Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 6 (5.2.1932)
- Date
- 1932-02-05
- Page
- Seite 47 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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47 habe vom Fluche Gottes gesprochen, und von nichts anderen!, und ich habe eindringlich und mit scharfen Worten davor gewarnt, den Fluch auf Juda zu wiederholen. Wie ist es möglich, daß da mein Gegner, mich Person« lich anredsnd, schreiben kann: „Sie (!) haben in Ihrem Buche über ein Volk ewige Verfluchung verhängt!'' Was hat er. für.ein Jnterege daran, den Geist meines Luches in sein gerades Gegenteil zu verkehren? Wie kommt es auch, daß der sonst so genaue Gegner, nach dem er mir „immerhin" Noblesse zugebilligt hat, behauptet, ich hatte in einem Apercu über Martin Buber diese Noblesse unterbrochen? Gr hcch doch das Apercu gelesen und muß doch rochen, daß jede Zeile und jedes Wort daran der Ausdruck meines Respektes vor ihm ist, und daß es gerade deshalb geschrieben wurde! (Ter Fall Gundols—Gundelsinger, den -er mir auch als unnobel vorwirft, ist ein gewöhnlicher Mimikrysall, an dem ich meine Geringschätzung nicht ganz verborgen habe.) — Will der Herr Gegner an dieser Stelle offen erklären, daß er sich verlesen hat? Oder soll ich von ihm meinen, daß er tatsächlich meiner „Verzauberung" zum Opfer gefallen ist, ..die über viele wohlmeinende und lautere Menschen Macht gewinnen wird"...? Hans Joachim Schoeps antwortet Hans Blüher: Dia sachliche und vornehme Weise, in der Hans Blüher mir entgegentritt, eröffnet die Möglichkeit eines ernsthaften Gesprächs über Phänomene, .die uns beide und alle, die zuhören können, angeht. Das ist darum kein Wunder, weil wir eben doch wohl die gleiche menschliche und politische Substanz in den Knochen haben und uns darum auch im streue geheimerweise auf der gleichen Ebene begegnen. Mein Herr Gegner wird darum auch verstehen, wenn ich ihm Vorschläge, unser Gespräch vor einem anderen öffentlichen Forum weiterzuführen, da ich mich auf Wunsch der Redaktion dieses Blattes bei meiner Antwort nur auf die allernötigsten Andeutungen beschränken kann. In der Zwischenzeit werde ich mich mit Ihrem neuesten Buch beschäftigen, und Ihnen wird bis dahin auch meine demnächst erscheinende kleine Schrift jüdischer Glaube in dieser Zeit" vor Augen gekommen sein. Zunächst einige Stichwörter zur Erwiderung: Ich richte mich nicht gegen Ihren Konzeptionsgrund, sondern nur gegen Ihre undialektische Verknüpfung des Konzeptionsgrundes mit dem geschichtlichen Gegenstand. — Sodann muß ich richrigftellen: Ueber Ihre G h r i st l i ch k e i t vermag ich allerdings nicht zu befinden — über sie wird nur im Buch des Lebens befunden —, ich wollte Ihnen lediglich angesichts Ihrer selbstsicheren Urteile in „letzten Dingen' die Frage zur Erwägung anheim stellen, ob mcht vielleicht Ihre persönliche Struktur die chrrstliche Heilswahrheit mitunter zu okkupieren und zu verfälschen droht. Solche gerade heute naheliegenden Verfälschungen nenne ich Zauberei, eben weil das Christentum „eine überaus seltene und hauchdünne Sache" ist. — Aber üh kann, das hier nicht weiter crussühren, und konzentriere meine Antwort auf die drei Punkte, die mir am wichtigsten erscheinen: Ach mochte Sie Litten, einmal den jüdischeu oegrgs „denid" (Bund) zu durchdenken. Rsi.-ncrd b reicht C-sK a;« wr; vos Wenn Gott mit dem Volle Israel einen Bund geschlossen hat, dann widerstreitet es der Ehre Gottes, annehmen zu wollen, er könne diesen Bund widerrufen und habe sich bei jener ersten Lundschließung mit Israel quasi geirrt. Versagen, Untreue und Abfall seines Volkes hat Gott gewißlich mit vorausgesehen und hat auch die entsprechende Vergeltung durch Rio'es und die Propheten angekündigt. Aber auch über das Volk des Abfalls hüll der Herr seine Hand, auch im Vergelten bleibt er der gerechte Gott. — Und sehen Sie, Hans Blüher, darum ist Ihre apodiktische Aussage über Gottes Ratschluß, daß Gor: sein Volk verflucht habv, unerlaubt und sträflich. Bitte, seien Sie hier in Ihren Urteilen vorsichtig. Vergeltung ist nicht Verfluchung: das Volk Israel kann sich