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Central-Verein-Zeitung · 1932-01-08 · 2 (8.1.1932) · p. Seite 11

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
11 (1932)
Issue
2 (8.1.1932)
Date
1932-01-08
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 Vf V V -i.j '<3 v<y v \3 SfVv V V ‘■j VV s? W </ "Y) ( I> 1 ■ ' - — : ■. \ ■ i\- V : . .; ' S Op "*> VV V V </ V V -V V {j V ^/V V V Ni/ V V V V'51/ W Ss^iarÄvi’nccn w SJi:jIsnt> - Dlr drr tr'lZ^risthm fiidaia — L2Z:N!?.rr?L MhleAsEchZ fn kr? CüLrtz - Ar.s;yr«chs mü NarirMijSZsÄiUn in TwAruch Der Nationalsozialismus beginnt trotz seines angeblich .nationalen Charakters sich im Ans» lande cruZzuöreiten. Der „Völkische Beobachter^ berichtet über erfolgreiche Arbeit der Nationalsozialistischen Schwedischen Arbeiterpartei (NSSAP.) und die Bildung verwandter (Gruppen in Norwegen und Flandern (Derbond van Dietsche National Solidaristen (DD2IS), wo sich' die Idee ausgeürsitet habe. In den letzten Tagen des verflogenen Jahres wurde in "Holland die Nationalswialistische Niederländische Arbeiterpartei (NSNAP.) unter Führung von Adalbe'rt Smit, der früher in der' faschistischen Gruppe eine führende Nolle gespielt hat,' gegründet. Alle diese Parteien stimmen in ihren Programmpunkten im wesentlichen mit den 23 Punkten der N^DAV. überein. Sie sind ausgesprochen judenfeindlich. Angesichts der Meldung von der Gründung dieser Nationalsozialistischen Niederländischen Arbeiterpartei berührt eine Handlungsweise der h o l l ä n d i s ch e n Königin um so sympathischer. Die Königin beabsichtigte, am Freitag, 26. Dezember 1931, um~5 Uhr durch das Nadio eine Ansprache zu halten. Tie Jüdische Gemeinde in Amsterdam bat die Königin um Verlegung der An'prache, da cm Freitag bereits um 5 Uhr Sabbat und die Juden in der Synagoge seien. Tie Königin setzte daraufhin dieNedeauf2Uhr fest. Ter „Nieuwe Rotterdams che Courant" berichtet über dieses Ereignis und schließt eine Vetrachümg daran, in der es etwa heißt: Tie Handlungsweise der Königin ist zugleich eine Antwort cuf die fortdauernden Versuche, auch in den Niederlanden -dem'deutschen Antisemitismus Eingang zu verschaffen, und die deutliche Erklärung, daß dieser umzweifelhast in Holland nicht gedeihen wird, dennoch aber als Symptom Aufmerksamkeit verdient. Huch die S ch w e i z, wo der Import von Hitlerfchen Schriften und Ideen immer wieder versucht wird, wehrt sich erfrewlicherwei'e gegen derartige wenig bodenständige Gedankengänge. Wie der „JtW vom 3. Januar d. I..aus Genf berichtet wird, hatte eine Gruppe Genstr Antisemiten vor kurzem einen Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte veröffentlicht, der auch Beschimpfungen jüdischer Bürger enthielt. _ Eine Gruppe Schweizer Bürger in Genf veröffentlichte daraufhin jetzt einen Ausruf, in welchem d erklärt, wird, daß jeder gute Schweizer sich von dem Vorgehen dieser ju den feindlichen Gruppe an geekelt fühle. Cs sei ein unentschuldbares Verbrechen, einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufzub,etzen. Tie jüdischen Kstufleute litten nicht weniger stark inner' der Wirtschaftskrise als alle anderen Teile der Bevölkerung. Jeder^müfse gegen die antisemitische Bande, die die Schweiz auf das Niveau eines durch Hast nnb Verfolgungen beschmutzten Landes berabdvünen wolle. Protestieren und seine Sännne gegen die Genfer antisominsche Gruppe eraeeen. die glaubenmachen will, daß die sich uua che „Action Francaist" grupvierenden. Halbverrückwn und die Partisanen Hitlers das letzte Bort über menschlichen Fortschritt zu sprechen ha tuen. In Paris fand in einer von der o i! veile E c o 1 e de 1 a P a i x einberufnen B""sammlun§, die von einenr vrelhundertkö "stgen, sehr interessierten Publikum. vor