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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-29 · 5 (29.1.1932) · p. Seite 38

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
5 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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3$ Entrüstung von Menschen abwendet, die den Aufenthalt.in der Universität zu derartigen Politischen Exzessen mißbrauchen. Tie Art des Angriffs und des Benehmens der nationalsozialistischen Studenten war so roh und hinterhältig, ihre nachträgliche Verteidigung bei der Vernehmung und in ihrer Presse ist so feige, daß selbst ehrliche Gesinnungsgenossen der Nationalsozialisten Leine Gemeinschaft mehr mit ihnen halten wollen. vie verömöLMg im R. L. Sprrvra hat in nachstehendem Schreiben an den Rektor der Universität ihren Protest zum Ausdruck gebracht. „Eure Magnifizenz! Am gestrigen Tage find Angehörige der Unterzeichneten Verbindung im K. C. Sprevia Ln der Universität von einer organisierten Ueberzahl nationalsozialistischer Studenten überfallen, blutig geschlagen und aufs schn-erste beschimpft worden. Es sielen Zurufe wie ,Juda verrecke', und es wurde ein Lied mit dem Kehrreim Meun's Judenblut vom Messer spritzt, dann geht's nochmal so gut' gesungen. Wir wißen uns mit Eurer Magnifizenz und allen Universitätslehrern, ja mit der gesamten gesitteten' Welt in der Beurteilung dieser beschämenden Vorgänge einig. Tas kann uns nichthindern. Eurer Magnifizenz^ wie. der Oesfentl-ichkeit gegenüber feierlich Protest gegen die Vorgänge selbst und gegen die-inchnen zum -Ausdruck gekommene Gesinnung zu erheben. Wir haben erst kürzlich, in Nr. 2 der „C.V.- Zeitung" vom 8. d. M., auf das im Entwurf vorliegende neue österreichische Studentenrecht hingewiesen, das auf rassisch-völkischer Grundlage beruht. Ter. österreichische Unterrichtsminister Tr, Czermak hat nunmehr dem Präsidium des Natwnalrates die Vorlage einer derartigen Studcntenschafrsordnung übermittelt. Unter der österreichischen Judemchaft herrscht darüber Empörung und Verbitterung. Tie Union österreichischer Juden legt in einer Entschließung gegen diese Vorlage., „dio der Nachgiebigkeit gegenüber dem un- Jn Ribnitz in Mecklenburg wurde der jüdische Friedhof in furchtbarer Weise verwüstet. Ganze Reihen vo^ Grahsterrrerr sind während der mit Hatenkreuzen und Hshsprüstiorr, wis „Juda verrecke" sowie ücn $:h.,cn der national-. soziaListischc-rr S. U* bestchnicrt worden. Ter Friedhof wurde außerdem in hier nicht wiederzugebender Weise besudelt. Als Täter konnten zwei Schüler der dortigen Realschule irn Alter von zehn und zwölf Jahren sestgostrllt werden; der eine von ihnen war durch seinen Bruder, der eingetragenes Mitglied 'der - NSDAP, ist, verhetzt worden. Vor sechs Monaten noch war Riönitz eine friedliche Stadt;' in den letzten sechs Monaten aber hat eine außerordentlich starke Propaganda seitens der Nationalsozialisten eingesetzt, die jetzt in dieser Untat ihre Früchte gezeitigt hak. Eine weitere Friedhofsschandung wird aus Oberöwishcim bei Bruchsal gemeldet. Tort wurde der über 560 Jahre alte jüdische Friedhof, der von der Verbundenheit der badischen Juden mit deutscher Erde Zeugnis ablegt. verwüstet. Bier' Grabsteins wurden rrmgewsrfcn,. an einem wurde die Wir protestieren als akademische Bürger gegerr die Verletzung des Univerüläd-ABurgsricdcns, gegen die Verunglimpfung