Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- Seite 533 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serün, 20, Novenrbrc 1231 X. Jahrgang ♦!7r. 47 JJ~-/ - BicricliavrSabonncmcnt \ '-AllPemeinS tellUnS aeiJuCCmumo 2,50 NM. (JU3Ü;;. Bcs:-2g-Id). - Verlag und Echristwstmig: Dcrlln V 15. Einser L!r. ^2. Fernsprecher: J 2 Oliva 5074. Post'r cf!onto: Berlin 304 72. V^nllenlv: Oreödner Vmk, Deposilenchassr 3 2, Berlm-Wilmersdorf 1, £: n: n? o Hern da r.mt ISO, und vcn 6ol:s."nridt- Rothschild L Co., Berlin V.' 8. Alleinige Anzeigenamrahmr:: Annonceu.Expedilion NuLslf Mrue, Berlin SW IM, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JU!. für die 7;;spalten> Zeile na5) Rudol» LroffrS Sroraialzeilenmesier Nr. 4, Faniilienan-eigen und Stellengesuch; (nicht Stelleunngebote) für Mirglieder des Centralvereins 0,45 Sun, dir Cs um breite Nckla:n;z;il; 2.50 Bis üesstta LüOüiSiSSKahlsn Das Ergebnis der hessischen Landtagswahlen nntersicheidet sich im westntlicheu nicht von den Wahlergebnisten in Anhalt, Hamburg usw. Wieder ein gewaltiger Stimmgewiun der Nationalsozialisten, die sich mehr als verdoppelt haben und mit 27 von 70 Mandaten zur weitaus stärksten Partei des Landes wurden. Daneben der nun schon übliche Verlust der Sozialdemokratie, der von den Kommunisten, der Kommunistischen Opposition und der Sevbewitz-Grnppe säst restlos aufgesangen worden ist. Die bürgerlichen Parteien vom Landvolk und den Deutschnationalen bis zur Staatspartei wurden mit Ausnahme des Zentrums von den Nationalsozialisten völlig ausgerieben. Lediglich das Zentrum hat seine Stimm.zlffern. wenn auch nicht entsprechend der weitaus stärkeren Wahlbeteiligung., etwas steigern können. Es ist keine Verschleierung des nationalsozialistischen Erfolges, wenn man dennoch erklärt, daß die NSDAP. ihre eigentlichen Ziele nicht erreich! hat. Sie hat wieder nur die bürgerlichen Parteien zertrümmern können und die Jung- und Nichtwahler aufgesangen. Ter Einbruch in die „marxistische" Front gelang ihr ebensowenig wie die Erringung der Mehrheit, über die die Nationalsozialisten nicht einmal zusammen mit den. übrigen bürgerlichen Rechtsparteien versagt. Das Zentrum hat seine Schlüsselstellung behalten, leine Negierung kann gegen seinen Willen gebildet werden. Besondere Schärfen gegenüber den jüdischen Wählern sind uns aus der nationalsozialistischen Agitation nicht bekanntgeworden. W. Cr. MWkks «W Gr.!“33 Im Verlauf des Lübecker Prozesses war die Behauptung ausgestellt worden, der Pariser Gelehrte Tr. Ea (m et t e habe früher Eatmon geheisien und sei sicher jüdischer Abstammung. Auf Grund genauer Informationen sind wir 'in der Lage mitzuteilen, vast Dr. L e o n Charles Albert E a l m e t t e , am 2. Juli 2303 in Nizza geboren, einer rein katholischen Familie entstammt. Seine Gattin gehört der Aristokratenfamilie de la Salle au. Sein Bruder Gaston Calmette ist Direktor der katholischen Zeitung ,,Le Figaro" gewesen. Diejenigen, die den Erfolg wieder einmal statt nach der sachlichen Leistung nach der vermeintlich jüdischen Abstammung des Entdeckers bewerten wollten, mögen an dieser Auskunft erkennen, da st sie aus dem Holzwege sind. f-:nitiumiiii!i[iiiim!!ü;ii;> mi!!:ü:l Gross-Berliner! hulliiftas des C. V. ani 29. KoreniGer Beachtet die Anzeige auf Seite 540 zA Am 17. November wurde das C. V.