Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
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Wir haben in diesen Blättern > immer wieder Zum Ausdruck gebracht, daß nur st die Ueberwinduug des ParteigeisteZ, nur die ' Sammlung aller Bevolkerungsschichten im Sinne der wahren Volksgemeinschaft Teutschland aus den vielfachen Krisen wieder herausführen kann. Wenn heute Vertreter der Wissenschaft, der Wirtschaft und der Politik, aller Konfessionen und aller politischen Weltanschauungen sich vereinigen, um Hindenburg als die Verkörperung des Gedankens der deutschen Einigkeit wieder zum Neichsprüsidenten zu wählen, so find wir freudig bereit, diesem Manne, der Deutschland durch fast zwei Jahrzehnte in Krieg und Frieden gesühre hat, die Cesolgschaft zu leisten. Wir wiffen uns darin einig mit weiten Schichten aus allen Parteien bis hinein in die Kreise der politischen Opposition. Die Treue, mit der Hindenburg die geschriebenen und ungeschriebenen Grundsätze der deutschen Verfasiung innegehalten hat, werden wir durch Treue erwidern, in der Er-; füllung jenes SaheZ des Hindenburg-Aufrufes: Deutsche, seid in dieser Stunde ein Volk, ' dankbar, einig und groß/ r"'-‘ - p- . qv 4r-y ■- - ■, w -J ke' v . ,-J , •, » V‘ ./ "/ / V? »tj v;J-J v v-J In der Nacht vom 23. zum 24. Januar d. I. wirrden auf dem jüdischen Fwedhof in B a r n st o x f (Bezirk Bremen) .Mei Crabmäler geschändet In Barnstorf : leben btti jüdische Familien im besten Einl vernehmen mit ihren nichtjüdischen Mit- L bürgern. In der 2I'acht der Tat fand in Barnstorf ein Ball der.NSDLlP. statt. i Die Täter konnten bisher noch nicht - ermittelt werden. Gras Helldorf, derselbe, der unter der Anschuldigung, Urheber der Kurfürstendammunruhen zu fein, seit Wochen vor dem Nichter steht, sprach kürzlich bei einem Werbeabend nationülsoZialistifcher Sturmtrupps in der Bockörauerei in Berlin. Er ging von der Ermordung des 16jährigen Hitler-Jungen aus, schwor den Schuldigen die Rache der S. A. und sprach dabei wörtlich von den „verfluchten jüdischen Kanaillen", die die „Drahtzieher dieses Mordes" seien. ' Wir würden aus diese Anschuldigung hier nicht eingehen, wenn sie 'nuv einen Einzelfall darstellte. In letzter Zeit hat sich aber bei den Nationalsozialisten die Methode herausgebildet, in Presie und Dortrag die Schuld an den politischen Mordtaten ein für allemal den Juden zu.zufchieben. Daß sie noch in keinem Falle einen Juden als Täter oder Anstifter Nachweisen konnten, hindert sie nicht daran. Nur eine kleine Auswahl aus dem großen Material, das wir nach dieser Richtung gesammelt haben, fei hier wiedergcgeben, um die Wahrheit unserer Behauptung zn bezeugen. Am 27. Juni 1931 erhielt ein Landesverband des Eentralvereins eine anonyme Karte, in der es hieß: „Wer ist hier der Mörder der Nationalsozialisten, besonders des Tschierse? Sie und . nochmals Sie, denn Sie erhalten von den Juden und jüdischen Warenhäusern tausend . und aber tausend Ntark, die Sie den Kom- : munisten geben, damit dieses llllördergesiudel . die Nazis ab sticht und mordet . . / ' Ter ,.A ngriff" vom 23. November v. I. berichtet in einer Meldung unter der Ueberschrift: „Bon Notmord überfallen und mit Steinen Lotgeschlagen . . . Sechs Schwerverletzte . . . Ter Nlordhctzer ein Jude" von einem politischen Ueberfall in Aachen: „Unter den Kominunisten, die sich in der Kurbrennerstraße angesarnmeli hatten, befand sich übrigens ein berüchtigter Hetzjude namens Kaufmann/ Wie gewissenlos diese Berichterstattung ist, zeigt eine Gegenüberstellung von Ueberschrift und Inhalt dieser Meldung. Aus der im übrigen noch unbewiesenen Tatsache, daß ein Jude sich unter den Kommunisten befunden habe, wird in der Ueberschrift „Ter Mordhetzer ein Jude". 'Serien von Bildern begleiten die Pressehetze. Immer wieder werden jüdische Fratzen neben Reichsbannerleuien oder Konununisten gezeichnet als Anstifter der „Rotmordell Ern besonders charakteristisches Bild aus dem- „Eisenhammer" geben wir umstehend wieder. In Berlin wurde von einem nationalsozialistischen Stoßtrupp im Januar d. I. ein Einakter aufgeführt, bei dem ein von Kommunisten angeschosfener sterbender S. A.-Mann auf die Bühne gebracht wird. Eine S. A.-Patrouille bringt einen Kommunisten, der angeblich der Mörder sein soll. In seinen Taschen findet man 10 900 Mark und die Adreffe eines Juden. Plötzlich entsteht am Eingang des Saales große Aufregung. Ein verkleideter Jude wird von sechs S. A.-Leuten auf die Bühne geschleift und, der Schuld am Tode des Nationalsozialisten übenviesen, erschosien. Wir machen diese Feststellungen nicht, um unsere Freunde zu erschrecken, sondern wir wollen vor aller Oesfentlichkeit gegen die schamlose A n s ch ll l d i g u n g protestieren, als ob die deutschen Inden tatsächlich die Drahtzieher bei der politischen Auseinandersetzung zwischen den Radikalen von rechts und von links seien. Wir lehnen die blutigen Dtethoden dieser politischen Kampfe mit aller Entschiedenheit ab, gleichgültig, 'ob die Opfer dieses latenten Bürgerkrieges Nationalsozialisten oder Kornmunisten sind, und wir verabscheuen die Mördergleichzeitig, ob sie rechts oder links stehen. Aber wir wehren nns dagegen, das; die dcnisihen Juden als die Schuldigen an DiesLn: blulvergicsten hingestellt werden. Die llllethode dieser Darstellung bedeutet Aufhetzung zum Pogrom und muß, wenn ihr nicht rechtzeitig Einhalt geboten wird, eines Tages zu Ausschreitungen führen, in deren Verlauf die Kugeln und Steine nicht nur die Juden, sondern auch die nichtjüdischen Nachbarn treffen werden. Dieses En.de sollten die Kreise bedenken, die heute solche Worte unwidersprochen hören und lesen, in dem behaglichen Gefühl, daß es sie selbst ja nichts angehe. 4 . I ■i i