unserer Farben, die seit Jahrzehnten von deulschgesinntcn Studenten jüdischen Glaubens in Ehren getragen wurden. Wir protestieren als Juden gegen die Beschittrpfnrrg unserer Reügzion uud unserer Abstammung, aus die wir stolz sind. Wir protestieren als Deutsche gegen die Bedrohung unserer staatsbürgerlichen Sicherheit. Von den alten und jungen Sprevnr ist im Weltkriege jeder achte Mann gefallen. Wir deutschen Studenten jüdischen Glaubens fühlen uns durch das für das Vaterland vergossene Blut un-' screr Bundesbrüdcr mit den übrigen Teilen des deutschen Volkes erst recht unlöslich verbunden, und wir sind entschlossen, nuser Teil an der deutschen Volks-, Rechts- und KuLiurgcmeinschaft als höchstes Gut zu wahren. Wir hatten geglaubt. Eurer Magnifizenz gegenüber zum Ausdruck bringen zu sollen, was uns gegenwärtig auf das tiefste bewegt. Wir vertrauen darauf, daß Eure Magnifizenz die Wiederkehr von Vorgängen zu verhindern wissen werden, die das Ansehen der deutschen Hochschulen, ja des ^deutschen Namens vor aller Welt herbsetzen wichen. In studentischer Ehrerbietung, Verbindung im K. C. S p r e v i a." * Tie Empfindungen, die dieses Schreiben beseelen, teilen wir voll und ganz. Hmem m öon C. v.l Eine nach«r^3^0ze DiskussiouSreve Ein katholischer Leser unserer Zeitung schreibt uns nachstehenden Briest den wir als wo sporn für unsere und unserer Mitglieder Arottt gern veröffentlichen. Ich besuchte die Versammlung im Gesellschastshause dev Freunde. Gern- Hütte ich einige Worte gesprochen. Ter Geist der Versammlung, die Atmosphäre, welche durch die sachlichen Berichte der Redner erzeugt wurden, drängte mich geradezu, meinen! Herzen Luft Zu machen. Ich hätte etwa folgendes sagen mögen: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ter C. V. hat seine Mitglieder und Freunde zu drei Massenkundgebungen aufgerufen. Mitglied des E. V. bin ich nicht, weil ich es nicht sein kann; denn sonst wäre ich es. Ich bin nämlich Christ, Katholik! Mer ich bezeichne mich als Freund des C. V., ja mehr noch, als stiller Mitkämpfer. Und wie richw ich meine Beihilfe int C. V - K a mp st, in Ihrem Kampfe, ein? Was tue ich' Ich lese zunächst einmal seit Jahren regelmäßig und eingehend die „E. V.-Zeitung". Und ich lerne sehr viel aus diesem so vorzüglich redigierten Blatte. Ich kann mitsprechen, wenn es um Judenbolange geht. Ich kann Verteidiger sein. Und solche Gelegenheit bietet sich in heutiger Zeit ja mehr als je. Uebelwollendc Maulhelden und Phrasendrescher oder Mittrottler gibt es ja so viele! Schon Millionen! 'sie alle kennen sich ja zur Genüge. Es bedarf keiner Namensbezeichnung. „Tie Juden und die Radfahrer sind ja an allen: schuld." Deshalb müssen sie immer herhalten. Und deshalb hat man im lüglichen Leben so oft Gelegenheit, für sie einzutreten, wenn man will und kann. Tas „Können" vermittelt die „C. V- Zeitung". Tas „Wollen" bringt ineine innere Einstellung, die Gemeinheit der Bedrücker und das Unrecht gegen die Bedrückten. Und wenn ich die Zeitung gelesen habe, studiert habe, was dann? Tann geht sie in die Provinz, an befreundete Personen, meist katholische Lehrer oder Geistliche, au Jugenderzieher. Auch au alte Gymnasial- und Uuiversitätsfreunde. Ich weiß, nicht ohne Erfolg! In besonders gearteten Fällen sende ich die Zeitung natürlich auch an Gegner, um nicht zu sagen, an Feinde. Ihnen tut die Belehrung ja am meisten not. Und wenn sie die Belehrung auch nicht gelten lassen wollen, ich meine, das Bild verwüsteter Friedhöfe wirkt dock> mal in stiller beschaulicher stunde. Jede Gemeinheit erzeugt doch schließlich mal Ekel! Und daß ich bisweilen auch die Feder rühre, das möge Ihnen unter anderem die „C. B.