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Central-Verein-Zeitung · 1931-12-04 · 49 (4.12.1931) · p. Seite 562

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
Seite 562 (sequence 6)
Language
German
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Sö2 C. Tr. Alfred Wiener, Berlin, eröffnet, der einen „Vertraulichen Bericht üb<r die Arbeit der Zentrale" gab. Tann erstattete der Syndikus Tr. Plaut, Essen, den Tätigkeit-- bericht. Rabbiner Tr. Eschelbach er, DüsteDorf. hielt ein Referat über den Nürnberger Talmudprozeß. Im Anschluß an die Vorträge fand eine rege Aussprache statt. Hannover Zu der Tagung des Landesverbandes Hannover hatten sich fast 100 Freunde aus über 30 Ortsgruppen des Landesverbandes am Sonn tag. den 22. November, in Hannover rusammengesunden. lieber 75 v. H. unserer MilgliQer des ganzen Landesverbandes waren vertreten. Naä-dem der Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Lichtenberg, zugleich mit seinen Degrüßungsworten einen großen Ueberblick über die politisä)e Lage gegeben hatte, erstattete Landesverbandssyndikus Wittelshöfer den Gefckäfts- und Tätigkeitsbericht. Anschließend bebänderte der Syndikus des Centralvereins, Tr. Alfred Wiener, Berlin, in über zweistündiger Rede die Politischen, wirtschaftlichen und geistigen Zustände in Deutschland und deren Auswirkungen auf die Stellung der deutschen Juden. Er wies die Wege und Möglichkeiten gegen die antisemitische Verhetzung und zum Schutz von Ehren und Rechten der deutschen Juden. Ten mit'größtem Interesse aufgenommenen Ausführungen folgte eine mehrstündige Aussprache. OstbranDcrröurg. Zu einer Landesverbandstagung trafen am 18. November zahlreiche Vertreter ostbrandenburgischer Ortsgrurpen in Frankfurt a. d. O. zusammen. Tie Tagung wurde geleitet und mit einer Begrüßungsansprache eröffnet durch den Vorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg, Rabbiner Dr. Martin Salomonski (Berlin), der die politischen rmd wirtschaftlichen Erschütterungen unserer Zeit kurz kennzeichnete und um das unbedingte Vertrauen zu unseren Führern bat. Tie Delegierten schilderten sodann eingehend wichtige Einzelheiten über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in ihren Ortsgruppen und gaben wertvolle Anregungen für unsere Arbeit. Artur Schweriner (Berlin), stellvertretender Syndikus des C. V., erstattete in überzeugender und klarer Weile einen umfassenden Bericht über die umfangreiche Arbeit der Zentrale, der mit großer Aufmerksamkeit und starkem Beifall entgegengenommen wurde. Dr. Ernst G, Löwenthal (Berlin), der jetzt die Geschäfte des Landesverbandes Brandenburg führt. * machte kurze Mitteilungen organisatorischer Art. Im Anschluß an die De-irkstagung fand eine Gemeindeversammlung mit einem Dortrag vwn Artur Schweriner über das Thema „Hitler vor den Toren?" statt. Tie Beranstaltung war überfüllt. BezirksLagmrg in Waden In Mosbach (Baden) fand eine starkbesuchte Bezirkstagung statt, die einen sehr befriedigenden Verlauf nahm. Ter Vorsitzende des Badischen Landesverbandes, Rechtsanwalt Hugo Stein, sprach über „Tie politisch-e Lage und der E. B." Tie Versammlung wurde von dem Vorsitzenden der Ortsgruppe, Louis Frank, geleitet. Vorträge in Sachsen- Am 23., 24., 25. vnb 28. November sprach Tr. Eva Reich mann-Jungnrann in den Ortsgruppen Dresden, Chemnitz. Leipzig u n d P l a u e n. Es ist nicht zu verwundern, daß Sachsen, das van jeher heißer Boden in bezug eus den Antisemitismus war. unter der gegenwärtigen Hetze besonders schwer zu leiden hat. Tankbar nahm deshalb die zatz'reich erschienene Zuhörerschaft die Gelegenheit wahr, um über die brennendsten Gegenwartsfragen der deutschen Judenhert Aufklärung zu finden. Tie durchweg sehr gelungenen Abende klangen zum Teil in angeregten Tiskussionen aus. /Vf\ 4 vP^;^A\^ 3 OSö" Auf meinen, in der „E. D.