alle.n aus akademischen K reist n. besuchst war, eine Aussprache über das Thema .,Brurung^und Hitler" statt. Nach einenr einleitenden Referat von Graf ll'H a r in c f s o n fpra- Hhu von deut'mer Sei re Herr v o u H e i ur bürg. Berrreter der Hrügen.berg-Blätter in. Paris, Graf £ o dtzw; lls, Der tue er der Zentruu.usbllnter in Puris, Jacwu.es Kayser rnrd schließlich Herr Korber, der ausdrücklich als Vertreter der wationalsOzialisti'ckwn Zeitungen und Hitlers in Paris augekündigt wurde. Sowohl vonHeimburg wie Korber entwickelten ein weitgehendes Marimalprogramm außerdeutscher Forderungen, betonten aber, daß ihre Richtungen nur dem Frieden wollten und Latz der Friede durch ihre Richtung am besten verbürgt wäre. Die Reden erweckten bei der ganzen Versammlung, in der die deutsche Botschaft "sehr stark vertraten rvar, den Eindruck, die Regierungsübernahme durch Hitler erfolge morgen rmd es brauche jetzt nur noch ein außenpolitischos Programm diskutiert zu werden. Ter stellvertretende Vorsitzende des Centralvereins und bekannte Politiker, Dr. Bruno Weil, der zufällig in Paris war, nahm darauf das Wort und sagte u. a., daß die Hitler-Leute sich in Frankrerch vor das französische Publikum stellten und das gleiche Recht für alle verfechten, daß sie aber nicht einmal bereit seren, im Bereich der innerdeutschen Politik auch mar ihren Volksgenossen gleiche Rechte §u geben. Diese Bemerkung wurde mit tosendem Beifall ausgenommen. So muß man erst nach Paris gehen, um mit Nationalsozialisten diskutieren zu können. In Deutschland entziehen sie sich bekanntlich derartigen Aussprachen. stw M rm "WwNWWg ^*v -v >v *£ir w %■ v ‘V vi -3 j>’ . </ -7s' v v// v / v«'/ <7 v -v v V <y v <$• -7 4 ’j s.-' .y 4 Dis Frage der Wiener Studentenverfasiung, mit der wir uns schon früher wiederholt ausgiebig beschäftigt haben (vgl. insbesondere 2tr. 8 der „C. V. - Zeitung" vom 20. Februar 1931), ist seit dem Spruch des österreichischen Derfassungsgerichtshoses, ^der Anfang vorigen Jahres das österreichische ^ctudentenrecht aus formalen Gründen für u n - gültig erklärt^ in ein neues Stadium getreten. Nach dem „alten" Studentenrecht wurde die schon bestehende rasienanti'emitische, auf dem sogenannten Volksbürgerprinzip beruhende Deutsche - Studentenschaft zum offiziellen Vertretungskörper aller deutschen Studenten erklärt. Ihr wurde gegenüber den anderen Studentennationen a'usdrücklich der Primat zuerkannt. Tie Ungültigkeitserklärung erfolgte nur deshalb, weil der akademische Senat nicht befugt war, ein Studentenrecht zu erlassen, sondern nur das Parlament. Ter österreichische Bundesminister für Unterricht, der Klerikale C z e r m a f, wird dem österreichischen Parlament wahrscheinlich in kurzer Zeit ein neues Ltudeutenrecht vorlegen. Cs beruht wie das frichere aus rassisch-völkischer Grundlage, steht die Schaffung von Studentenschaftsvereinen (Studentennationen) vor und unterbindet damit auch weiterhin die Allsnahme jüdisther Studierender in die österreichische Studentenschaft. Entscheidend für Gliederung und Aufbau auch der neuen Studentenschaft sind Zugehörigkeit zu einem Volke, Aöstamnmng und Muttersprache. Es soll nach den Aussührurugen Czeruuaks auf einem Kommers der katholischen Studentenverbindungen auch eine unabhängige Studercken'chaft des von Czermak „sehr geschätzten jüdischen Volkes" geben. Der Minister hat sich mit dieser Erklärung vorbehaltlos dem Rasfengedanken angeschlossen. Auf diese Weise sollen alle Juden, auch wenn sie sich aufrichtig und vollen Herzens zum Deutschtum delenuen, ans jener Körperschaft ankae'chlosien werden. Daß die Absichren des HntctvIcht*iininisters volle Zustimmung bei den HalnKrenzleru finden, ist klar, denn mit der neuen Studentenvrdnung