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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-22 · 4 (22.1.1932) · p. Seite 31

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
Seite 31 (sequence 3)
Language
German
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31 Die Kundgebung fn öer SrssLMsst der Zreunüe stand unter der Leitung des Dorschenden dcZ Centralvereins, Justizrat Tr. Brodnii;: „Wie auf allen pflichtbewußten deutschen", so führte er einleitend aus, „lastet auch ans uns Deutschen Juden bange Sorge. In jedes Haus i st a u dj bei u n s wirts ch a f t l i ch e Sorge, meist schwerste Wirts ch a f t - riche Not, eingekehrt. Wenn wir den Kampf gegen die Berelendung mit allen unMzur Verfügung stehenden Mitteln Zn führen suchen, so sind wir uns doch bewußt, daß es sich b e i der Entscheidung, die das Jahr 1932 bringen soll, um sehr viel mehr rwch handelt. Dieses Jahr^wrrd die Entscheidung bringen, ob das Deutsche Reich, t$lt es die Verfassung in ihrer Einleitung besagt, irr Freiheit und GercchLigkeiL sein Bestechen festigen und innerem und Luße- *m Frieden dienen kann. In diesem Kampfe wipen wir uns rnit allen Trutschen einig. Auch wir deutschen Juden wünschen nichts weiter, als daß das Deutsche Reich in Freiheit und Gerechtigkeit sich entfaltet. Unser Schicksal ist mit dem Schicksal des deutschen Vaterlandes unlösbar verbunden. Wenn wir genötigt sind, gegen Gewalt und Unrechts das uns deutschen Juden zugefügt wird, laut Widerspruch Zu erheben, so geschieht dies nicht bloß in Verteidigung unseres Lebens und unseres Vermögens, das ohnehin den Kampf fast nicht mehr lohnt, nicht bloß in Erfüllung der sittlichen Pflicht, die wir in der Abwehr, rückblickend auf unsere Vergangenheit auf deutschem Boden und angesichts unserer Kinder, erfüllen, sondern auch in dem -Bewußtsein, daß in unserem Deutschen Reiche niemandem, auch nicht dem geringsten, zu welcher politischen Richtung er auch immer sich bekennen möge, Anrecht zu gefügt werden kann, ohne daß darunter das ganze Vaterland schwersten Schaden erleidet. Deutschland, das wirtschaftlich am Boden liegt, kann sich nur in Freiheit und Gerechtigkeit erheben. Dieser Gedanke muß allen Deutschen von allen Stellen, die die Verantwortung für die Geschicke des Vaterlandes tragen, einaehänrmert werden. Wir sind von dem guten Willen der Regierung überzeugt, aber wir haben ebenso die Üeberzeugung, daß die führenden Männer nicht ausreichend informiert sind, daß sie nicht ausreichend wissen, in welchem Umfange und mit welchen Mitteln der Kern unserer Verfassung, Freiheit und Gerechtigkeit, uns gegenüber täglich verletzt wird. Wir wipen. daß viele, die in ihrer Verzw-eisluug dem MtionalsozialismuZ nachlausen, lediglich unter der Parole, daß alles anders werden müsse, keine Ahnung haben, welche Hetzaroeit von den Nationalsozialisten entwickelt wird. Wir halten das deutsche Volk auch heute noch für innerlich so gesund, daß wir auf Gesinnung mit Sicherheit rechnen. Es handelt sich deshalb darum, besinnliche Menschen, die es in allen Kreisen und bei allen Parteien auf5nrufen, damit sie er kennen, daß Ge- Walt und Verleumdung nicht die Mittel sind. mit denen wir unser de' ntschck i Vaterland Güfbauen können. De l st-All steez krllr r:- der e.ck'wnrairwn bi ab " g ■; - ■ sbnli:'-* r'it würdig '.ne Z fc;.. g '■/’> r; Bnngn: : Zagen st brechen c:i allo diese.st n, die ll n c. : der Partcllstr; v-:0 ilbw i. /ee ei il.: : rure cm Luulws tu. fr“ - “ dm) wl mustws Unser Ruf geht an alle, die guten Willens sind, er geht an die Regierenden, die sich trotz der unmenschlichen Ueberlastung a u ch m i t unserer 9t o t befassen m u s f c n, und er acht, wie stets, auch an unsere Glau b e n sgenossen, die sich auch in dieser Zeit die Liebe zum deutschen Vater lande, mit dem sie unlösbar verbunden sind, nicht nehmen lasten dürfen und nicht nehmen lasten, auch wenn die Hetze gegen unser Heiligstes, unsere Religion, sich richtet." Ein erschütterndes Bild von der Lage in Pommern gab der Vorsitzende des Landesverbandes Pommern des Centralvereins, Rechtsanwalt Dr. Marcuse (Stettin) „Die Erscheinungsform des Antisemitismus in der Kleinstadt"und auf dem flachen Lande ist eine ganz andere als in der Großstadt. Berührungspunkte und Reibungsflüchen sind dort viel intensiver, und die Einflußmvglichkeit ans den einzelnen ist ungeheuer. Es gibt in Pommern Kleinstädte, in denen sich die Juden - abends nicht mehr auf die Straße trauen, weil sie überfallen oder angepobelt