-Zeittmg" vom 17. April unter obiger Ueberfchrist erschienenen Artikel antwortet die „Sozialistische W och e n ze i t u n g", das Organ der kürzlich von der SPD. abgeiplitterten neuen Partei, in folgenden Ausführungen: „Acht Juden in der Neichöwchr. Don ungefähr flattert ein Zeirungsdlatt uns zu; das Blatt des „Centralvereins deutscher Staatsjuden bürgerlichen Glaubens", wie der witzige von Osfietzky diesen sonderbaren Verein getauft Kat. Zn ihm bestricht der Hauptmann d. Bes. a. D. Tr. Leo Löwenstein, ein Chemiker, dem die deutsche Easwape viel verdankt, fast ebenwrie! wie dem Prose'wr Hader, der gleichfalls Jude ist. das Tdcma „Tcunchlands Wchrtraft". Ta O-err Lörvenstein im Nebenberuf den „Reichsdund Jüdi'cher Frontsoldaten" füdrt, verwundert cs auch nint, daß er der antisemitischen Strömungen im Reichsheer gedenkt. Er schreibt: , . . staunt man darüber, daß sich in rmscrcr Ncichswchr nur ganze acht jüdische Soldaten befinden, obschon unserem Anteil an der veutschen Bevölkerung 3-s Offiziere und 85^ Manrr cntft'rechen würderu Das; wir nicht imstande wäre::, diese in tadellosem Forurat zu stellen, wird niemand annchmen nach der letzten KriegöLcisrung des deutschen Judentums, das mir 5^O0QÖ Seelen 100 000 2Jla:m zum .Heeresdienst stellte, von denen 42 000 geblieben sind, und von denen an der Front 2000 zu Offizieren befördert wurden? Tor Wunsch dieses Juden geht dahin, die Juden als deutschen Stamm anerkannt zu setzen, wie etwa die Bayern, die Heyen und die Schwaben, um so ein eigenes Kontingent zur Reick-webr zu sielten. Tie erschütternde Komik dietts Bemützans spart jeden weiteren Kommentar. Ter Hanriinann der Reserve hat im übrigen sein alldeuisches Programm gut gelernt. .Tie Tinge liegen tatsächlich w, daß Deutscher Pazifismus" nichts ist als der billigste, aber nicht der unwirksamste De standteil der nngel)euren militarisch-en Rüstung derjenigen, unter deren eiserner Faust beute die Memchbeit und am meisten wir Tonische selbst zmammenbrechentt Herr Löw-enstein ist als Jude unzulänglich; zum Nationalsozialisten würde es gerade noch reichen. Schade, daß dem Goebbels die Acbnlichkoit der beiderseitigen Nasen nicht in den Kram paßt." Ob der Anspruch des Herrn von Osnetzky über den E. D. witzig ist, scheint mir zweifelhaft: daß er verkehrt ist, aber sick-er. Ter E. V. repräsentiert als die größte Oraannatwn des deutschen Judentums ebenso besten bürgerliche wie auch dessen in dieser Krift besonders anaewachsen.m proletarischen und proletarisierten Schichten. Eine vollkommene Verdrehung meiner Anssührungen ist aber die Darstellung der „S.W.ZJ vom deutschen Stamm der Juden, die wie Bayern, Hessen usw. ein eigenes Kontingent zur Reichswehr stellen sollen. "Ich habe lediglich dargelegt. daß die geringe Zahl der Juden in der Reichswehr ihrem Anteil am deutschen Volke nicht entspricht. Ich hab^e dies nickt mit den antisemitischen Strömungen in der Reichswehr, sondern vielmehr mit der Ueberschätzung dieser auf jüdischer Seite begründet. Erst vor kurzem erzählte mir der Kommandeur einer Artillerie-Abteilung von einem jüdischen Rekruten, mit dem er sehr zufrieden war. Als er ihn einmal fragte, ob er als Jude irgendwelche Schwierigkeiten in- oder außerhalb des Dienstes haoe, wurde dies entschieden verneint. Meine Bemerkung über den „deun'chen Pazifismus" halte ich voll aufrecht. Ihr wird auch, wenigstens innerlich, jeder zustimmen, der diese Dinge ein lvenig kennt, ob er ans das alldeutsche Programm sck-wört — ich gehörnicht dazu — oder auf das der Sozialistischen Arbeiterpartei. Zu den Auslastungen über