Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- Seite 546 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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546 GoldscIisSder-Ciaüetftör-KäbrtnKis! C1, Steinp!2 9494 jedes einzelnen stellte, blieb uns die'e gute Stirn* nmng des unter schiss losen Einsatzes für die gleiche Idee mwiugc'chränkl treu. Erst nachher drohten die Ec'ehren. In: übrigen Teilt'Aland, von dem wir vevvoackmngsmäßig bis dahin a ewaltsam sernaehaUen worden waren, war unterdessen die antisennti'che -Zelle emporgeschämnr. Eie brandete auch gegen die Grenze unseres oberschlesische.r Landes, das noch eben Juden und Nichtjuden in gleicher Hcimatliebe gegen den gleichen Gegner hatte kämpsen sehen. Al^er für meinen engeren Arbeitsbezirk kann ich wohl sagen, dag sich die Woge gebrochen hat. Trotz starker Konsessionalisierung des Vereins- Wesens ist eine Beeinträchtigung der paritätischen Arbeit oder auch nur ein Abzug wesentlicher Kräfte von ihr nicht eingetreten. In einem Spitzenverband sind sämtliche charitativen Vereine zusannnenge'chlosstn und die Zusammenarbeit geht reibungslos und erfolgreich vong frattcu. Wenn ich eingangs davon sprach, daß ich in bezug aus besondere Erfahrungen als jüdische Mitarbeiterin in interkonfessionellen Organisationen eine „Fehlanzeige" zu erstatten habe, so bezog sich das allerdings nur auf dje schlechten Erfahrungen; gute, etwa in der Richtung aus uneiurgeschränlt srennd schalt liehe Beziehungen — es ist traurig genug, dach so etwas heutzutage ausdrücklich bestätigt werden muß! —, aus Anerkennung und Vorurteilslosigkeit habe ich zur Genüge gemacht. Senn ich nach eine.n Gespräch, nach einer Sitzung oder im Laufe einer gelungenen gemeinsamen Arbeit das Gefühl hatte, heute ist durch, ein offene? Wort, durch ein gemeinsames Erlebnis oder durch irgendeine notwendig gewordene Ausklärnng ein keimende? Vorurteil zerstört oder eine feste Abwehrschicht gegen antisemitische Veeinstussnngsversnche geschaffen worden, dann empfand ich allerdings eine innere Befriedigung, die mich in meiner Vereinstätigkeit nochchnehr als nur einen Selbstzweck sehen lehrte: das Mittel zum Zwecke des Kennenlernens der Angehörigen der Konfessionen. Und dieser Nebenzweck erschien mir dann in unserer Zeit der Verhetzung und des haßersüllten Nebeneinanderlcoens der Menschen manchmal fast Zum Hauptzweck zu werden. Arm Schluß nur noch eine kleine Episode, die fast anekdotenhaft anmutet. Vor einigen Jahren entstand hier eine Ortsgruppe des Königin-Luisen-Ordens. In unserem Befremden bemerkten wir im Vorstände eine Dame, die auch dem Vorstände unseres obengenannten Vereins angehört. Wie stellten sie zur Rede, erklärten ihr die Unmöglichkeit solcher Zwiespältigkeit und hatten das interessante Erlebnis sestzustellen, daß sie über die Satznngsbestimnmn.g, nach der Inden leine Ausnahme finden dürfen, völlig in Unkenntnis war. Wie vielen, die nie daran gedacht hätten, sich einem judenseindlichen Verein enzuschlicßen, mag es so ergehen! Eie werden durch irgendwelche schönktingende Worte eingesangen und durch die Zugehörigkeit zn dem betreffenden Verein dann erst zun: Antisemitismus erzogen. Ta Hilst nicht nur Aufklärung mit Worten. Nur in den fcltcnften Fällen wird eine Frau aus rein ideellen Gründen die Zugehörigkeit zu einem Verein deshalb ablehnen, weil er nebenbei auch judenfeindlich ist. Wenn sie sich aber von der jüdischen Mitarbeiterin, mit der sie die interkonfessionelle Tätigkeit täglich zusammensichrt, ihres Beitritts wegen verantworten muß, dann ist d-er wirksamste Gegcneinstusi geschaffen. Ich möchte allen Frauen und Mädchen, die der cache des Eentralve reine dienen wollen. aus rollen: Herzen und reicher Ernährung nachdrüeklicb'r raren, interkonselsion.elle Nlinwlnst zu suchen und sie zu ergrei'en, wo sie sich ihnen bietet. Ich bin sicher, daß sie alle sich die gleiche Freude und Besriediguug vermitteln werden wie ich. Ta? ist das Ergeonis meiner Erfahrungen in der Boreiusarbeü. 