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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. Seite 21

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 21 (sequence 5)
Language
German
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Hans Blüher hat ein neues Buch erscheinen lasten „Die Erhebung Israels gegen die christlichen ©üter-1), von dem Hans Bücher stch außerordentliche Wirkungen verspricht. Es x\t bestimmt, in hem Sinne das antisemüriche Waffenarsenal für das 20. Jahrhundert au werden, wie das die Werke des Grasen Gobineau und Houston Stewart Chamberlains für das 19. Jahrhundert waren. Um das aber gleich vorweg zu bemerken: Es handelt sich bei Blüher, dessen judengegnerischer Standpunkt von der „Secessio JudaicaA-) her noch in Erinnerung ist, keinesfalls um elementare Formen des landläufigen Antisemitismus -im «sinne der alten Völkischen, von denen Blüher in seiner sarkastisch überleaenen Redeweise sagt, daß sie, seitdem sie „Völkische Banken" gegründet haben, eigentlich sckon zum Judentum übergetreten seien. Bei Blüher ist der Kampf gegen Israel aus der ratzerrviologü'chLN Ebene heraus in die religiös- LheologischchEbene gehoben, aber in einer Weise, die die möglichen Voraussetzungen eines echten Religionsgesprach.es bereits abgeschnitLen haben. Es ist uns nämlich nicht die Möglichkeit^gegeben, ans der Substanz israelitischer Gläubigkeit heraus mit Blüher in ein dogmatisches Lehrgespräch einzutreten, nicht nur, weil Blüher sämtliche jüdischen ReligiOnsPhLnOmenr falsch — z. L. aus zwanghaftem Vorsatz falsch — versteht und auslegt, sondern weil wir spüren, daß hier kein echter Christ Zn uns und über uns spricht, sondern ein Mann, dessen „Christlichkeit" viel sehr fatale Fragen und Zweifel erweckt. Wir können an dieser Stelle zu Blühers vorliegendem Buch, dem noch ein zweiter die theologische Stellung nochmal besonders behandelnder Band folgen soll, nur in der Weise Stellung nehmen, daß wir zunächst die Linien des Lrüherschen CedankengangeZ nachzuziehen und seine zentralen Aussagen wiederzugeben versuchen, um sodann die allernötigsten Anmerkungen zu machen und Eigenart wie Charakter der Blüherschen Stellung kurz zu umreißen. Von vornherein aber bemerke ich Hans Blüher selber gegenüber, daß seine polemischen Behauptungen und Aussagen, und seien sie noch so verletzend gemeint gewesen, mich als jüdischen Theologen nicht getroffen haben, so daß'ich völlig affektsrei ihm gegenübertrete als Repräsentant für die Wahrheit meines, des jüdischen Glaubens. Doch ist die seelsorgerische Haltung den Anmaßlichkeiten Blühers gegenüber eine nicht zulässige Position, weil seine geistige Entwicklung bereits zu einer selchen Versteinerung geführt hat, daß sein Glaube, schon eo ipso im Besitz der christlichen Heilswahrbeit zu sein, durch nichts mehr zu erschüttern scheint und mir zu.dem nicht daran gelegen ist, hinter seinen christl'.ch-konswvaAllen Jdeoloch.sieru7.gen, die heidnisch-auarchi schon Inhalte auszudecken und freizule zen. ' Als Deutscher preußischer Pr ä g u n g aber bin ich mit den politischen Partum seines Baches, mit dem, was er über preußisch 7 wüsche Staatlich seit und was er über Widerstandshaltung gegen Versailles schreibt, vollauf einverstanden, da uns bündische Haltung und staatliches Bewußtsein von der Jugendbewegung her gemeinsam sind. Nur muß ich an ent' ') Har.scati'Hs DsrlagZÄnftalt. Hamburg 1832, 232 Eerrrn C2j. 0.X0 M- *) Psrsdcun 1321, scheidenden Punkten seiner Geschichtsauffassung und der aus dieser folgenden