Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 51 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- Seite 582 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277886-2277937--07097-2287972- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
5S2 SchlußfotgerLmgeu lonuueu konnte. Beispiel:-- wciswar es für das sozialistische Gewissen sehr schwer zu entscheiden, ob. cs den alljährlich den der Regierung eingebrachteu Haushaltsplänen in der Endabstimmung zustiimnen tonne oder ob es nicht vielmehr seine sozialistische Mission absolut verlange, jed-esmal ein grundsätzliches Rein zu sagen. Ter Katholik der"Vorkriegs.zeit ist wiederholt in Eewisienskonilikto bei der Frage gekommen, ob cr den Militärvorlagen eines den internationalen Friedcnsbestrebungen sehr wenig zugänglichen Dundesrats seine Zustimmung geben solle oder nicht. Umgekehrt hat der Dorkriegsdeutsche auch nie Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß dieselbe Politische Entscheidung aus die g e g e n s L tz l i ch fr c n Motive weltanschaulicher Art zurückgeführt werden konnte. Kurz rrnd gut: der VorkriegSdeutsche hatte kaum Gelegenheit, zrr erkennen, das; seine politischen Entscheidungen etwas ganz anderes sein würden als etwa nur die einfache und strikte „Anwendung" seiner Weltanschauung au? das profane politische Leben. Für ihn blieb praktisch Politik und Weltanschauung dasselbe. Für ihn blieb cS selbstverständlich, daß sich jede Weltanschauung ihre eigene politische Partei bilden müsse und das; infolgedessen auch jeder, der sich nur eines besonderen politischen Interesses willen von seiner WrltanfchauungSpartei loSsagte, auch wenn cS nur vorübergehend geschah, als ein „Abtrünniger" %n gelten hatte. Seit sich nun unsere staatsform geändert hat, seitdem an die Stelle der konstitutionellen Monarchie die Demokratie getreten ist, mußten diese Kämpfe naturnotwendig ihren verhängnisvollen Charakter noch deutlicher Herausstellen. Während früher über den Parteien und ihrem Gesinnung-Hader eine nur vor sich selber verantwortliche politische Neichsleitung stand, sind in der Demokratie die Welranschauungsparteien selbst zur Verantwortung berufen worden, ohne daß der Wähler für sich damit näher in die Sphäre eigenverantwortlicher Entscheidung hineingerückt worden wäre. Tenn zwischen die Wähler der verschiedenen Weltanschauungen hat sich jetzt die parlamentarische Koalition gestellt. Sie ist die demokratische Instanz, die neben der Negierung unmittelbare Verantwortung zu tragen hat, die sich auf beüimmte Zwecksetzungen aktueller Art einigen, also Entscheidungen füllen muß, die Koalition also, die, um arbeitsfähig zu sein, entsprechend auch einen gewiffen sachlichen Ausgleich in sich herbeiführen muß. Run liegen aber die Tinge nicht so, daß dieser Zwang zum Ausgleich innerhalb solcher Koalition zugleich auch die Wähler bindet, also rückwirkend auf die Wählerschaft den selben Ausgleich der Gesinnungen in die Wege leitete. Vielmehr bleiben schon die Fraktionen, die solche Koalition gebildet haben, um t^er Erhaltung ihrer Wählerschaft willen, jede für sich, ein weltanschaulich isoliertes Gremium, das sich von der Kompromißarbeit der Koalition möglich'! zu distanzieren und die Wähler in ihrer unpolitischen Mentalität reiner Bekenntnisübungcn zu erhalten bestrebt bleibt. Tenn wenn man mit andere n Fraktionen dieselbe Politik macht, so bleiben die Motive für jede Fraktion dennoch grundverschieden, und jede sinder inr natürliches Lebensinteresse daran, diese grundchtzliax Unterscheidung in Hinsicht auf das Motiv mog* I i ch st bewußt zu erhalten. Unsere Weltanschammgsparteien würden sich ja selber ausgeben, wenn sie das, lvas ihre Fraktionen innerhalb der parlamentarischen Koalition notwenigerweise tun müssen.' nämlich um eines bestimmten Zivcckes willen sich auszuglei ch e n, auch ihren Wählern als eine politische Pflicht einreden wollten. * Immerhin kann es den Wählern auf die Tauer trotzdem nicht verborgen bleiben, daß ihre Fraktionen sogenannte „faule Kompromisse" machen, also „gesinuungsschwach" werden, daß sie ihre „Versprechungen" nicht zu halten vermögen. Daraus ergibt sich mit psychologischer Folgerichtigkeit, daß entweder die Wähler auf weltanschauliche Gesinnungs-Politik überhaupt verzichten (Jntercsieuparteicn!) oder aber radikal werden. In solchen! Radikalismus können sie aber bei der Zerklüftung unseres Parteisystems nur dann verharren, wenn sie sich von der Demokratie mit ihrem Zwang zu Koalitionsbildungen a b w ende n und gegen die Demokratie eine von weltanschaulichen Motiven getragene aus Diktatur hinzielende „Bewegung" inszenieren. So hat Hilgenberg gegenüber der Westarpschen Kompromißpolitik im Jahre 1927 seine „Block"-Parole ausgegeben, so hat sich der Kommunismus vom Sozialismus abgesplittert, so hat sich im deutschnationalen Lager der Nationalsozialismus breitgemacht und so hat es auch beim katholischen Zentrum