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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-12 · 7 (12.2.1932) · p. Seite 57

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
7 (12.2.1932)
Date
1932-02-12
Page
Seite 57 (sequence 5)
Language
German
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57 Das Zwsiis Hsckdsrf-Msil Dienstag wurde das Urteil in dom. jo* genannten "Helldorff - Proper; gesprochen. Es handelte sich um das Verfahren gegen den Grasen Helldorff und 40 Nationalsozialisten und Stahlhelmer lvegen der Ausschreitungen am .Kurn'lrstendannn am jüdischen Neujal',rsfest. Von den 41 Angeklagten wurden, wie die Tageszeitungen bereits gemeldet haben. 20 sreigesprochen, 17 zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten wegen einfachen "Landfriedensbruchs, der Angeklagte Meede zu zehn Monaten wegen schweren Landsriedensbruchs. der Angeklagte Jungstahlhekmsüyrer Brandt zu vier Monaten wogen einfachen LandsviedensbrnchZ, die Angeklagten Graf Helldorff und Ern ft zu. je 100 Reichsmark Geldstrafe wegen öffentlicher Beleidigung verurteilt. Im Gegensatz zur ersten Instanz sind diesmal zwei Angeklagte, die früher freigesprochen worden waren, rnmmehr zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden? In der neuerlichen Urteilsbegründung heisch es: Ger Tatbestand des Land fr i edens bnrch s sei erfüllt, auch wenn 'nicht eine ofsene Znsanuuenrotlung z>. erkennen gewesen sei: vielinehr sei eine gelärmte Zusammenrollumg viel gefährlicher. Es habe sich dabei -um Borsülle vor - w irgend j u b e lt? e i n b I i ch c n E harak - kcrs gehandelt . . . Die Gründe, die dem Gericht für die Anwesenheit auf bem AUirfürftenöamm angegeben worden sind, seien so Durchsichtig/ das; sie das Gericht nicht habe .anerkennen können. Bon einem harmlosen Scherz könne nicht die Rede fein. Bei den Drei sprächen habe das Gericht nicht festfteüen können, daß die Betreffenden tatsächlich während der kritischen Zeit inr sogenannten 1!nvichcgebiet gewesen seien. Tie' Gruppe Helldorff. Ernst, Gewehr und Kuhns habe nicht verurteilt werden können, obwohl sie zur kritischen Zeit ans -dem Kurfürsiendannn gewesen sei. Auch hätte ihr nicht Rädelsführerschabt n a ch g e w i e s e n werden kramen, da dem das späte Erscheinen und das offene Auftreten sowie ihre Fahrt unter den Augen der Bolizei widerspräche. Dieser Gruppe habe auch nicht nachgeiviesen werden können, daß sie beabsichtigt habe, durch ihre Fahrt und Anwesenheit^ die Gefahr zu erhöhen, vielmehr habe die Absicht bestanden, die S.-A.-Lente fortzubringen und damit die Gefahr zu verringern. Alks diesem Grunde konnte der Tatbestand des Landfriedensbruchs für sie nicht als erfüllt ana-eschen werden. Beim Angeklagten Brandt (Dtahlhelmj sei sein innerer Vorsatz entscheidend, daß er sich bewußt dorthin begeben wolle, noo Krawall sei. <?* wird den Angeklagten ein erhebliches Mast vor; Mangel an Taktgefühl und rechtlicher Gesinnung vorgew'orfcrr, wozu erschwerend vre Tatsache komme, das; harmlose Bürger, die ein religiöses Fest feierten, ruisthandclt und grundlos angcrcmpclt wurden. Die Vsrlmsr SÄdsnisnkmGa;le Strafen von 4 VJochcn bis r; Monate Gefängnis Zum ersten Male sind nationalsozialistische Studierende der llnrersllät. die aut vielen Gleichgesinnten aus der Stätte der Wissenschaft immer Uuc-bev eine Rad au.mitte zu machen versuchten, exemplarisch bestraft worden. Tue Polizei hatte die-mal vor allen Dingen durch die Einsetzung nichtunchornnerker K rüninalbeamter sieben Täter fchun lonncm Die Strafen, ZUM Teil wcgm schweren Landrriedcnsllruchs, bewegeil sch zwischen vier Löw-cheu Mast und acht Monaten Gelang'.As. Der Vorsitzende d es S rluicÜ schössen - Öcp-‘;: II n i v erst tri i Sri alter 3JI a t c a r b, wollte mit diesem