Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- Seite 545 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Rundfrage tAfekiha Erfcihry ragen haben SS© bei ihrer Llstarbeot in!n2®rh©nfessE@m@I!len Frayenvereinen gerrsodhy? Jella Lepman, Stuttgart Es cxftjur.t hier vielleicht. _iwnn .iJj.cfjr* 301301*11 annoortc, t-aB ich ol§ 3?iitdrbciictin io. i ntc r f 011 f e[ fi on c II ert Vereinen ohne Allisnahm.e gute Erfahrungen gemacht habe. Erst Ihre Ansrage zwingt mich dazu, mir überhaupt einmal Rechenschaft über dieses Problem — das mir im Grunde nie eines gewesen ist — abzulegcu. Ohne jedes Vorurteil, mit jener zurückhaltenden. aber gleichzeitig unbekümmerten Sa! bstver stand licht eit, die zu erfolgreicher Bereinsarl>eit vonnmen ist, bin ich jeweils an die mir gestellten Amgab-en herangetreten. Nach trag! ich noch cmpuuda ich diese Ilu belastet hu.u dies!? völlige Abmeseuhait „antisemitischer Komplexe" als ganz großen Vorteil. Es ist gefährlich. aus Einzelersthrnngen Schlüsse ans die Allgemeinheit zu ziehen. Luch den t fehl and hat andere Voraussetzungen wie Norddeutschland. auch die verschiedenen Frauengeuerationen wirken nicht unter gleichen Bedingungen. Ich buche meine Arbeit in den i nt er ton f es u onelle n Vereinen unter die weatvoliston und bedeutungsvollsten Ertcbnisse meines Daseins. Es ist mir absolut imvorstellbar, wie ich ohne diese Lebens* nneiternng überhaupt ein Bild und ein. Urteäl über die sozialen Verhüll- OßldsshsMsr Ksrlsiieusr V/asserzv/ieliscfc C 1, Stsinpiatz £4S4 nisje im Staate hätte gewimrcn können. Ich gebe noch viel rveiter: ich weiß nicht, wie ich ohne sie meine Kinder erziehen könnte, die doch schon in der Schule einer solchen „int-erkonfessionellen Gemeinschaft" angehöreu. Ich hal>e rneim An-gc-HSrigleit zur israeliti'ch.n Religionsgemeinschaft nie und nirgends versckwiegeu, ick) habe aber auch kein Aushängeschild daraus mennacht. Religion ist mir wirklich im tiefstenSinne immer eine innerste und Private Angelogenlwit genxchen. und ich habe cs Heist bedauert, wenn diese feinsten und verborgensten Bezirke umnschlichen T a sei ns auf den Mark: der Oessentlichkeit gezerrt wurden. Unsere verständliche, alxr ziveisellos übergroße jüdische Empfindlichkeit macht ums nicht immer ohne weiteres zu unkomplizierten Mitarbeiten! in den interkonfessionellen Vereinen. Tie Nachkriegszeit und der wachsende Antisemitismus lasten einen beträchtlichen Teil der jüdischen Menschen und bc\onders auch Frauen unausgesetzt ängstlich nach antisemitischen Tein er langen c-der Handlungen Ansschau halten. Sie sind so schmerzhaft „ausgeklärtch daß ihnen das natürliche (befühl für das Maß der Dinge oh verloren gehe. Man rvird sich wie überall auch in den interkonstssionellen Bereinigungen durch die gute und Zuverlässige Leistung, durch feines, alle £>arO» lungen leitendes Taktgefühl und durch Vertrauen, das im lliebeu nun scheu den wohlgesinnten Mitarbeiter und Acht dm osten oder verborgen liebeln? ollend-en steht, die richtige Stellung erwerben. Ich glmbe, dies ist der einzige Weg, dm wir hier geben können und müssen. Erna Kaufmann, Krefeld Tie Mi Lar bei: der jüdischen Frauen in den Vorständen der nicht konfessionellen Frauenv.roiue kann in £rc'elö als sehr befriedigend bezeichnet werden. Tie großen Frauenorganis.uionen (VaLcrländisck-er Frauenverein, Rheini'ch-lloeftfälifcher Frauenverein, Hausfra 11 cnverein) haben duochioeg zwei Jüdinnen im Vorstand. In kleineren Vereinen arbeitet meistens eine 'üdische Frau im Vorstand mit, und die Zuammenarbeit ist überall durchaus ersprießlich. Ter Lnisenorden, als sehr rechts gerichtete Organisation, kommt für Jüdinnen wohl nicht in Betracht. T-a besonders nach den Erfahrungen im Haussraueuveoeiu gefragt wird, sei darüber berichtet, daß der Vorstand des Krefelder Aaussraumvereins, denn zwei Jüdinnen seit der Gründung an geboren, jede politische oder konfessionelle" Engherzigkeit und Einseitigkeit ablchnL. Eine Jüdin ist seit sechs Jahren zweite Vorsitzende und leitet augenblicklich den Verein, da die erste Vorabende durch Wegzug ausschied, bis zur NeubestTmug Rests Amtes, das ihr angeboten ist, aber von. ihr nicht angenommen werden kann. Tie jüdischen Frauen, die in Krefeld in der sozialen Arbeit