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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-22 · 4 (22.1.1932) · p. Seite 30

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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30 Zum letzten Punkt der Tagesordnung sprachen Rabbiner T r. Eschelbacher (Düsseldorf) und Rechtsannwtt Tr. B e r l i n «Nürnberg) über den N ü r n b e r g e r T a l :n u dprozeß, der, wie seinerzeit eingehend berichtet wurde, mit einem Freispruch des „Stürmcr'-ReLakteurs geendet hatte, weit der Talmud als solcher nicht dem Schutze des Z 166 des Ttrafgesetzbuchesunterstehe. Tr. Lschelbacher, der als sachverständiger Zeuge vor dem Nürnberger Schwurgericht vernommen wurde, schilderte erschütternd, wie unverantwortliche Menschen aus mißversia:.denen oder erfundenen Zitaten Bolksausrubr und Volk-Haß zu erregen imstande sind. Er zeigte auch, wie die zum Teil völlige Unbekcnmtheit mit der jüdischen Lehre Ergebnisse zeitigen kann, die jede wahre Rechtsfindung, insbesondere vor einem Schwurgericht, fast unmöglich erscheinen lassen müssen. SefprechungmitFurißsn rmö Theo!ssrn Am Montag fand ln den Raumen der Hauptgefä)ästsstelle des C. B. eine Besprechung mit Juristen und Rabbinern über einige wichtige juristische und religiöse Proölenre statt. Bedeutungsvolle Urteile aus straf- und zivilrechrlichem Gebiete, so über Kollektivbeleidigung, Religiousbeschttnpsung, Talmudprozcsse und Boytottbekümpfung, sowie die außerordentliche Inanspruchnahme der Rcchtssäpchstelle des E. B. in Berlin und im Reicks hatten den Wunsch nach einer derartigen Aussprache in einem tleiucu Kreise sachverständiger Mitarbeiter reisen lassen. Tie Feststellungen und Ergebnisse werden sich in der praktischen Arbeit sehr bald auswirken. ihre wisseuschastliche Vertiefung den beteiligten Kreis noch lange beschäftigen. Heamtentagung ües §. v. Am Tienstag blieben den ganzen Tag hindurch die beamteten Mitarbeiter des E. B. aus der Hauptgeschäftsstelle und den Landesverbandssyndikaten in angestrengter Arbeit zur Beratung der praktischen Arbeitsfragen aus allen Gebieten unserer Tätigkeit nach innen wie nach außen bcisanunen. Ter Gedankenaustausch erbrachte eine Fülle von Anregungen, die die Grundlage für die Arbeit des E. B. in den nächsten Monaten bilden und sich auch in der Themenwahl der „G. B. -Zeitung" ausdrücken werden. SH 'ös*'vv 'vp'-’-Yn £'2ii:5S'::;"rjC:;;:':33:«r.3 Als Auftakt zu der Hauptvorstandssihung fanden am Sonnabend, 16. Januar, drei große Versammlungen in Berlin statt. Tie Kundgebung in der Bu!q öes RsmgstLLtlschrn Reaigpmnasiums eröfsnete der Tirektor des Centralvereins, Dr. Holländer: ,Wir haben schon an anderer Stelle unfern Gruß an den Hauptvorstand ausgesprochen und dabei ausgeführt: Tie gegenwärtige Lage erfordert den Rat 'und die Mitarbeit jedes eiitzelnen Mitgliedes, denn heute steht im Vorder- ■», Mittelpunkt und Hintergrund sämt- Verhandtungen die politische, wirtfchaft- und kulturelle Gesamtlage in ollen ihren Auswirkungen auf die deutsche Judenheit. Und wir wissen, daß das Jahr 1932 auf diesen drei Gebieten zu einem Jahr der Entscheidungen werden kann. Das Jahr 1932 wird die Entscheidung bringen, oö das Deutsche Reich sich den Mächten gegenüber durchsetzen kann, die Unrecht und Gewalt auf ihre Fahne geschrieben haben und dadurch den inneren und äußeren Frieden des'Vaterlandes bedrohen. Es wird die Entscheidung