5ONitÖtLrotL)!'.l>ÖV/SN5iS!N,I-iS5rSN Ecit mehr als 25 Jahren sind sowohl chn Mecklinghausen als auch in Herten _ jüdische Danien aktiv in den verschiedensten interkonfessionellen Vereinen tätig. Ganz besonders reich an Zahl sind jüdische Frauen in den Ortsgruppen des V a t c r 1 ä r» d i \ d] c n F x a u e n - v ereins vertreten. Tie Vorsitzende des Israelitischen Fraueiwereins Vectlirughausen gehört seit vielen Jahrcn dem Vorstände des Vaterländischen Frane-'vereins an, und in Herten haben unsere Tm.wn teils im Vorstand, teils als Mitglieder in der vortrefflichsten und ausgezeichnetsten Weise an dem Wactffen und Blähen dieser großen Frauenorganisation mitgewirkt. Unsere Frauen waren sich allezeit ihrer hohen Sendung voll und ganz bewußt und haben, was ohne jede Ueoertreibung gesagt werden darf, nach besten Kräften die Ziele und Zwecke des Vaterländischen Frauenvereins gefördert. Als deutsche Mütter und Frauen sind sie dem an sie ergangenen Nuse zur Mitarbeit in den interkou.fessionellen Vereinen gefolgt und haben auf jode ihnen geeignet erscheinende Weise dem jüdischen Namen Ehre zu machen verstanden. Unseren jüdischen Frauen ist es daher in hervorragender Weise gelungen, die Synthese Teutschtum und Judentum zu verwirklichen. Niemals haben sich ob ihres Judeseins irgendwelche Schwierigkeiten in der Mitarbeit gezeigt, im Gegenteil, bei allen Veranstaltungen des Vaterländischen Frauenvereins wurden gerade unsere jüdischen Frau.en zur tätigen Mitarbeit herangezogtn, weil man sowohl beim Vorstand alM auch bei den Mitgliedern deren Eignung kannte und ihre aufopfernde Treue für die gute Sache schätzte. Tie Leistungen unserer Tamen wurden nicht nur innerhalb der Organisation anerkannt, auch die höchsten Stellen haben durch Verleihung äußerer Zeichen zu verstehen gegeben, wie sehr sie die Tätigkeit unserer jüdischen Tamen zu würdigen wissen. Mit großer Befriedigung und innerer Genugtuung stelle ich fest, daß, während gerade in den letzten Jahren der Antisemitismus die größten Orgien feiert, in den Vereinen, in denen unsere Tamen als Teutsche und Juden Mitarbeiten, niemals ein Anlaß zur Dcsichnoerde Vorgelegen hat. Unsere Tamen haben durch ihre positive Mitarbeit in den Vereinen dem jüdischen Namen alle Ehre geuiaeht und somit von vornherein jede uns eventuell gegenüber bestehende aninwst Einstellung unterbunden. Es gab und gibt auch noch honte keine Veranstaltung des Vaterländischen Frauenvereins, gleichgültig welcher Art sie auch sein mag, zu der nicht unsere Fronen mit herangezogen werden und an führender Stelle mitwirken. Als gute Juden und wahre Deutsche, lediglich getragen von denn Gedanken, der Allgemeinheit zu dienen, sind sie in die inwrlonscssionellcm Vereine hinein.gegangen, mit dem stolzen und freudigen Gefühle, dem Vaterlande zu dienen und dem jüdischen Namen Ehre zu machen. Sie sind allezeit echte Samariterinnen gewesen und wollen es auch für die fernste Zukunft bleiben. Sozial® Ar-bo^' — födesdh© TrcsdiviOB Von Kennen) llarrrt!r.s!:i In ein. er Zeit, die na ehr dcn.n je auf die Bereit siche st aller zur sozialen Arbci: angewiesin ist. die — um der brennend sie:; Not begegnen zu können immer neue Me eh öden und Formen der Fürsorge ersinn: and erprobt, liegt cs nabe, sie!) auf die Grundideen