seinem Gott entziehen und ebfallen, aber so wahr Gott gerecht und, indem er gerecht ist. nach biblischem Zeugnis gleichzeitig Barmherzigkeit übt, hält er dem Erwähtten seines Ratschlusses die Treue. Erzählungen, Dündigungen und Gesetze Gottes aellcn auf Weltzeit. Dafür habe sich nun aber keine „Rayonbürgschast", sondern nur eine solche des Glaubens, daß Oie Offenbarung am Sinai nicht versehentlich geschehen, das Wort des Herrn von den Erzvätern bis zu den Letzten der Propheten nicht umsonst ergangen, und Gack mit der Verheißung der - Versöhnung und Erlösung nicht gespaßt hat. Aber ebenso wie die Auserwahliheit kein Heils besitz, sondern nur eine durch Gottesfurcht zu aktualisierende Heils m ö g l i chkeit ist, gilt auch die Versöhnung nur dem „Rest" Israels, der umkchrr zum Claubensgehorsam Abrahams beim Opserbefehl und der Gottesfurcht, mit der Moses an den Dornbusch trat. — Aber Sie werden verstehen, wenn ich über das theologische Problem des „Restes" an dieser Stelle nicht mehr sagen möchte. Ferner: Es ist 'Ihnen ein Rätsel, daß ein gläubiger Jude, wenn er frei von Affekten ist, das Neue Testament und alles, was das kirchliche Dogma vom Stifter der christlichen Religion sagt, als außerjüdifches Heilsereignis anerkennen kann. Das ist aber dw Fall: nur beachten Sie, bitte, den Umer'chied von „Anerkennen" und „Glauben". Hierüber will ich mich mit Ihnen brieflich und an anderer Stelle bis ins letzte auseiimndersetzen, Ort und Raum lassen cs au dieser stelle nicht zu. "Nun noch ein letztes: Ich glaube. Sie irren, wenn Sie aus der „christlichen Seite gegen das Judentum" zu stehen vermeinen. Kcrche und Synagoge stehen nämlich in W-chrheit gar nicht gegeneinander, sondern sieben heute zusammen. Das wird Ihnen erstaunlich klingen; aber die Wahrheit der reinen wird cs in der empirischen Geschichte bewahren. Der gegenwärtige Zeitpunkt ist dieser, daß der Gang der abendländischen Säkularisation heute bis an Aus dem „Eisenhammer“ Nr. 3 vom 17. Januar 1931 Za dem Azfsalz „Za den jüngsten politischen Morden“ caf der Titelseite dieser Kammer. den Punkt gelangt ist, an dem sich dis Religionen der Offenbarung und dis in Wahrheit konservativ gerichteten Wcltkrästs zusammensinden, um den bedrohten Rest von ^chöpstrngsordnungen zu verteidigen. Im Raum der reinen Geschichte ballt sich heute so viel Entscheidung zusammen, daß keine dieser Glaubensmächte für das Abendland, und d. h. wohl immer noch für die Zukunft der Welt, zu entbehren Hst, und daß dann die ^Synagoge, trotz aller Glaubensspannungen (Spannung — nicht Gegensatz!)» in diese Front voll hineingeyört.— Und weil wir persönlich beide außer unserem theologischen Anliegen Politische Menschen sind (daß politisches und theologisches Bewußtsein eng zusammengehören, beginnt man ja hier und da schon wieder^ zu ahnen), wißen wir auch, daß ein großes ^ntück der abendländischen Zukunft heute in Preußen entschieden wird. Und darum stehen wir beide — Ehr:st und Jude — hier zusammen in der preußischen und deutschen Sache. L'"WÄ kÄ KMr Mri- Die von den verschiedensten weiten geförderten Bestrebungen, eine stelle zu schassen, die in völliger Unabhängigkeit dis wirtschaftliche Lage der deutschen Juden mit dem Ziel der Aufstellung von Verbesserungs- Vorschlägen untersuchen soll, haben endlich zum Ziel geführt. Unter Führung des PrcnßistWu Landesverbandes jüdischer Gemeinden hat sich eine Arbeitsgemeinschaft gebildet, der alle Spitzen Organisationen des deutschen Judentums angehören. Die Forderungen der „C. V.-Zeitung" sind damit verwirklicht worden. (Vgl. Nr. 51 vom ITDezemoer 1931.) Der E. V. wird in ihm durch seinen Direktor Dr. Ludwig Holländer und als Stellvertreter durch sein HauPtvorstandsmiLglied Dr. Hermann Der lat vertreten. Den Vorsitz führt der Vorsitzende des Wirtschaflsausschufles ocs Landesoerbandes, Dipl.-Ing. Bruno Woyda. Dis Großlogs bet Direktor Serson Bach, die ZentraiwohIfahrtZsielle Dr. Max K r e u h b e r g, der Jüdische Frauen- /ch? ü '■ n VT i v' : ' i Der Haarausfall hör» sui-die 3chuppe.a veisjcImndan.*-£Üe Haflte wachsenwiederl Große Flasche RM 3.24. Kleine Flasche RM K94.