meine Person: Meine kriegstechni scheu Leistungen liegen nicht auf dem Gebiete des Caskampfes. Ich habe schon 1913 die Schallmessung erfunden und dann 1014 zuerst an der Fron: in größerem Maßstaö organisiert. Auch sonst sind meine kriegstechnischen Arbeiten auf pbnsikali schein Gebiet. Meine chemischen Arbeiten bewegen sich auf friedlich-ewm Gebiet und dürften gerade heute der deut'chen Wirtschaft einige, wenn auch im Gesamtrabmen bescheidene, so doch sehr produktive Be weile bringen. Tie anti'emiLelnden Aeußerungen der „S. W. Z." über mich find an den Schluß gesetzt. Ihrem Inhalt nach müßten sie noch viel tiefer stehen. Or. Leo Löweustein. Omrner trncöer Kampf gegen Wische Studenten Zwei Vomblle in der Berliner und Würzburger Studentenschaft zeigen erneut das systtmatiscke Bestreben. - jüdische Studenten aus bem studentischen Leben auszuschließen. In Berlin wurden die der freiheitlichen Studenten scheut au gehörenden Korporationen vom Chargieren bei der Feier des 7 0. Geburtstages von Professor Bier ausgesckicuen. Tie Verbindung imK-C. S p r e v i a bz: Herrn Prvfepor Bier ein Glüdwi:n?ch'erreibeu überreicht, in dem sie zugleich diesen Talb-estand mitteilt, damit ihr Fernbleiben nicht zu Mißdeutungen Anlaß gibt. Ein Borsech der von gleich niedriger Gesinnung zeugt, hat sich in der W ü r z b u r g e r Studentenschaft abgespielt. Tie natioualsozialistischre Rsthrhe'tt verstand es zu verhindern, daß bei der Langemarck-Feier in Würzburg. jüdstche Studenten chargieren sollten. Ein Mitglied des Würzburger A st a protestierte gegen dieses Vorgehen, das als eine Schmähung des Andenkens der 12 0» gefallenen deutschen Jubin im Weltkriege anzuselzen sei. Einem natir-nalsozialistischsn Antrag folgend, sollte daraushin die Feier der Studentenschaft anssallcn. Ter Antrag fand auch die Mehrheit. Erft dem Eingreifen des Rektors der Universität gelang es in letzter Minute, die Feier zustande zu bringen, jedoch ohne Chargieren der Korporationen. Wir haben hierzu nur sestzustcllen, deß die in den K. C. - Verbindungen vereinten jüdischen Studenten somahl dem Programm wie der Tat nach stets für ühr Deutschtum einzutreten bereit sind, daß aber das Verhalten dieser „deutschen"' Fwrporationen zweifellos — undeutsche Gesinnung verrät. Sestrafter GoLeslZsterer Tie „Nationale V olksz ei t u n g". die in Auerbach (Vogtland) erscheint, schrieb am 21. Februar v. I.: .chZuda Vars crlw seinen Blutrau^H fottsttzenl Schön! Wii werden dastär sorgen, ^daß die gesamten Sckmeincreicn jüdischer Nach'ucht, die sie imnier wiedn cblengncn oder als harmlose .relikomw.cn, nrtt werden nicht eher ruhen, bis dieser Wüsienhorde im nationatsozialistischen Swat ihr Verbrecherhenttwerk endgültig gelegt ist!" Erst jetzt kam es zur Gerichtsverhandlung, über die ,T er Fr e i h e i t s k a m ps" in großen Artikeln berichtet, die neue Beschimpsungen. insbesondere aber eine Apostrophierung des Centralvereins, der „natürlich sofort" das .^vor'ckristsmäßige Acrgernns" genommen habe, enthalten. Ter Staatsanwalt stellte sich au? den Boden des Gesetzes und ließ sich durch Tüfteleien des wiederum cns Sachverständigen ersästenenen Tr. Erich Bischofs und des Verteidigers nicht beirren. Taftär mußte er sich auch androhen lasten, daß st'me Bemerkungen über den Nationalsoziaiismus, „wenn er seine Ausfafsung berb-ckalten sollte, seiner Karriere im Tritten Reiaz zweifellos schaden werde". -— Tiefer unverkennbare Terror verdient, festgehalten zu werden. Tas Urteil lautete wegen Vergehens gegen § 166 (Gotteslästerung) an Stelle einer^an sich verwirkten Gefängnisstrafe von einem Monat auf 300 Mark Geldstrafe sowie Tragung der Kosten.'

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