Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 48 (27.11.1931)
- Date
- 1931-11-27
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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544 tsgea^üMoa nimcigemoli »Ich eil nicht oeriiur.en, D';r.sn SKineilung zu r.id;-:x daß ich seit Lew. Gebrauch Ihrer Zahnpaste ^Chlrrckom" nicht nur reine, tr-::^ Zähne besitze, sonoern euch den bei rnir son't üblchen Mundgeruch verloren Hobe. Ich werde Ihr Elllerodom auss beste empfehlen." gez. E. E., Mainz. Mra rerlrnge nur die echte Chieredont-Zahnpaste, Tube 54 Pst und SO Pst. und wehr leben Ersatz dafür zurüL jungen Mädchen geleitet wird, versucht man die Eltern zu warnen. „Tie Seelen der Kleinen werden dort vergiftet." Unnötig zu sagen, daß auch jüdische Aerztinnen der Voykottausforderung „Laßt euch nicht von jüdischen Aerztcn behandeln" unterworfen sind. Tie Wohltätigkeit, die der jüdischen Frau seit Ilrväterzeiten tm Blure liegt und die sie stets und ständig auszuübcn bemüht ist — gleichviel welcher Religion die Bedürftigen angchören —, wird in der völkischen Prepe ebenfalls gehörig angekreidet. Natürlich sind es nur unlautere Motive, die die Jüdin veranlassen, hungernde Kinder in ihrem Hause zu verpflegen, bedürftige alte Leute zu unterstützen, Armut und Elend zu lindern zu versuchen. Hilft sie bei großen Notstandsaknoncn mit, so „drängt sie sich in echt jüdischer Weise vorW bleibt sie, angewider: durch dieses Kesseltreiben und mancherlei trübe Erfahrungen, von selchen Veranstaltungen fern, so wird ihr Hartherzigkeit und Scheu vor jeder Art von Arbeit voraeworsen. Man hat es erlebt, daß die Inhaberin eines jüdi'chen Unternehmens, die ständig Kinderspeistnrgen in großem Maßstab unterhielt, verdächtig: wurde, dies nur aus geschäftlichen Reklamezwecken unternommen zu haben. Es ist zu bewundern, daß die jüdischen Frauen trotz dieser schm äh liehen Verdächtigungen immer wieder da zu finden sind, wo es gilt, tan notlei de nd-en Minnen schien Zu Helsen. Ein Kapitel sür sich, bildet die Behandlung christlicher Dienstboten in jüdischen Häusern. Es ist lärmst festgestellt, daß gerade in jüdischen Familien die Hausangestellten aus besonders lange Tienstzeiten zurückblicken, und wer etwa die Prämiierung treuer Hausangestellter verfolgt, dem wird es ausfalleu, wie viele davon im Dienste jüdischer Arbeitgeber stehen. Liest man aber die völkische Poesie, so erfährt man zu seiner Verwunderung von den unmenschlichen Grausamkeiten, die jüdi'che Dienst- Herrinnen ihren christlichen Hausangestellten antun, und um die Hetze voll zu machen, taucht immer wieder die Rachricht auf, daß ein dergestalt mißhandeltes Tien'tinädchen Selbstmord beging. Ten Wahrheitsbeweis für derlei Behauptungen blieb man schuldig. Ein beliebtes Thema der völkischen Barden ist die Unreinlichkeit und Unsittlichkeit in jüdischen Häusern. Während die Hausfrau „im raffinierten Moraenkleid Zigaretwn rauchend und Romane lesend auf den: Sofa liegt", muß chr armes Twnstmädchen die in der Wohnung herumliegenden Schmutzhaustn wegräumen. Dabei wird es natürlich vom Ehemann belästigt, waZ die Hausfrau aber weiter nicht tangiert, denn laut völkischer Tarw-llung gilt ja bei Juden der Umgang mit einer Andersgläubigen nicht als Ehebruch. Gerade diese Version, die an Gemeinheit wohl den Gipfel darstell:, findet mau immer m:t> immer wieder in völkischen Zeitungen. Daran wird jedesmal die Mahnung gcknüpü: „Deutsche Mütter, gebt eure Töchter nich: in jüdische Häuser!" Auch die harmloseste Betätigung jüdischer Mädchen entzieht sich nicht völkischer Kritik. Wenn ein solches bei der Vorführung in einer Tanzschule besonderen Erfolg erringt, so verdank: sie dies „ihrem jüdischen Bastardblut, das sich sür diese negerische Betätigung besonders gut eignet". Macht sie, wie heutzutage alle jungen Leute — die Hitler-Jugend nicht ausgeschlosien —, mit gleichaltrigen Kameraden fröhliche Sonutagswauderungen, so zeiht man sie der Schamlosigkeit und Unsittlichkeit. So stellt sich ungefähr das Bild der jüdischen Frau, deZ jüdischen Mädchens in der nationalsozialistischen Presto dar. Seien wir von Herzen froh, daß dieses Hohngebilde nur in der Phantasie jener Verleumder, aber nicht in der Wirklichkeit existiert. Tics bedauerlich bleibt nur, daß die Vergiftung der breiten Masten mineis solch verlogener Tarstellungen nicht durch entsprechende Aufklärung über das wahre-Wesen der Jüdin hintangehalten werden kann. Veritas. ^rbdrJd'u' öüd