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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. Seite 22

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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22 Politische Bücher blnat wahr. Tenn das Judentum hat d 2w c ch c 1: a r v e! t T:t Erlau nt das Msrcmal ewws soIU^cn I naeninnrs von durckdringcnder DNiZheit. Er zeugt Von einer komg-!ick'-?n Perspektive'und einer Siatthslrirfchaft für das Reich Jehuda von wahrhaft überlegener Art. Mir Cut und Löse hat das natürlich nichts zu tun. — Hat man einmal den Unterschied verstanden zwischen dem Empirisch-GeschichiUchen mit seinen Bergen von Dokumenten und seinem endlosen Hin und H.r von Passiertsein oder nicht: und der Ebene, von der wir hier immer reden, so wird man auch den Satz billigen: in dieser Ebene ist der Erlaß des Fürsten unbedingt geschrieben worden: ohne ihn ist die weitere Geschichte und das Auftreten des Judentums in der europäischen Welt unerklärbar. Nimmt man aber seine Wirklichkeit an, so verliert das geschichtliche Gesetz, unter dem das Judentum stcht, rede Spur von Undeutlichkeit." Wir kommen auf diesen für die Beurteilung Blühers wichtigen Begrisi der „reinen Geschichte", seine Verachtung der empirischen Vordergrunds und feine seltsame Beweisführung n posteriori — das L posteriori ist zudem mehr als fragwürdig — noch zurück. Der Erlaß dieses „Fürsten der Verbannung" ist für Vlüher deshalb so wichtig, weil er nunmehr jede Behauptung dieses Erlasses einzeln an dem tatsächlichen Geschehen nachzuweisen versucht. Die Beraubung der Christen an beweglichem Gut vollzieht sich in der angeblich jüdischen Ausioeichung und Korruption des christlichdeutschen EigenLumsbegrisfeZ, die Auslösung der Staarssubstanz durch jüdische Advokaten und Notars leiteten die „korruptiven" Cedankengänge von Karl Marx ein, die — was immanent, d. h. ohne die-Blühersche Ausdeutung vollauf richtig ist —, den Staat zur „substanzlosen Verwaltungsbehörde Enteignster" machen wollen. Dis antichristliche Zerstörungsmission der jüdischen Aerzte sieht Blüher in der Häufung von Schwangerschaftsunterbrechungen, die er den jüdischen Aerzten als ihre besondere Domäne zuschiebt, in der „jüdischen" Sexualwissenschaft, dis er eine „übrigens -rein pornographische Angelegenheit" nennt, hauptsächlich aber in der Freudfchen Psychoanalyse, die „eine Uebersetzung der christlichen Beichte und Buße ins Jüdische" darfteUt. Und schließlich sind die Juden sogar noch an der teilweisen Ausweichung des Protestantismus zur liberalen Humanitätsrelrgion schuldig, was er damit erklärt, daß geheimenveise zwei Drittel vom Bestand der evangelischen Kirchen bereits zum Judentum übergetreten seien. Alle diese angeblichen Dokumente des antichristlichen ZersLörungs- und Zersetzungsaustrags lasten nach Vlüher auf dem jüdischen Volk als unausweichliche Auswirkungen einer Verfluchung, die das Judentum — und das ist die neue theologische Wendung des Judenhasses — feit der Messiasverschlung in der Kreuzigung Jesu auf üch gezogen hat. Weil die Verfluchung nun eine Blutsversluchung ist, ist nach Vlüher das jüdische Blut anderseits wieder bestrebt, sich durch fortschreitende „Blutsverdünnung" infolge von Mischehen in germanischem aufzulösen. Das ist für Blüher der Grund des Afsimilationsstrebens, der sogenannten „jüdischen. Mimikry". Nach Blüher steht so das Judentum durah den unerforschlichen Ratschluß Gottes im Auftrag des Antichristen und soll als antichristliche ^endungsmacht in der Geschichte die Werke der Zerstörung leisten, damit sich endlich die Völker der Welt wieder auf die christlichen Güter besinnen. — vso steht es für Blüher mit der „Erhebung Israels gegen die. christlichen Güter". III. Was sollen wir nun, die wir Blühers „Anliegen" verstehen und ernst zu nehmen