Deutung der „Mission Israels" widersprechen, weil feine Verzauberung der Geschichte' im Geiste heidnischer Magie die Erkenntnis des wahren Sinns der Weltgeschichte und den Einblick in ihren Zusammenhang mit der göttlichen Heilsgeschichte trübt und sogar ins Gegenteil der Wahrheit verkehrt. II. Das Blühersche Buch zerfällt in vier Kapitel: „Ter Rat des Macchiavelüch „Protestantismus als norddeutsche Entscheidung", „Die Gegengründung des nachchristlichen Judentums' und „Frankreich als Lmtichrisr-iche Scndungs wacht", von denen aber nicht nur das dritte Karirel für seinen ju den gegnerischen Standpunkt wichtig ist. Hinzu kommen drei Apercus über Martin Bub er, Friedrich Gundolf und die jüdische Presst, dis aber leider die chnst Blüher immerhin doch eigens Noblesse verminen lauen,- so daß wir sie veischvoeigen wollen, weil der Gegner doch nur an feiner stärksten Stelle gefaßt werden soll. Für Blüher ist das geschichtliche Phänomen Judentum" durch zwei Fakroren von unmittelbarer Heilsbedeutung begründet: das Sinai-Ereignis und die Gesetzgebung des Csra. Wie Blüher zu Recht über die Sinai-Qfstnb-arrrng sagt, ist im Gesetz an Mose das Herz der Memmen getroffen. Nicht dieses und jenes Menschen, nicht dieser und jener Rasse, sondern das Herz des Menschen überhaupt. Das hat das Gesetzbuch des Hamurabi nicht vermocht und auep die Gesetze der Germanen nicht, eben weil sie keinen LllenbarurrgZcharakter hatten. Im Zweiten konstitutiven Ereignis, der Gesetzgebung des Esra aber, hat sich Israel durch das Blut an die Religion gebunden (vgl. Buch Esra. Kapitel 10, 10—12) und ist als „Volk' zum legitimen Eigentümer und Verwalter der Religion geworden. Die Konstitutiv rw form des Judentums und sein eigentlicher Missionbauftraa wurde aber durch ein drittes geschichtliches Ereignis, dis Mefsiasverfehlung, in sein Gegenteil verkehrt dadurch. daß (lt. Mattb: 20 62 st) Hrherpriester und Volk von Israel die Derannrortung dafür übernommen haben, daß Jesus von Nazareth nicht der geweissagte Messias sei, und seine Kreuzigung öffentlich zuließen. Jenes ge'chichrllche Entscheidungsmoment der Mefsiasversthlung leitet nach Blüher die Gegengründung des nachchristlichen Judentums ein, daß Juda nunmehr Nolls und Auftrag des Antichristen übernommen habe und m der Konzeption des rnessicunfchen Reiches, das Reich des Antichristen heranfführen Wolle. Für Blüher ist der geschichtliche Gründungsalt damit gegeben, daß königliche und hohepiiesrerlich-r Gewalt, die verborgen in allen — auch republikanischen — Zeiten vorhanden sind, im konkreten Augenblick Zusammentreffen und sichtbar werden. , Wer über die Plattheiten der liberalen Eeschichtsaufsasiung hinaus ist, die bekanntlich eins einzige Gefchichtsauflösung charfrsllt, weiß, daß Blüher hier vollkommen richtig sieht ... — Königliche und hohepriesterliche Gewalt haben nach Blüher als das Po litisch-thsokratisch e Rückgrat des Judentums im, Galuth in Verborgenheit w-eirerbestanden. Dis hohevriefterliche Gewalt des Levllenstamnws konzentrierte sich nach Blüder im Oberhaupt, das den Titel „Patriarch von Judäa" trägt, während die königliche Gewalt des Davrdaid-engeschlechts im - unsichtbaren Hintergrund blieb und nur gelegentlich in die Sicknbarkeit trau wie z. B. in einem Erlaß des „Fürsten der Verbannung" aus dem Jahre 1450. Dieser Erlaß, den Blüher aus dem Werke „Lasilva Curiow* (1523) eines spanischen Cdelmannes nainen? Julian de llsttrano haben will und der auf den ersten Blick als eine glatte Fälschung zu erkennen ist, spielt nun bei Blüher eine