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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. Seite 24

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 24 (sequence 8)
Language
German
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„Zü'MDe W dem SASÄ- Stefan Zweig über die Dichtungen eines Blinden Soeben erschien eine Auswahl von Gedichten und Prosast von dem blinden Dichter Max I o d h L o w. T-er Einleitung von Stefan Zweig entnehmen wir mit Erlaubnis von Verfasser und Verleger folgende Ausführungen: „Nun legt ein anderer Blindgeborener, Mar Zodykow, seine dichterischen Monologe mit dem Dunkel, Verse und Prosa, vor: auch sein Buch darf als moralischeZ Dokument gelten. Das ungeheure und einmalige Schicksal dieses jungen Menschen ausführlich zu erzählen, hieße brutal um Mitleid für fein Werk werben, während es Achtung verdient, nur flüchtig, behutsam und ohne Sentimentalität sei es darum angcdeutet. Seine Eltern flüchteten vor mehr als sünsundzwanzig Jahren aus Rußland, und weil sie arm sind, wollen sie nicht die Last eines blindgeborenen Kindes in ein sreiudes Land mrtnehmen. So bleibt in einem jämmerlichen kleinen Torfe bei der Großmutter ein kleiner .blinder Junge zurück, vollkommen vernachlässigt und vernxchrlost von seiner Umgebung und abgeschlossen wie mit stählernen Mauern von der wirklichen Welt. Einem Dienstmäcchen dankt er, daß er im dreizehnten Jahre einige wenige Buchstaben abtasten kann, die er — welcher Dichter würde einen solchen Zug so genial erfinden? — von den vorspringenden Glasbuchstaben auf Sodmvassersiaschen gelernt hat. Tann stirbt die alte Großmutter, man weiß nicht wohin mit ihm, so schickt man ihn wie ein unnützes Bündel den Eltern nach Berlin nach, aber die können dort nicht bleiben, sie ziehen nach Amerika und können oder wollen das blinde Kind abermals nicht Mitnehmern So landet es nach manchen schwierigen Verhandlungen in der Jüdischen Blindenanstalt in Steglitz. Der Direktor der Anstalt und ein paar gütige Frauen nehmen sich seiner an, man lehrt ihn die Schrift, aus dem Radio hört er Musik und gestaltetes Wort und irgend etwas drängt in ihm, diesen fremden Stimmen zu antworten. Uüd hier erinnert man sich, wäre es nichts als dies allein, daß es den Blinden eine Welt austut, so müßte man endlich einmal den flachen Kulturschlvähern, die das Radio verdammen, auf den Mund schlagen, denn schon dies und dies allein, daß die schwingende Sphäre den Gelähmten, Greisin und Blinden Botschaft und geistige Gestlligkeit in ihre innere Einsamkeit bringt, Strom und Fülle aus unerreichbarer Welt, schon dies, daß vielleicht das nächste Geschlecht der Blindgeborenen nicht so unglücklich sein wird, so abgesondert und allein als alle . früheren sei: tausenden Jahren, schon dies allein sollte uns Dankbarkeit einslößen sür diese Schöpfung menschlichen Geistes. Dank dieser 'Schaltung ist hier ein junger, unerfahrener, vom Leben 'abgeschlossener Mensch mit dem ganzen Leben Verbünde!? worden, hier lernte er sinnlicher als in der Schrift oder in der Vorlesung das menschliche -Wort kennen in feiner vollendetsten Form als Dichtung und Gesang, hier hat er sich gebildet ruck versucht nun mit eigenem Gebilde, dieser unfaßbaren und magischen Welt zu antworten. Um dieser großartigen Anstrengung, allein schon, mit der hier ein Blindgeborener uns, denen das Antlitz der Welt offen liech-, seine eigene unzulängliche Welt aufschUeßt, haben Max ZoLykows Gedichte ein Anrecht, aufmerksam und respektvoll beachtet zu lverden. Formal sind sie .selten vollendet, denn wie könnte sich Formsinn völlig entfalten bei einem, der nie einen .Kristall geschaut, der nie die ebenmäßig reine Ebene eines Horizonts bewundern durste oder das farbige harmonische Gebilde einer Blüte. Immer oder säst immer ereignen sich innerhalb seiner Gedichte kleine Abweichungen und Fehl- . zöge: es ist, wie wenn, einer im Dunkel zeichnen wollte. Seine Stimme schwankt im Spre¬ *) „Stimm*.