gewillt sind, zu all dem sagen? Fraglos verhält es sich so, daß Blüher viele gewichtige Phänomene richtig sieht, aber durch seine falschen Nückbeziehungcn falsch deutet, wobei durch die ihm unbedingt eigene magische Kraft seiner Sätze und Gcdaukengäugo eine --tolle Verzauberung der Geschichte eiutritt, die über viele wohlmeinende unt> lautete Menschen Macht gewinnen wird. SAue magischen Konstruktionen stellen jedoch eine restlose Aufhebung der wirtlichen Geschickte dar, deren Sinngehalt nicht von der heidnischen Spekulation, sondern nur vom sich 'befcheideuderi Glauben her erfahrbar ist.' Wir können an dieser Stelle — leider ohne die Möglichkeit näherer Begründung, dir aber anderswo noch gegeben werden soll — lediglich die nach unsteter Einsicht wahren Sachverhalte Herausstellen, ohne' Rücksicht, ob Blüher sie uns glauben oder nicht glauben wird: Tie Au flösungserscheinungen im abendländischen Sätularisationsprozeß, die Blüher sehr richtig als ein Verschwinden des sakralen Grundstoffs deutet, sind nicht Werk des Judentums, sondern in der geschichtstheologischen Deutung des gläubigen Judentums sind sie Straf werke Gottes über den menschlichen Abfall. In die bis aus die Renaissance zurückdatierbare abendländische Säkularisationsgeschichte, die ein sehr vielfältiges Gebilde ist und in das die Juden erst sehr spät hineingerieten, ist srci- Itd) a u ch das Judentum hineinverflochten. Aber nicht wie Blüher meint, als Folge einer göttlichen Blut- und Substanzverfluchüng seit der Ablehnung Jesu, fonöent ganz anders, infolge des Abfalls vom altjüdischen Gesetzesglauöen. Ter Mensch, der nicht mehr in der Furcht des Herrn steht, also nicht mehr als Geschöpf Gottes Willen tut, steht allerdings in seiner Eigenmächtigkeit und seinem ^chöpferanspruch gegen Gott. Und weil der Abfallvom Judentum, feine so harmlose Sache ist, wie wenn ein Christ aus der Kirche austritt, ist er allerdings durch und durch ein dämonischer Vorgang, denn das Gegenstück der Heiligung (am kaudesch) ist die Verfluchung. Wir wissen wohl, daß in der geschichtlichen Wirksamfeit von Karl Marx. Siegmund Freud und vielen anderen dämonische Kräfte liegen; nur das hier nicht das Judentum, sondern gerade der Abfall vom Judentum verantwortlich zu machon ist. Wir können aber auch nicht, wie Blüher das unchristlicherweise ritt, den Abtrünnigen verfluchen, sondern können nur für ihn beten. Daß freilich das Judentum durch das Bündnis, das es in seiner großen Masse mit dein Liberalismus des Aufklärungsjahrhunderts ein gegangen ist, seine beste religiöse Substanz an das ^äkulurn hingegeben hat, die in seinem trüben Fluß dämonisiert worden ist, das ist freilich für uns eine sehr schwere rage. Aber nicht Haus Blüher hat sie uns feindlicher Absicht zu stellen, sondern das darf nur der. jüdische Theo l o g e, der hier nur im" Vertrauen auf das Wort Gottes Wd. h. nämlich unter Angst und Zittern — zu antworten wagen darf. Und wenn die ordinierten Theologen ihre Ausgabe und damit den Ernst und das Unheil der Stunde verkennen, dann müßten aus gläubiger Vollmacht Laien sie erkennen, die für die Stunde die rechten Worte finden. Hans Blüher persönlich aber muß noch unbedingt etwas gesagt werden: Sie haben in Ihrem Buche über ein Volk ewige Verfluchung verhängt, über dasselbe Volk, von dem Sie wissen, daß Gott mit ihm einen ewigen Bund geschlossen hat, und von dem wir Ihnen sagen, daß er trotz der Schließung des neuen Bundes, die wir als unerforschliche Tatsache anerkennen, bis zu den Tagen des Messias anhalten wird, solange wenigstens der „Nest" Israels seinem Gott die Treue halt. Und weiter ist zu sagen, daß das, was Sie Volk nennen, im weltlichen Sinne längst aufgehört hat, „Volk'" zu sein, weil Israel — nur verständlich als Analogon zu den christlichen Kirchen — Gottes- Volk (-Gefolgschaft) geworden