Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 7 (12.2.1932)
- Date
- 1932-02-12
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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£h'/D, A A A.-A (T'•' .-\ AAA' k ,/-- / 6 : / ( /; 4VV<7Wj/ vv/ Vyp Pjü) pp/liy^ -“v, / «r v U w/ 4?* n^lr . ^,p^-vP.iP t lg:":3 y gs;dp;0 Die dritte Generation deutscher Juden beginnt im (Tentrali-ereilt Arbeit?- und Genfraum zu finden. Diese Tatsache ist ebenso Ausdruck für den unzerstörbaren Behauptungswillen junger Men'chen, als Juden innerhalb des deutschen Kulrurfreises, der deutschen Bolksgemein'schaft zu leben, wie für die Zeitnähe des Centralvereins. In der Blütezeit des Kaiserreichs sammelten sich Männer aus Rechts-, Ehr- und Freiheitsempsinden und gründeten ihn. In den erregenden Wirren der Revolution und des allgemeinen Verständnisses für politische Massenbewegungen wurde er zu der Organisation der politisch denkenden deutschen Juden. Jetzt, wo das einheitliche soziologische Gefüge des deutschen Judentums erschüttert ist. wo sich in seinen Reihen ihm bisher fremde Existenz- und Wirtschaftsformen immer mehr ausoreiwn, lag die Frage nahe, ob der Eentralverein, von jenem wziolognch im wesentlichen einheitlichen Judentum geschaffen, auch der Zusammenschluß des in Umformung befindlichen deutschen Judentums sein könne. Verlaus und Ausklang, den die Reichsjugendtagung dos Gentralvereins am letzten Januartage dieses Jahres nahmen, bejahten diese Frage. Die drei Referate, in die sich Werner Rosen stock, Ludwig Tietz, der Versager und Ernst Plaut ^.Egens teilten, waren Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung, die zus a m m c n f ü rj r t e. „Wandlungen imdeu tschen Parteiwesen und ihre Rückwirkung aus das deutsche Judentum", „Die soziologische und wirtschaftliche Lage der jüdischen Jugend", „Grundsätzliches und Erfahrungen in der Jugendarbeit des Gentralvereins" waren die Themen. Die Stellungnahme von etwa siebzig jungen Menschen zu ihnen war mehr als Meinungsäußerung von nur siebzig Menschen, mehr als ein Symptom — war Bestätigung. Noch nicht Zwanzigjährige und Menschen von Anfang dreißig, Schüler und Lehrlinge, Studenten und berufstätige Kaufleute oder Akademiker, Menschen aller politischen, geistigen und innerjüdischon Schattierungen saßen einen langen Tag hindurch beieinander. Was sie sagten und dachten, was sie kritisierten und forderten, was sie planten und bewirkten, kreiste um Zwei Pole: Wie führen wir die jungen Juden Deutschlands in den Eentralverein hinein, um sie vor vernichtender Vereinsamung im Jüdischen, vor schutzloser Preisgegebenheit im Deutschpolitischen zu bewahren, und wie erfüllen und weiten wir das starke Gesüae des Eentralvereins, um ihn, der als Zentralpunkt von Menschen der vergangenen Generation geschaffen wurde, Zuni Zentralpunkt von Menschen und Ideen unserer Zeit werden zu lassen. Wer seit mehr als zehn Jahren die Arbeit verfolgt, die vom Eentralverein und im Eentralverein unternommen wurde, um Erneuerung und Fortführung von Arbeit und Idee des C. V. zu sichern, konnte, je nach Temperament, mit Genugtuung oder innerer Bewegtheit, feststellen. daß wir nunmehr am vorletzten Abschnitt eines mitunter sehr mühsamen Weges — mit Umwegen — angelangt waren. Vor einem Jahrzehnt noch, von den einen als eine Vereinigung, der man nur politische Arbeit zuweiscn wollte, uninteressiert