zu bi> sinnen, ans denen die soziale Fürwnge an''baut. Sind diese Grundideen — so wag: man sich — auch heute noch wegweisend, oder bedürfen, nur ihrer nicht mehr? Tas Judentum gehört zu den ältesten Völkern, deren sozial.Gesetzgebung uns erhallen ist; hat uns die jüdi'che Lehre auch heute noch etwa? zu sagen? Tiefe Frage beschäftigt uns als Inder: noch im besonderen. Und indem wir sie rmtersuchen. wird uns neieder bewußt, daß die soziale Frage i:n Jadennan keine Sonderfrage, kein Sondergebiet darstellt. Sie ist aufs engste verknüpft mit der religiösen Idee, ja man kann sagen: sie bildet ein wesentliches religiöses Element des Judeallnns. Alles dnrchdriugt und bestimmt sie: die Haltung zun: Berus, zur Arbeit schlechthin; die Beziehung zu den geistige:; Gütern des Lebens. Mau müßte, tun das Be-ondere der sozmttu Idee des Judentums darstellen zu könne::, auszeigen, wie das gefnune Erleben der Welt — die als Gottesschvpsirng eine gute Welt ist — von ihr getragen wird. Liebe zur Natur und zu aller Kreatur entspringt dieser Idee. Ter gesellschaftliche Aufbau: Familie, Gemeinde, Volks- und Menschengemeinschaft werden von einer sozialen Idee geformt. Ja, auch die ganz persönliche Haltung des einzelnen, sein Privates ftesevvat wird von: Sozialen her bestimmt. Er soll „für sich selbst sein", un: für andere sein zu können. Ties alles kann hier nur angedeutet werden. Aber diese Andeutung ist wichtig aus einem besonderen Grunde. Sie soll beweisen und bestätigen, daß der soziale Memeb. der seine Eendung richtig versteht, nicht eimeing sein und werden, darf. Tie Fülle des Lebens muß ihn immer wieder umfangen, er muß ein „Liebender des Lebens" sein und — trotz allem — bleiben. Tie soziale Forderung ist in: Judentum an jeden einzelnen ergangen: an Mann und Frau. Tie Frau wird nicht besonders dazu anfgerusen, aber wohl innrer hat gerade sie krast ihrer Veranlagung eine besondere Beziehung zum Mitmenschen gehabt. Sie hat ihm gastlich ihr Haus geöffnet — sie bat dem geholfen, der in Not war. König Salomo preist in seinen: Loblied aus die Frau diese Züge, der Midrmch überliefert sie uns an den Gestalten unserer Stammütter, und auf verwitterten Grabsteinen in Palästina bat man Inschriften gefunden, die darauf Hinweisen. An die Frauen und au die Männer erging das Wort des Propheten Micha, klar und einfach, jeden: verständlich und für jeden verbindlief): „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was Gott von dir fordert. Nichts anderes als Neckst zu tun, Liebe zu üben und in Temut zu wandeln vor deinem Gott." (Micha 6, 8.) E i n N e ch t s a n s p r u ch der 2N e n s ch e n untereinander i ft n a ch jüdischer Auffassung soziale H i l s e. Au: einet Ebene des Acchts und der Wertung sichen die Mcm'chcii. sieiner stckst bencr. so daß t: sich 311111 anderen ksinabmigcn konnte in Erbarmen. Keiner kann den anderen zu sich hercmfticmn. Glicht auf Sympathie und Wohlwollen kommt es an, um das'Gebot der Nächstenliebe zu DER TALM U D FÜR JEDERMANN Allgemeiiwessiändlich- Auswahl in deuischer Itehrtraeung dc>n Fromer. — Ein begeisterter Freund unserer TOmud-Auscabe ha! einen Fonds gestiftet, durch den es möglich ist. das dielsarbig gedruckte. großangelegte. herrliche Monumentalwcrk in reichvergostetem Eanzleinenband bis auf weiteres statt SS Mark SLtz frank,?u liefern (auch in zwei Mvnaksraien L 8,22 Mary. —?em:hen Eie diese einmalige Gelegenheit, für. W/ÜW «Wews» Sie muffen den Talmud kennener gehört neben der Äibel in jedes jüdische Haus. Lestellungen nur an Edmund Meyer, Buchhandlung. Äerlin \¥50, Bamberger Straße 61. Postscheck81509 gegen Voreinsendung oder aiachnahmc.