Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- Seite 534 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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534 zusammengesetzt empfinden, in ihrer Gesamtheit abznlebnen. EinzeJälle, voo es wehr jüdische Tircktorcu, über feine Mv scheu Angestellten, jüdische Besitzer, aber keine jüdische Arbeitnehmer gibt, hverden als symptomatische Beispiele für die Gesinnung des B. B.erZ hinge stellt. Das sind sehr alte, eingewurzelte Borurteile. chtichus wäre daher faischer, als zu glauben, dag cme Geste des Centralvercins ausreiche, um alles das sortzuwischen. Es mutz vielmehr^ der ernste Wille vor bar-den sein, die soziologische Umschichtung dts deutschen Judentums auch innerhalb des E. B. zur Auswirkung zu bringen, dem Mißtrauen der neu nm_ bcm G. B. in Berührung kommenden Preise mug uüt restloser Offercheit, vielleicht zu Beginn auch mit Geduld begegnet werden. Tv.s Tor, das ^nunmehr gleichsam symbolisch geöffnet ist. wird jedem jüdischen Angestellten offen sein. Tie Berührung jedes einzelnen mit dem C. D. in Theorie und Praxis wird sich jetveils verschieden vollziehen. Tenn der Riß, der zroischen theoretischer Erkenntnis der wirtschaftlichen Lage auf der einen und der nach außen sichtbaren Lebenshaltung der ^anderen Seite ktasst, die zum Teil noch glänzenden Fassaden und der nicht mehr vorhandene Glaube an deren Weiterbestehn-, verbunden /mir der Unsicherheit auch der nächsten Zukunft aegeuüb-er bestitumen die Einstellung unserer Gencration. Ich glaube nichr, daß man heute schon ein großes Programm für dieses Heim verkünden soll. Zunächst kommt es einmal daraus an, daß der Tre'Funke geschaffen ist, ^an dem möglichst alle jüdischen Angestellten zusammenkcmmen können, die neuen Mut für dvn^ Existenzkampf brauchen, und die trotz aller Ereignisse ihr Schicksal mit dem Schicksal Teurschlands verbinden wollen — nicht nur aus realen Gründen, sondern aus gefühlsmäßiger Bindung heraus. Bon den Führern des Ccntralvereins ist die Notwendigkeit, den soziologischen' Umschichtung im deutschen Judentum gerecht zu werden, erkannt worden. Es muß nun erwartet und gewünscht werden, daß diese Erkenntnis auch eine innere Umstellung aller C. B.er mit sich bringt. Tann wird sich durch den Einfluß dieser Einsichtigen eine neue Form der Zusammenarbeit t'ür dieses veränderte deutsche Judentum bilden und der Ruf nach dem Nachwuchs des C. B. starken Widerhall finden. ... und der Cenimlöerem Zur MgestelltmsHafl? Von Dr. Alfred Hirschberg Mit einem gewissen Mißtrauen sieht sich der jüdische Angestellte plötzlich in den Mittelpunkt der'jüdischen Diskussion gezogen. Jahrzehnte hindurch war der wirtschaftlich abhängige Jude nur Gegenstand fürsorglicher Behandlung durch jene Schichten, die das deutsche Judentum von alters her zu führen gewohnt waren. Ein Widerspruch der Betreuten kam selten. Tie meisten von ihnen sahen ihre wirtschaftliche Abhängigkeit als einen resich zu überwindenden und auch überwindbaren Zustand an, als eine Uebergangssorm zu gehobener, selbständiger Wirtschaftsführung und Lebensgestaltung mit der Aussicht auf Anteil an der Führung/ Und wer dieses Ziel nicht erreichte, also im Lebenskampf vertagte, ließ sich Fürsorge und Unterstützung als Erleichterung seiner Lage gern gefallen. Nun sind aus den wenigen die Mehrzahl geworden, aber nicht, weil sie versagten, weil ihr Ausstiegswille erlahmte, sondern weil sie innerhalb der großen crtrullurwandlung der Weltwirtschaft und — vielleicht bedeutet dies ein gleichzes — der Weltwirtschaftskrise in eine Position gebannt sind, die sie bis auf geringe Ausnahmen immer in Abhängigkeit halten muß. Man schläat die Statistik auf und findet, daß der Prozentsatz dieser Men'chen innerhalb des deutschen Judentums in unaufhörlichem Anstieg begrlffen ist. Man