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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-20 · 47 (20.11.1931) · p. Seite 536

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
47 (20.11.1931)
Date
1931-11-20
Page
Seite 536 (sequence 4)
Language
German
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ßms d A TI O J Ti ID A\ 170: rT' ' ,r : ./ .iA..J I i,U/\L>.a. kV ■3 11 ^y--k- — 30 13 C33-1 7(T5‘ Nene Mitglieder — In tcm Bericht über tie -lr 1 ritMillllvioptzung des Vereins vom §. Noremöcr bvben wir bereits mitgeteilt. daß in t:r. U:;>::t Monaten eine große Anzahl MiegllD.r Nni Verein bcigetreren sind. I m L a:i d e - verband Groß-Bcriin betragt d i e Anzahl der neu Cenoorbenenannähern d ö 0 0. Im Landesverband H esse n- Nassau sind etwa 109 neue Freunde dem Verein beigetreten sin.d. I m L a n d e s * in Esse n ist der Zugang an neuen ütiegliedern bemerkenswert. Besonders bezeichnend für das Vertrauen, das der o. V. im Onun wen Judentum genieß: und stir die Bereittckast. dieses Vertrauen in dieser schweren wirllchastllchen Zeit anzuerkennen, ist die Tatsache, daß in Groß-Berlin, im L a n d e s v e r b n n d N i e d e r s ch l e s i e n und im L a n d e s v e r - band O sr Preuße n Sammlungen recht schöne Erfolge gezeitigt haben. In wirttchasittich -guter Zeit für allgemeine Zwecke etwas zu' opfern, ist nick: schwer. Es muß aber dreifach anerkannt wettdem wenn Freiwillige Spenden Freunde des Bern ns wob der w irischen: lichen Krise der Gegenwart sieh freudig eunschiießen, dein Verein finanziell zur Teile zu lreten. Dabei handelr es sieb durchaus nich: enoa uni Egenden nur von L?oblhabenden. Wieviel Wohlhabende zählt das deursche Judentum denn überhaupt noch? Es sin.d meist Epe roden von Mäunetn und Frauen, die keine überilüssigen Mittel besitzen, die aber die Einsicht haben, daß sie gerade dem Eentralverein in seinem schweren Kampfe der Gegenunart ihre Uur-erftützung nicht versagen dürfen. Wir begrüßen die zahlreichen neuen Mitglieder trendig in uickereu Reihen. Möge es manchem unserer allen Freuu.de durch die Wirischastsnol unmöglleu g-nvorden sein, ihren: Eenlralvereiu mit der vollen Löhe ihres Beitrages oder überhaupt mir einen: Beiträge zur Teile zu stehen.— es ist uns Ehrenpflicht, solche Freunde weiter als Mitglieder zu erhalten. Ilm so wertvoller aber ist es für uns zu sehen, daß neue Freunde uns diesen bedauerliche:: Ausfall zu ersetzen bestrebt sind. Es bleibt nicht allein bei;:: Wort, die Anteilnahme erschöpf: sich nidi: in Bede und Gegenrede. Es ist be'leibe leine Tchaude, cs ist eine sehr Hobe Ehre, baß sie sielt in klingender Münze dolluuentiee t. F ü r d i e h e u t i g e o c 11 bedeuten d i c Bet r a ge, die z u r Vers ü g u li g g eit c M t w erden sind, ein b c n 11 i eh e r e s bll a ß s ü rdieUeb e rz e n g ü ii g v o n d c r R o No e n d i g k e i t de s E. V. als alle guten Lobreden. Blau ist überhaupt schiveigsamer geiovrdeu durch die Nor: aber man hat, aller Not zum Trotz, eine offene Hand. Es war mch: nötig zu bitten: es war sehr sclvsiverstäudlich. daß fast jeder gab. Es endet aber nickst damit, nicht mit der Freude über die Anteilnahme und die Zusammeugehörigkeit unserer Blei:scheu. Es ende: mit einem Tch.stten, der über die Grenze fällt. In Elbing ist mau wsteder im deutschesten Teiuschtand und dünkt sich fern vor: Greuzland und Crenznot. Aber kaum zwei Dutzend Kilometer weiter steht die DJi a r i c n b u v g — jedes Wort schmälert die Große des Baus. Ter Tchatten des Turins aber, ans dem, turmhoch