bringen, ob die immer lauter werdenden Forderungen der Judenfeinde nach Entrechtung des jüdischen Voltsteils in Deutschland auf den Gebieten der Verwaltung und Gesetzgebung teilweise oder ganz erfüllt werden. Und es wird damit Zur Entscheidung bringen, ob wir deutschen Juden zn Staatsbürgern zweiter Klaffe heradgcwürdrgt werden. Die heutigen Kundgebungen sollen dazu beitragen, unsere Kräfte zu sammeln, unseren Abwehrwillen Zu stärken. Gewiß werden wir als kleine Minderheit auf die Einsicht und den guten Willen aller derjenigen unserer den;scheu Loltsgenossen angewiesen sein, die sich den Blick für Wahrheit und Gerechtigkeit trotz aller Verhetzung noch nicht Green trüben lassen: gewiß wird für unser Schicksal anchoBwgweud sein, ob wir auf den Schutz der für die politischen Geschehnisse in Deutschland Verantwortlichen rechnen können. Aber es hat niemand von uns das Recht, auf den Eieg der Wahrheit Zn hoffen, wenn er nicht unter Einsetzung seiner ganzen geistigen und materiellen Kraft entschlossen ist, für unsere gme und gerechte Sache zu kämpfen. Nicht nur, daß wir uns mit unbeugsamem Kampfeswillen einreihen in die Front der Gruppen und Parteien, die nach ihrer Weltanschauung auch für unser Recht und unsere Freiheit cintreten: wir müssen auch mit der ganzen, uns Zur Verfügung stehenden lleborzen gungskraft. nicht zuletzt durch das persönliche Bespiel, au Märend wirken. Wir glauben an den gestruden Sinn -des deutschen 'Voltes.- Es gibt auch heute noch in allen Kreisen und allen Parteien zahllose Volksgenossen, bte mit uns der lieber zeugung sind, daß man mit zügelloser Propaganda dem dauiederliegenden deutschen Vaterland nicht helfen, die allgemeine Not nicht beseitigen, den Wiederausbau nicht beschleunigen kann. Wir müssen Aufklärung schassen in den Kreisen der Menschen, die in dem ehrwürdigen Reichspräsidenten mit uns das Symbol der Einigung des deutschen Vaterlandes in Freiheit und Gerechtigkeit sehen." Rechtsanwalt Dr. GolDbcrg (Plauen) berichtete aus seiner reichen Erfahrung in Mitteldeutschland. „Tie Lage dort unterscheidet sich von der im Reich und den anderen gröyeren deutschen Ländern vornehmlich dadurch, daß weder in Sachsen noch in Thüringen eine Zentrumsfraktion vorhanden ist, somit die Interessen von rechts und links unmittelbarer aufeinander prallen und damit eine größere Ungewißheit über die Erfolgsmöglichkeiten politischer Bestrebungen — von welcher Seite sie auch kommen mögen — festzustellen ist. In Thüringen scheint der Mißerfolg der Beteiligung von Nationalsozialisten an der Regierung einem weiteren Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung Abbruch getan zu haben, in Sachsen ist mit einem weiteren Zuwachs an nationalsozialistischen stimmen zu rechnen, wenn wahrscheinlich auch der im Gange befindliche, von den Nationalsozialisten und Kommunisten betriebene Voltsentcheid aus Auslösung des Landtags kaum Erolg Haben wird. Besonders stark ist der wirtchaftkiche Hetzboykotr. Vornehmlich die natio- .nalfstoziülistische Tageszeitung, der „Freiheitskampf". übt ihn aus gegen Inhaber jüdischer Geschäfte, jüdischer Amvälie und AerzLe. daß gerichtliche Maßnahmen beantragt werden mußten. Stärker geworden ist auch btc von den völkischen schäle rbünden, insbesondere der Hitler - Jugend, oft vom Elternhaus unterstützt, in alle Schulen h i nein g e t ra ge n e a n t i se m i t i s ch e Ve rh etz u n g." LtadtverorDnctcr Ernst