angesehen, von anderen, denen die nationaljüdische Ideologie Lockung und Inhalt bot, als veraltet belächelt, zwang der Eentralverein durch die Dichte seiner Tätigkeit und die Bedeutung seiner Stellung im deutschen Judentum in wachsendem Umfange junge Vien schon zur Auseinandersetzung mtt'ihm. Jetzt ist aus der Auseinandersetzung mit ihm eine Auseinandersetzung in ihm geworden, und die Zusammenstellung „E. V. und Jugend" wurde aus einem Problem, in dem eine Drohung ruhen konnte, zu einer Frage der Methodik und Taktik, des Temperaments und des Tempos praktischer Arbeit. Tie große Umwertung aller Werte, die sich um uns vollzieht, vollzieht sich auch in unse». ren Kreisen und in uns feost. Der Viela c ft a 111 g t e i t an Menschentypen, die deshalb die junge jüdi'-che Generation in Deutschland aufweist, muß eine Vielgestaltigkeit der Bemühungen um den Menschen enJprechen. Je stärker junge Menschen ihrer Herkunstsschicht geistig und wirtschaftlich verbunden sind, um so instinktiver und stärker ist ihr Widerstand, die Umwertung für sich und damit für ihre Gemeinschaft anzuerkennen. Wer aus der Großstadt mit jüdischen Massen kam, dachte anders — und mußte anders denken — als jener, de sie n Leben bisher in der noch nicht im Wirbel der Zeirstürme liegenden Mittel¬ und Kleinstadt verlief. Auch Landschaft und Heimalverünndenheit spielten vom Unterbewußten her dabei mit. Ueberraschend stark und zugleich beruhigend war die Wahrnehmung, wie große Landstriche die Eesahrenmomente für die Existenz des Judentums noch nicht zu berücksichtigen brauchen. Problem und Wirkung der roten Assimilation, der Proletarisierung, des kollektivistischen Denkens — alles verschiedene Bezeichnungen desselben Grundgefühls: allein in der Zeit und im Raume verloren zu sein, die für die Uebe-rzahl der jungen Großstadtjuden _b i e Frage sivird, bedeuten für ihre Altersgeno^en anderer Städte und Landesteile erst Diskussionsstoff. Wer aber auch immer auf der Tagung über diese Fragen redete, der sprach von ihnen als Erlebnis. Und weil sich gedankliche Auseinandersetzung nebeneinander vollziehen kann, Erlednisaustausch aber stets ineinander und zueinander führt, verbanden sich innerhalb der jungen Generation, die hier ihre Vertreter halte, die verschieden gearteten Anschauungen zur Einheit der Erkenntnis und des Arbeitswillens für Geaenwartseristenz und Zukunftsbereitung der jüdischen Jugend in Deutschland. Alle Erörterungen verliefen au? der Ebene des E. V. und seine Weltanschauung, die das Draußen und Drinnen der Menschen zur Organisation bestimmt, zwang keinen außerhalb seiner Reihen. Aus der S y n t h e s e zog er seine stärksten Kräfte, und seine Zukunft wird stets in einer Synthese ruhen. Tie Menschen, die jetzt in ihm und für ihn arbeiten wollen, schaffen zum großen Teile erst durch ihre Zustanunenarbeit eine neue Synthese. Die tiefste Nachwirkung der Tagung wird erst eintreten, wenn die Synthese sich in möglichst allen, mrd über den Kreis der Führer hinaus, in den Geführten selbst vollzieht.' Wege und Formen dieser Entwicklung werden verschieden zu wählen und verschieden Zu begehen sein. Eigene E. V.