Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 5 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- Seite 41 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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41 VV/’ '-V V'V ----- V V V NTV % Von Tr. Fritz Frievlaenver. Nun ist der Nationalsozialismus obendrein noch inteüeXtuciTe Mode gervorden. -Denn nicht nur die Cntilinarier von gestern rmd morgen, sondern auch die Makler der öffentlichen Meinung, die Literaten von heute, wittern Morgenluft. "Mit ihnen will gewiß der Verfasser der neuesten, uns vorliegenden Untersuchung nicht verwechselt werden. Er hat in gutem Stauten gehandelt und seine Ansicht ist ernsthaft gerneint. Wer das ist ja gerade ein trauriges Kennzeichen unserer Zeit, daß keine Torheit offenkundig genug ist, um nicht geistreich und belesen verkündigt zu werden. Oskar B e nd a unternimmt in feiner Sclwist ,Lne Bildung des Tritten Reiches" (Teutfcher Verlag für Jugend u:D Volk, Wien—Leipzig 193!) nichts Geringeres, als Stefan George und seinen Kreis für die Eedankemvelt des Nationalismus verantwortlich zu machen. Tie Sehrin ist in einem schwerfälligen, mit Freurdwörwrn gespickten Gelehrtendeutsch abgefaßt. Weit verfänglicher ist jedoch seine sinnverwirrende Behauptung. die, weil sie ebenso geistreich wie unrichtig ist, nur Unheil stiften wird. Jene Behauptung gipfelt in folgendem Satze: „George v e r h ä t t s i dj z u Hitler.- von den Größe nverhältnissen abgesehen, in jeder Hinsicht wie D'Annitncio zu Mussolini" (S. 15). Mittels vereinzelter Zitate aus den -Werken Georges und seiner Jünger versucht Beuda seine 'Meinung zu stützen. Wenn er andeutungsweise die Kulrurpolikik des Tritten Reiches als ein Verhängnis der deutschen Bildung empfindet, so besitzt er unsere volle Zustimmung; wenn er jedoch weftergeherrd den Seorge-Kreis dafür haftbar macht, so lehnen wir trotz mancher bestechender Einzelzüge seine Theorie als dilettantisch ab. Zunächst muß bemerkt werden, daß Lenda von Georges Tichteraröße und Gestaltungskraft eine völlig schiefe und unzulängliche Vorstellung hat. Tenn er bringt es allen Ernstes fertig, einen Durchschnittslyriker wie ' Richard Schaukal für einen besseren Tichrer als George zu halten. Wie wenig er Georgs begreift, zeigt er dadurch, daß er ihm. Kriegsverherrlichung vorwirfr. obwohl das Gedicht „Ter Krieg" ihn eines bnwren belehren konnte; er ist taktlos genug, George der Feigheit zu zeihen, wohl in Unkenntnis, daß ein schweres orgam.sches Leiden den Dichter venr Kriegsdienst fern hielt. Leichtfertig behauptet er, Georges Christentum dürfe man nicht gar zu wörtlich nehmen; er erlebt nicht Georges tiefe Eläudigkeir. Mit naiver Genugtuung stellt er dis kritische Re- - fette, die der George-Kreis gegenüber der bürgerlichen Temokratie beobachtet, in seine Rcch- , nmiQ, ohne Zu beachten, daß jene Abneigung sich nur atzen die Auswüchse des bürgerlichdemokratischen Gefüges richtet. Hart an die Grenze des Lächerlichen streift es/werm. Bertda vermutet, daß der junge George durch seine sinnbildliche Gestaltung des rönrischen Kaiftrs Hcliogabal Zum geistigem Wegbereiter Hitlers geworden ser. Bewda griff deshalb völlig fehl, weil er a:n