ist, dessen Schicksale sich it u r n o ch in der „reinen Geschichte'" abspielen. Und was Sie, Hans Blüher, die „reine Geschichte" nennen, Bas ist im tiefsten Verstände H e i l s geschichte, in die Sie mit Ihren Deutungen und endgültigen Urteilen Einsicht zu haben meinen. Diese Einsicht und diesen hochmutsvollen Anspruch aber, den nannte man früher „schwarze Magie", oder wie wir es nennen wollen, ist es „Verzauberung der Geschichte". Ter Fluch des „Fürsten der Verbannung" wird Sie darob nicht treffen, denn den gibt es nicht, und sein Fluch wäre zudem eine sehr menschliche Angelegenheit. Aber hüten Sie sich künftig vor dem, der in Wahrheit der Herr der Geschichte ist und bleibt, der auch über die Zeiten und die Menschen des Abfalls noch der Herr ist, von dem geschrieben steht, daß er sich erbarmt, wessen er will, und daß er verstockt, wen er will, und dessen Wort und Willen in Gottesfurcht zu verkünden die einzige und wahre „M i s s i o rt* Israels i st. — Wenn aber in der Endzeit die Wahrheit endgültig offenbar werden wird, dann wird der Ewige, unser Gott, die Magier und die Zauberer ins Gericht ziehen. Eil liiiliill’lHliiK’l Domdctarr Dr. A. Scharrrags, „Die nationalsozialistische Weltanschauung", Verlag: GeschäMstelLe deS KlernsöLaLLes in Eichstätt, 193t, 41 Seiten, Preis 0,40 Mark. — K. Troßmarur, M. d. N., „Eitler und Nom", Sebaldns-.Verlag, Nürnberg, 1932, 263 Seiten, Preis 1,80 Mark. — Ja tob Nötges S. I. „Nationalsozialismus und Katholizismus", Gilde-Verlag G. m. b. H., Köln, 1931, Preis 3,90 Mark» Die NSDAP, ist zunächst eine Bewegung, sie will mehr sein als eine Partei. Jede Partei und jede Bewegung wächst aber heraus aus einer ganz bestimmten Jd-cenwelt, die wir gewöhnlich mit Weltanschauung zu bezeichnen pflegen, ohne auf die verschiedenen Probleme zu achten, die allein schon mit dem Wort „Weltanschauung" gegeben sind. Hitler sillbst nennt den Nationalsozialismus wlederholt eine Weltanschauung und betont stets mit Nachdruck, daß er eine neue Weltanschauung sei (vgl. Hitler: „Mein Kamps", Seite 114,409. 415,425, 485), eine Bchaupttung. die allerdings vor riem Prüfenden Geist eines Wissenden nickst siaudhält. Findet sich doch in der ganzen völkischen JdeeuwAt nicht ein einziger neuer Gedanke. H'.llcr selbst ist es auch, der den Wert einer WeUanschauuug sehr wohl zu schöllen weiß. Er sagt a. a. O. Serie 507: „PolnFche Parteien sind zu Kompromissen geneigt. Welta u scyau u n ar uG" wK" , Wenn also nach den eigenen Worten des ersten Führers der Nationalsozialismus vorab eine Weltanschauung ist, daun ist die selbstverstündliche Folge, daß nicht nur politische Parteien, sondern vor allem Weltanschauungen sich mit dem .Nationalsozialismus auseinandersetzen, und chs bietet immer einen eigentümlichen Reiz, ein solches Bringen zweier Weltanschauungen zu verfolgen, auch wenn man selbst vielleicht keiner der beiden sich verpflichtet suhlt. Es dürste daher auch für die „E. B.-Zeitung" von Interesse sein, die Stellung, welche die konstquenteste Weltanschauung — und das dürfte wohl der Katholizismus sein — zur modernen nationalsozialistischen Bewegung einnimmt, kennenzulernen. Drei führende Männer im katholischen Lager haben sich mit der völkischen Ideenwelt auscinandergesctzt: Domdekan Dr. Anton S ch a r n a g l, ein bekannter Führer der Bayerischen Volkspartoi. untersucht das Problem unwr dcm Gesichtswinkel einzelner konkreter Fragen der Kulturpolitik. Der ausgesprochene Praktiker fomrni in der Person des Neichstagsadgeordneton K. Troßmann zu Wort, der unter dem Schlagwort „Hitler und Nom" die beWurindsicu Vorwürfe der Natioualsozralis:rn gegen den Katholizismus zu entkräften versucht. Von der grundsützliu^n Seite aus rückt der Jesuiteuvater Nötgeg dem Tristlem zu Leibe.

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