stehen, erfreuen sich im allgemeinen großer Achtung. Durch die jahrelange gemeinsame Arbeit und gemeinsamen Interessen schlingt sich ein Band des Verstehens und oft der Frrundsckmft, das man nicht entbehren möchte. Tie Pionierarbeit, die jüdische Frauen auf solcken Pasten leisten, ist manchmal wichtiger als die Arbcit in den eigenen Reihen, allerdings irtnocrt es die richtigen Frauen fein; mit Takr und Klugheit können sie viel dazu beitragen, alte Vorurteile zu widerlegen und eine Brücke des Verstehens von Mensch zu Mensch zu schlagen. - Martha Schlesinger, Glekvitz Ich bin seit 19'6 Vorstandsmitglied des Vaterländischen Fraueuvereins zu Gleiwitz; während des Krieges wurde ich in gleicher Weise wie die übrigen Damen des Vorstandes zur Mittätigkeit herang.-zogen und kann nur seststellen, daß cs in dieser ganzen Feit nie Unstimmigkeiten gab und jederzeit vollste Harmonie unter den BorstandsnutaliVern der verschiedenen Konsessionen herrsche. Bei llntersräeungen werden alle Konfessionen gleichmäßig berücksichtigt: ick) hatte nie darül>er zu klagen, daß v-on mir vorgeschkagene jüdische llilsebedürstige mntanaesetzt wurden. Zu Festen bzw. Aussührunaen werden rein paritätisch Kräfte ans allen Rcligiouskreisen herangezogen. Tie allmonatlich stattiindenden gemütlichen Mitgliederzu sammentünste sind wohl geeignet,die AnlMxrerinnen der verschiedenem Religionen einander nähern; es ist mit Genugtuung festzustellen, daß auch die jüdisck)en Rcitglioder^ sich in' immer steigendem Tllaße an ihnen beteiligen. 'Seit dem Jahre 1915 besteht eine Arbeitsgemeinschaft der hiesigen charitativen Frauenvereine: die Mitarbeit des jüdi'chn Frauen» Vereins wird stets dankbar anerkannt und geschätzt; insbesondere hat die diesjährige Winterhilfe cm_ gedeihlichs ZusannnenarMiten aller a ngeschlopenen Frauenvereine herbeigopührt. Agnes ^ungmann, Oppeln Solange ich als selbständige Mensch jm Leben stehe, stehe ich auch in der praktischen Mitarl-eit in. interkonsestionellen Vereinen: und heute, da ich aus Aussorderuna der ,.E. V.-Zeitung" derse:chen will, mir Rccheuschast darüber abzulegen, was für Erfahrungen ich als Jüdin in dieser Tätigkeit gemacht habe, heute merke ich zu meiner cigeneu Verwunderung, daß ich über solche Erlebnisie so gut wie gar nichts auszu'aaen weiß. Ich glaube, daß sowohl der Centralreoein wie auch rech Kl bst mir dieser „Fehban zeige" sehr zufrieden sein können; denn sie enthalt die erfreulichste Dar lache, die nach io langer paritätischer Arbeit wohl überhaupt sengestellt werden kann: die Tatsache, daß ich in jahrzehntelanger Tätigkeit auf dem vielfältigsten Gebieten und mit Ramschen verschiedenster Bildnngs- und Gesellschasrsllackeu niemals einer unangenehmen Ersahrurrg nach antisemitischer Richtung begegnete. So unausbleiblich unangenehme Erlebnme im allgemeinen. Enttänschnngen, Verärgerungen aus äisentlichem Wirkungsseide auch sind — niemals hatte ich das Gefühl, daß aus meiner Zugehörigköit zum Judentum Reibungen oder Erschwerungen irgendwelcher Art erwuch'en. Als ich — um nur ein Beispiel zu neunen — vor 27 Jahren, als langsam die Gedanken und Ziele der Frauenbewegung auch in die kleineren Provinzstädte ^Eingang suchten, mit einigen anderen mutigen crchrittmacherinnen eine Ortsgruppe des Schlesischen Fraueuverbandes mit Anschluß an den Bund Deutscher Frauenvereine gründete, als wir in ideal zu nennender Zusammenarbeit nacheinander wichtige Zweige der kommunalen Wirksamkeit, der sozialen Arbeit, der Rechtsprechung und der staatsbürgerliohen Erziehung für den Fraucnrechts- und Frauenpflichtgedauken eroberten, da waren wir alle, die diese Gedanken er'aßt hatten, so erfüllt von ihrer bindenden, ülxrkouscssionellen Bedeutung, daß uns der Gedanke an Antisemitismus gar nicht kam. Noch und vielleicht ganz b-esonders im Kriege wurde die Tätigkeit unserer Mitglieder in Lazaretten, Nähstuben, beim Bahnhostdienst und aus den zahlreichen anderen Gebieten, die damals aus. opferndste Arbeit erforderten, durch keine Bor. ahnuug der umvürdiaen Iudenhetza der Naäp kriegszeit getrübt. Auch während der Borbereitungszeit für die oberschleäsche Abstimmuiuv die eine besonders eifrige, mühsame blrbeit erforderte und große Ansorderuugen an die Kräfte J"' SCHOKOLADE w.mmL PRAHMEN