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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 58

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 58 (sequence 6)
Language
German
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5$ VssMge £K$ AuftlarungsarLei! des CenilÄderems Wiesbaden Die Ortsgruppe Wiesbaden des Eeniralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete in der dortigen Hauptsynagoge arn Michelsberg zw ei für N i ch L i u d e n b e st i m m t e A u f t L ä r u n g svortrüge mit dem Thema: „Gibt es jüdische Geheimleh re nV Beide Veranstaltungen waren so überfüllt, daß schon lange vor Beginn der Vorträge der Nauru polizeilich geschloffen werden mußte, so daß Hunderte von Nichtjudcn leider keinen Platz mehr finden konnten. Als erster Referent sprach in klarer und allgemein verständlicher Weise Rabbiner Dr. Hahn (Essen) über die Frage: „Was steht i m Tal m u dTer Redner verstand es, durch Anwendung von Beispielen aus unserer Zeit auch dem fernerstehenden Zuhörer einen anschaulichen Eindruck von dein Sinn dieses vielgeschrnähtcn Literaturwerkes des Judentums zu übernnttetn. Obgleich cs zweifelhaft erscheinen kann, ob inan Zwischenrufe int Gotteshause dulden soll, waren die Zuhörer dem Redner sehr dankbar, daß er durch seine ruhige und überlegene Art es verstand, die Veranstaltung in friedlicher und würdiger Form zu Ende zu führen. Als zweiter Redneer war Rabbiner D r. E s ch e l b a ch e r (Düsseldorf) gewonnen worden, der über das Thema: ,,Die Kabbala und die Kabbalisten" sprach. An Hand einer Fülle von Beispiele:! und Zitaten verstand auch dieser Redner es in vorzüglicher Weise, den Stofs volkstümlich darzustellen. Ter Versuch, auch in Wiesbaden nach dem Vorbild einiger Städte im Ruhrgebiet die breiten Volksmaffen über die wahren Lehren des Judentunis durch Synagogenvorträge auszu klären, darf als durchaus gelungen und nachahmenswert bezeichnet werden. Forst m£}ot 250 geladenen Zuhörern, unter ihnen Mitglieder der verschiedensten politischen Parteien und Gruppen — auch Stahlhelm und Kriegerverband hatten einen Vertreter entsandt —, fand am 2. Februar in Fo r st i. L. eine Aufklärungsversammlung stark, die vom Centralverein und dem R. j. F. gemeinsam veranstaltet worden war. Tr. Ludwig Freund vom R. j. F. sprach über: „Tie deutsche Gegenwart und der jüdische Frontsoldat", der stellvertretende Syndikus des C. V., Artur Schweriner, beleuchtete die Frage: „Ist der politische, soziale, wirrschasrliche und kulturelle Judenhaß berechtigt M Beide Redner hatten bei ihren Ausführungen, in denen sie von ihrer Einstellung aus die Geschehnisse der Gegenwart behandelten, das Ohr der Versammlung, so daß der Abend als ein neuer Schritt zur Verständigung zwischen jüdischen und nichtjüdischcn ' Teulschen angesehen werden kann. Emden In Emden sprach Frau Margarete Fried (Berlin) im Verlaufe einer Vortragsreise, die sie durch Delmenhorst, Old e n b u r g und Wilhelmshaven führte, vor einer großen Zahl christlicher Frauen über: ..Gemein s a m e nationale Aufgaben deutscher Frauen." Die „Rhein-Ems- Zeitung" schrieb darüber in einem längeren Bericht das Folgende: „ . . . Frauentum und Frauenarbeit verbinde alle deutschen Frairen, deren Aufgabe cs ist, das Trennende und Gegensätzlichkeiten im deutschen Volke zu überwinden und den rechten Frieden in unserem deutschen Vaterland wieder llcrzu stellen. Ein verhängnisvolles Wort für den Gedanken der Eintracht ist das Wörtchen .nationalst das einst während des großen Völkerringens alle Deutschen gleich welchen Bekenntnisses einigte, das die Frauen im nationalen Frauendienst ohne Unterschied d.r Religion zusammemckckoß, das heute aber eine tiefe Kluft im Volke