schlägt zugleich auch in den Mitgliederlisten der großen Grganistuwnen, in den Borstandsverzeichnnsten nach — und findet kaum Angehörige dieser Scknchteu. Biel!eicht ist hier und da aus besonderen Gründen auch ein ..Angestellter" zu ermitteln. Ader daun fjaite man 'ibn ..hinein geuom m o ick, er war nicht als Träger oder Bertrotor anderer „Gm seübchaflskrei'e" hineing e k o m m e n. Eine große, gefährliche Blullocre des süd ischeu Lebens muß die Folge sein, wenn es nid;: gelingt, diesem Zustand ein Ende zu bereiten. Kurt L ö w e n st ein, ein junger Angestellter, der aus der demsch-jüdllchtn Jugendbewegung kommt und mit der Berannoertung gegenüber der Gemeinschaft, die bestes Ergebnis seiner bündi'schen Herkunft ist, die prattisthe Kenntnis seines Berufes und feiner Klasie verbinde:, zog hier Folgerungen für die Notwendigkeit eines Zusammenwirkens zwischen EemrArereiu und jüdischen Angestellten. Ihm ist auch dort zuzustiuunen. wo er Kritik übt, rücköLickc n d e, historische Kritik. Es darf aber nicht sein, daß seine Kritt von gegenwärtiger Berechtigung wurde. Ter jüdische Angestellte darf leinen Augenblick das Empstnden haben, daß man ihn hole, weit man ihn brauche, und daß er, wie früher, — nur in anderem Sinne und Umfange — Dbjelt der Arbeit anderer werden solle. Gewiß braucht man ihn, als geistige wie als materielle Kran zunächst. Aber ebewosehr brauche er die jüdische Gemeinschaft, weil Judentum als de* meimchastsbindung niemals ran neuem geschaffen, sondern immer nur neu gcst-rm: und eriültt werden kann. Tarunr darf es in Gemeinschaften, die jüdische An'gaben, gleichviel nach welcher Richtung, erfüllen, ein K l a s s c n vroblezn. ein 6 e i: c r « t i o n §« Problem in d-cr schärfe, U'ic wir es in der allgemeinen Politik, in den politischen Organisationen sehen, für den Einsichtigen nicht geben. Tie Spannung, die sich bei uns aus den natürlickum Nonerschicdeu ergibt, darf nur zur Erhebung un'ercr inneren Kraft, zur Bermchrung unserer Widerstandsfähigkeit nach außen füh. ren. weil die Gefährdung der Grundlagen alle u n teri ch iedslos, wenn auch in verschiedenem Tempo, verschiedenartiger Schärfe trftst. Ter EenLralvcrein, der in seiner Führung dies erkenn: hat, ruft jetzt die jüdische Angcstelltensclmst aus ihrer Zurückhaltung heran-. Be'.de Parmer brauch-en sich mit weicher Notwendigkeit, bei der Erhaltung unserer jüdischen und deutschen Lebensgrundlagen und -Inhalte. Tie Angestellten sollen den Gentralverem zunächst gesondert keunculernen -- später^rerdcn sie in ihm keine abgesonderte Schicht mit ^onderiuierenen mehr bilden. Sie werden ''eine Arbeit durchrdringen in dem ÜKaße, wie sie ihn selbst und seine Idee durchdrungen, sie werden seine Führer stellen in dem Maße, wie sie führe rische Qualitäten aufweisen. Und sie werden wach in ihren beruisständisch-politisehen Jutcrepen in den Gewerkschaften-aus dieser Berührung mit der großen politischen Bereinigung des deutschechJudeneums angeregt und gefestigt werden. Ter jüdische Angestellte muß aurhoren, ein T h e m a innerhalb jüdischer Bereinigungen zu sein. Ter jüdische Angestellte wird Mugestaltti und Träger jüdischen Schicksals in Tculsichtaud. Zorksetzung öer Aussprache über „Nationalismus in Deutfchlanö" Als ich den Hans - Herzseid - Aussatz in Nummer sä und die Erwiderung von Heinz Cohn in Nummer llü der „G. B.-Zeimngsi las, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als ob die beiden Bearbeiter aneinander vorbeigeredet hätten. Tie größere Schuld an dem Mißverständnis, dem. wie die redaktionelle Anmerkung ersichtlich macht, nicht nur der Berstrsser der ersten Erwiderung, sondern offensichtlich eine ganze Reihe von E. B.