cücsdd Pgci-diosn möS? Von Paula OHendorf, Breslau Unter dem nicht zwanghäusigen Zbbbau der Frauen ist der im politischen Leben ganz besonders b-edmucruswert. Tie Gründe, die vor der völligen Emanzipation sür dicke Emanzipation enge führt wurden, gelten nicht mehr. Und die Organisationen, Parteien, Parlament wißen nichts mehr davon, daß ihnen die große Stimmenzah! der vielumworkenen Frauen Kraft und Eewich: gegeben und mitunter zum Sieg verhocken hat/ Gilt das sür alle Frauen, so gilt es in stärkstem Maße für die jüdische -Frau. Woran liegt dieser Rückgang in der Bewertung der Frau im politischen Leben? Es können nicht schlecht Erfthrungen mit der Frauenarbeit sein, denn die Arbeit nach der Einführung des Frauenwahlrechts erfuhr dadurch Erweiterung in Gebiet und Maß, die zu sichtbar war, als daß sie bestritten werden könnte. In den Parlamenten, wo die Frauen sofort auftraten, um für Ehe und Familie gerechtere Gesetze ga erlangen, um für die von Krug und Nachkriegszeit gesährd-ete Jugend vorbeugende Hilfe zu schassen, um den arbeitenden Frauen und Kindern allen gebührenden Schutz zu sichern, um der Bevölkerung von Staat und Reich ausreichende Lebensmöglichkeiten zu gewähren, in Not und Unglück, in Krankheit und Atter beizustehen — waren das schlecht Erfahrungen? In den städtischen Körperschaften fanden Frauen, auch jüdische Frauen, eine beglückende Betätigung in der Mitarbeit am sozialen Aufbau. "Gerade jüdische Frauen schienen willkommen zu sein, weil ihr schnelles Verständnis für die Austastung anderer deren Bereitschaft weckte. Es fanden sich Arbeitsgemeinschaften, die den Ausgleich untereinander oft der mitarbeitenden jüdischen Frau ändert rauten und erreichten. In der Sefangenenfürsorge oder in der Sorge sür die gefährdete Jugend, in allen Gebieten der Wohlfahrtspflege ergab sich, daß die Meinungen der ganz Linksstehenden und der weit Rechtsstehenden oft so verschieden waren, daß keine Brücke zwischen ihnen möglich schien — die Frau, sehr oft die jüdische Frau, fand sie. zum Segen der Arbeit. In einer Stadt des denLüften Nordostens erfüllte eine jüdische Frau, als Mitglied des Magistrats ihre ehrenamtlich übernommenen Pflichten mit so viel neuen, sruckp.baren Gedanken, sie erfand förmlich neue Methoden, um Jugendlichen Arbeit zu schassen daß alle Parteien einig waren in der dankbaren Anerkennung dieser Frau und ihrer Amtsführung. Bei der letzten Wahl wurde ne nach mehr als zehnjähriger Tätigkeit nicht mehr wicdergewählt. Daß ihre Partei nicht stark genug gewesen war, sie allein, durftznbriugcu, ist wahrscheinlich: wo aber blieben die anderen Parteien, die nicht genug hatten rühmen können, was diese Frau geleistet hatte? Sie traten nicht für fic ein — weil sie Jüdin w a r. Und was erreichten die Frauen in ihren politischen Parteien? Als noch nicht danach gefragt wurde, ob die Zahl der Vertreter auch dem konfessionellen Bevölkerungsverhältnis entsprach, wurden bald nach dem Kriege jüdische Frauen in ihre Vorstände gewählt. Immer hielten sie den Zusammenhang aller aufrecht. Ost ergab sich, daß ihnen der Vorsitz der grauengruppe angetragen wurde, weil sie aus ihren alten Frauenvercineu und Verbänden heraus an Reden und Tiskutieren gewöhnt waren. Fast immer lehnten sie den Vorsitz ab und hielten sich im Hintergründe der gewöhnlichen Mitgliedschaft. M. E. zn Unrecht. Politische Tätigkeit und sozialer Einfluß der jüdischen Frauen waren anerkannt in den Parteien, die uns Juden offen sind. Wirdbeides jetzt so wenig in Anspruch genonimen, weil das Vorurteil einiger bestimmend auf das Urteil vieler e i n w i r k t? Können die Parteien und Verbände, die Organisationen und Vereine leicht hat das wohl bedacht und hat neben katholischen und evangelischen auch jüdische Frauen zur Mitarbeit heran.gezogen. Es kann nicht sein, daß dies nur geschehen ist, um die jüdischen Hillsquellen besser zu erreichen! Es ist sicher erfolgt ans der Gewißheit, d-aß sie mit ihrer Erfahrung in der Organisation der Wohliahrtsarreit — manche jüdiscM Frauenvereine besitzen die Erfahrung von Jahrhunderten —, mit ihrem Verantwortungsgefühl den Mitmenschen gegen' über, das eines der Gebote unserer Lehre ist. wirksamste Hilfe bringen durch Anregung und Leistung. Tarnst ist wieder ein Anfang gemacht, die großen schöpferischen Gaben der jüdischen Frau auch über ihre eigene GemeinsckM hinaus srucht' bar zu gestalten im Sinne der Versöhnung und des Friedens. MMEL? lSÖQCIQGPS tz Pf? »LJzO cj>