werden. Ter wirtschaftliche Kampf tobt sich in Form des Boykotts ans. Selbst wohlmeinende Christen trauen sich häufig nicht beim Inden zu laufen, weil . sie ihrerseits dann den Terror fürchten mästen. Teile des Adels, der früher gute Beziehungen zum jüdischen Händler, Hausarzt und Geschäftsfreund hatte, hat sich nach dem Kriege mit an die Spitze dieser judenfeindlichen Boykottbewegung gestellt. Und der Adel hat noch immer eine große gesellschaftliche und politische Macht, und das Bürgertum sieht ihm ab, was gesellschaftsfähig und vornehm ist. Ganze Dörfer sind als Kunden verschwunden. Der Jndenschnaps, der Judendoktor sind verrufen. Tie Folge davon ist: wirtschaftlicher Ruin des Judentums, Konkurse, Flucht in die Großstadt." Der Vorsitzende des Landesverbandes Groß- Berlin, Dr. Bruno GlaserfelD verwies curf die Kursürftendamm-Unruhen und aus die Wahlerfolge der natiOnalsozialisüschen Acrzteschast und rief die Berliner jüdische Bevölkerung auf, sich als echte Republikaner in die Eiserne Front einzureihen. Ter Vorsitzende des Landesverbandes Freistaat Sachsen, Dr. Felix Golvmann (Leipzig) stellte die Lage in Mitteldeutschland den Pommerschen Schilderungen gegenüber. Im indu- SRoeckl-dfandschuhe H ä *, M J . - Aich w , \ chsi^Bst 27 eigene Filialen in allen grösseren Städten des Reidies striellen Gebiet wohnen die Menschen näher beieinander ais in dem Agrarland Pommern, das Vereinsleben blühr stärker, _unb der Antisemitismus findet ein beperes Bollwerk in den linken politischen Parteien. Tie Behörden haben sich hier einigermaßen funktioniert, und auch das Schächtverbot konnte bisher abgewendet werden. Alle die, die leicht fern g meinen, man solle die Nationalsozialisten einmal an die Negierung kommen Lasten, verkennen die zerstörende Kraft, die in den Nationalsozialisten liegt und die sie in Thüringen bewiesen haben. Trotz der politisch bedrohlichen Lage lagen die deutschen Inden sich ihren £?ttmt§mu3 aber nicht rauben und glauben nach wie vor an den Wert der Aufklärung. Dazu ist stärkste Mitarbeit der jüdischen Masten notwendig. Dr. Margarete Evelheim kennzeichnete die Stellung der Frau im nationalsozialistischen Reich ans Grund programmatischer Aeußerungen nationalsozialistischer Führer. Trotz der"frauenseindl:chen Gesinnung der Nationalsozialisten strönwn Blasien von Frauen in die nationalsozialistische Schwesternschaft. Wie tief der zersetzende Geist des Haffes ist, zeige allein schon die Tatsache, daß die Nationalsozialisten sich nicht der allgemeinen Winterhrlse angeschlagen, sondern eine Sonderaktion gemacht haben. Arnold Stein richtete einen scharfen Appell an das deutsche Judentum, nicht zu verzagen, sondern sich ausrecht gegen jede Unbill zur Wehr zu setzen. Dr. Alfred Hirschberg wandte sich an die junge Generation, die sich in einer Zeit größter Erschwerungen ihrer Zukunstsformung mit Entschlossenheit und rnnerer Sick-erheit für den Be ha u p: u n gs f amvs um ihr Dasein als Menschen, als Deutsche und als Juden entschieden habe und damit'beispielhaft wirke. 3>k Armögsörmg Im Logsrrhaus Isachimschslsr Straße war überfüllt. Der Leiter der Versammlung, Rechtsanwalt Dr. Bruns Weil, Stellvertreter des Vorsitzenden des Centralvereins, sagte: ,L)ie Treue der deutschen Juden zum Vaterland kann durch keinen Haßgesang der Hitler- Scharen erschüttert werden; ihr Mut/ ihre Standhaftigkeit und ihr aufrechter Sinn können durch keine Drohung mit Gewaltmaßnahmerr beeinträchtigt werden. Die Sache der deutschen Juden wird aber nicht allein um ihrer selbst willen, sondern um der deutschen Gern. e i n s ch a s t willen geführt. Wenn auch nur ein einziger der an gedrohten Entrechtungsversuche gegen, die deulstchn Juden in die Wirllich- Leit uwJu sehen verstn.st würde, so wäre damit re lll. Ah an das Grundprinzip alles modernen Derfassung?lebenI die Art gelegt, das auf der Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz beruht. Die deutschen Juden, die sich in einer aussichtslosen Minderheit befinden und nicht einmal ein Recht fordern. das; i'y •' •; j” von den cstri?; c.cncmtnc-r x n ll iv,i C-.;n c d er rnD Ci:; t der demi ' ew All ihnen swch :t illll. ll er rggdeutsch Iw .- Mstch a;: die l; e Ce";ev^ ,e f et mit wll drö ) oller an deren 'caprge ein gwnwwer -i mcholck steht, und an das Oberhaupt des gleiches, den vom '-"äubigen Protestanlisenus bestellen Reist'aräs oenten. Nicht obwohl, sondern gwwe weil e.- sieh um eine o i ö H, o ■■i

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