-Freunden verfallen sind, liegt ohne Zweifel aus seiten Herz'elds, der einen sehr beachtlichen Gedanken zuerst herausgeöildet und dann durch eine unerwartete Schlußwewdung doch wieder zu sehr vergeheimnist hat. T'urch die Wendung des anfangs rein abstreckten Gedankengangs jinn Gebiet des Tatsächlichen konnte die Auisaming entstehen, die nicht nur zu abstrakten, sondern zu sehr realen Erwägungen und letzten Endes zu der 'charfcn Ablehnung, wie die Erwiderung sie bringt, führen mußt.'. Es war mir daher sehr willkommen, als ich zu einer Stellungnahme aufgc'ordert wurde, schon deshalb, weil meines E raaätcms die Gegenseitigkeit zwischen den beitem Meinungen bei entsprechender Auslegung gar nicht so groß ist, als es zunächst scheint, oder bester, weil die Auseinandersetzung von einer politischen zu einer rein abstrakt-weltauschaullchen wird. S o! ch e R loinun g s v e r s chic den h e i t e r. inner h a b einer Jdcengruppe und erwünstlt, denn war eine stehenbleibende Bewegung bat keine innerlichen Probleme mehr, die besonders von den jüngeren Kräften isei es auch in streitiger Berhundlungz erörtert werden können. Politische N!einungsverschicd-enheitcn von so grundlegender Bedeutung aller, wie ste um besonders ans der Erwiderung zu ergeben scheinen, würden eine ernste Gemhr für die Hvmogeuität der E. B.-Gemeitl schuf r rede ulen. Um w crfre-ck.icher ist die Erkenntnis, daß diestr Fall, aus den der Schlußsatz der Erwiderung hinzudeuten scheint, hier nicht gegeben ist. Ter Rationalisnuis ist — und das auszusprechen bat Herm'eld ver'äumt — eine nicht e i n d e u t i g e Er'cheiwrng. Es ir ird zu unterscheiden sein zwistch.en der empirischen und der uwraphysi'chen Gegebenheit. Empirisch ist uns der Nationalisrutur, auch w ne eit er ron antisemitischen Gedanken frei ist, als undemokratisch.' und unliberabe Erscheinung b-ekanur. Tie Erwiderung geht also insoweit berechtigt aeaen die Herz'eld'chen Ausführungen vor, als der E. B.- Gedanke unvereinbar mit jeder aich nicht völkisch. aber doch exklusiv gehaltenen Staatsidee erscheint. chEiv.e Ablehnung der demokratischliberalen ^rtaatsgrundlage um den Preis der Arsttahme der Juden in den Kreis des .üNaticnalvolkos" würde unseren stampf zu einer reinen Tpportunitätssache stempeln und roir hätten jedes Rocht Verloren, auch Außenstehende an unseren Zielen teilnehmen :u lauen oder außerjüdische Gedanken unserer Swllungnahme zugrunde zu legen. Anders der metaphysische üll-jonalisnms. Hätte Herzield statt Nationalismus den Ausdruck Nevna.tionalismus gebraucht, dann 'wäre klar gewe'en. daß cs sich hier nicht um die Tatsache, sondern um die Idee des Nationalismus handelt. Und die ist — das zu verneinen ist der grundlegende Fehler der Erwiderung — vou den ihr unterschobenen Grundsätzen frei. Wenn die Erwiderung schon die völkistcht Staatsidee nicht als notwendigen Bestandteil des „Nationalismus an nckF betrachtet, so ist es unerklärlich, warunn nicht der weitere Schritt getan werden kann, diese Staatsgrnndauffastuu.g auch grundsätzlich frei van undcnwkratischen Bestandteilen zu denken. Tann aber vereinfacht üch dies au'l die ailgemciue Fragestellung Natioaalismus - Jmernativ'u.alisuuls. also zu einem akademisch sehr Lehrreichen, aber gegenwärtig höchst unwichtigen Jdeenstreit. ./Nationalismus all sich." Tiefer Begriss ist nicht zri klären, wenn reicht wenigstens oberflächlich die Staatsidee erörtert wird. Ter Staat ist u.arb allgemeiner Erklärung rin Gemeinschaft-kör per. gekennzeichnet du ach cigenes Staa-sgebiet, eigene Staatsgewalt und eigenes Staochsvelk. Während die beiden ersten Punkte den Ltaat mehr oder minder als Lr.;rnisationsgebilde aufstasien lasten könnten, ergibt das dritte Kriterium, daß es sich darüber hinaus mu ein doch organisches, in sich selbst beruhendes Gebilde handeln muß. So hat auch die moderne Staatsrechtslehre, vielleicht unbewußt am knüp'end an die fast verschollenen Gedankengänge- Ehr lich s, immer mehr dun Gedanken