ein Ordensritter steht, fällt über den Strom. Fällt, wenn er am längsten wstrd, über die Nogatch, miss andere User. Tiefes andere User ist nicht mehr Teutschland . . . Dr. Mauritius Ka!m. Herbstfahrt durch. Ostpreussen Es beginnt damit, daß man als Gefangener im plombierten Wagen über Deutschlands Grenze 'fahrt. Und während man vor den geschlossenen Fenstern steht, die zu öffnen man nicht brrcchtigt ist, wabrend man aus düsteren Stationen fremde Soldaten über den Bahnsteig gehen sieht, vergißt man, daß man nach einigen Stunden in einen: fernen Stück Teutschland sein wird. Man vergißt das so gründlich, daß rnan in Tmstsch- Eylau, wo man endlich wieder aus dem Wagen darf, das Gefühl hat, von einer langen, düster verhangenen Auslandsreise endlich, endlich wieder nach Deutschland zu kommen. Schönste Landschaft Ellasurerst Wald und See, leuchtendes Gelb im ewigen Grün, darüber das strahlende Blau nördlichen Himmels. In Farbe und Form gelockerte Landschaft. Tas Auge ermüdet nicht, der Reiz ist innrer vielfältiger, immer neu. Erstaunlich der Stadtwald von Alleustein, ganz Urwald, unendlich die hohen Föhren, stundenweit die Weg?, immer neuer Ausblick über Seen und Hügel. Und wunderbar, ein Bild von Hodler, der^Tsteroller See. Erstaunlich das Leben der herbst lieben Städte. Herbst ist nicht nur, weil wir kurz vor Herbstanfang stehen, Herbst ist, weil Blühen und Gedeihen des ganzen Landes in Frege stllst, seil es die neuen Grenzen gibt. Und erstaunlich nicht darum, weil viele Bauten in den Städten stehen, sachlich klar und nwdern, weil sich das Stadtbild iranbclt von Jahr zu Jahr, sondern erstaunlich darum, weil der Blut unwandelbar bleibt, während cs von Fahr zu Fahr stlpoercr wird Zu leben. Nirgendwo begegne: man einer Panik unter den Menschen. Und nirgendwo begegnet man einer Panik auch unter den in den Städten und auf dem flachen Lande ansässigen Juden. Nicht einnml in den ge'ährdcten Punkten des Bezirks, au der südöstlichen Ecke Ostpreußens, in Ortelsburg, Ly ck u.id L ö tz e n , wo Doykottpropaganda herrscht und in scharfem Tag es kämpfe abgewehr: io erden muß. nicht einmal dort. Das Bewußtsein: es geht uns Juden, wie es allen Deutschen geht, wir werden cs ertragen und durchkämpfen mimen, wir alle, die in das deutsche Schicksal verkette: sind, — dies Bewußtsein herrscht vor. Es herrsch: herbstliche Ttimmung, aber cs ist keine Stimmung der Berzweislunz. Alan genießt die Schönheit dieses Herbstes, auch wenn man fröstelnd und beklommen an den Winter denkt. Nach Lst und nach West hin ist dies Land Grenzland. Aber wahrend in West Preußen noch Herbst ist, in Elbing warme Sonne über die altdeutschen Giebel schaut, schneit es in der nordöstlichen Wetterecke, in Tilsit. Man steht vor der mächtigen Brücke über den Strom, der verödet ist, seit er Deutschlands Grenze ist — der Memelstrom ist, für den L-aien unentwirrbar vielmas von Grenzen durchschnitten, und da zwischen manchen Grenzlanden bis heute der Krieg noch nicht ganz liquidiert ist, ist die mächtige Holzflößerei und der Holzhandel in Liquidation, man steht vor dem Wlrom und drüber: ist die unendliche Ebene, über die, ungehindert durch alle Grenzen, der Wind von Nußland her rveht. Man 'teht im Winde, und im Spiel der Schneelocken hat man nur den einen Gedanken: L strolch Ostfront der Abwehr. Und man tritt mit seiner schwachen Kraft und seinem sichlnachen Wort in die L st wo nt der Aber ehr. Wir sind undankbar, nur spüren zu wenig die Dankbarkeit. Wir spürcu zu rvenig, was das heute für die kleineren Gemeinden