aufreißt. Aufgabe der deutschen Frauen ist es, die Bedeutung des Wortes .nationall in dem Sinne ehrlichen Wollend für das Deutschtum zu erkennen und zu verbreiten, um den deutschen Juden, die seit Gcncratiouen die nationalen Gegebenheiten der deutschen Sprache, der deutschen Kultur vertreten, den Platz im deutschen Volke zu sichern, der ihnen zukommt/ Tie sehr rege Aussprache, die insbesonders den Kampf gegen das zersetzende Schlagwort umfaßte, wurde durch die Worte der Leiterin der Emdener Winterhilfe, Studienrätin Tr. Borken Hagen, bereichert, die die wertvolle und großzügige Arbeit der jüdisichen Frauen Emdens in der Winterhilfe hervorhob. Eynagogenbesuch in Hann.-Mimden Ganz im Sinne unserer vielfachen Anregungen statteten etwa hundert Schulkinder den: Gottcehause in Ha n n v v e r s ch - M ü nbcn einen Besuch ab. Die ^Anregung zur Besichtigung des Tempels durch Konfirmanden vermiedener Lehranstalten war von einem PHrrer ausgogangen, der den Lehrer a. T. Tn. W c r t h e i m vermulich besuchte und ihn um Führung und Erläuterungen während des Besuches dach Lehrer Wertheim übernahm diele Aufgabe um so lieber, als es das erstemal während [einte 37; ü hi inen Amtstätigkeit in der Gemeinde war, daß ein solcher Wunsch um aufklarende Belehrung über das Gotteshaus geäußert wurde. Aus dem Portrag, der in stnelnd-or und anschaulicher Weife gehalten wurde und dem die Zuhörer auch nut_ sichtbarem Inte rede folgten, sei hier nur erwähnt, daß das Wündener Gotteshaus Ikcpl bereits hundert Jahre besteht. Lehrer Weriheim zeigte den Kindern den Orann hakaudeich mit den Thorarollen, den silbernen Thoraschmuck, die Decken und Vorhänge, deren Inschriften erläutert wurden. Alles mallste auf die kleine Zuhörerschaft einen tiefen Eindruck, zcdes Kind dankte dem Vortragenden, dev in zweistündiger Aufklärungsarbeit manche irrige Ausfanung berichtigen heilst Auch Pfarrer St. sprach sich dankbar über das Gesehene und Gehörte aus. Kontradiktorischer Abend in Bielefeld Im Rühmen einer Reihe kvntradiktorisck>er Vorträge, die unter dem Protektorat namhafter Persönlichkeiten aus Kreisen der Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft in Bielefeld in tiefem. Winter veranstaltet werden, sprachen am 3. Februar A. E. Günther (Hamburgst bekannt als Anhänger Stapels und Mitarbeiter am „Deutschen Voitstumst und der Rabbiner der Bielefelder jüdischen^ Gemeinde. Dr. H. K r o n h e i m . über „Geschichte des Judentums". Der auf hohem geistigen Niveau stehende Ausspracheabend, an dem etwa 900 Personen als Zuhörer teilnahmen, ist trotz aller Gegensätzlichkeit der Aussaffungen der Referenten^ überaus würdig und in erfreulich wchlicher Form verlaufen. Günther als erster Redner bewegte sich ganz in Stapel scheu Gedanlcngängeu. Er benachtew als das wesentlichste Problem, wie sich ein Voltsturn in der Diaspora und Bedrückung so lange hat erhalten können, und kam zn dem Ergebnis, daß der entwurzelte Jude ein. „Ferment der Zcrsttzunch bei allen Gastvölkcrn sei. In seiner ausgiebigen und grundüberraschend schnell verließ, ein vorzeitiges Ende fand, wird auf Wunsch der Versammlung fortgesetzt werden. D ic „W e st f n l i s ch e n Neueste n N a ch - richten" (liberal) und die „W e st f ä l i s ch e Zeitung" (gemäßigt rechts) in Bielefeld brachten über diese bemerkenswerte Veranstaltung lange, fach liehe Berichte. Eifrige E.D.-Arbeit in der Mark Die Lezirkstagung in Frankfurt a. d. O. im November v. I. hat der E. B.