Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 11 (1932)
- Issue
- 4 (22.1.1932)
- Date
- 1932-01-22
- Page
- Seite 29 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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AnZeiz-rrpreue: 0,20 JiJX für dir TacFpaltcnc 8^;> nach Rudolf Memz Nonnalirikrn-e.^r 27 r. -5, st-mllierare-chm und (nicht StoHonan^eLote) für riiirolirdrr des Crntralverains 0,43 die Kimm breite rürkianrezüile 3,50 {< ' ,-> ,v ’*'• ' \ . •' . -. ■-, -;. -\ *■■ - >- K, ' : / (y v^ 7 V -7 -J» <> . -J*/ - 7 V V *-y -v" >■ /■ V •■/ V v % VsTNaUunpssusschuF Dr. M. E. Am Sonntag, ben 17. Januar, fand im Berliner Logenhaus die Hauptvorsiandssitzung des Centralvereins statt. Der Verwaltungsausschuß, der am Tage Zuvor in Zehnstündiger Arbeit die wirtschaftlichen Grundlagen der Dereinsaröeit geprüft, den Etat nach den Vorschlägen seines Vorsitzenden, I. B a - Tudj, und des stellvertretenden' Syndikus des C. B., Dr. Alfred H i r s ch b e r g, sowie nach Referaten über die LanLesverbandZsinanZen von Frau Else Dormitzer (Nürnberg) und Rudolf chHerZberg (Hannover) festgesttzt^hatte/ legte dem Hauptvorftand eine Reihe wichtiger Beschlüsse vor. Auf ihrer Grundlage wird es möglich sein, bei äußerster Sparsamkeit nach innen, die Arbeit nach außen in unvermindertem Umfange' weiterzuführen, die Mitglied e r m e t b u n g fort sch reiten zu lassen umd die Möglichkeiten für eine Verbreiterung unserer Ausklärungstatigkeit in Wort und Schrift Zu schaffen. Hauptvorftanösschung Die HauPtvorstandsschung wurde von dem Vorsitzenden des C. V., JustiZrat Dr. Brodn i tz, und den stellvertretenden Vorsitzenden, Rechtsanwalt Tr. Geiger (Frankfurt 6. M.) und Nechtsamvalt Dr. Bruno Weil (Berlin), geleitet. Zunächst 'wurden Ergättzuugswahlcn Zu der; Vercinskörperschaftcn vorgenouunen. Der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern, Rechtsanwalt Dr. Alfred Werner (München), und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden, Rechtsanwalt Hugo Stein (.Karlsruhe), sowie Landgerichtsrat Dr. Joachim S el i g soh n (Berlin) wurden in dem Hauptvorstand neu begrüßt. Tie drei neuen Hauptvorstandsmitglieder sowie die langsährigen Mitarbeiter im Hauptvorstaud. Rechtsanwalt Dr. Krombach (Esten) und Dr. med. Kurt Fleischer (BerliU), wurden in den Arbeitsausschuß, Rechtsanwalt Dr. Ernst Herz selb (Essen), der langjährige Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Westfalen, und Dr. med. Ludrvig Tietz (Berlin) lvurden Zu Stellvertretern des Vorsitzenden gewählt. Da der bisherige Vorsitzende des Centralvereins Dauziger Staatsbürger juduchen Glaubens. Ban.kdirektor Konsul 'Alfred Weint rauh, seinen Wohnsitz von Danzig nach Leipzig veEogt hat, wurde an A W Wtz . - *■.f'~ \? % ,a -!; r- •- ■■ ■ / - :/ -7 ✓ *••«/ v v V w vV V W V vvseine Stelle der neugewählte Vorsitzende des Dauziger E, V., Senator a. D. K a m n i tz e r (Dangig), zum korrespondierenden Hanptvorstandsnütglied ernannt. GesHäftsbevicht Die Grundlage für eine ausgedehnte Aussprache über die Arbeit und die Politik des Centralvereins gab dann ein ei nein chalöftünd i ger Geschäftsbericht des Direktors des C. V., Dr. Ludwig Holländer. Er besprach die innere Arbeit, die Mitgliederersassung in .'allen Schichten des deutschen Judentums, die i Arbeit in Frauen- und Jugendkreisen, in Miktel- ' stand und Angestelltenschaft. Er gab ein ausführliches Bild der umfasienden und gerade in den letzten Monaten noch stark ausgedehnten publizistischen Tätigkeit, der Aufklärungs- ' Veranstaltungen in großen und kleinen Kreisen. 