<kjs dem Dunkel." Von Max Zodykoro, Verlag Felix Lehmann G. m. b. H., Charlottenburg. chen, aber sie bleibt wahr, und viele seiner Bekenntnisse sind menschlich aufschlußreich, manche in einzelnen Strophen der Anklage aufwühlend und erschütternd, und von dem ganzen Versuche, ohne den eingeborenen Sinn sinnliche Anschauungen zu geben, geht ein so starker dynamischer Wille aus, daß man über die Private Person hinaus die Triebkraft des menschlichen Geistes Gewundert, der in tiefster Bedrängnis am gewaltsamsten sich seinen Weg bahnt, um dem Leben sieghaft mehr abzuringen, als cs freiwillig zu geben getmllt war. Wie weit diese Gedichte der Literatur gehören, bleibt Zloeitreihig und fast nebensächlich gegenüber der moralischen Leistung, die hier völlig einsam und unbelehrt ein einzelner, ein Anonymer im Dunkel für sich (und damit sür alle) vollbracht. Tenn an jeder heroischen Leistung eines einzelnen steigert sich das solidarische Selbstvertrauen Unzähliger, und in diesem Sinne bedeuten Zodykows dem Dunkel abaerungene und mühsam erschaffenen Gedichte mehr als manche mühelos vollendeten; diesem Bunden war nichts geschenkt, er hat jedes Wort, jeden Reim sich erobert. Und darum ist sein Buch mehr als literarische Bemühung, es ist eine seelische Tat." Der SchZösl öe§ Llegeehcw^MNgs Msksrra Ein kriegsfernvlrchev Jugenvrsman Im dunkeln Afrika erzählt man eine Sage: „Weiße Krieger haben einen Schädel des großen Negerhäuptlings verborgen; um dieses glückbringende Symbol zurückzuerlangen, sind die Nachkommen der Eingeborenen zu jeder Untat, jeder Torheit-bereit/ So rennen in allen Ländern — auch in zivilisierten — die Menschen einer Idee zuliebe, die ihrer Weltanschauung entspricht, in das fürchterlichste Unglück, ohne es als solches zu erkennen. Rudolf Frank und Georg Licheh nennen ihr Werkst einen „Kriegsroman für die junge Generation". Ich glaube, jeder Junge, der den Krieg für eine frisch-fröhliche und wünschenswerte Angelegenheit hält, wird anders denken, falls er die Geschichte vom polnischen Jungen Jan Poretzky liest, der mit einer deutschen Batterie sein zerschossenes, verlassenes Dorf verläßt und ihr freiwillig die größten- Dienste leistet. Er teilt ihr Schicksal im Osten, er folgt 'ihr nach dem Westen und verschwindet auf Nimmerwiedersehen an. dem Tage, als mau ihm zum Lohn sür seine wertvollen Leistungen offiziell zum deutschen Staatsbürger und gleichzeitig zum Schaustück und Propagandaobsekt sür dis Werbung einer polnischen Freiwilligenarmee und die Zeichnung von Kriegsanleihe machen will. Liebenswert wie der 14jährige ..Panse" sind -seine „Kameraden", so der vorbildliche, innerlich kriegsseindliche Oberleutnant, der brave sächsische JBc&ha", durch den der Pole deutsches Familienleben und das Leiden der Dahllm-- gebliebenen keunenlernt, wie der tapfere jüdische Unteroffizier und Rechtsanwalt Jakob. Aber auch andere Typen tauchen aus, gewissenlose Bergesttzie, die sich feige Drücken, ihre Untergebenen schikanieren und denen jedes Mittel reckt v, von denen sie sich persönliche Vorteile versprechen. Die Strapazen und Enibckw'a.u zen der Truppen im Bewegungs- und S.ellnnzsckrrag sind ungemein anschaulich wiederzegeben. Was sich im Feldlazarett unter vermmckeckn Soldaten aus -sämtlichen tä.w.vsenden w Kienen ab'sti elt, gehört zu dem Stärisim, was Dle Kriegsliteratur überhaupt hervorgebracht hak. Vieles würde besser werden, wenn die Jugend der ganzen Welt dieses erschütternde Kriegsöuch fcnnenlcrncn würde. _ , Gertrud Lichtenberg. ist Verleg Müller & Nicperrheuer. T.zt £'':n:r „72r::n"4Nr Wertvollen Aussätzen, d.e uzz) ihrem Erscheinen im „Morgen" besonderen Widerhall fanden, einen Kreis zu schauen, der über die ständige L-ckerfchaft der Zeitschrift hinausgcht, war der Zweck der sogenannten „M o rg en"-Reitze. Das letzte Jahr hat trotz seiner wirtschaftlichen Krisen die Reihenfolge uni vier Hefte vermehrt Die Leser der „C. V.