Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277886-2277938--07112-2287988- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
interessantesten war aber eine Veranstaltung der A v u? a h. der jüdisch-zionistischen amerikanischen Studentengruppe. die eine Sommerschule über jüdische Themen abhielt. Die Schule fand in einem jüdischen Camp in der Nähe des ideal schonen Lake George statt, das Camp selbst an einem kleineren Lee gelegen. Camp, bedeutet in diesem Fall eine Reihe von Bungalows um die Haupthäuser gruppiert. Tie gesamte Verwaltung, vom Manager bis zum Gepäckträger, vom Kellner bis zum Musikanten, besteht aus College-Studenten, lieber hundert junge Menschen waren hier zusammengekomrnen. von New Dort, Boston, Philadelphia usw., yim großen Teil auf Grund von ..Scholarships", die ihnen die Kosten der Reise ermöglichten. Ich glaube, es ist rech: charakteristisch, daß 'die.-Keitung dieser rem zionistischen Gruppe in ihrem Programm eine Vorlesung über die wissenschaftliche Fundierung des Antisemitismus und die Einwirkung des Antisemitismus auf die deutsch-jüdische Jugend zu haben wünschte. Allerdings konnte ich sesiüellen, daß ein nicht geringer Teil der Teilnehmer vom doktrinären Zionismus keineswegs als Zionisten anerkannt werden würde, und die Erklärung für ihre Zugehörigkeit zu dieser Gruppe ist, daß es keine jüdnch-amerikamschen Gruppen gibt, die diejenigen ausnehmen tonnten, die zwar positiv jüdisch, aber nicht jüdisch-national empfinden. Es kann nur mit Freude und Tank fest gestellt werden, wie sehr es mir möglich gemacht wurde, nach Schilderung der Ranen- und völkischen Theorien unseren deutsch-jüdischen Standpunkt darzulegen, von unserer Jugendarbeit zu erzählen und sestzustellen, daß das Anwachsen des Antisemitismus und der Boykott gegen die jungen jüdischen Menschen in der Wirtschaft uns nicht einem jüdischen Rationalismus in die Arme treiben können. Vielen der Teilnehmer, die meist aus ostjüdischen Familien kamen, schien es unglaubhaft, daß nich: jeder deutsche Jude jiddisch lesen und schreiben kann. Tie zweite und dritte Generation der aus dem Osten Zugew-anderten ist noch mehr oder minder ein Volk für sich und staatsbürgerliche Gefühle gegenüber der neuen Heimat fehlen noch. Ja vereinzelt kamen hier in der Tiskwsion die Töne hervor, wie so oft noch, wein: amerikanische Ostjuden mit deutschen Juden Zusammentreffen: eiur7 gerRzte Haltung aus Minderwertigkeitsgefühlen heraus gegenüber einer vermeintlich arroganten Haltung des Westjuden zum OstjudW. Ties waren aber nur vereinzelte Mißtöne in tarn sehr erfreulichen Erlebnis dieser Tage. Ganz anders waren die Eindrücke bei einer Veranstaltung, die ich als letzte und für ihre Art typische erwähnen möchte.' Ter Prunktempel New Dorks in der Fisth Avenue hat eine Reihe von Gruppen unter seinen Mitgliedern. Eine von diesen ist die Junior Society, etwa 150 Junten und Mädels, oder bester junge Tamen und Herren, alle aus wohlhabenden jüdischen Kreisen stammend, sehr saturiert, sehr sicher. Am Sonntag vormittag kommt man allwöchentlich zusammen. Auch hier werden die Parlamente.