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Central-Verein-Zeitung · 1931-12-04 · 49 (4.12.1931) · p. Seite 560

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
49 (4.12.1931)
Date
1931-12-04
Page
Seite 560 (sequence 4)
Language
German
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560 3ucf]e! Wenn ich Ihnen das allcs erzählen wollte, was für Steine nnö in ^dcn Weg ge- 'ä'lendert wurden, bevor die'er Film zustande konnnen konnte, so werden Se m.erken, das; die indischen kleinen Epiwden in den deutschen filmen wahrhaftig nicht aus Liede Zinn Juden* i:-:n den; Publikum eüenbart werden. Und wie ungerecht das auch nach lausinännistber Elle gewesen ist, wird jedem klar, der weist, dast diese Tillne große Weltgeftchs-e geworden sind, und daß es gerade das Ausland war, das diese Filme in einer Weise gewürdigt hat, wie es hier iw Deutschland nur schwer jemals der Fall fein kann. 3 e I & ft ß dj t int g oder 3 e I f» ft t» c r * h o h n u n g, wogen sich diese beiden Begriffe allen denen einprägen, die cs heute in der Hand baden, für beides in der breitesten Maste zu wirken. Aber mit den Worten: „Ich weist das doch gar nicht" oder „Ich bekomme ja gar kein Manuskript!" oder „Ich spreche dann eben nn Atelier, was mir gerade entfällt!", damit soll keiner mehr vor uns hintreten. Tenn es kommt heute mehr denn je auf jedes Wort an, das von der Bühne oder der Leinwand herab gesprochen wird! Ans jede Geste! Und namentlich von uns!" Der Dichter e°°rg Seemann: ders unter meinen Gästen .... Wer sich nicht selbst zürn besten haben kann, der ist nicht einer von den Besten!' Danach must also nach Goethe der Jude wirklich zu den „Besten" zählen. Tenn cs gibt kaum einen Menschen irgendwelchen Stammes, der sich sebbst so gern znm Spiel seines Spottos, seines Witzes, seiner melancholisch lächelnden Selbstbetrachtnng macht wie der Jude. Und zwar der Jude jeden Volkes, der aus Warschau so gut wie der aus New- Ajork, der aus Berlin so gut wie der aus Saloniki. Ein Element * feiner Seele ist die Verspottung des andern 'Juden im spezifisch jüdischen Witz. Und dadurch auch da, wo er den Pfeil nicht gegen sich selbst richtet und er nur am ihn zurückspringt, auch die Verspottung eben seiner selbst. Also kein Volk, kein Mensch ist zum Schluß so unempfindlich gegen Witz, der mit ihm und auf seine Kosten getrieben wird, wie der Jude. Und niemand trägt selbst so viel Holz zu dem Lcheiterhausen, auf dem man sein Bild verbrennt. Und wenn nun er — eben dieser jüdische Mensch — der eigentlich gewohnt ist, sich selbst nicht ganz und in allen Punkten seines Jchs ernst zu nehmen, heute glaubt, dagegen protestieren zu müssen, daß ein häßliches und jämmerliches, peinlich berührendes und ihn verächtlich machendes Zerrbild seines Jchs im Film, Bretter und Brettl vor ein ihm schon sowieso seindlich eingestelltes Publikum gebracht wird, so kann man nach seiner ganzen seelischen Konstruktion versichert sein, daß das bei ihm wirklich und wahrhaftig keine Ueberempsindlichkert ist. Es hat nie an Zerrbildern des Juden in der Kunst gefehlt . . angesangen von den Stemmetzscherzen der gotischen Kirchen ohne daß der Jude. es für nötig befunden hätte, da vor breiter Seffent lichtest dagegen Front zu wachen. Und wenn das heute ge'chieht, so tut er es aus einer bitteren Notwendigkeit heraus, in einem Kampf stehend der vor keinem Mittel, ihn verächtlich zu machen und in Teutschland zu einem