BehrenDL (Beuihen) > ging VON der Feststellung aus, daß alles in sichtbarer Wandlung begriffen ist und wir jeden Tag vor veränderte Situationen gestellt sind. Zu den folgenschweren Entscheidungen, die auch im Jahre 1932 gefaßt werden minien, zählen nicht nur solche auf innen- und außenpolitischem Gebiet, sondern vor allem auch auf wirtschaftlichem, edion auch der Hauptversammlung 1928 hat der C. B. ausgesprochen, daß den' wirlschastlichen Umwandlungen erhöhtes Interesse gebührt. In der Gesamtwirt- .schacht bereiten sich V er u ks um sch ich tu ngen vor, die austnerksamste Beobachtung verdienen. Insbesondere sind es dw Angestellten, deren Beruf und Stand immer grch rc Ausrnerkfanckeit ans sich lenkt. In Deutschland gibt cs 3-2 Millionen Aug.-llchllte, von denen 2% Millionen kaufru.änuischo Angestellte sind. Tic Struktur-- Wandlungen der Wirtschaft haben die Verrnehrung der Augestclltenzahl bewirkt, die Konjunkturrückschläge und die Rationalisierungsmethoden haben aller auch dazu geführt, daß heute über 700 000 Angestellte stellungslos geworden sind, ohne Aussicht zu haben, in absehbarer Zeit wieder in Arbeit zu kommen. Bei der Schicksalsverbundenheit der deutschen Juden^ mit dem deutschen Volke haben die jüdischen Angestellten natürlich ihren Anteil an dem Niedergang des Angestelltenbernses. Ihr Unglück geht aber über das Allgemeine noch hinaus. Ter starke Judenhaß verhindert oft, daß sie ihren Fähigterten nrrd Leistungen entsprechend urrtergebracht werden. LUL einer gewissen Bitterkeit muß gesagt werden, daß auch jüdische Arbeitgeber sich von Vorurteilen leiten lassen. Lie Augrstellteufragr gehört zu dem wichtigsten Problem für die ganze Judenheit. Tie Möglichkeit, sich selbständig zu machen, ist sehr gering. Arbertsstellerr werden immer spärlicher — schlechte Aussichten für das Jahr 1632. Tas soziale Gewissen aller Juden mnsz arrfgcrüttelt werdend Margarete Fried ries mit ganz besonderer Dringlichkeit die Frauen zur E. V. - Arbeit auf und zeigte die Möglichkeiten für die Vertiefung dieser Arbeit. Das deutsch-jüdische Haus sei bedroht, man wolle uns das 'Anrecht ans die deutsche Kulturarbeit, unseren Kindern das Anrecht auf die deutsche Schule nehmen. Bei den nächsten Elternbeiratswahten mü|]en die jüdischen Mutter stärkere Aktivität als bisher zeigen. Dr. Haus Neichmann, Syndikus des Landesverbandes Groß-Berlin, gab einen Bericht über die neueste Entwicklung der E. D. - Arbeit. Sie biete in ihrer Anlage eine Gewähr für die Entgiftung der politischen Atmosphäre; wenn auch bei der Erregung unserer Zeit eine Stimmung der Depression verständlich sei, so müsse sie doch bekämpft werden. Artur Schweriner, stellvertretender Syndikus des E. V., wünschte in den deutschen Juden den Willen zu bewußterer Behauptung ihrer Stellung innerhalb der deutschen Vollsgememschaft zu stärken. Tie deutschen Juden dürften sich nicht lediglich als Objekt der politische:! Geschehnis^ fühlen, 'sondern müßten sich selbst mit Abwehrwillen erfüllen. Dr. Ludwig Tietz faßte in feinem S ch I u ß w o r t all das, was in den Reden über die Notwendigkeit aktiver Mitarbeit in den Reihen des E. B. gesagt worden war. zusammen und ermahnte die Eltern, ihre 'Kinder zu guwn Inden cr sieden und sie ckumpscereiL für dB politischen Ausgaben dieser Zeit zu ulaeben, die rll er d o Geschick, der künftigen Generation entscheidet.

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