-Jugendgruppen, deutschjüdische Arbeitsgemeinschaften, freie deutschiüdische Bünde — sie alle sind brauchbare Mittel, wenn sich jede dieser Arbeitstypen um diejenigen Menschen kümmert, die die ihnen jeweils gemäßen sind. Aus Villen Quellen speist sich der Strom des Centralvereins, und je breiter und machtvoller er dahinströmt, um so sicherer trägt er das Schicksal des deutschen Judentums und damit auch der jungen deutschjüdischen Generation in Gegenwart und Zukunft. . Dr. All red liirsehberg. Die Reichs jage ndtagung begann am Vorabend mit' einem zwanglosen Zusammentreffen Berliner und bereits anwesender auswärtiger Teilnehmer in geselligem Kreise. Tie Mehrzahl der Anwesenden hatte zuvor eine große Veranstaltung der „schule der jüdischen Jugend" mitgemacht, auf der Tr. Hermann G e r Ton und Tr. Georg L u b i n s k i über „Tie Frage der geistigen Erhaltung des jungen jüdischen Menschen unserer Zeit" gesprochen halten. Gedanken aus den Referaten spielten in der Diskussion des folgenden Tages eine große Rolle. In die Leitung der Veranstaltung teilten sich der Vorsitzende des Relchsjuaen.dausschusftß, Tr. Ernst Heinrich S e l i g s o h n , und sein Stellvertreter, Tr. Friedrich Brvdnitz. T-er Direktor des E. V., Tr. Ludwig Holländer, hatte b riest ick seine Gedanken und Wünsche zur Tagung übermittelt. Syndikus Tr. Alfred Wiener schuf als letzter Diskussionsredner die Verbindung zwischen dem E. D., der ist, und den E. D.ern, die sein wollen. Di§ her Groß-Derlimr C.B.-Zu§SKö! Im überfüllten Gartensaal dos Logenhause?, Kleiststraße, fand am letzten Sonntag dev erste Weröenachmittag der E. V.-Jugendarbeitsgemeinschaft Groß-Berlin statt, "der, nach der Stimmung der Teilnehmer zu urteilen, der Arbeit des Kreises einen starken Auftrieb geben wird. In seiner Begrüßungsansprache forderte der Gesamtgruppenleiter, eanä. pbil.?ldolf Rubinstein, die Jugend auf, ihre Passivität anfzugebon und sich in den Kreis der C. V.-Jugendarbeit s g om e i n sch a f t hineinzu stellen. Zu/Jugend sprach sodann der stellvertretende Syndikus Dr. Alfred Hirschberg. Er stellte eine bemerkens- und begrüßenswerte Wandlung in der Stellung der Jugend zum C. V. fest. Der weite Rahmen des E. V. gebe der Jugend jede Arbeitsmöglichkeit. Er wünsche der Al> beitsgemeinschaft, die jetzt den Ton mehr auf Arbeit lege, daß sie sich zu einer Gemeinschaft entwickeln möge. Für die Jugend sprach Heinz Warschauer. Die jüdische Jugend in Schule, Hochschule und Betrieben sei zum großen Teil nicht organisiert. Ihr fehle die Kenntnis vom Judentum, wie der Grundlage staatsbürgerlichen Wissens. Sie sei gegenüber den antisemitischen Anfechtungen hilflos. Hier setze die Arbeit der C. D.-Jugend ein, die durch Arbeitsabende jüdisches und politisches misten vermittle und durch Ausflüge,' gesellige Zusammenkünfte usw. ein Gemeinschaftsleben entwickle. Den Ansprachen folgten musikalische Darbietungen und geselliges Beisammensein bis in den Abend hinein. kl. W. DER U D FÜR JEDERMANN Allgemeinderftändllch§ Auswahl in deutscher l.lebertraguna von Fromer. - Ern begeisterter Freund unserer Talmud-Ausgabe hat einen Fonds gestiftet, durch den es möglich ist, das vielfarbig gedruckte, großangelegte, herrliche Monümentalwerk in reichvergoldekem E-anzleinenband bis auf weiteres statt'36 Mar? franko zu liefern fauch in zwei Monatsraten ü 3,25 Mark). — benutzen Sie diese einmalige Gelegenheit, für. ....... I Sie muffen den Talmud kennen,- er gehört neben der Bibel in jedes jüdische Haus. Bestellungen nur'cm Edmund Metz Lift Äuchhandlung, Berlin W50, Samberger Straße 61, Postscheck 81509, gegen Voreinsendung oder Nachnahme.