Strafmaß offenbar abschreckend auf die Nnrnhesiifter wirken, die zugleich mit der GH'"? der Ilnivernllll auch .die' Ehr. Deutsch* lau.:!reffen. äerll oAL? dis MffchsK chä ■fi*-'' Von Louis Wolff, stellverir. Vorsitzenden des Zeniral- *Öyw ■' ■■ v 0 so verdandes jüdischer Handwerker DeuischlandS <L V GJ'-licl i<t der Mntsclt, der erre Suche J:anK. (Goa;.:.) Rach bem letzten Ergebnis des Enquüe-Ausschnsies von 19-U über das Handwerk ist sonders die Feststellung interessant, daß von 1 9ö2 757 Betrieben in Handwerk und Industrie 1507 (>68 Betriebe r c i n c H a n d w erksbetriebe sind. Diese Zahl ist die beite Widerlegung der Behauptung vom Untergang des Handwerks. Die Tendenz unserer wirtschaftlichen Entwicklung zur Mechanisierung wird und muß dort ihre Grenze finden, wo dem Handwerk die große und wichtige Aufgabe zu fällt, die persönliche Individualität bei der Arbeit zum Ausdruck zu bringen. Tie große Zahl der bestehenden Handwerksbetriebe darf aber nickst darüber hinwegtäuschen, daß sie sich, wie alle Berücke, in einer Notlage von nie geahntem llmiaug befinden. Die anhaltende Wirtschaftskrise hat die amtlichen Vertretungen des Handwerks zu Maßnahme!: gezwungen. die, so bedauerlich sie sein mögen, einen Akt der Selbsthilfe und des Sellmerballnnastrsiebes -darstellen. War in früheren Jahren das Handwerk zum Teil ein Sauunelbeckcn schwach begabter junger Menschen, so wird heute eine genaue Auslese unter der schulentlassenen Jugend, die dem Handwerk . zuürebt. vorgenommen. In vielen Handwerkszweigen tonnen nur noch Jugendliche ausgenommen werden, die im Besitze des Reifezeugnisses sind; darüber hinaus aber werden die Auftiahmen in die Handwerkslehre stark rationiert. In bestimmten Zweigen ist es im Augenblick überhaupt nicht möglich, Lehrlinge unterzubringen. Wenn auch diese Maßnahmen von den davon betroffenen Kreisen schmerzlich empfunden werden, so muß. wenn das Hundwerk den schweren Eristenzkampf mit Erfolg durchführen und leben will, besonderer Werk am seine geistige Durchdringung gelegt werden. Damit in der bisherigen Anschauung weiter jüdischer Kreise das Urteil gesprochen. Die Phraseologie von der durch seine Berufsart bestimmten Wertigkeit des Menschen gehört einer vergangenen Zeit an: sie ist kein Ruhmesblatt in der Geschichte der jüdischen Emanzipation. Wenn jetzt in Deutschland über fünf Millionen Menschen' aus dem 'Wir?schaftsProzeß ' ausgeschalwt sind, so bedeutet diese Tatsache an sich Milliardenverlufte am Vollsvernwaen: sie bedeutet aber noch weit Schlimmeres, nämlich zugleich den Zusammenbruch zahlloser selbständiger Mittelstandseristenzen, deren Träger enm/ zugrunde gehen minien, weil sie jeder gesetzlichen sozialen Zur sorge entzogen sind. Das politisierte, seelenlose Wirtschasrsfhüem gibt keinen Raum frei für höhere, wich::ge und gemeinsame Interessen. Und was ist die Jo lg es Üeborall scheu wir Menschen, die diese Entwicklung zermalmen muß. Sie alle bangen vor dem morgigen Dag mit seinen neuen Sorgen und seinen neuen Gefahren. In besonderem Maße sind die jüdischen Mittelstandskreise von dieser' ungeheuren Ro! betroffen. Die Politisierung unseres Wirlsthaftslebeus, die schamlose Verhetzung weiter Volksfveife gegen unsere Gemeinschaft wirkt sich in geradezu'tatastr ophaler Weife aus und macht vordem jüdischen Handwerkerstande keineswegs halt. Es ist sinnlos, jetzt in langatmigen theoretischen Abhandlungen Fragen der Berussumschichtuug oder Vernssverteillmg der Juden zu dis-nticron. Es kann jetzt nicht der Augenblick fein, jüdische Wirtschaftspolitik ans weite Sicht zu machen, sondern jetzt heißt es, das noch Bestehende nicht zugrunde gehen zu lasten, damit unsere Gemeinschaft leben kann. Wir müssen heraus aus der grauen Theorie, mm den Willen zur sichtbaren Hilfe durch dich