Nebensächlichen s.'llllrt uud feine Anschauung der Gefamlpersönlichllll.k Georges besitzt. Nichts ist verkehrter, als wenn wstn wie"Benda 'in Caorgs einen Gegner des bürgerlich geordneten Lebens sieht. Wie alle großen Dichter, ist auch . George Grzi eher. Gr will seine Tcutschen zum klassischen Gleichmaß zurückführe». Leins heldische Lebensattsfaftung heißt Selbstüberwindung, sie bedeutet Bändigung der rohen Lcbenstriebe zugunsten reiner Menschlichkeit. Das verbindet George mit Goethe. Nichts liegt seiner eisernen Selbstzucht ferner als zügellose Willkür. Ter eigentliche Widersacher Georges ist daher'Hitler. Weshalb reitet Benda gegen den George- Kreis Attacke? Ter Titrier und sein Kreis sollen Pioniere des faschistischen TittaturgedantenZ sein; „Mussolini und George", sagt Benda, „sind gListesgeschichtlich eines Stammes, sozusagen gcrstesgeschichtlichr Brüder". Tabei wird nach einer jetzt üblichen Manier Faschismus und National sozial ismus in einen Tops geworfen, wie denn unsere überdeut sch? . Nationalisten es anscheinerD mit ihrem Stolze für vereinbar halten, Nachtreter der bisher verachteten Welschen zu sein. Wie wesensfremd Mussolini dem deutschen Dichter sein muh, erhellt der Umstand, daß George schon im Vorstiel zum „Teppichdes Lebens" zwischen sich und Italien den Trennungsstrich zog. ethumr, so lautet die Schlußfrage, Georges „Neues Reich" — so heißt der Tire! seines letzten Cedichtwerks — mir dem Tritten Reich überein \ Plato ist, wie B-euda ebenfalls richtig bemerk: hat, der Ahnherr des George-Kreifts. salbst das Mittelalter sieht der Kreis mich platounchen Augen an. Nachher Staatslehre Plates sollen dis geistig und sittlich Besten herrschen'. Tie Tiktatur beruht dagegen auf der rohen Gewalt des Stärkeren. Gewiß machen auch wir uns mancher! Ernwand, den Benda gegen die Meinungen des Georges-Kreises erhellt, zu eigen, aber es hätte ihm zu denken geben sollen, daß führende Geister des Kreises jüdischen Ursprungs find. Von Simmel und Gundols führt zu Hitler und Alfred Rrfenberg ebensoueenig ein Weg wie von der Smaisillee Plaios und Georges zur Tikrarur des Tritten Reiches. ** f-r-*■^f r.i d-j Tie bekannte Berliner Münzenhandlung Robert Ba l^l Nächst versteigert am 9. Februar eine Sammlung antiker Münzen, darun ter L t lv a 35 j ü d i s ch e Bl ü n z c n. Ter Katalog dieser Sammlung, der die Münzen auf 60 Lichtdrucktafeln widergibt — die jüdischen Münzen um fasten die Nummern 404 bis 437 —, ist durch die gründliche Beschreibung der Münzen wie durch die ausgezeichnete Wiedergabe aller bedeutsamen Stücke ein wissenschaftliches Werk hohen Ranges. Die jüdischen Münzen stammen ans der Hasmonäerzeit, aus der Zeit der herodischen Tnnasiie, aus der Zeit der römischen Prolnratoren sowie des ersten und zweiten Aufstandes. Es ist ein eigenartiges Gefühl, durch diese Münzen mit den Zeiten des Simon Makkabi, des Herobes Aunpas, des Angnstus und Nero, des Hinten Barkochba sozusagen in körperliche Berührung zu kommen. Ans der Zeit des ersten Aufstandes (60 bis 70 unserer Zeitrechnung) befinden sich f ü n f Schekelsrücke in der Sammlung, die übrigens nach unverbindlicher Schätzung der versteigernden Firma einen Wert von 200 bis 350 Mark das Stück besitzen. Aus den Abbildungen erkennt ßa$ ß§2MGLLwsssor! Fa:hin ^.