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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 59

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 59 (sequence 7)
Language
German
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Sinn Anfang gab es immer einen einleitenden Vertrag vder eine Verlesung. Bei denn ersten Tee wer der Kreis, da die Wohnung der Gastgeberin d-ll; zuliest, ziemlich groß. Es waren etwa 50 Ta.n.n lammen, meist Nichtjüd innen, wie es der Achllist entsprach. Ter Vertrag nun Frieda ist a d e l : Tw Verständigungewiste der Frauen" löste uj. .:v.^ Interesse aus und fand, wie die Aussprache eerwes. volles Verständnis und herzliche Snstumnung. Dreimal nacheinander find sich dann ein l Einer, in seiner Zusammensetzung wechselnder Kreie rci der. SdjTCtberin dieser Zeilen zusammen, in dem Frauen sehr verschiedener Lebensstellung und Lebensansfassung zu den Fragen Stellung nahmen. Oker zeigten sich deutlich die Geerwätze, aus deren? Ausgleich es' uns anckom.ntt, rrohdem äustcrten - später in persönlicher Unterhaltung alle Teilnehmerinnen, wie wertvoll ihnen die ganze Ausspräche gewesen sei. Am ersten dieser drei. Nachmittage wurde aus i der Erzählung van Hesselbacher „Ich halt' einen! Kameraden" v arge lesen. Tas Leid des Knaben, der sich selbst um seinen liebsten Freund bringt, weil in einem bösen Augenblick, Eitelkeit und Feigheit ihn der Verhetzung gegen den jüdischen Knaben attslicfern, bewegte alle. Hier waren es besonders die Mütter beider Bekenntnisse, die aus ihren Ersahrunaen Wertvolles zu sagen hatten. Es zeigte sich sehr stark, wie oft in der Unkenntnis über das Wesen der anderen die Ablehnung begründet ist, wie viel vom Berstehen und Versteheulernen ab-' hängt. Ta hier ein Kreis teilweise schon früher Vertrauter zustunmenkam, so traten die verschiedenen Meinungen ziemlich frei zutage. Ungezwungen ergab sich die Gelegenheit, beim zweiten Thema den Bericht über das Zustandekommen des Versailler Vertrages miteinznbeziehen. In der Hauvn'ache war dieser Nachmittag der Betrachtung „Tie Frau im Tritten Reichs gewidmet. Unverkennbar waren alle mit vollem und ernstem Anteil dabei und wollten trotz ganz verschiedener Einstellung einander gerecht werden. Eine Bemerkung während dieser Aus'praaw ergab den Anlast zum nächsten Thema „Tie Juden im Handwerk". Tas Material, das einem Teißder Hörerinnen völlig unbekannt gewesen war. fand lebhaftes Jntcrepe. Ter fünfte Teerwchmittag vereinigte wieder eine größere Gesellschaft. Ten Eingang der Besprechung bildete ein Vortrag: „Mio kommen wir durch die Schule zur wahren Volksgemeinschaft?^ Es waren vorwiegend Lehrerinnen zugegen. Tie Fragen der^Klapengemeinschaft, die Zusammensetzung der Klagen mit jüdischen und christlichen Kindern, die Wirkungen, die von den verschiedenen Elternhäusern, vom privaten Religionsunterricht ansgehen, wurden in der Aussprache von allen Seiten beleuchtet. Zum Schluß wurde angeregt, die Lehrerinnen an den höheren Schulen zuPerarttgcm Zusammensein zu laden, da die Schwierigkeiien^an den höheren Schulen unbedingt in jeder Hinsicht größer als an den Volksschulen sind. Abschließend ist zu sagen, daß zwar bisher nur ein bescheidener Anfang gemacht worden ist, daß aber unverkennbar diese Kleinarbeit dem großen Ziele der Verständigung gedient hat. Elise Wiebe (Hamburg). Tie Kölner Fraucngnrppe des E. V. kann aus mehrere wohlgelungene Veranstaltungen zurückdlickcn, zu denen die Vorsitzende, Fran Lucie Frank, ihre Räume zur Verfügung stellte. Ten Auftakt bildete ein Referat des Landesverbandsshndikus, Eugen Jacob i; er gab vertrauliche Informationen, die mit lebhaftem Interesse ausgenommen und besprochen wurden. Im Juni vermittelte Fran Hedwig Al u s ch t a t b I a 11 Kenntnis von dem Inhalt der Broschüre: „Autll semitismus und Judentum" von Tr. Margarete Adam und Tr. Eva R c i ch m a n n - I u n gmann. In einem Dortrag über: „Antisemitismus in der Schule" paaren zionistische Tarnen geladen. Fräulein Eilly Marr wußte sich als vorbildliche Pädagogin in die Seele der Kinder zu versetzen und. zeigte den Müttern, welchen Zurücksetzungen und Schädigungen gerade die jüngsten Schüler in den Schulen au..gesetzt sind; sie wies aber auclpdie Wege, um diesen schaden vorzubeugen, lieber die Tagung des linksrheinischen Landesvcrbandcs im Oktober erstattete Frau Hedwig Muschlattüatt Berich:. Zu einem Vortrag von Tr. Rudolf Gail in a n u über „Zcitfragen jüdischer Not" in der Rheinlandioge batte die Fraucnaruvve auch die Herren eingeladen. Ter Redner cmwickelte stinsinuige und geistvolle Gedanken vor den zahlreichen Zuhörern. H. M. T si/rn U * & * V/ S r. > •,- r n Sic IV? ich die Vcrnnll worAnv F ab NN ch r die : ::* r t:?lz: Mn ä ' Fee vv :n ' - w oerein ' bo Wchä uc Allste er Unionen. Eie enw bit u'unuv. :i)u; Fl nüc. B o n E n de Dez c nt b c r 1 : > s 1 b i s z n m 0. F o b uia: 1 0 2 n nd i Ach s neue Untat e n b c g a n g c n w ord. : n. Von vielen, denen die Fr rcdhossrrhä n oun gsliste zu ging, kamen dein Eemralverein Antworten, die dwse kultur sa,ä ndori scheu Auswirlungeu der ine-besondere von den Natwualsozialiftcu betriebenen Hetzpropaganda aufs schärfste verurteilen. lliu^ fo abschreckender ist eine Notiz des „Führers", des offiziellen Organs der Nationalsozialisten in Baden, in der Nummer vom 8. Januar d. I.: , '.F r ch d h o f s s ch ä n d n n g e ull Es gibt niasts Traurigeres, nichts Trostlostrcs und nichts Verwahrlosteres als einen Iudensriedhos. Mo ^der Ten:'che die Gräber seiner Lieben schmückr. pslegr und erhält, läßt der Jude verwahr lo reu und ^verwllen. Kein Blumenschmuck, chine^Kräuze^— nichts — nur nackte, öde Steina. Tic Gräeer sinken sich, Wind und Metwr treibt ihr Zerstörung-werk an den Steinen — fährt dann ein Sturm darüber hin, den der Jude 'ja schon bci .Lebzeiten nicht ertragen kann, dann ist es dein Münder, .wenn jeweils ein paar Steine stürzen — smart aber sthreit's in allen sprachen der Melt: Nationolsozialisti'che Friedhosischändung! - Tic Pietät der Inden gegen ihre Toten pflegt sonst auch von denen anerkannt zu werden, die sich zu Kritikern des Judentums berufen fühlen. Tiefer Versuch des „Führers", die schuld an den Friedhossschändungen auf die Juden aözuwätzen, wird deshalb wenig Glauben finden. Die Methode kennzeichnet die Schreiber, die sich wohl „Führer" nennen, aber die Verantwortung, die wahre Führer auszeichnet, stets aözuwälzen suchen. Iuöen in Zen bayerischen Einwohnerwehren Ter ehemalige stellvertretende Landeshauptmann der bayerischen Einwohnerwehren, Rudolf Kanzler, hat unter dem Titel „Bayerns Kampf gegen den Bolschewismus" (Verlag Parcns 8c Eo., München) eine Geschichte der bayerischen Einwohnerwehren geschrieben, in der wertvolles Material über einen wichtigen Ausschnitt ans der damaligen bayerischen Politik der Oeffentlichkeit unterbreitet wird. In unseren! Zusammenhang interessiert insbesondere, was Kanzler über die Beteiligung von Juden an den Einwohnerwehren mitteilt. Auf S. 162 wird berichtet: „Was die konfessionelle Zugehörigkeit der ehemaligen Wehrmänner anbelangt, so glaube "ich nicht fehlzugehen, wenn ich annehme, daß die beiden christlichen Konfessionen verhältnismäßig gleich stark sich zur Verfügung stellten. Auch bodenständige Juden haben sich zahlreich bei der bayerischen Einwohnerwehr b-efnnden. Hierüber liegt mir leider nur eine Teilstatistik über dreißig kleinere Provinzorte vor, welche ergibt, daß sich in' den bezüglichen Wehren annähernd dreihundert Juden, zum Teil sogar in führender Seelluna, befanden. In vorstehender Statistik ist Rtünchen nicht enthalten. Hier hat sich Tr. Paul Dreh. Rittmeister der Reserve a. D., im sogenannten Zentralausschuß als Referent für die Einwohnerwehr Münchens anerkannte Verdienste