Menschen zweiter Klasie zu degradieren, zurückscheut. Und er ist besonders traurig darüber, daß fiter bä — ob mit Wollen oder aus mangelndem Feingefühl — von Menschen südlicher Herkunft so eifrig mitgeholsen wird. Im Kabarett, Film und Theater. Heinrich Heine hält sich darüber auf, daß irgendwo Tiroler Volkssänger, Tänzer und Zithersvieler cuftreten. Tiefe Dinge find ihr heiligstes. Privatestes Eigentum, meint er, wie können die nur einer blöden biertrinkcnden Menge in einem fremden Lande vorgesührt werden. Wie arm müssen diese Menschen sein, daß sie sich zu so etwas entschliesten, und wie Pietätlos! Ein Schweizer, meint er, kann nicht außerhalb seines Landes das Alphorn blastn hören. Ein ähnliches Gefühl habe ich. wenn mir da oben vom Podium herab jüdi'ch-e Witze erzählt werden. Mit dem jüdischen Witz hat es eine eigene Bewandtnis: seine Signatur ist es, diskret, sein, geistreich und unaufdringlich zu sein und keine Bergröbenmg zu vertragen. Und außerdem har er das mit dem Radio gemeinsam, daß er eigentlich dort nur ausgenommen werden kann und zum klaren Wicderklrngen gebracht werden kann, wo der Apparat auf eine gleiche Wellenlänge gestimmt ist. Und das ist weder bei einem breiten Publikum der Fall noch bei dem Publikum, das dort zusammenkommt, um sich, eoute que coute, unterhalten zu lassen, protestierend, radaulustig und vielleicht etwas angetrunken ist. Daß für ein solches Publikum die diskreten, ost philosophischen Feinheiten des jüdischen Witzes vergröbert werden müsien durch Worte und Vortrag, wird niemand bestreiten, der die P'ychologie des Kabaretts kennt, eine Psychologie, deren krampfhaften Leerlauf vor kurzem noch ein Mann wie Anton Kuh in einem ausgezeichneten Esiay klargestellt hat. Sicher find diese Tinge, wie sie heute gehandhabt werden. x-itz G-ünbaurn: »-»HK Schauspielers gesehen, ist es wohl ein Gebot der Selbstachtung, daß der jüdische Künstler, wenn er eine Judenrolle spielt, den jüdischen Typus nicht durch verächtliche Mätzchen der Verhöhnung andersgläubiger und anderörassiger Menschen Preisgebe/ Vor allem sollte der prominente Künstler. fier sich den Luxus der Rollenwahl leisten kann, seine Mitwirkung bei Stücken verweigern, in denen der Jude — wie es häufig der Fall ist — als ein Konglomerat von Servilitat, Feigheit, Würdelosigkeit und hemmungsloser Eeschäftemacherci dargestellt wird. Ich darf hier erwähnen, daß'ich selbst vor acht Jahren in Wien beinahe in einen Prozeß verwickelt worden wäre, well ich trotz prinzipieller Einigung mit einem Direktor über Gage und Zeit meines Gastspieles zuletzt mich weigerte, die verächtliche Jnflationsschicbersigur eines jüdischen Fettsabrikanten zu spielen, notabene zu einer Zeit, wo der Antisemitismus noch nicht so Mode war wie heute! Freilich wird sich das jüdische Publikum anderseits vor den Ucbertreibungen einer Uebercmpsindlichkeit zu hüten haben. Es kann von einem jüdischen Schauspieler, der einen dazu angetan, das Bild des deutschen Juden in den Köpfen der Judengegner und selbst bn denen, die es bis heute nicht sind, noch weiter zu verzerren. Das scheint eine Nebensächlichkeit, trägt ober in den heutigen Zcstläusten Gefahren für die gesamte Judemchast in sich, die nicht zu^ unterschätzen sind. Und auch in Bühne und F:lm in heute die Darstellung des Juden derartig vergröbert, daß ihnen der gleiche Vorwurf zu machen ist. Vor dem Krieg gingen drei, vier Theaterstücke mir rein