- rrschen Formen aufs strengste gehandhabt, und ks wirkt etwas unfreiwillig komisch, wenn der recht juger^hafte Vorsitzende der Reihe nach die eh reu inerten Leiter der einzelnen Committces zum Bericht ausruft und diese ebenso voll Würde Bericht erstatten. Tiefe Prozedur war so erschrecke ns unjugendlich, wie es einem Teil der amerikanischen Jugend, die nicht schnell aenua Kopien der Enoachwnen werden können durchaus entspricht. Tie jungen Menschen im Camp waren da von ganz anderem Schlcwe! Thema des Tages war die Lage der Juden ln den verschiedenen Ländern, mit Deutschland sollte begonnen werden. Aber das Thema war in diesem Kreise nicht afiuctt und konnte nicht mit den zur Ti-kussion stehenden Tanzereien konkurrieren, obwohl gerade die Mitglieder dieses Tempels größtenteils deutscher Abstammung sind. Tas soll nicht mit Bitterkeit gesagt werden, es zeigt nur. wie entfernt diese Generation schon den Tingen im alten Europa geworden ist. Am§ der Arbeit des Centralverefes Aerztekonferenz des C.Y. Ter Landesverband Groß-Berlin dos E. E. veranstaltete am 17. Tezember eine Aerztekonferenz. die von mehr als 400 Aerzten besucht war. Ter Vorsitzende dos Landesverbar.dos, Tr. Bruno G l a f e r f e l d, referierte über „Nationalsozialismus, Aerztestand und Jndenfrage" und gab zum ersten Male einen snnematischon Ueberblick über die antisemitischen Ziele der nationalsozialistischen Aerzte, über ihre grotesken Vorschläge zur Rapen- und sogenannten Judeufrage, über die Vorgänge in der letzten Tagung des Hartmann-Bundes und über den Stand der Boykottbewegung. Das Referat weckte eine außerordentlich lebhafte Diskussion. Eine Anzahl von Anregungen zur Bekämpfung des Boykotts usw. gab der ärztlichen Kommission^des Landesverbandes Groß-Berlin wertvolle Förderung. Ten ärztlichen Mitgliedern des C. V. steht eine Tenk'chrnt, die im wesentlichen das Referat des Tr. Glaserseld wiedergibt, zur Verfügung. Vortragsreise durch Rheinland-Westfalen In der Zeit vom 22. November^ bis 12. Dezember hielt der stellvertretende Syndikus des C. V., Artur Schwerin er, eine Reihe von Vorträgen im Bereich des linksrheinischen Landesverbandes und des Landesverbandes Rh e i n l a n d - Wc st f a l e n. An vier ausiinander folgenden Abenden wurde die jüdische Bevölkerung Kölns, Mitglieder und Nichlmitglieder, über die Arbeit des E. V. durch Vorträge des Syndikus des Landesverbandes. Eugen I a c o b i, näher unterrichtet, nachdem Schweriner ein scharf umrisscnes Bild der ernsten, aber durchaus nicht hoffnungslosen politischen Lage gegeben hatte. Ter ausgezeichnete Besuch dieser Werbewoche, die starke ehrliche Zustimmung der Zuhörerschaft und die Neuanmeldung von 50 Mitgliedern lassen in der Metropole des Westens auch für die zukünftige C. V.-Arbeit das Allerbeste erhoffen. - Einaeleitet wurde die Wertewoche durch einen Vortrag in Mors, zu dem sich fast die ganze Gemeinde ein Stelldichein gegeben hatte, beendet durch eine Bezirkstagung in S i e g b u r g, zu der nicht nur die Siegburger, sondern auch die E. D.er der Umgebung in Hellen Scharen erschienen waren. Unter t<an Eindruck d.s Gehörten wurde aus der Mitte der Tagungsteilnehmer eine nicht vorgesehene Sammlung für den Kampffonds des C. V. angeregt. die ein überraschend gutes Ergebnis hatte. Erfreulicherweise war auch hier eine ganze Reihe von Neuaufnahmen zu verzeichnen. Tie Reise durch Westsalen begann in Hamm. In denr überfüllten Saal sah man auch Freunde aus Haltern und eine selten große Anzahl junger kaufmännischer Angestellter. 24 von ihnen meld-ctcn sich noch am gleichen Abend zum Beitritt in den Ccntralverein. Ter gute Besuch in Paderborn bewies. das; auch hier tätige Mitarbeit in der jetzigen schweren Notzeit nicht versagt bleibt. In E m m e r i ch war der Gemeindesaal. der eine solche Besucherzahl wohl nie gefaßt hat, überfüllt. Auch der Gemcindesaül in Tort m und erwies sich cls viel zu klein, um die mehr als 250 Mitglieder und Gäste Zu sagen. Tie nachhaltige Wirkung des eineinhalbstündigen Referats zeigte sich in Neuaufnahmen und einigen ansehnlichen Spenden. In G e l s e n k i r ch e n war für den Bvrtrogsalntd eine recht geschickte Werbepropag.mda vorgesehen worden, die vor allem Beitragserhöhungen in größerem Ausmaße krachte. Besucherrekord wiederum auch in Hagen. Tie Zahl von 200 Anwesenden ist in C. D.