erworben. Da Bayer:: aber bekanntlich etwa 8000 Gemeinden hat, dürste die Gesamtzahl der Juden in der Einwohnerwehr ganz bedeutend höher wie dreihundert gewesen sein. Die Anwesenheit dicstr jüdischen Wehrkameraden blieb in der Regel voll st und lg unbeanstandet. Eine arckgemi tische Bewegung, wie wir sie dieser Tage erleben, gab es damals noch nicht. Einige wenige Fälle von Unduldsamkeit, die zur Keunttlls der Land Weitung gelaugten, veranlasiien diele jedesmal zu der Erklärung,. daß. wenn em sd/Tche" lllllllltr/w sieh zu d.u statuueuttttäßig llllgcTtten Zielen beteuntt und räch m-rvstumell dafür, wenn nötig, au.h wie der Waise einz Treten, sein begründeter A.nlaß vorläge, die A-En.ahme solcher Judeir zu v.rweigern oder, nuun solche bereits statt gefunden haben, wieder rückgängig zn machen. Direkt eingreisen tonnte die Landesleitung nicht, da ja die Ausnahmeausschüsse der untersten Organisationsgebilde, nämlich die Orcswchren 'bzw. 'Riegen, autonom waren." Es bleibt bedauerlich, daß die aus demokratischer und vaterländischer Grundlage gebildeten allgemeinen Einwohnerwehren aufgelöst werde:r mußten, und daß das heutige Deutschland statt dessen von Parteihceren erfüllt ist, die vielfach die Mitarbeit von Juden in ihren Reihen ablehnen. HesmmwI tut r.rL! Der kürzlich verstorbene Oscar A. -ö. S ch tu i ii entwickelt in seinem Aussatz in den „M ü n ch u e r Neue ft e n N a ch r i ch t e n" Gedanken, die sich in vielen Dingen nahezu wörtlich mit der von uns immer wieder vertretenen Anschauung decken, und die uns gerade darum beachtlich erscheinen, weil alles, was Schmitz zu sagen har, ans Anlaß einer Auseinandersetzung mit einem Nichijndon über die in Deutschland zu verfolgende Politik geschrieben ist. Schmitz schreibt: „Ich sehe in einer Nation keine Bluts-, sondern eine Schicksalsgemeiuschaft, andernfalls waren wir Deutsche keine Nation. In die Schicksalsgemeinschasr kann sehr verschiedenes Blut durch Symbiose, geflossen sein, aber es muß eben geflossen sein, wenn auch oft nur im metaphorischen Sinn." Nichts anderes als eine „Symbiose" ist das Zusammenleben von uns Inden und Deutschen im Lause der Jahrhunderte gewesen, und die Schicksalsgemeiuschaft, die uns in den nationalen Zusammenhang der Deutschen stellt, ist gewiß dadurch entstanden, daß das „Blut" „eben geflossen" ist und zwar nicht nur „im metaphorischen Sinn", sondern, wie es sich zuletzt im Weltkrieg gezeigt hat, in einem sehr realen. Von dieser Nation, zu der also alle unabwendbar gehören, die das deutsche Schicksal schassen/ tragen und erleiden, fordert Schmitz ein Verhalten der Besinnung, das auch uns die Forderung der Stunde zu sein scheint. „Gerade genug haben wir, meine ich, die Tat gepriesen, statt die Besinnung, und die Folge ist verworrenes, blindes Handeln aller gegen alle. Was aber heute jeder reife Deutsche könnte, ist: seine parteiischen Scheuklappen endlich ablegen, lauschen, was überhaupt werden will und kann, unabhängig von eigenen WumchträumenT „In Wahrheit ist Deutschland seelisch krank und äußert das in überstürztem, zentrifugalem Wirken, in der Unfähigkeit, gerade das zu tun, was gesunde Nerve:: verlangt: Zu warten. Ich emsehle kein fatalistisches Warten mit geschlossenen Augen, sondern das Warten mit gespanntester Aufmerksamkeit aufdas, was kommen kann und wird." Mer Schmitz sieht auch selbst, daß man eine Wandlung sowohl in der politischen Sitte wie im Schicksal nicht erzeugt „nur dadurch, daß man sich richtig verhütt", sondern vor allem, wenn dieses Verhalten „auf die Psychologie derer, von denen der Entscheid abhängt, richtig wirkt". Unsere Ausgabe sehen wir darin, daß wir Aufklärung schassen über das richtige Verhalten, und daß wir benpiclgcbcnd durch unser Verhalten die richtige Wirkung auf die au- .streben. „von denen der Eutscheid abhängt".

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