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Central-Verein-Zeitung · 1932-02-05 · 6 (5.2.1932) · p. Seite 46

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
6 (5.2.1932)
Date
1932-02-05
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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46 -LL-Lr-U H2NS SUZsrs „D:'r Er^bms ßsgsR örs chrPWsN SWse" Bans Biüher sandte uns nachstehende Entgegnung auf die Kritik seines Buches in Nx5. 3 der ,,C. V. - Zeitung“. Aus Gründen der Loyalität geben wir ihr hier Raum. Selbstverständlich mussten wir auch dem in ihr angegriffenen Kritiker des Buches nun nochmals das Wort geben. Wir verhehlen aber nicht, dass wir die schwersten Bedenken gegen die Aussprache auf dieser religiös-mystischen Ebene haben, zumal sie nur einer Seice der Blüherscken Schrift gerecht wird. Biüher sagt selbst, dass er in durchaus realem Sinne auch Politiker sei. Wir werden deshalb vom realpolitischeil Standpunkt aus auf Biühers Buch zurüekkommen müssen. Die Schriftleitung. sagen — und da Israel mir einiges sagt, was es sonst wohl verschweigt, so kann ich unmöglich Israel hassen. Es ist einfach nicht wahr, das irgendeine Behauptung von mir eine „theologische Wendung des Judenhasses" ist. Tas kann ich freilich nicht beweisen, sondern das ist so. Tas weiß auch jeder, der je in. seinem Leben einen Gegenstand und einen Konzevtionsgruud gehabt hat. Auch wenn ich im privaten Leben antisemitischen Instinkten ansgesetzt wäre — ich will das nicht bestreiten —, so besagt das nichts: der Konzeptionsgrund sorgt dafür, daß sie korrigiert werden. Ich spreche auch nicht von mir als Privatperson, sondern nur als Autor. Man wird in solcher Lage eher die Neigung haben, seinen Gegenstand Zu verherrlichen, auch wenn man aus der anderen Leite stcht. Don dieser Neigung bin ich nicht frei geblieben. Es ist aber eine andere Lache, ob man als Historiker über ein vergangenes Dolk schreibt, oder über eines, das uns täglich politisch begegnet und uns im Innersten erregt. In einem solchen stalle kann' man nicht „neutral" sein. Es gibt Menschen, die, indem sie über die Juden schreiben, behaupten, es zu sein. Ich aber behaupte von ihnen, daß sie sich irren, und daß sie gar nicht imstande sind, über das Judentum zu schreiben. Lie haben keinen Konzeptionsgrnnd. Tarrrm habe ich offen gesagt, daß ich demnach nicht neutral bin, sondern auf der christlichen Leite stehe gegen das Judentum. Ich habe mich auch bemüht zu sagen, was Christentum ist. Aber ich habe nicht gesagt, daß ich selber Christ sei. Tas kann man nämlich nicht. Wenn inan Jude ist, so hat man die Rasienbürgschaft, und nichts ist glaubwürdiger, als wenn ein Jude sich Zu seinenr Glauben bekennt. Ich aber als Nordgermane habe keine Rassenbürgschaft für die Religion. Meine nordischen Rassengenossen behaupten das zwar gewöhnlich sür sich, aber ich halte das, wie man weiß, für einen Irrtum. Juden: ist das Christentum eine überaus seltene und hauchdünne Lache, die nur an einer einzigen Ltelle eine Berührungszone mit denn Judentum hat — die Ltelle. wo der Bruch erfolgt. Wenn also inein Gegner, wie er sagt, spürt, daß hier — nämlich in meinem Buche — „fein echter Christ" Zu ihm spricht, so kann ich ihm nichts erwidern. Und wenn er gar „heidnisch anarchische" Inhalte