wird die vor dem höchsten Gericht Sesterreichs zu Fall gebrachte alte <lludentenorduung denr Geiste nach erneuert. Nicht minder deutlich wird aber, daß durch die Anerkennung des raffenmäßigM Dolkr-bürgergcdankens die verfassungsmäßige Vtaatsbürgeridee durchbrochen wird. Tie österreichische und deutsche Oeffentlichkeit, in der sich seit Bekanntwerden des amtlichen Entwurfs eine starke Beunruhigung bemerkbar machte, hat sich mit dem Wortlaut der neuen Studentenordnung eingehend befaßt. Bedenken gegen die rein ra^ienmäßige Auffassung von Volk und Nation wurden bald nach Erscheinen des Entwurfs von seriöser katholischer, aber auch von nationaler Seite geäußert. Die „Neue Freie Presse" hat zu einer Vrotestaktiou gegen das geplante „Hitler- Gesetz" aufgerusen. Auch die U n i o n ö st erreicht sch er Juden hat gegen die Ernführung eines auf dem Grundsatz der sogenannten Voltsbürgerschaft aufgebau'ten 'Studentenrechts Verwahrung eingelegt und dagegen protestiert, daß in dein öffentlichen amtlichen Communiquä von „jüdischer Volkszugehörigkeit" gesprochen wird, einer der österreichischen Gesetzgebung, die ausschließlich den Begriff des „österreichischen Staatsbürgers jüdischen Glaubens^^ ftenut^ fremden Ausdrucksvoeise. Ter Deut sch e tudenteuverb a n b’ (Berlin) hat^ in dieser für das studentische Gesamtgefchchen so f wichtigen Angelegenheit an' den v st e r r e i ch i s -ch e n U n t e r r i ch t s m i n i - ft er Auen Offenen Brief gerichtet, an dessen Schluß die Bitte ausgesprochen wird, dast an Oesterreichs Hochschulen nicht die brutale Willkür einer Partei gesetzlich verankert werde. Es heißt darin u. a.: „Tie Regelung der StudentLuiLchtsfragr kann auf den rerchsderrtschen Hochschulen .nur nach dun Staatsbürg er Prinzip erfolLcu, weil die deuLschen Hochschulen Glieder des deutschen Bockes sind und als solche Verfassungen haben münen, die der Verfassung des deutschen Volkes entsprechen. Tie enge Verbindung der österreichischen und deutschen Studentenschaft kann nur aufrecht erhalten voerden. wenn die österreichischen Studentenschaften denselben Aufbau bckomn'.en, den die Studentenschaften de? Reiches haben. Mir größter DeBrgnis haben wir vernommen, daß die österreichische Regierung, dem Drängen der Nationalsozialisten nachgcbend, dem österreichischen' Nationalrat einen Studentcnrechtsgesetzenwours vorlegen will, der die Studentenschaft der österreichischen Hochschulen nach nationalen Ge- Ncht-vunkLen trennt. Dadurch würde der Aufbau der österreichischen SLudentcnschasten der Rafsentheorie der ZtaLionalsozialLften gerecht werden." Es bleibt abzuwartcn, welche Entscheidung der österreichische Nationalrat, denr der Gesetzentwurf vorzulegen ist, treffen wird. E. G. L: 2::3sr;fisz~-'ztö$ZMil Wrchiige ErrifchskSung des OSsrlanSsegrrichtÄ LlLgsSurg Die „Neue N a L i o n a l - Z e i L u n g" in Augsburg brachte au der Spitze ihres Anzeigenteils ein über die ganze Breite des Zeitungsblattes gehendes, ausfälliges Inserat in gesperrt gedruckten Lettern mit folgendem Jrchalt: „Parteigenossen und Anhänger der nationalsozialistischen Bewegung kaust nickt bei Juden!" „unterstützt den deutschen Ge'ckästsmann in seinem schuoeren Ringen u:n feine Existenz'" „Vergebt nickt bei Einkäufen auf die .Neue National-Zeitung" Bezug Zu nehmen! — Haltet Diszchlln!" Durch einstweilige Verfügung vom 25. Februar 1931 — II C 246 31 — wurde der Zeitung die Wwderholung dieses Inserates vom Lvu'daericht A u g s h u r g unter Strafandrohung verboron. und das Gericht bestätigte diele einstureiiige Verfügung durch Urteil vom 7. Vtai 1631. Wir staben das Urteil in der „sisi B. - Zeitung" Nr. 23 vom 5. Juni 1931 eingehend besprochen

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