jüdischem Milien, die „Fünf Frankfurter", „Hinter Mauern" und Kettchen Gebert" über alle Bühnen D-enllch- Icmds und zählten wohl alle drei durch Jahre zu den meist gespielten Stücken, ohne daß sie irgendwie von dem Theater oder den Darstellern dazu benutzt wurden, Karikaturen und Zerrbilder der Juden als Porträts auszugeben. Im Gegenteil, diese Stücke waren .durchweg leise und unbetont, schilderten jüdisches Familienleben. die Konslikre. die sich daraus ergaben, jüdische Topcn aller Art, angenehme und weniger angenehme, und niemand, weder Juden noch Christen, nahmen daran Anstoß. Im Gegenteil.' sie verrichteten, ungewollt und unbeabsichtigt, eine wertvolle Aufklärungsarbeit für den Andersgläubigen, über die Eigenheiten des jüdischen Mcn'chen. ihr Zusammenleben, ihr Gemüt oder ihre Hartherzigkeit, ihre Vorzüge oder ihre Nachteile. Jede Tendenz, weder die, zu beschönigen, noch die, zu verztrrcn, lag den Stücken fern, und sie leiteten durch di^Darstellung, die oft auch von christlichen Schauspielern geboten wurde — ich denke nur an Paul Bilde! —, auch nicht einen Einzigen Tropfen Wasser auf die Mühlen des Antisemitismus, wahrend die Darstellungen, d:e heute oft Juden sebbst von jüdischen Typen bieten, ganze Niagarmälle dem dienstbar macken. Vielleicht genügt dieser kurze Hinweis denen, die es angcht, sich einmal zu vergegenwärtigen, nicht, wie erziele ich die größte Wirkung, sondern, wie vermeide ich cs, daß diese meine Wirkung eine andere ist als die, welche ich selber damit beabsichtigt habe." jüdischen Hausierer darstellt, nicht gut verlangt werden, daß er ihn im Lnwking spiele. Hier spielen überhaupt ästhetisch-ethische Fragen herein. Vor allem Erwägungen über das Wesen des Humors. Nicht alles, was komisch ist, ist auch v e r ä ch t l i ch! Man kann z. B. einen schrämenden und schwitzenden Menschen drollig und dabei doch liebenswert finden, wenn er sympathische Charalterzüge aufweist. Deshalb soll der jüdische Zuschauer nicht gleich empört sein, wenn er auf der Bühne die Figur eines Juden erblickt, der sich ungeschickt benimmt oder nicht mit ausgesuchter Eleganz gekleidet ist. Ein Schauspieler, der A. B. zeigt, wie gutherzig, gescheit und rührend-menschlich so ein komischer armer Jude sein kann, dient der Sache des Judentums viel mehr als jener, der den jüdischen Typus bis zur Blutleere der Unwirklichkeit idealisiert und durch solche betonte Absichtlichkeit den' Nichtjnden nur zum Protest heraussordert. Wir Juden verlangen Gleichberechtigung. Wir Hallen uns nicht für schlechter als andcre, aber auch nicht für bester. Unch daraus ergibt sich die Forderung an den Darsteller jüdischer Menschen: fei menschlich, aber nicht — übermen schlich!" DErTALMU D FÜR.JEDER MANN Allgemeinversiändllche Auswahl fn deutscher (Übertragung von Fromer. — Ein begeisterter Freund unserer Talmud-Ausgabe hat einen Fonds gestiftet, durch den es möglich ist, das vielfarbig gedruckte, großangelegte, herrliche Monumenialwerk in relchvergoldetem Eanzleinenband bis auf weiteres statt 36 Mark *4 £* *T!franko zu liefern (auch in zwei Monatsraten h 8,25 Marl). — Benutzen Eie diese einmalige Gelegenheit, für. X.O>/Q,'Lp Sie müsien den Talmud kennen - er gehört neben der Bibel in jedes jüdische Haus. Bestellungen nur an Edmund Meysr, Buchhandlung,. Berlin \V50, Bamberger Straße 61. Postscheck 61509 gegen Sorcmfenbrmg oder Nachnahme.

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