Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1932-01-29 · 5 (29.1.1932) · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
5 (29.1.1932)
Date
1932-01-29
Page
Seite 37 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2277379-2277939-2277944--07161-2288040
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VerUn, 2-. Januar 1932 X!. IaheZang * Sr. 8 E'iKAeinummer 20 Pfennig \J J Allgemeine Zeifan^ des Dudentums BrerLLlZahrZabsnnT^rnL 2.25 NSW (Zuzügl. BestrllgrtL). Derlrg unL SchrifLleituna: Berlin V? 13, E.irser Ekr. 42. Fernssrecher: 2 OU^a rill. PoMeckkor.to: Berlin 204 72. Vankkorrto: Dresdner Van?, Drp-sttsnkasss!12, Brrlin.ilZilDLrrdorf 1, ^o^n^CkriOartm Iw, und von. Gell Tmlldt. 5tIll;schllt) <L Co-., Brrlin V? 8. Alleinige Anzeiasnannahnre: Annsnrrn-ErrrLUion RnLolr Sw/ m, unb deren frtüaknä An'-i^rnrreisr: 0,50 &Ji für die 7sefpslt;nc Zeile nach «ubolf Moffrs Nennalzcilenüiesscr rer. 4, ^errrrit:2r.art3^tc:n und Ltcürnzesuchr (r.iüt Ltrürnnne^brtr) für Crnirnirrrein^ 6,^5 die 02 mm breite 3,50 «#*&. <-1*V V X / s \ ■/./: f p .<X;> v v -ü? v v v v * -y <? </ ^,-fV PP * f l/r? r ,w k>vv VV W-^ ' Die Berliner Universität war im Verlauf von 14 Monaten dreimal Schauplatz judenftindlicher Ausschreitungen: im Dinier 1930, im Juni 1931 und in der vergangenen Woche. Auch diesmal handelte es sich zunächst wohl um die Auseinandersetzung zwischen Nackowalsozralisten und Kommunisten. Die Dahlen zu der staatlich nicht anerkannten Deutschen Studentenschrst hatten den Erregungszustand der Nationalsözialistsn gesteigert, nachdem bereits am 19. und 21. Januar nationalsozialistische Reden 'in der Universität gehalten wurden und auch das berüchtigte ,ch?uda verrecket die Ausführungen der studentischen Agitatoren bekräftigt hatte. Am 22. Januar aber holte man zum - großen Schlage gegen die jüdüchen Studenten aus. In zehnfacher Ueöermacht stürzten sich die Nationalsozialisten ausdie Angehörigen der K. E.-Verbindung „SpreviaA Tie jüdischen Studenten hatten den Nationalsozialisten nicht den ge- - ringsten Anlaß zum Angriff gegeben, wenn auch die völkische Presse die Vorgänge heute auf den Kopf zu stellen versucht und von jüdischer Provokation spricht. Auf ein Zeichen stürzten die Nationalsozialisten auf die' jüdischen Studenten. Es entstand eine schwere Prügelei, in deren Verlauf eine Anzahl jüdischer Studenten erheblich .verletzt werde. Die üblichen Hetzlicder begleireten die feige Aktion. Wir bringen nachstehend den SsckchL muss st''zmzmzM stud. Jur. Tstzcktru 2c: j, ' Simttac Stz^cvkas „Am Freitag, den 22. Januar, war die. Säulenhalle der Universitär schwarz von Menschen, die sich alle über die Vorfälle der voran/' mnzmen Tages unterhielten. Jeder spüre e, cs liegt etwas in der Lust. Mancher schaute nach der Ecke der -Nanonalstssalisten, um den erwartetin Angriff rechtzeitig zu sehen. Aber es schien, als ob es diesen Morgen ruhig bleiben sollte. Doch man täuschte sich. Tie Pause war gerade zu Ende . und einige Studenten bereits in die Kollegs geeckt, als es plötzlich losging. Mit einem Schlage wurden uns jüdischen Verbindunzsünducken tu Mützen vom Kopf gerissen, zahlwse Fäuste : ser.ngen am uns cin. Sb uv ob l wir uns er- Ess.wrt wehrten, war cs natürlich ein Ding der lmmog'uchkeit, sich gegen eine zehnfache Neber- ''.s e'l halten. Dazu waren wir auf diesen p Züchen Angriff nicht vorl>erei:et. da ihm nicht wie sonst ein- Wortwechsel vorangegangenen war. Aber cs blieb nicht bei den Fäusten. Unsere Gegner schlugen mit Reitpeitschen, Schlüsseln und Koppelschlössern aus uns ein. Diele von uns wurden verletzt, zu .Boden geworfen, einer brach blutüberströmt zusammen und mußte zur Rettungswache gebracht werden. Zähne ' wurden ' emgeschlagen und Nasenbeine zerbrochen. Ja sogar - eine j ü - d i s ch e Studentin bekam die Fäuste dieser Rohlinge Zu spüren. Dabei schämten sie sich nicht, in den