-Zeitung" kennen aus Besprechungen oder aus Vorabdrucken, dem Namen und teilweise auch dem Inhalte nach, alle Arbeiten. Titel, Verfasser und Inhalt soll ihnen aber noch einmal ins Gedächtnis gerufen werden, damit sie sich die Möglichkeit, vertiefte Kenntnis, innere Bereicherung und seelische Rüstung zu erhalten, erneut vergegenwärtigen. Leo BLecks „Geist uns) Blut", diese bewegende Auflösung der Rapenfrage ins Geistige, Michael M ü t t e r - C l a u d i u W aufrüttelnde und anklagende Studie „Antisemitismus als Am griff auf dr> Seele", Erich Sterns klärende Untersuchung über „Religiöse Entwurzelung und Neurose" dringen vom 'Gegenständlichen zum Grundsätzlichen vor und ordnen das Grundsätzliche in dem Umkreis unseres Daseins als bewußte Juden innerhalb einer Wett, die von ihren äußeren und inneren Triebkräften her den Wert unseres Judentums und unserer Eignung zum Staatsbürgertum in Zweifel' ziehen." Aus die wertvolle und grundlegende Arbeit von Dr. Margarete Wiener, „Vom nationalsozialistischen Wirtschaftsprogramm", deren Notwendigkeit für die Tätigkeit des E. V. und aller derer, die sich wissenschaftlich mildem Nationalsozialismus auseinandersetzen müssen, durch die Tatsache der rach folgenden zweiten Auflage erwiesen ist. braucht nur "erinnernd aufmerksam gemacht zu werden. A. H. 2 S-U'a M) feto QtM H Qht trrlchmgeZ Werk Die pvlrtischr Entwicklung bet letzten zehn Jahre im Heiligen Laude und die Errichtung der hebräit Forschungsinstitute auf dem ^cvpus haben erlich erweist bewirkt, daß jüdische Gelehrte sich in sreni Maße als bisher mit der palästinischen es künde wissenschaftlich befassen. Auf diesem Gebiete kann gar nicht genug geschehen. Ungemein viel ist von jüdischer, vor allem aber auch von arabischer Seite aus, nackzubolm. Gewiß besitzen wir tüchtige ■ Arbeiten von Palästinern, aber diese zeigen erst die - Lücken, dis noch zu schließen, die Ausgaben, die noch zu erfüllen sind. Hier kommt es vor allem auf gründlichs Kleinarbeit an, aus mühevolle, vielleicht langjährige Untersuchungen, deren Ergebnine meistens serrsakronslos, aber auch ohne Sensation von wst-ensschastlichsr Bedeutung sein werden. Immer wieder muß man vor allem auf E u st a v D a l m a n und seine winenschastliche Gründlichkeit in der Paläftinakunde Hinweisen. Vorbildlich wieder für Forschungsart und Eindringlichkeit ist sein „I erufalem und sein Gelände"st. „Das Wichtigste an Jerusalem", sagt Talman, das immer gleiche Cmndgerüst der Lage Jeruws im Zusammenhang mit seiner näheren und aeren Umgebung, ohne welches sein geschichtliches wesen und viele Ereignisse seiner Vergangenheit nicht begriffen werden können, das auch den baulichen Resten aus allen Zellen erst di? Basis gibt, von der aus sie zu verstehen sind." Es ist unmöglich, in dieser Zeitung die wichtigen Einzelheiten des Buckes zu schi.dern. Jeder, den es angeht, und der den Wunsch hat, sieh wissensck.:'e>llch üver die Lege Jerustlems zu oricckiwcn, muß dieses Luch besitzen. Wie wckllnllhck still? Forschung Zu betreiben ist, ersielll tun p recht aus der Ellllstck-w, wo T.cknmr die illllllckrr arabi'ch.'n WtzckrW? ft..? a.ie Leg.'chnungeu der Wndsllck! sckllllllll Ein anderes vorbildliches Leistiel wllstnll euftllster stllirwebeit sind 3. D. dis Zlnllersuckuugen der Wasseck-eistnngen, die Jenust.llm das kühle Naß r,.ssWren. Elle beigegcb-ensn Bilder, darunter viel? Flle-erbilwr. werden durch wertvoll? Tente erläutert. Jurn Schluß wecken uns das Sckicksch? Teuch-elunckell und die berülpüe W.wck.' ..Eck von Bi.ebaba G- Jahrhundert) mit Erllllllugpu v?' geführt. Wir können stcu düraus sein, daß die deut'che Wisstgchchaft ein solches Werl Herr?' gebracht bat. Bilge es Meisternd aus alle im Wuwe Palästina lebenden ForsMr der verschiedenen Gemeinschaften wirten. A.. W. st Mit 4r) Aö-LttLungerr und einer Karte. (ESeiften des Deutschen Palästina . Instituts. 4 Bände. Verlag C. Berl-elsrnann in Gütersloh. 1931.)

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