-Arbeit im Landesverband Brandenburg einen starken Austrieb gegel>en. In zahlreichen Ortsgruppen fanden in den Woc'xn feit Jahresbeginn gut besuchte Versammlungen statt, beredte Zeichen dafür, das; gerade die kleinen und kleinsten Städte der Mark treu zum E. V. stehen und aus ihn zuversichtlich rechnen. Am 6. Januar sprach der stellvertretende Syndikus des Centralvereins, Tr. Hans Reichmann (Berlin), in der Ortsgruppe Bche s e r i tz. Zu einer Gemeindeversammlung in Smwiebus am 3l. Januar, in der der Vorsitzende des Landesverbandes, Rabbiner Tr. Martin S a l o - m o n s t i (Berlin), das Referat übernommen txnte, waren auch Mitglieder aus 11 n t n h ft a b t (Grenzmark) und Züllichau erschienen. Besonders hervorzuheben ist die intensive Arbeit der Ortsgruppe Forst, die am 31. Januar eine Gemeiydeverfammlung mit Mittelschuldirektvr Dr. H. -L t e r it - Berlin) als llckdncr und zwei Tage später gemeinsam mit der Ortsgruppe des :){. j. F. eine gut gelsmgene Llusklärungsversamnllnng veranstaltete. über die wir an anderer Stelle beridjtcn. E. B. und Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Prenzlan hatten, gemeinsam zum 7. Februar .eine Gemeindeversammlung einberufcn, die sich gleichfalls ^echt starken Besuches erkreute. Der Vortrag von George G o c tz (Berlin), der über „EegenwartsmffgaLen des E. VA referierte, fand großen Bestall. An demselben Tage sprach in einer überfüllten, auch von auswärts besuchten Gemeindeversammlung in L a n d s b e t o a. b. W. der stellvertretende Syndikus des (y. V. Artur Schweriner (Berlin), über das Thema „Im Kampf draußen. Stimmungsbilder ans Großkampftagen im Reich." Bezirks- und Landesverbandsiagungen Am Sonntag, 31. Januar, fand in Karlsruhe die Tagung des Landesverbandes Baden, am Sonntag, 7. Februar, die des Landesverbandes Württemberg in Stuttgart statt. Heber beide Veranstaltungen, denen der Direktor des Centralvereins, Dr. Ludwig Holländer, beiwohnte, berichten wir in der nächsten Nummer unserer Zeitung. In A l t e n k i r ch e n / Westerwald (Landesverband Linksrhein) fand kürzlich eure Bezirkstagung statt, in der Syndikus 'Artur Schweriner referierte. Die Tagung, die von 110 Mitgliedern besucht ivar, nahm einen guten Verlauf. Frauenarbeit in Hamburg und Köln In tiefer Erschütterung über all die Verbitterung und die Verhetzung, die von dem Radikalismus ausgeht, haben sich in Hamburg auf Anregung des E. V. Frauen zusannnengesunden, die den Versuch wagen wollten, diesem Einfluß nach Möglichkeit entgegenzuarbeiten. Mit der Sammlung kleiner Gruppen wurde begonnen. Wir gingen dabei von dem Gesichtspunkt tAf . | £ / p sj-. äö --. > st «. . ...öL7.n.D5nuSi§ t/iSo!]rimvci^ttra'!t Vb K&t&P 0in0 r wT/chirr. DlH dir mm sich fdb[r mach :a mH-käFDAA er g F tich legenden Erwiderung legte Dr. Kronheim dar, daß die Juden ein Volk der Religion seiendenen Liebe und Recht zu üben geboten sei. Das Größte, was das Judentum der Weit überliefert habe, sei die Bibel. A!an niu"e wie bei der geschichtlichen Betrachtung aller Völker auch bei der der Juden die großen Richtlinien nackziehen und erkennen und sic!) die großen Persönlichkeiten vor Augen halten. Das Judentum kenne keine Gcheimlehrcn. Es habe stets für 'das Höchste und Edelste gckämvit und sich um diesen, ff che Kultur große Verdien iw' erworben. Dre sich an die Arck-ipracke anknüPseudo Diskussion, die dadurch, daß Günther das Vortragspult aus, daß es zwecklos sei, leidenschaftliche und überzeugte Antisemiten bzw. Nationalsozialisten bekehren zu wollen; unsere Absicht war, Menschen zn sammeln, die bereit waren, einmal ernst und mit Nachdenken und Miroenkcn manche» zu hören, ivas ihnen bisher frernd geivesen war, und sich mit gutem Willen und ohne Gehässigkeit auch mit einer gegenteilige:: Meinung auseinavtdcrzusctzen. 11 in eine rasche Fühlungnahme zu ermöglichen, wunden jedesmal einige unserer milv.unb gleichgesinnten Freunde zu einem Tecuachumtag gebeten.

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