Lallen der Wissenschaft Zu grölen: ,Wenn's Jwdenblut -vom Messer spritzt, dann gehcks noch mal so gut." Daneben gellten aus allen Ecken die Rufe pFuda verrecke' und ,Juden rausü Arrr widerlichsten war das Benehmen der national sozialistischen Studentinnen, die ihre Genossen durch anfeuernde Zurufe gemeinsten Inhalts Zn weitere?: Nocheitsatten anspornten nnd die Hetzlieder mitsangen. Da wir d-er Uebermacht nicht standhalten konnten, artete das Ganze bald in eine allgemeine Schlägerei uri> einen wüsten Tumult aus. Fensterscheiben klirrten und unser Anschlagbrett wurde zertrümmert. Couleurstudenten nahmen ihre Mützen ab, um sich auf die Seite der Rack onalsozialisten schlagen zu können, mit denen sich jetzt auch Sozialisten und Kommunisten herurnbalgten. Erst jetzt erschien die Polizei, nachdem es fast zu spat war. Aber leider erkannte sie nicht die wahren Uebeltäter, sondern -schlug versehentlich auf die Republikaner, die doch die Angegriffenen waren, ein. Einem Polizisten wurde von Nationalsozialisten das Seitengewehr entrissen und als Siegestrophäe unter den Nationalsozialisten herumgereicht. Tie Polizei nahm verschiedene Studenten fest, aber von den sieden Verhafteten war nur einer Nationalsozialist. Den Republikanern blieb nichts anderes übrig, als sich vor dem Gummiknüppel der Polizei durch die eingesackazenen Fenster ins Freie zu retten. Die Nackonallozialisten blieben allein aus dem Plan. Das Abziehen der Polizei begleiteten sie mit dem Gesang: ,Muß i denn Zum Stadtlc hinaus'. Jetzt schien cs, als ob die Ruhe wieder einkehren wollte. Aber plötzlich sahen die Nationalsozialisten wieder einen Republikaner, .stürzten sich aus ihn und warfen ihn aus der Universität hinaus. Da ließ der dl e f t o r, der schon, früber versucht batte. Ordnung zu schassen, sich aber nich: durchsetzen fotiuh und ausgepfiffen wurde, d i e Universitätschließen und das Gebäude räumen. Erst nachträglich zeigte sich dann, wie viele von uns verletzt worden waren. Aber wie wir sehen konnten, hatten auch unsere Gegner manches aböekommen. Erreich: hatten sie mir der ganzen Sache natürlich nichts." Es kann kein Zweifel sein, daß der Angriff in seinen Einzelheiten genLu vorbereitet war. Tie Angreifer wurden kommandiert. Man sprach von dem „fabelhaften Klappen des mündlichen Nachrichtendienstes"; universitÄsfrernde Elemente befanden sich in der Wandelhalle der Universität. VorLrugZKös MaInahmM öe§ Certrackrrsrns Ter C. D. hat sich auf diese skandalösen Vorgänge hin umgehend mit den studentischen Trganifationen und mit den Behörden in Verbindung gesetzt. Der Direktor des C. D. Dr. Ludwig Holländer und der Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin, Dr. Hans R e i ch m a n n , wurden von dem H och sch ulztitzcnUn des preußisch*» Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und VolksLilduuI und dern Rektor der BerUuer UrrrvrrssLüt, GchrAnrat yrofcssor Lr. Luders, c:npfäapz::n Bride Rerrrn sprachen ihr tiefes Bedauern iiber die Dsrü-ngr aus, die das Ansehen der Uuiversstat und des deutscher? 5la:nenS hrrallsthten. Es wurden von ihnen wie auch von der Polizei energische M a ß n a h m e n zugesagt, die eine Wiederholung derartiger Vorgänge zu unterbinden geeignet sind. Allerdings glauben wir, daß trotz aller Energie der Behörden derartige entwürdigende Vorfälle nur dann in Zukunft unterbleiben werden, wenn die gesamt.' Tesüntl'üteit sich mit 2>er £t:r neue Xaiir ist fällig! Lasst euch nicht mahnen» sondern überweist eure Beitrüge regelmässig, möglichst unaufgefordert; unterstützt uns in unserem Bestreben, in dieser schweren Notzeit unsere Unkosten auf das unumgänglich Notwendige zu beschränken. Unser Postscheckkonto ist: 115501 (Sonderkonto). Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. L«amlv&Yerln\nü Gross-süerliui Berlin W 15, lamser Strasse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.