Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 5 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
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40 am deutschen Freche: tskampf! . Gebt ihnen die Antrvort." In dieser DeröfstuLlichung eruuckten die betroffenen Mischen Firmen einen Verstoß gegen die einstweilige Verfügung ttnb b-eantragten Strastestsetzung, die jedoch vom Landgericht Ko.öurg verweigert wurde. Das Dberlandesgericht Bamberg hingegen hat diesen Beschluß aufgehoben und eine Geldstrafe von 300 Mark festgesetzt. Aus der Begründung heben wir folgende Lätze hervor: „Zunächst muß wohl ohne weiteres zugegeben werden, daß der Legriss der Boykotterklärung erfüllt ist. Tenn die Beklagten wählen nicht den Weg der Belehrung und Ueberredung, um ihre Leserinnen von der Frequentierung jüdischer Geschäfte abzuhalten. sondern greifen in aller Form zur Verrufserklärung, indem. sie jeden, . der sich unterstehen sollte, ihre Aufforderung zu mißachten, als Berräter am deutschen Volke brandmarken. Ter in Frage stehende Boykott ist Lesothers verwerflich und ohne weiteres unerlaubt, weit er deutschen Staatsbürgern die Existenzberechtigung aus wirtschaftlichem Gebiet aus keinem anderen Grund als dem absprichr, daß sie der jüdischen Raffe angeboren. Eine solche Verrufssrillärnug verstößt in gleichem Maße gegen das Lik tengeseh als gegen den Geist der deutschen Reichsversasiung. Mit einem sachlichen Kampf gegen Ausrvüchse des Wirtschaftslebens hat diese Art des Borgehens nichts gentein." Das Urteil führt weiter aus, daß die Stempelung des Juden zum Volksfeind zwar nicht ausdrücklich, ab-er in umschreibenden Wendungen, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lauen, geschieht, und daß duÄ) diese Gesamt beleidigung jede einzelne jüdisckze Firma getroffen loerde. Tie Hartnäckigkeit des Verstoßes erfordere eine exemplarische Bestrafung. II. Um die Weihnachtszeit wurde in verschiedenen nationalsozialistischen Zeitungen, so in ter „Neuen National-Zestung" in A u g s b u r g sowie im „Schlenschen Nationalsozialifti scheu Beobachter" und in der nationalsozialistischen „Schlesischen Volkszeitung", ein geschmackloses Bild .veröffentlicht; es zeigte Christus am Kreuz, daneben ein großes Warenhaus und einen Geschäftsmann, der sich infolge wirtschaftlichen Zusammenbruchs erhängt. Begleitet wurde diese Illustration mit Boykottaufsorderungen nachstehenden Inhalts: 1. „Warum sollst du das Warenhaus meiden?" 2. „Nicht zum Juden lausen, nur bei Deutschen können." 3. „Deutsche, kauft nur bei Deutschen." 4. „Deutsche, verkehrt nur mit Dcua ' 5. „Hausfrauen, seid Christen auch in der .wi. Ter kleine Geschäftsmann braucht eure Nächstenliebe." Alle derartigen Boykottaufforderungen sind durch Beschlüsse des Landgerichts Vre starr vom 10. Dezember 1931 — 13 Q 6:5/31 — und des Landgerichts Augsburg vom 22. Dezember 1931 — II. E 1404/31 — untersagt worden. III. Vielfach lieg, neben der allgemeinen Sittenwidrigkeit der Bst struaustst-rderung atrch ein. Verstoß gegen da.- Gesetz überde n u n - lauteren W e t t ö c \v c r b vo r. Das tri st: vor allem zu, wenn i:u Zuchuu.u.euhang mir der Aufforderung, jüdische Gesta" sto zu' mstden, dafür geworren wird, bei den Jufcreustrn des Blattes zu laufen. Derartige Fälle hareu: das Amtsgericht E r s! e b e n und des u-1 s - geeicht Görlitz beschäftigt. In Gisleben lag denn Vlitteilunge-btau der NSDAP. „Der Bkans'elder" ein Wust ertast der Arbeitsgemein'chafr deutscher Gefästirsleute Eistebeus bei mit der lieber stur stu „Wer Huf: dein chandwwk ur.d Gewerbes' Der Lwstuß'-atz des Artikels lautete: „staust nicht bei Juden, Waren- und ^ror.im'.'