'Die Rechtsschutzaröeii, die wichtige Frage der Mitarbeit an kulturpolitischen Ausgaben und schließlich die schwerwiegenden und täglich Zu neuen Entscheidungen Llnlaß gebenden politischen Fragen gaben Dr. Holländer Gelegenheit, auch die tieferen Probleme Zu besprechen, die den Wandel der Weltanschauungen aufZeigen. Er wies auf die Krise des HumanitätZgedankens, aus die Verständnislosigkeit gegenüber den Jd'ven des Liberalismus und aus die Flucht in das Massendenken als Charakteristikum für die gegemvärtige Geisteshaltung nicht nur der Jugend, sondern auch breitester Schichten^ des ehemals liberalen christlichen und jüdischen Bürgertums hin. Diese Tatsache .sowie das starke Eindringen mystischer Gedankengänge liefere viele Menschen einem Gefühlsantisemitismus aus, dem durch Aufklärung und persönliche Unterhaltung entgege::Zutreten eine verantwortungsvolle, aber aussichtsreiche Aufgabe des C. V. sei. Aussprache An der Aussprache beteiligten sich Freunde und Führer der C. V.-Vevvogung aus allen Teilen Deutschlands. Aus ihren Schilderungen entstand ein lebensvolles Blld der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Lage im Osten und Westen, im Norden und Süden. Wieder einmal wurde die tiefe Verwurzelung der Juden in den deutschen Landschaften bestätigt, und all die Sorgen, die die Deutsellen der verschiedenen Landesteile, auf dem flachen Laude, int Industriegebiet, an der Saar und im abgeschnürten Osten beivegen, traten auch in dieser Debatte klar zutage. Die besondere Aufgabe, den jüdischen Mittelstand, die jüdische Angestelltenschaft in ihrer schweren wirtschaftlichen Rot Zu stützen, den durch gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Boykott in immer stärkere Isolierung geratenen jüdischen Menschen Zu helfen, und schließlich das heiße Bemühen, sich mit den Gedankengängen der Jugend verständnisvoll auseinanderzusetzen, prägten sich in der Aussprache besonders deutlich EnisdhMessmtg angenommen von den drei Gross- Berliner Kundgebungen des Cenirelt Vereins am 16, Januar, besiäiigi von dem Haupivorsiend am 17, Januar,. Tie Mitglieder des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, zu drei Groß- Berliner Kundgebungen versammelt, erklären einmütig, daß sie fest entschlosien sind, ihre ganze Kraft gegen jeder; Angriff auf ihre staatsöürgerlichc:: Rechte einzuschen. ' Die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ist die Grundlage aller rnodernen . Verfassungen. Ihre Durchbrechung iöäre Rückfall rn Barbarei. .Das Maß der Be- . schimpfungen, dem die deutschen Juden gegenwärtig ausgesetzt sind, überschreitet^ das selbst in den politisch erregtesten Zeiten erlaubte Maß. Die' dcubschrrr Juden richten darum an die gerecht Deutenden aller Glaubensbekenntnisse, an die für die politischen Geschehnisse im deutschen- Daterlarrdc Verantwortlichen, an die Führung Wer Nation die Aufforderung, sic in diesem Kanrpfe rrms Recht, der gleichzeitig cirr Kampf für das deutsche Ansehen in der Welt ist, zu unterstützen. aus. So Zeigte sie eine Vertiefung und geistige Beweglichkeit, die die besten Gegner jeder Stagnation und damit die seelische Voraussetzung 'für die Ueberwinduug des Judenhasses, sind. Nach einem Bericht über die Tagung des VerwaltuugRmrschusies durch Rudolf Herzberg (Hannover) wurden die vorgelegten Beschlüsis vom Hauptvorstand genehmigt, ebenso Anträge von Rechtsanwalt L ö w e n st e i m (Aachen) über praktische Vorschläge für die C. V.-Arbeit und die Entschließung, die die drei Croß-Berliner Kundgebungen am Abend vor vor augenvnnnuen! asten (über sie ist an. anderer Stelle dieses B-atces berichtet).