bedeutet, in Nede und Gegenrede von alt dem. rvas uns angeht, sprechen zu können. Von der Not zu sprecheri, und ungeschminkt vom Harz zu sprechen, die uns bedrohen. Und von der Arbeit zu sprechen, die wir leisten, zu zeigen, was erreicht wurde, und vieles mehr zu zeigen, 3vas zu erreichen ist. Wir spüren zu wenig die Gespanntheit der Aufmerksamkeit, zu wenig noch die erregte und erregende Anteilnahme. Wir spüren sie erst dort, 3vo sie Lpserfreudigfeit wird. Das eigentlich war das Entscheidende: wie aus Nede und Gegenrede, in den Versammlungen und vor allem, wenn man sich gegenüber saß, das Gefühl der Verbundenheit mit der gleichen Sache mächtiger und drängender, und vor allem selbstverständlicher in Erscheinung trat. E-o ist eine elementare Verbundenheit mit dem E. V. vv3i jedem einzelnen spürbar. Am deutlichsten in den.kleinen Städten — in der einer: sind nun alle männlichen Gemeindemitglieder auch Mitglieder des C. B. — in denen die gesamte Gemeinde Zum Vortrag kommt, und manchmal Stunde um Stunde Frage aus Frage stellt. Und ebenso deutlich iu der ostpreußischen Hauptstadt, in -Königsberg, vor nahezu sünllhundert- Personen, in einer geschlossenen Kundgebung des E. B. OberseMesien E. V. - Arbeit in Oberschlcsien — das gab von jeher einen guten Zuwmmenklang. Wer durch die lebhaften, dich: beieinanderliegenden Industriestädte mit der anteilsmäßig starken jüdischen Bevölkerung reist, um in Vorträgen und Besprechungen neue Anregungen für unsere Arbeit zu vermitteln, der spürt überall, daß der C. V. - Geist hier lebendiger ist denn je. Das gemeinsame Grenzerlebnis, das in den Jahren des Krieges und der Abstimmung unmittelbar gestaltend in jedes persönliche Schicksal eingrisf, hat die oberschlesischen Juden bewußter an ihre Heimat und aneinander gekettet, als das in weniger leidgeprüften, glücklicheren Ländern vielleicht der Fall ist. Wer so wie sie um die Heimat gebangt und gerungen hat. der kennt den Wert der Arbeit, die sie ihn: für immer sichern hilft. Der Besuch und die geistige Anteilnahme au den Vorträgen von Dr. Eva Reich m nnn* Jung m a n n in Oppeln, G l e i w i tz, H i n t> c n b u r g und Beuthen legten für diestn oberschlesischeu G. V. - Geist wieder deutliches Zeugnis ab. Am besten aber wurde er bei der Delegierten tag u n g des L,a n - desverbandes siehibar, die am Sonntag. 8. November, Mitarbeiter aus allen Teilen der Provinz in Benthe n zusammenführte. Tie Tagung wies einen außerordentlich starken Besuch von Delegierten und Gästen aus. Ter Ernst der politi'chen und wirtschaftlichen Lage hatte allenthalben das Bedürßiis Ivach^crufen, sich gegenseitig Mi unterrichten, Berichte über die van der Omiptgeschästsst-llte und diu Landesverband geleistete Arbeit entaegenumchunn, Richtlinien für die loeitcrc' Üätinfcit arämstellen und nobuenbia cncheinendc Abwehrmamuwmen m besprechen. In seinem Geschäftsbericht bvb der Be>ruhende des Law desverbandes, Iustizrat Tr. ^kaller, besonders die dcotwendigteit hervor, die Erganisativn des Eentralvcreins mit Rüekücht auf die Bedeutung feiner 'Arbeit zu starten und auspibauen. Er loies dann auf die inuere Antci!:i-ahrn: bin, mit der die Juden in Tbcr'chle'ieu im vllärz d. I. die Zehnjährige Wiederlehr des Aö':iiumn::a-llagcs begangca Hütten, auf die aus diesem Anlaß erschienene ä n© e jjjMpjiu« g.-,—ber NheaQa, JSchkaS» 5ropb, 4 ^ecdcn. v. Ertaltlrnaöschnrrr- Lia.-sÜHr.Zi-.nl. uk L-rr.-cu, Ecni^duug und SLrapazen 1k,:i rpr. Qn Cip: :;c?.1.n und Drogerien.

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