Tat zu Zeigen. Im jüdischen Handwerkerstände ist ein ftarfer Wille zur Gemeinschaftsarbeit vorhanden. Er ist durch seine Organisationen in allen größeren Gemeinden des Reiches aus dem Wege zur Selbsthilfe bahnbrechend gewesen. Auf seinem Boden erwuchs der Gedanke der Gründung von Kredit genopen schäften imb Darlehnskapen. Leitende Männer des Handlnerks sind in diesen Institutionen. die ein wirtfeb-ckw liches Hilfsmittel aller Beruf skrü ft ge:r erden sind, führend tätig. Tie Haudwerllrovgnüfakrönen sind bestrebt, unsere Jugend in das Handwerk einzuordnen und zu betreuen. Ter jüdische Handwerkerstand ist würdig der Unterstützung weitester jüdischer Kreise. Er führt von Geistesarbeit und Vermittlerkätigkeit hinweg und legt dadurch mit einen Baustein für die menschliche und körperliche, aller auch geistige Ertüchtigung Des deutschen Judentums. * Lucic Zobel: „Die jüdische Berufsbcraturrg." Schrifterr der ZeuiraLwotzlfahrtsslellc der deutschen Juden uw) der S-auplstelle für jüdische Wwwdcrfürsorge, Nr. 0. Berlin 19S2. Eirien vortremichon Einblick in das Aufgabengebiet der jüdistben Berufsberatung verschalst uns vucie Zobel, die Leiterin der Berufsb c r a t n n g % fr c 11 c bei Berlin e ch I ü d i - scheu Gemeinde, in Itzrer kürzlich crscksteneneu Schrill. Nach einer kurzen Darstellung vom. Wesen der Berufsberatung üoerbaurst rmd nach einer Begründung der llwtmendigkeit jüdischer Lmufslleratung schildert die Verfasserin Arbcirsaufbüu und wü_^ve-c einer jüdischen B-ernfsberatungsstelle und beria.ret vor allem an Hand gut gewübiter Beispielv über die in Berlin geübte -ßraris. Die kleine Smüst rst die erste ZuscmnnensasiLndere Darstelli'.ng über Grundlagen und Praxi? jüdüchcr BerufsberatunL- Zur Gh'fidixzs In biefer Woche findet in Groß-Berlin die Einschulung unserer Sechsjährigen starr. Unser Kin) wird nun bk Hälfte des Tages fern von Vater und Mutter verbringen, neue Einwirkungen werden die junge Kiudesseele lenken. Jckidiiach Eltern stehen vor der bangen Frage: ,.Wird vielleicht eine Schule mit judenfeindlichen Tendenzen das Lachen unseres Kindes beeinträchtigen, wird zum erstenmal in sein junges Leben ungerechter Haß die Frageiragen: Mutter, warum werden wir verspottet?" Jene Frage, die schon so manche Mutter beantworten mußte. Fast jeden Tag bringt die Post dem E. B. Anfragen jüdischer Eltern, ob diese oder jene schule antisemitisch sei. und die persönlichen Besuche der Mütter hausen sich, die Namen von Sckjulteitern wissen möchten, deren unparteiische Stellung zum Judentum einwandfrei erwiesen ist. Erst gestern meinte eine Mutter: „Wir haben uuwre Wohnung gekündigt, um eine neue Wohnung in der tzllche einer von Judenhaß freien Schule zu wählend' Eine rindere Mutter sagte, daß sie bei der Einschulung ihre? Kindes den Rektor der in Betracht kommenden schule nach seiner Stellung zum Judentum gefragt hallo. Es ist ungerecht. Schulen und Lehrer ohne Grund antisemitisch auzusorechen. Im allgemeinen lassen wir uns die ante Meinung von dem Gerechtigkeit s w i l l e n des de u t - s ci; e n L ehre r s gegenüber allen Schülern nicht erschüttern. Zahlreiche Aussprachen mit Groß-Berlilwr Schulleitern stärken nufer Vertrauen zu den Sckurlem Ist irgendwo ein müisemitisccher Fall gewesen, dann hat in jeden! einzelnen Fall eine sofortige heückspreche klärend gewirkt, und dem Grundsatz der Gcrechtigkeil Geltung vcrschastk. Schwieriger ist die Fraae^ nach der Haltung der Mitschüler. Aller auch hier verrnag ein gerechter Lckwer viel. Wir roollen daher mit Vertrauen die Einschulung unserer jüdischen Sch'ck« pstichtigon vornehmen. Kommt es zu Zwischen* fällen, so bitten wir. uuz bstnnf itnfcrcn lstat w'.d unsere Hilfe in Anspru-.izu uelunen. ErWck.

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