eine .Reihe von radikalen Absplitterungen gegeben. Es handelt sich hier um einen sehr natürlichen psychologischen Vorgang, der eben seinen Grund in dem Weltanschauungscharakter unseres Parteisystems hat, aber auch in dem unserem Verhältniswahlsystem innewohnenden Reiz zur Aufsplitterung des Parteilebens. Wenn wir bedanken, daß sich in der deutschen Demokratie bis heute die parteipolitischen Spaltungen in der Hauptsache aufderselben Linie bewegen wie die wirtschaft-politischen, die gesellschaftlichen und die weltanschaulichen und durch den Proporz alle Klammern wegaesallen sind, die diese widerstrebenden Motive auf einen gemeinsamen politischen Zweck wieder zurücksühren könnten — inzwischen sind ja auch schon die Koalitionsbildungen im Parlament aus den gleichen Gründen unmöglich geworden — dann kann man verstehen, daß es ein ganz unmögliches Beginnen sein muß, lediglich mit gutgemeinten Belehrungen und mit pädagogischen Hinweisen aus das glücklichere Ausland der Zerrissenheit in unserem öffentlichen Volksleben Einhalt zu tun. I e mehr Parteien nun so entstanden sind, um so einseitiger mußten sie natürlich auch werden, denn die D i st a n z i e r n n g vorn Nachbarn ist ja nun einmal das wichtigste Lebensgesetz jeder Partei. Und so konnte es auch gar nicht ausbleiben, daß der ertreme Rationalis'.nus die große Selbstverständlichkeit, daß jeder deutsche Staatsbürger, gleich welcher Rasse er sein mag, aus ganz natürlichen Gründen zunächst einmal als'Deutscher leben, deutsch denken und deutsch fühlen muß, nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit anzusehen vermochte, sondern daraus ein F o r m p r r n z i p für seine Partei machte. Der deunche Rationaliü mußte jo auch A n f i f c m i t werden, denn des Wein „deutsch" war ih'.n jetzt nicht mehr genug, cs mußte darüber hinaus auf „deurfchnational" und schließlich auch noch aus b-üinnute plm sw logische Einseitigkcitcn verengt werden. * Würde der politisch aktive Deutsche gehalten sein, irr der Demokratie, bei der zur parlamentarischen Entscheidung notwendigen MchrhcitSbildung die Uebereirrstimmurrg mit feinen Volksgenossen lediglich in Hinsicht ans den zu verwirklichenden politischen Zweck zn suchen, ganz unabhängig von den vielfältigen Motiven, die für die Gleichstrebigen maßgebend sein können, so würde sich ohne weiteres eine innere Angler ch rr n g vorn Volksgenossen zürn VolkSgcnosicu vollziehen. ES würde der Gesinnung S k a m p f g c ur i l d c r t werden. Der Antisemitismus hätte damit eine seiner wildesten Wurzeln verloren. DaS Leben im deutschen Volke würde für jeden Volksgenossen angenehmer werden. * Aber w i e ist diese Umstellung vom polnischen Bekenntnis zum politischen Zweckdenken zu erreichen?^ Meiner Ansicht nach nur dadurch, daß die Masie des Volkes eben unmittelbarer in die Politische Verantwortlichkeit hinsingLstellt wird, daß sich vor allem nicht mehr'zwischen Wähler und politische Entscheidung des einzelnen die I n st i t u t i o n parla m cntari» scher Koalitionen hinünschübt. Dazu müßte das deutsche Parteisystem so vereinfacht werden, daß möglichst nur zwei Parteien im Kampfs um die Politische Macht blieben und jede dieser beiden Parteien dauernd vor der Möglichkeit stände, die Mehrheit zu erringen und damit die Macht und die Verantwortung zu übernehmen. Eine solche Vereinfachung des Parteisystems könnte keinen weltanschaulichen Charakter mehr tragen, da es in Deutschland ja erheblich mehr Weltanschauungen als nur zwei gibt. Diese, sagen wir einmal, kopernikanischo Umwälzung in unserem parteipolitischen Denken durchzusetzen, gibt es meiner Ansicht nach nur ein'Mittel. Es wäre der Versuch, das Derhältniswahlsystem durch das relative Wahlverehren, wie es beispielsweise in England gebräuchlich ist, zu ersetzen. Man wundert sich so oft über die Politische Sachlichkeit des Engländers, seinen Vorzug, den Gesinnungskamps und Entfernung des häßlichen Zahnbekags? Ganz einfach: Man putzt die Zähne erst mit der bekannten Chlorodont-Zahnpaste und spült dann mit Chlorodont-Mundwasser unter Gurgeln tüchtig nach. Tube 50 Pf. Versuch überzeugt. Hüten Sie sich vor minderwertigen, billigen Nachahmungen. die persönliche Gehässigkeit im poliri'chcn Leben kaum zu kennen. Mau führt diese Eigenschaft auf eine besonders glückliche Charakterveranlagung zurück, und doch ist sie meines Erachtens in der Hauptsache nur die unmittelbare psychologische Wirkung, seines Wahtversahrens. Auch das Fehlen des Antisemitismus hat meiner AuygBeasaaa^--' WELTMARKE DES PORZELLANS Man glaubt vielfach, daß Rosenthal-Porzellane unerschwinglich teuer wären. Das ist ein Irrtum. Sie können heute gute Rosenthal-Service zu fast gleichen Preisen kaufen wie andere Porzellane, da die Rosenthal- Porzellane in den letzten Monaten im Preise erheblich gesenkt wurden. Bitte überzeugen Sie sich durch Besuch in den einschlägigen Geschäften oder Rosenthal-Niederlagen. IrCcnc'^ttuxi