-Derscnnmlungen hier wohl selten erreicht worden. Mit der Aktivierung der Ortsgruppe ging die Zeichnung von Kampfspenden Hand in Hand. Zum Schluß der Reise auch in Bochu m das übervolle Haus. Ein beträchtliches Zeichnungsergebnis sck)vn vor Beginn des Vortrags ließ opferwillige G. V.-Snmmung erkennen. C.V.-Arbeii im Saargebiet Tie für den Herbst von dem Bezirksverband Saar vorgesehene Reihe von Vortragsveranstaltungen in den Ortsgruppen des Bezirkes ist mit erfreulichem Erfolg begonnen worden. Tie Ortsgruppe Saarbrücken cröfsucte den Reigen am 2. Tezember mit einem Ausspracheabend, der ungewöhnlich gut besucht war, obwohl zum ersten Mate zu einer Mitgliederveranstalrung ohne Ankündigung eines Redners oder eines besonderen Themas eingeladen wurde. Ter Vorsitzende Tr. S t e i n t h a l stellte zunächst den Sinn und Zweck die'er Veranstaltung klar und erstattete dann einen ausführlichen Bericht über unsere Abwehr- und Aufklärungsarbeit, insbesondere über die Bearbeitung gewmer Einzelfülle in jüngüer Zeit. Eine sehr lebbaste Aussprache schloß sich an, in der bei sachlicher Kritik in Einzeldingen die außerordentliche Anerkennung der vom E. V., insbesondere aber auch von der Saarbrücker Leitung geleisteten Arbeit zum Ausdruck gebracht wurde. Am Schluß der Versammlung waren zwei Neuanmeldungen zu verzeichnen. Auch die im vergangenen Jahre ins Leben gerufene „Gemeinschaft junger E. V. e r" arbeitet mit ersreulicher innerer Anteilnahme weiter. Ihre Abende sind stark besucht und beweisen immer wieder das außerordentlich starke Jntereste gerade der Jugendlichen an den Problemen der Abwehr. Tie beiden Veranstaltungen der Iugendgemeinschaft am 5. und 26. Rovember standen unter dem Zeichen Nationalsozialistische Versammlung*. Tie Jugendlichen machten den Versuch, einmal als Nationalsozialisten aufzutreten, deren Gedankengänge zu erfassen und darzustellen, und zum anderen, als Diskussionsredner in schlagfertiger und durchgreifender Form dagegen aufzutreten — ein Verfahren von außerordentlich erzieherischer Wirksamkeit, das den Jugendlichen auch zu Bewußtsein bringt, daß nicht nur Schlawertigkeit, sondern auch Sachkenntnis zur Abwehr notwendig ist. Am 10. Tezember veransialtele die Gemeinschaft einen Abend, der sich mit der Lage der jüdischen Angestellten beschäftigte. Auch diese Veranstaltung war gut besucht. An ihr nahm der Vorstand der Ortsgruppe, Studienrat Strauß, teil. Rechtsanwalt Tr. Werthei wer (Zweibrücken) sprach am 5. Tezember in unserer Ortsgruppe T i l l i n g e n, am 6. Tezember in Merzig, am 12. Tezember in Illingen und am 14. Tezember in Neunk i r ch e n über „Ter Boykott und seine Abwehr". Samtlick>e Versammlungen waren gut besucht und die Hörer waren mit außerordentlichem Interesse den Ausführungen des Redners gefolgt. Am 5. Dezember sprach Tr. S t e i n t h a l (Saarbrücken) in S a a r w e l l i n'g e n über das Thema „Völkische S t a a t s t h e o r i e". Tie Versammlung nur überfüllt. Das Interesse der Mitglieder an unserer Arbeit ist allgemein sehr stark, obwohl gerade in diesem^Bezirksverband die Lage aus der besonderen ^Stellung des Saargebietets heraus noch nicht so gefährdet erscheint wie im Reich. Die Sorge über eine mögliche Entwicklung im Reich ist natürlich außerordentlich groß, und es muß auch hier gegen ein gewipes Maß von Mutlosigkeit gekämpft werden. Insbesondere verschlechtert sich die wirtschaftliche Lage im Bezirk zusehends und gerade der jüdische Mittelstand verelendet in erschreckendem Maße.