfluß der Landschaft aus den Menschen auch nach der Chara'kterseite klarzustellen versucht. Dabei cr°' gibt sich eine stattliche Anzahl wertvoller Ergebnifle. Die neuartige Betrachtung des gesannen vorderen Orients, veranschaulicht durch Lehrreiche starten, bringt manche neue Aussch'üsiell Daß der Einfluß der landschaftlichen Verhältnisse .auf die Eharakterward Weltaufchau- > ungsbildung manchmal übertrieben eingoschützt! wird, mindert der: Wert des nützlichen Buches, s Wenn z. B. (s. 15) Passarge die kleinen 1 /ViehHirten wegen der Bedrückungen, die sie von! den Kainelbcdninen erfahren, als fanatisch religiös anspricht, ihnen religionsgeschiehtlich allergrößte Wichtigkeit bcimißt nnt der Begrüni düng, daß sie in der Oase Kadesch (Mose als s Schafhirt feines Schwiegervaters JeLro) die - Grundlagen der israelitischen Religion geschafieu backen, so mutz man doch dahinter ein großes; Fragezeichen setzen. ' ' s Besonders bedauerlich ist aber, daß Passarge sich die Begriffsbezeichmmg S a 11 rfpraltcr gebildet hat, „der sich durch sehr hohe Intelligenz, vor allein durch Mangel an persönlichem Mut, Stolz, Vornehmheit, ritterlichem Ehrgefühl und Wahrheitsliebe auszeichne".- Diesen Sarkcharakter, einen Stadrcharatter, besonders im Orient, Izoigen nach Pasiarges Ansicht Die meisten der christlichen Syrier, Griechen, lllrmeuiew Inden am besten. Er verstcigt sich dann z::r geradezu grotesken; Behauptung, die wir aus seinem Buche „Das Judentum als landschaftlich-ethnologisches Pro- < blenG allzu gut bennen, ..in den jüdischen! Ghettos (Europas) seien solche Serien als In:- { -Port aus dem Orient in Erscheinung getreten". j Das Niederdrückende in all diesen Behauptungen I ist Pafsarges offenbare Meiumug, die aeo- - araphisch-geschichtüche Entwicklung sei so ) uvanglänfich daß die davon Betroffenen dem \ •caridjarnltet gar nicht entceueu können. Ta-? gegen sprechen entschieden Einsicht rmd Eri fahrnng. Beispiele lassen -sich leicht zn Dützenden beibringcn. ' \ Der HamLurger Geograph beschäftigt sich! auch mit P a l a ii iua und d e m Z i 0 n i s - m u s (z„ 46—51). Er ficht den Versuch, „einen \ jüdistben Staat aus der Grundlage ' eines ' jüdischen VolkstumZ entstehen zu lasten, als ge-; scheuert anJ Die großen anthropologischen ' Biängel Der Siedler würden Durch dis ungünf ftige Psyche der Einwanderer und ihre vorsckm'd.enartige Zn ammenfttzung verstärkt. Seine Benoeisführung ähnelt stark dem. was Dr. .Adolf ' Grabows ly in der „Zellstachst für Politik" j über diese Frage (Bd. In) geschrieben Hat. Es j ist sicher manches Rick sig-e auch in seinen Klus- - sührungen. Aber auch hier sind die Folge- \ rangen sehr übersteigert. BaGarge -geht ztr ein-! seitig von gewissen vvrgcsteck ben .Grnndansehau-! nagen aus," die ihn 35:611 va, vieles, ob er will ■ oder nicht, in -einen cistrnen Rachnep zu prcsien. : * i Hans G* 0 l) u gibt einen .lehrreichen ‘lieber* blick über die Vrodlomatik von Orient und Okzident. Tie politische, kulturelle und ävirtickuckrliche Prob-enratit werden üdersichtlich rmd ansprechend drhandelt. Baß Hans Cohn die Brodlctne kennt und sieht, misten vair nickt erst dnrck! dieses Buch, das mehr eine populäre Orientierung als eine wehere wisiensibaftliche Berüefuug feiner schon bekannten Ansehauungen

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