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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-15 · 3 (15.1.1932) · p. Seite 20

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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20 zelneri „autonomen^ Republiken gestattet war.. — Jetzt noch einige Worte über „jüdische Kolomfienmg". Es wurde ein „jüdischer Kolonisa- LionslandsorDs" ausgesonderl und zur Verfügung gestellt. Ter eine Teil davon lag zwar in der Krim, doch der Haupttei! in Sibirien, in Biro-Bidschan. Tiefe Gegend wurde der jüdischen Bevölkerung als e:n mit allen klimatischen und sonstigen Vorzügen auZgestaLLetes Gebiet geschildert. Doch als die Kolonisten an Ort und Stelle cmgekommen waren, erwartete sie dort nackte Wüste und weder Hilfe in bezug aus Baumaterial noch auf Wirtschaftsinventar. Verzweifelt, beinahe verhungert und vollkommen ruiniert zogen die Kolonisten bettelnd zurück. Die Sowjetprcsse schilderte zum Teil offen tadelnd diese Kolonisation, schwenkte dann aber um und begann über die Kolonisten zu schimpfen, die „unfähig" wären, zu siedeln usw. Gerade die „jüdische Kolonisierung" ür der - Sowjetunion, die so. oft als Beweis für eine Ausnahmestellung der Juden in der Union im Auslande vielfach angeführt worden ist, zeigt in aller Deutlichkeit die elende Lage der jüdischen Bevölkerung in Rußland. Auf jeden! Fall muß mit aller Entschiedenheit gesagt werden, daß die Erzählungen über eine bevorzugte Stellung der Juden entweder grober Unwissenheit oder böswilliger Verbreitung falscher Tatsachen zuzufchreiben sind. großen Masten der Jugend gelangten beim Suchen nach einem Ersatz für das Verbotene auf verhängnisvolle politische Irrwege, die durch das Uuiformverbot zunächst einmal sehr weitgehend gesperrt wurden. Wahrscheinlich wird auf der Abrüstungskonferenz, die Abrüstung sagt und Rüstungserhaltung meint, auch Deutschland zur Wahrung seiner gefährdeten Sicherheit u. a. auch die militärische Jugenderziehung erhalten. Hierfür wird die jüdische Jugend ihre staatsbürgerliche Pflicht mit der gleichen Treue tun, die sie immer in Frieden und Krieg bewiesen hat. Wer die sportliche Tüchtigkeit und Tisziplin unserer heutigen jungen jüdischen Generation kennt, weiß auch, daß sie zu solcher Betätigung eines „Erziehers" nicht mehr bedarf. In diesem Rahmen akzeptiere ich den 'Satz der „S. W.', „Herr Grvener wird bei seinem Streben nach Ertüchtigung der deutschen Jugend die jungen Juden sicherlich nicht ausnehmcn wollen", und hosfe im lebenslvichtigsLen Interesse Deutschlands, daß „Herr. Groener", dl'e Deutsche Jugend" und die untrennbar zu ihr gehörenden „jungen Juden" einander gut verstehen. Ende der Deutschen Studentenschaft? PMisch oder rmpMffch Das Neichswchrministerium hat vor mehreren Jahren eine Liste der Politischen Verbände angelegt, zu deren Veranstaltungen offizielle Abordnungen der Reichstvehr nicht erscheinen dürfen. Auf dieser Liste war auch im Jahre 1927 trotz ihres Protestes die D. St. gesetzt worden. Seitdem kämpft die D. St. um Streichung von dieser Liste, ohne jedoch bisher einen Erfolg erzielt zu haben, da das Preußische Kultusministerium feine Zustimmung stets verweigert hatte. Jetzt ist diese Streichung ohne Befragen des Kultusministeriums erfolgt. Tie D. St., die heute mehr denn je im nationalsozialistischen Fahrwasser segelt, kann also jetzt den von ihr von jeher erhobenen Anspruch auf Alleinvertretung aller Studierenden damit stützen, daß sie „unpolitisch" ist. JnLeressant sind die Hintergründe, vor denen sich dies aöspielt, denn zurzeit tobt innerhalb der D. St. der Kampf zwischen dem Nationalsozialistischen Studentenbund und Len Korporationsverbänden um die Führung der D. St. Wie erinnerlich, waren auf dem Grazer Studententag im Juli zwei 'Nationalsozialisten und ein KorporarwnsstudenL in den Vorstand der D. St. gewählt worden. Bereits am 4. Novorüber wurde seitens der Korporationsvertreter der Rücktritt des ersten Vorsitzenden Lienau gefordert, da derselbe jede Entschlußkraft vermisien ließ und sich arrch persönliche Differenzen ergeben hatten. Es wurde dann beschlossen, Herrn Krüger (NSDStB.)