gewaltig: Rolle. Der tolle Erlaß dieses famosen „rz-ürsten der Verbannung bestehlt nämlich etwa folgendes: Im Fall von Pogromen, Zwangstaufen uro Gürerbeschlagnahamn sollen die Juden das Cestst Mose im Herzen bewahren, als Kausteute dir Cbristen ihrer Güter berauben, als Aerzte den Christen das Leben nehmen, als Kleriker und Domherren die Kirche aus der Substanz heraus zerstören und als Advokaten und Notars (!) sich in die inneren Angelegenheiten der Staaten mischen zur Aufrichtung einer alljüdi'chen Weltherrschaft. — Dem etwaigen Einwand, daß dieses fragliche Dokument eine Fälschung sein tönnr. beugt Müller mit folgenden Erklärungen (>s. 119) vor: „Die ganze Frage nach der Echtheit ist ja falsch: wer sie stellt und damit enras zu beweisen vernaeint, der zeigt nur das eine, daß er selber die Juden wage nicht geistig stellt. Di.str Fall liegt ja auch vor bei den sog. Protokollen der Weifen von Iran. Auch vier bewgt die Echtheit oder AnechtbeiL gar nichts, sondern nur ihr mtelligiblör Inhalt. Dieser aber ist bei jenem Erlaß des Fürsten der Verbannung unbe- Dr. Fergsrn spricht... In dieser Zeit der Zerrissenheit unseres Vaterlandes ist es erfreulich, von'einem Vorgang berichten zu können, über den man sonst vielleicht geschwregen hätte. Dr. Karl Arnstein, ein Großer ans dem Neiche des Luftschiffbaus, hat in Berlin gesprochen. Im - Flugverbandlhans ewälstte er von einem neuesten Werk/ d.m glloalügsten Luft- 'chiff, das die Wckt bisher ge sichen har. Es ist )as für die amerikanisch? Dbarine erbaute Luftschiff „Akron*, des aus der Werst der awerikarrischerr GorVz ear-chetz stell n-Eompany in Akron im Staate Oe io cr i au t r e urde. Arnstein ging 1924 von Fri.'ör7lchhasi°n aus nach Amerika, nachdem er bei dem Bau des auf ReparationMonto gelio'erlen Lnasischifis (wie auch an vielen früheren Zeppelinen) maßgeblich rnitgearbeitet hatte, um seine Dienste der damals unter Beteiligung des Luftschiffbaus Zeppelin gegründeten Seftllfchast zur Verfügung zu stellen. Dieses neue Luftschiff, das 184 000 Kubikmeter Naunnnhalr besitzt (der „Graf Zeppelin" hat 105 000), birgt eine Fülle intercisimier, überaus wichtiger technischer Muerlmgen in sich. Als Arnstein davon jetzt seinen deutschen Zuhörern berichtet hatte, zollten diese ihm lauten Beifall. Es war die Elite deutscher Luftschisswmtruktenrs und -führer, * darunter Soheimrat Profesior Dr. Schüttender Erbauer der ^chütte-Lanz-Luftschisfe, Profepor Dr. von P a r f e t> a I, der Vater des unstarren Luftschifsilldanksns und Erfinder des allbekannten ' * LÜlitarfeflelballonZ, Hauptmann a. D. Bruns, der Führer von Kriegsluftschisfen und Geschäftsführer der Aercarkiik. und viele andere. Marrnebaurat Engberding, eine Kapazität auf dem Gchäete des Lnsll'stsfoaus, faßte, nachdem Arnstein seine Ausst.hruneen beendet harte, ihr Ergebnis dahin zusammen, daß man anläßlich seines Dorrrams lchauptm. dürfe, an der Wende des Lufwwsichrs zu ftenen, denn Arnstein batte bewiestn, daß das Luftschiff nunmehr vevkebrsreif fer, und daß man sicher nach der itk* en.tz i st"'g dieser Weltkrise daran gehen würde, - v' -lllkustfchtffverkehr aufzustehen. in, der ip Friedrichsgafen seine Er- ..uzm mit Trk Ecken er ausrauscht, acht rc nach den Bereinigten Staaten, um ein ellllwschiff der „Akron" zu erbauen. Freuen uns, daß es in Deutschland noch. Kreise s-7 ww wir gibt, die unabhängig vom mörderischen Bruderkampf, der unsere Tage verdüstert, die Leistungen eines Juden anerkennen. 8chilr. .-I!il i

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