.vercincu, sondern unterstützt das dnnsme Gowcroest Diese Bcukostanfforderung diente also neben der unzulässigen Bekämpfung der .Juden auch noch denn Zwecke geschäftlichen Wettbewerbs -uuö nxtt daher unlauter. (Beschluß vom 12. Dezember 1931 — 3. G. 76/31.) In Görlitz wurde, wie in vielen arideren Orten, ein Flugblatt mit der Ucberschrist: „Ten Gedankenlosen" verbreitet. Dieses " Flugblatt enhieltein Boykotlgedicht, urid zwar wurden unter namentlicher Ausführung ortsansässiger jüdischer Firmen deren Waren schlecht gemacht. Auch hierin wurde sowohl ein Verstoß gegen die guten Sitten als auch gegen das Ccsch über den unlauteren Wettbewerb erblickt, den auch die Prepe begehen kann, wenn sie die Förde- *■ ■?- *> e> _ ‘ m (C$ Donn Dr.Fromms gute * Nchrmiiiei.Preisbucb frei] Niederlagen werden gern unverbindlich nachcev/icsen .; rung srem.der geschäftlicher Jnterepen bezweckt. Hierbei ist es unzulässig, konfessionelle Gegensätze ins Feld zu führen. (Beschluß voin 21. November 1931 — 5 G 78/31 —* Sür KZMpfzx |3? DsWWSAh m ArRsEs Zum Meöen Paul M. Warövrgs Als im Jahre 1908 in den Bereinigten starten von Nordamerika lebhafte Debatten über die Umgestaltung des amerikanischen Bankwesens einsetzten, das sich den Anforderungen kritischer Tage lvenig gewachsen gezeigt hatte, erregte eine Schrift „American and European Banking Metho&s and Bank Legislation compared“ größtes Aufsehen. Leuch sie entwickelt einen Plan, der der Desorganisation des amerikanischen Bankwesens ein Ende bereiten will. Ter Verfasser dieses Werkes ist der New-Dorker Bankier Paul Bst W a r b u r n. Wenn sich auch die Häuser des Kongresses noch nicht bereit erklärten, den Worburgschen Gedanken zu folgen; 'der Stein war ins Vollen gebracht. In verschiedenen Aussätzen kämpfte Waröurz weiter für eine Reform des Geld- und Kreditwesens der Bereinigten Staaten. Lchon nach wenigen Jahren wurden seine Ideen verwirklicht. Die neue Organisation, durch die das gesamte Gebiet der Vereinigten Staaten in 12 Distrikte mit je einer BunLesreservebank eingekeilt wurde, die alle unter der Leitung des Lundesreserveamtes in Washington flehen, wird am 23. Dezember 1913 mit dem Federal Reserve A et-Gesetz. Erst dadurch erhielten die Bereinigter; Staaten ein modern ausgebildetos Rastnbanksystem. Paul M. Marburg, ihr Schöpfer, wurde vom Präsidenten Wilson ari die Spitze des B u nd es re se rv eain t § als fein erster Präsident gestellt. Diese Stellung ist nur der des deutschen Reichsbankpräsidenten vergleichbar. Ist. diese Berufung schon nicht alltäglich, dann um so weniger, wenn man bedenkt, daß die Amerikaner irr Warburg einen Mann zum Führer ihres gesamten Bankwesens erwählt hatten, der niemals aus feiner deutschen Abstammung ein Hehl machte. In Hamburg am 10. August 1868 geboren als dritter Sohn des Bankiers Moritz Marburg, verlebte Pank M. Marburg seine Jugendzeit in der großen deutschen Hafenstadt. In engster Zusammenarbeit mir seinem um zwei Jahre älteren Bruder Mar und den jüngeren Brüdern Felix und Fritz widmete er sich den vielseitigen Aufgaben des traditionsreichen Hamburger Bmrkgeschäfts. Wie Mar gehörte nr:'} Paul einige Jahre als sehr aktives Mich.icd der Hamburger Bürgerschaft an. An l :z Gründung li-j Zerckraiverccmdes des den: sc a n