^zum Vorsitzenden und Herrn S ch u I z (Kästner S. E.) zum Aeltesten, der das Aussicht srcchr über den Vorstand hat, zu wählen. Unter Bruch der gegebenen Versprechen wählte die nationalsozialistische Mehrheit der Hauptausschuß sitzu mg am 8. Dezember jedoch an Stelle von Herrn Schulz Herrn Lienau zum Aelteften der D. St. Hierauf legten die Vertreter der Verbände ihre" Remter nieder. Trotzdem begaben sich die Vertreter der Verbände allein — ohne einen einz'zen Nationalsozialisten — zu der durch Geheim rat .Dulsberg vermittelten Unterredung mit dem Reichsinnen, minister. Ob der Minister, der zweifellos den Vorstand der D. rot. zu sich hatte bitten wollen, von den tatsächlicher? Vorgängen unterrichtet war. ist zumindest zweifelhaft. Ir? dieser Unterredung erreichten die Vertreter der D. St. dis Aushebung der „PaMsch-ErklärrmgR eine Tatsuche, die die Verbände als ihr Verdienst gegenüber dem NSDMB. in Anspruch nahmen. In den letzten Tagen scheint dgr NSTStB., wohl unter hmi Eindruck di -ses Korporationsersolgos. verschiedene Konzessionen gemacht zu haben, so daß nach ranzen hin die Einigung vollständig erscheint, hinter den Kulissen aber tobt der Kampf heftiger denn je. Sitzt da in Meseritz ein jüdischer junger Mann, Sohn ehrbarer Eltern, rn einem Restaurant. Ahnungslos. Draußen lauert eine schwere Gefahr auf ihn. Zwei nationalsozialistische Helden wollen sich an diesem jungen Menschen „rächen". Hat er ihnen etwas zuleide getan? Bewahre! Sie wollen Rache nehmen — für den Kursürstendauun in Berlin. Und das Werk der Rache ist bald vollendet. Kaum hat Hans Ricstnburg das Lokal verladen, als ihm auch schon die beiden Hakenrreuzler höhnisch zurusen: ,PW a s will st du. stinkiger Jude, eigentlich hier? Wir haben Arbeitslose genug? Geh nach Palästina!" Ter junge schmächtige Mann, der den beiden kraftstrotzenden Rowdys unterliegen mußte, neenn er sich auf Hände! eingelassen hätte, ging seines Weges. Als man ihn weiter bedrohte und bedrängte: „Euretwegen haben unsere Kameraden in Berlin zwei Jahre für den Kurfürstendamm bekommen, heute machen wir dich fertig und bekommen gar nichts!", und einer sich zur besseren Dewegnngs- und Handlungsfreiheit seiner Jacke entledigte, ergriff der junge Mann abwehrbereit fernen Stock. Ter war ihm bald aus der Hand entwunden. Das Ende d^s brutalen Angriffs war ein komplizierter Beinbruch des Ges en, der drei Monate lang im Krankenhause liegen mußte und auch jetzt noch als Krüppel vor Gericht erschien. Der Eentralvercin gewahrte dem Mißhandelten Rechtsschutz. Ter Polizei war es nur gelungen, einen der Tater, namens Sriesche, zu ermitteln, der sich am 7. Januar vor dem Amtsgericht in Meseritz verantworten hatte. Griesche bediente der gleichen Taktik wie seine esinnungsgenossen vom Kur - f u x ft e n t a nt m in Berlin. Er wußte von nichts . . . Wohlgefällig ruhten auf ihm die Blicke des Reichstagsabgeordneken Ritte rgutsör sitze r von Corswant, der es sich nicht hatte nehmen lassen, seinen wackeren S. A.-Maun in strammer Haltung persönlich zu mustern. Der Staatsanwalt sowie der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr.^Hans Reich niü n n, wiesen ausführlich nach, daß hier der S ch u l f a 11 e t n c r gef ä 1} r I i ch e n Körperverletzung gegeben sei. Das Gericht verurteilte Srresche jedoch nur wegen einfacher Körperverletzung und Beleidigung fA ro c i Monaten u n 5 einer Woche esangni §. Berufung ist eingelegt. An einen jüdischen Herrn, der im -September vorigen Jahres im Wartesaal des Hauptbahnhoses in Potsdam neben vielen Reisenden cuj fernen Zug wartet, tritt der Fischhändler L r e b r ng, Potsdam-RcwmveZ, militärisch stramm grüßend heran. Ter so Geehrte mustert den Fremden und wehrt bescheiden ab: „Sie irren sich in meiner Person." „2 u b i st ein Jud!" .„DaZ bin ich!" erwidert der Angesprochene ruhig. Ohne daß es zu einem Wortgeplänkes gekommen wäre, schlägt Liebing auf den V e f ch i in Ufte n e i n. Als dieser sich erregt an den Stationsvorsteher wendet und energisch Feststellung des Angreifers fordert, erhält er in dessen Gegenwart zwei weitere Ohrfeigen. Selbstverständlich nahm sich der Centralvevein dieses Falles an. Liebing stand am 12. Januar vor dem Potsdamer Schöffengericht. Er erschien dort recht kleinlaut und versteckte sich hinter angeblicher Betrunkenheit und krankhaften Erregungszuständen. Reumütig bat er um einen Vergleich, dem der Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt Dr. R e i ch m a n n, Berlin, in Würdigung der Prozeßlage seine Zustimmung nicht versagen wollte. Liebing bedauerte sein Verhalten, zahlte 75 Mark Buße und übernahm sämtliche Kosten. Besonders feige und roh benahmen sich drei junge Burschen, die unauffällig einem die Oranienburger Straße sorgenschwer seines Wegs dahingehenden Herrn namens Kanner folgten und-ihm Hst n t e r r ü & § einMesfer in den Rücken stießen. Glücklicherweise wurde das Leben dieses Mannes durch diese Untat nicht gefährdet. Tie Täter konnten aus frischer Tat ergriffen werden und werden sich demnächst vor Gericht zu verantworten haben. Der Centralverein wird auch in diesem Falle alles tun, um durch die dem Rebenkläger beigegebene Verteidigung eine ausreichende Sühne für diese unglaublich hinterlistige und brutale Handlung zu erreichen. kLar-Ä CZsiktsW ' Der Dorsiherrvc; des NerchsöundeS jüdischer FrontsoldatLN, MitgUcv deS Hauptverftandcs Des CentrawereinS, Dr. Leo Löwerrftein, schreibt uns: Das Blatt der von der S. P. D. ab gesplitterten und diese heute scharf bekämpfenden sozialistischen Arbeiterpartei, die „Sozialistische Wochenzeitung", setzt die Diskussion über meinen Aussatz in der „E. B.- Zeitung" fort. Ich habe sogar die Ehre, auf der gleichen Druckseite angegriffen zu werden wie der „strebsame kleine Metallarbeiter" S e - vor rn g, während ich das vorletzte Mal in den spalten der „S. W." die ehrende Gesellschaft der Generale des Reichswehrminisierinms hatte. In dem langen ,".witzigen" Artikel wird aber nur die wesentlichen Punkte so herumgegangen, daß sich ein Eingehen nicht verlohnt. Nur der Schlußsatz, der wohl auch ein „Witz" sein soll, erfordert einige Bemerkungen. Er lautet: „Herr Grvener wird bei seinem Strebe!? nach Ertüchtigung mrd Wchrhastrnachung der deutschen Jugend die jungen Juden sicherlich nicht ausnehmen wollen und dnu Erzieher eines neuen jüdischen Frontgeschlcchis seinen Tank nicht versagen." Während in allen Ländern des Erdballs, ob Republik, ob Monarchie, ob sozialistisch, ob kapitalistisch, ob faschistisch, ob demokratisch, die militärische Jugenderziehung eine sehr bedeutende Rolle spielt, ist ihre Förderung unserer Regierung seit Versailles verboten. Die

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