-r Versandstelle, Berlin SW 11 Scbuiieberger Strasse 162. Telefon: Lötzow: 8260 .'61. man die kennzeichnenden Münzbilder jüdischer Stücke, wie den Palmbaum, die Weintraube, die Lever, das Weinblatt, den Becher, den Lulab und Ethrog u. dal.,deutlich, ebenso wie die Inschriften. Wir erwähnen den Katalog hier, weil er über seinen eigentlichen Zweck hinaus einen bleibenden Wert als erstklauiges Nachschlagewerk für Forscher und Mün;freun)e darstellt. Ä. W. Ma? Scheler: „Tie Idee des Friedens nnd des Pazifismus." LcrLirr, Ter Neue Geist-Berlar 1931. m Seiten. Bei der überragenden Bedeutung der Abrüstungssrage für unsere Gegenwan verdienen diese aus dem Nachlaß des so früh Heimgegangenen Philosophen veröffentlichten Borträge besondere Beachtung. Echeler nennt Pazifismus diejenige Gesinnung und Tenkuugsart, die nicht nur den ewigen Frieden als positiven Wert erklärt, sondern vor allem auch systematische, praktische Wrllensrncchoden, Techniken, Eiurllmungen sucht, um sie durchzusühreu (S. 11). Schwer unterscheidet acht Arten des Pazifismus und erklärt sie alle, ganz gleich ob sie religiös, rechtlich, wirtschaftlich oder kulturell begründet sind, als unvollkommen und unwirksam; selbst der heroische Pazifismus Gandhis, den er als Gesinnung am höchsten schätzt, muß sein Beites verlieren, wenn er Organisation wird. Hingegen bejaht Scheler die Frage, ob der ewige Friede ein positiver Wert ist, durchaus. „Ter ewige Friede ist ein Ideal" (Ss 20). Er tritt daher für Sesinnungspazisismus und Förderung aller Bestrebungen auf ewigen Frieden hin ein, er glaubt an „ein Auchören des Krieges, freilich in ganz anderen Größenordnungen der Zeit als der zu ungeduldige pazifistische Positwismus". ^chelers Aus'üzrnngen, die immer aus philosophische und soziologische Grundfragen znrückgehen, machen gerade durch ihre Bereinigung von wirklichkeitswahrer Nüchternheit und idealistischer Ueberzeuauna einen starken Eindruck. " J. E. Ter Deutsche Staatsöüraerinr.envcröLnd sendet uns nachstehende Erklärung zu: Ter „Bölti'che Beobachter" vom 19. Januar bringt ein über alle Maßen widerwärtiges Gedicht ^,,Tie Et-'oag.if:stin"^auf ein aug-eoliches Mitglied des Teulfazerr Btacnsbürgeriun-enverbaudes namens RMw-ela „aus dem Ges.hbechla der Süß". Tom Deutschen Staatebüraeruuwetoerband gehört kein llllitglicd dieses ö.ameug an. Es ist zudem effensichüich daß' unter den: fingierten Nam-en eine bestimmte Gruppe von Bollsgenosien ganz allgemein geiro'seü 'werden soll. Leckveelli.wti uns de-raw.ae grundlose Angröeluugen uuwrw Beroeatd.e-, der auf Grund seiner jahrzt t..ltug cnasz.lmton über- Partei liegen v-aterlaudisihen Arbeit o.ll.gemeilws Anscheu genießt. Larcklser lchuaus protestieren wir gegen diese neue ungcheueri—eo <1 f":- ©O .YT, r 1 ve. ■’ - i.: lj vr/ i-j a . w» «L.. e„ . sowie unschöne J Irtiifcrbe verwendet man am her!in die schneeig-v/ei£e Creme Lecdo^c.e glwawLtM eine voraüglluw Ur.-erlage für Puder ist. — Die kühlende und heilende Wirkung tritt besonders"kn Winter in Erscheinung, wenn Hände und Gesicht durch Einwirkung der Kälte stark gerötet sind. 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