Banl- und Bankiergewerbes war er ebenfalls lebhaft beteiligt. Seine Heirat mit der Tcststr drc Aewchorkcr Bankiers Loeb. des ll.:.inhccers des führenden Banlhanses Kuhn, Loeb L Co„ mag wohl zu stirer U e b e r ) i e d l u n g nach A m e r 11 a i rn I a h r e 19 0 2 bcigetrc.gen haben. Als Mitinhaber dieser Banksirm.a zeigte er sich bald niclii nur als ein gewiegter Praktiker, sondern auch als ein Bamiheoreeiker von Rang. In dem großen zweiöüröigen ststserl: „Das Federal Reserve Svcwnn sein Ursprung;md Bst-.: -Vwu*, das irr J.w.-o 1630 in Dow V)ort’ evpa ur«cn ist, erzählt Paul M. Warl-urg seine „Gedanken und Erinnerungen". Marburg hat _ mir wenige Jahre an der Spitze seiner Schöpfung ^gestanden. Sofort nach dem Ausbruch des Krieges zwischen Amerika und Deutschland bat er den Präsidenten Wilson, ihn von seinem Posten zu entheben, da er'als Deuts ch e r von Geburt nicht dazu beitragen wolle, den Krieg gegen sein Heimatland zu finanzieren. Diesen Beziehungen z it Tour f ch * land galL stets sein größtes Interesse. Tie im Jahre 1921 gegründete InternaÜGaad Acceptance Bank gewährte Deutschland bereits Kredite zu einer Zeit, als andere mwerikanische Banken noch alle Beziehungen zu Teuchchüutd ablehnteu. Paul M. Waronrg ivurde PräWent dieser Bank und trat gleichzeitig an dte^ Spitze der Bank cl Manhattaa Company. Dein Bau lento uz ern, der bald zu den ersten rn Amerika cusstieg, gewährte Jahr für Jahr große Kredite an Europa. Ans der gerade in diesen Tagen verZkfentlrchtLn Bilanz der älanLa'tan Bank ist ersichllich, daß sie noch am 31. Dezember 1931 über Diele, Millionen Dollar denuche Effekten verfügte. Fast genau vor einem Jahr, am 8. Januar 1931, hielt Paul M. Warburg in der gemeinsamen AusstchtZratssitzung der Banken" seines Konzerns eine Rede, die damals weit über Amerika hinaus die größte Beachtung fand. Wie er sich niemals von den Ereignipeu. überraschen ließ, wie er, ..dervielleicht scharfsinnigste der finanziellen Propheten Amerikas" — so nennt ihn einmal die „Nerv Dort Times" — rechtzeitig vor dem Wunderglauben an die ewige Tauer der „Prosperity" warnte, so erklärte er in dieser Ansprache ebenso freimütig die mternctionale Politik Amerikas werde scheinbar von Senatoren geleitet, deren Blick nicht über die Grenzen ihres Staates hinausrage. Amerika könne sich nicht wundern, wenn angesichts seiner Hochschutzzollpolitik die Kaufkraft anderer Länder zusammenbreche. „W i r sollte n", so betonte Paul Bll Warburg, „T eutschlani n s eine m Bestreben, sei n Haus in Q cd n u ug zu bringet!, jed c m o r al i* s ch c u n d rn aferieile Hute r ft ü tz ung g e n? ähren, damit es den Anforderungen der Wirvchaftsdeprefsion gewachsen ich die besonders schwer auf einem erschöpften Lande lastet, das seiner wirLschafKi-chen steserven beraubt und mit schweren Aepararionszahlungen belastet ist." Bis zum letzten Augenblick hat Paul M. Werburg für Las Z u ft a n h 11 o in m c it eines 'W i r t j ch a f t s b ü nd u i s s e s Zwi - scheu L euL schIa nd un d de u Bereinigt e n w t a a L e n gewirkt. Tie ständige Arbeit in den seb re irrigen Finanzproblemen warf ihn iin Deze'irber 1M1 auf das Krankenlager . . . Eine pnr.z.rwmzündung führte am Abend des 24. Januar den Tod herbei. Dieser gläubige Jude hatte in Amerika seine zweite Heimat gefurchen. Mit ganzer Kraft stellte er sich in den Dienst seines treuen Vaterlandes, ohne jemals in seinem Herzen das Land seiner LlluLLersprache zu vcrgcsien. K. Z.