- Zeitung" Nr. 23 vom 5. Juni 1941 zeigen, in der im Kampfe gegen Herrn Pastor Uhlhorn in Eckernförde Herr Rabbiner Tr. Posner in Kiel eine Zuschrift zitiert, als deren Verfasser ich mich gern bekenne. Und jetzt noch kurz die Frage: Weshalb interessiere ich mich für die C. V.-Sache, weshalb beteilige ich mich still au seinen: Kampfe? Weit wir, Juden und Katholiken, einem gemeinsamen Gegner gegenüberstehen! Immer, wo gegen Juda geschrieen und geheut wird, wird auch Ron: ebenso verächtlich genannt. Werl dis Ungerechtigkeit im Kampfe gegen das Jndentnnr zun; HimmcL schreit und auch jeden Ghriste??, uc::::. er rvachres .Christentum hcgriFrn hat, Zwingt, seinen Teil zur Gnsrott-rug solche? Uugerechtrgtcit h§i5kkLra.zen. Weil der RnLiscmitiSnruö eine deutsche KuLLurschande ist, die nur dadurch m mildern ist, wenn wcnLgsteus nenn Zehntel aller Deutschen den 'Antisemitismus verurteilen. Ihnen allen aber, sehr geehrte Tarnen und Herren, rustick zu: „Seien.und bleiben Sic stark durch Zusamurcuschlus;! Hinein irr den (?♦ B.l" Für unsere und dcs Vaterlandes gute Sache. Theodor Voss. \j -vT v J «j v / v- / v.v.v'. , , v duldsamen Eigendünkel eines Teiles der Studentenschaft ihre Entstehung verdankt", neuerdings die allerschärfste Verwahrung ein. Sie drückt in der Eingabe die Zuversicht aus, „daß im Interesse des Ansehens Sesterreichs im Auslande und der friedlichen Entwicklung der innerpolitischen Verhältnisse einer Vortag) die parlamentarische Verabschiedung versagt bLiben wird, die mit dem in allen KuLturstaaLen geltenden LkaaLsbürgerprinzip brechen, künstlich angefachte Gegensätze gesetzlich verankern will und entgegen dem Geiste und dem Wortlaute der Verfassung die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetze aufhebt. Platte mit dev Aufschrift Zertrümmert, bei einem anderen die ArrfschrrfrpLattc herausgcnomnren und Ln Stücke zerschlagen. Tie zuerst in der lokalen Presse ausgesprochene Vermutung, es könne nch un: Unwttterverwüstnngen handeln, reifst nicht zu. Denn in der fraglichen Zeit hat ein Sturm oder starker Wind überhaupt nicht geherrscht. Tie Täter konnten noch nicht ermittelt werden. In der Nacht von: 19. zum 20. Dezember 1941 wurden aus dem jüdischen Friedhof .Hirschard - VnNcrrhrinr in Obersranken 67 Grabsteine nnh zum Teil sehr schwer bcstchid'gt. Als Täter ist ein Kieingütlcr aus dein leuachbarten Ort Se i ge n« dors crnüttelt worden, der zwar der NSDAP, nicht als N-rtgliod angchört, aber ihren Gedankenoängen nahestcht. Tie Tcr hat bei der gesarnten Bevölkerung der Umgegend lebhaften Abscheu hcrvorgeruseu. Als besonders bemerkenswert verdient hervorgehoben zu werden, daß das E r z b i s ch ö f l i ch e Ö r d i n a r i a L i n B a n: - berg in einem Schreiben an den ^Landesverband Bayern des Central- Vereins und das zuständige Dekanat in A rn -- lingstadt in einer Kundgebung sowie in einen! Brief an die I s r a e l i t i s ch e Kult u s- g e m c i n b c B u ttenhei tu dos Borkonunnis grundsätzlich vom Standpunkte der karholischen Erhil aus verurteilt haben,

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