bei mir vermutet, so glaube ich sogar, daß er in bezug auf das Heidnische recht hat. Aber ich habe im „Ltandort des Christentums" (HanseatemBerlag. Hamburg) im Kapitel VI „Tas Urphänomeu der Sünde im heidenchristlichen Sinne" gerade diese Wurzel des Christentums ausgezeigt, ein Llück christlicher Theologie, das es sonst wohl nirgends gibt. Hans Biüher schreibt: In der vorigen Nummer dieser Zeitschrift tritt mir ein junger jüdischer Theologe entgegen, der mir bisher leider seinen Namen verschwieg. Er macht den Versuch, mich innerhalb meiner geistigen Ebene anzugreifen, und ich kann daher in ihr erwidern. — Wenn der Gegner seinen Willen, mich an der stärksten Ltelle meines Buches zu bekämpfen, durchgesetzt hätte, so wäre es nötig gewesen, den Angriff unmittelbar auf den -Konzeptionsgrund selber zu richten. Ein Buch, das den Rang einnimmt, den ihm der Gegner selbst zubilligt, hat unter allen Umständen eine stelle, aus der heraus das Thema gesehen ist, und wodurch überhaupt das Thema erst wird. Manche Amtoren verschweigen diesen ihren Fokus; ich habe ihn aber offen hingelegt, und zwar steht er auf Leite 89 und lautet: „Es gibt doch in dieser Lache nur zwei Möglichkeiten. Entweder:- das Judentum hat ein geschichtliches A P r i o r i und ist demnach eine Einheit mit gebundenem Lchickial — dann unterliegt jeder Jude diesem Gesetz. Wobei der „Bruch" mit diesem Gesetz jedesmal nichts anderes ist, als der Bruch dieses einen Juden mit sich selbst. Oder: das Judentum hat kein geschichtliches Apriori; dann ist es ein Volksstamm, wie jeder andere, eine Variante des Menschlichen. Tann kann man aber auch nicht ernsthaft, das heißt nicht religiös und geschichtlich von ihm reden. Tann soll man jüdische Anekdoten erzählen und mehr oder weniger seinen Spaß daran haben. Aber das alles bleibt dann eine bloße Rhapsodie ohne Anfang und Ende, und vor allem ohne ingenium. In dieser Ebene bewegt sich im großen und ganzen das, was man Antisemitismus und Philosemitismus nennt. Wir wollen diese zweite Möglichkeit nicht in Erwägung ziehen, denn, wenn sie bestünde, so tonnten w i r davon überhaupt nicht reden. sondern wir nehmen die erste an, wonach es ein jüdisches Apriori der Geschichte gibt, durch welche die Einheit Israels hergestellt wird. Tas Judentum spricht es selber aus und bekennt sich dazu im Gebet: „Höre Israel: Ter Herr, dein Gort, ist ein einiger Gort." Tann folgt Lie Abhandlung über den „Begriff des Geschichtlichen^. Tas ist der K onzeptio n sgrund des Buches, der bei allen Verzweigungen keinen Augenblick verlassen wird. Wer einen solchen Konzeptionsgrund hat und von ihm aus sei.um Gegenstand sieht, der ist nicht im.stau.de, diesen Gegenstand zu hassen. Wie er cs, so würde er im Augenblick die Fähigkeit verlieren, seinen eigenen KonzepLionsgrund au7szunutz.cn — der Gegenstand würde sich ihm entziehen, und eine Fratze bliebe übrig. Ta mein Gegenstand Israel ist — um es kurz zu Hier wird sich der Gegner orientieren müsien, um ein echtes Urteil zu haben. Wer warum ist das alles „schwarze Magie" und „Zauberei" . . .? Ich lege Wert darauf, klare Gedenken zu haben und deutsche Tcofa zu schreiben; alles Adere ist mir fremd. Nun bin ich der Meinung, daß mein Gegner sehr weit mit mir geht. Er polemisiert gegen meinen Grundbegriff der „reinen Geschichte", aber er operiert, ohne cs zu wollen, dauernd mit ihm; und wenn er dann am Schluß sichtbar erregt behauptet, meine „reine Geschichte" sei im tiefsten Verstände Heilsgeschichte — so kann ich nur sagen: ich habe selten so gute Schüler gehabt. Es besteht ja volle Einibkeit zwischen uns in der Teutung des Sinai-Ereignisses. Israel ist nicht ethnologisch zu begreifen (als bloße Völkerschaft exifttext es gar nicht), sorrdern es ist durch Offenbarung Erzeugt. Ich habe im „Standort des Christentums" das Kapitel „Tie Offenbarung des Gesetzes an Israel" geschrieben, und möchte Das ChIovodsnL-MrmSwasssx ist hochkonzentriert und rwm h:rrllch erfriMndrm Hkckfermimgc'chmach sstafchr 1 RRrh rck; tzft L Ahmte Chlsrodont-Lahrrpastö. Anter-LonneZSpreifs. wißen, ob mir der Herr Gegner einen Autor nennen kann, der so die Erundüberzeugung jedes gläubigen Israeliten über den Ursprung seines Tastins dargelegt hat. Ob wir uns im zweiten konstitutiven Ereignis, der Gesetzgebung des Esra, voll einig sind, kann ich nur vermuten. Mein Gegner erhebt jedenfalls keinen Widerspruch. Ich glaube auch nicht, daß er es mit guten Gründen könnte. Zum Bruch kommen aber muß es mit dem dritten Ereignis, der M e s s i a s v e r s e h l u n g und der Kreuzigung Christi, denn hier schlagen die Flammen hoch. Aber gerade hier stoße ich aus ein Rätsel: wie kann ein jüdischer Theologe, echtes altes Israel, j die Schließung des Neuen Bundes als eine „nn-! erforfchliche Tatsache" anerkennen? Ta ■ also hier Gott beteiligt ist, als eine theoloj gische Tatsache! Bon den Chassidim habe ich bisher immer nur gehört, daß das Nene Testament eine Fälschung der Jünger Jesu sei, durch j die Jesu Lehre in ihr gerades Gegenteil verkehrt; worden sei. (Buber.) Aber keine Lpur von j Anerken u ung des Neuen Testamentes als j unerforschlichec theologischer Tatsache! Tas ist! ja doch auch unmöglich, denn von dem Augen» blicke an, wo Jesus von Nazareth als Gottes; Lohn und geweissagter Messias irgendwie! anerkannt wird, wäre ja doch der llercrtritt zum Christentum vollzogen. Ich verstehe, wie gesagt,; diesen Lchwücheansiall meines Gegners nicht. Gibt er aus einmal die jüdische Theologie auf? Tas Judentum kann doch gar nicht anders, als bestem'alls Jesus von Nazareth als einen Edelmenschen aue seinem Bolle anzuerkennen, sonst aber nichts. Ter Begriff „Reucs Testament" ist doch vom jüdischen Standpunkte aus eine theologische Unmöglichkeit. j Warum ist der junge jüdische Theologe au dieser entscheidenden Ltelle nicht sicher? Und iimrinn passiert es ihm gerade hier, daß er kurz vorher eine schwere Irreführung über Leu Inhalt meines Buches begeht? Und zwar in bezug aus die Blutsverfluchung IsraelR Ich habe" ausdrücklich und au mehreren Stellen gesagt, was ein Fluch ist. Mein Gegner muß wissen, daß ich das vier angeredete geschichtlichreligiöse Phänomen unter allen Umständen sreigehalten habe von menschlichem Gefluche. Ich JOSEF MARIA FRANK '■j Oj) r-~\ rj i i C.~> orx—> c > ew c '-,-W :;/■ : v .; C-J> £.-,1^/ C- Vvj> Karton fort Rfvl. 3;SO — Leinen RTvIr 4jGO D3EE3E » ST ÜBE - VEHiL AG * BEES1N M W ■& Schonungslos wie eine Fieberkurve enth ü f it dieser Romen Deutschlands polnisches Leiden

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