-Heim für jüdische Angestellte in der Magazinstrasse 17 in Berlin eröffnet. Das Heim ist von 14 bis 23 Uiir täglich geöffnet und steht allen berufstätigen und erwerbslosen männlichen und weiblichen jüdischen Angestellten zur Verfügung. Me steht die L^rMe-iWO zum Leiisteide.eiii? Don Kurt Löwensiein (Berlin) In diesen Bllättern und in vielen Versammlungen des G. V. ist schon ost darauf hingewicsen worden, wie die veränderte Wirtschaftslage auch die junge jüdische Generation vor ein völlig verändertes Derufedenken gestellt hat. Das Wisten von der Unmöglichkeit, eine Selbständigkeit zu erringen, die Erkenntnis von der Zwangläufigkeit, Angestellter zu sein und zu bleiben, die Arbeitslosigkeit und die Uebermllung fast aller kaufmännischer Berufe, die besondere Erschwerung des Borwärtskommens durch den Boykott — dies alles hat cs mit sich^ gebracht, da st Arbeitsfreude und innere Zuve rächt sehrgeschwächt sind. Tie individualistische Beranlagung des jüdischen Menschen hat seine Einordnung in gewerkschaftliche Zusammenschlüsse a!e ein llllittel zur inneren lieber- Windung der wirtschaftlichen Nöte ebenso crschnaert wie seine Anpassung an die Mechanisterung ber Betriebe. Diese Eigenart vieler jüdischer Angestellter Hdeutet auch starke Hemmnisse, wenn man seine Erweckung un.d Verwendung für jüdische Zwecke für notwendig hält und herbeizusühren wünscht. Die Bewertung des Jüdischen als Hinderungsfaktor bei Bewerbungen, als Trcuuuugsfakwr unter den Kollegen hat sie menschlich m:d beruflich so stark isoliert, dast die Mehrheit der jüdisthen Angestellten treder in beruflicher noch in jüdischer Beziehung eine Gemeinovrantnoortlichkeit fühlt und nach ihr handelt. Inuolge der Härte ihres Dasciuskampses interessier: sie nur das eigene Schicksal, und nennenswerte Bindungen oder stärkere Interessen für jud siche Angebgenheitcn bestehen selten. stommt nun hinzu, dast der zahlemnästige Anteil der jüdischen Angestellten au der Gesamtzahl der zur aktiven Arbeit für jüdische Tinge in Betracht kommenden jüdischen Bleu scheu ein immer größerer wird, so ertuuefeh sich aus einer Trage, die zunächst war eine gewisse Grupue innerhalb des Judentums berührte, ein sozio logisches Problent von beherrschender Bedeutung für dar Bestehen und die jüdische Weiterarbeit des deutschen Judentums überhaupt. Wie empfiudeu nun groste Teile der jüdischen Angestelltenschaft die offizielle Stellung des Gcntralvcreüw feinen Angelegenheiten gegenüber k Zunächst nahmen sie an, dast der G. B. wie alle anderen jüdischen Bereinigungen für ihre beruflichen und menschlichen Nöte kein genügendes Bcrständnis Halle. Sie koi-uten zu keiner anderen Ansicht kommen, weil sie von der wirklichen Arbeit des Genuralvereine zu wenig wnstteu. ^ie Hielten den Gentralvercin für eine Angelegenheit von Akademikern und gutsituierten Kausteuten, d. h. Arbeitgebern. Seine Aingabe: die Bekämpfung des Antisemitismus schien ihnen zwar wichtig, aber sie sahen nur geringe Vorteile für sich selbst dabei. In letzter Zeit allerdings zeigte ihnen die Lektüre der ,.G. V.-Zeirung", dast der G. V. die Auge-' srelltenfrage nicht mehr nur in bezug aus den Boykott betrachtet, sondern auch von der Seite der wirtschastlichen Behauptung und der Bchglichkeiten, neue Eristcnzzweige zu finden; darüber hinaus auch noch die sich lösende Verankerung innerhalb des deutschen Judentums wieder zu festigen. Aber da sehr viele junge Menschen die „G. B. - Zeitung" noch nicht lesen,' — besonders wenn ne von Hause fort sind und in einem möblierten Zimmer leben —, bedarf csneben allen theoretischen Aussprachen einer Stelle für einen Gedankenaustausch zwischen den bis heute im G. B. führenden und den Schichten der jüdischen Angestelltenschast. Durch, die Gründung eines H e i m s f ü r j ü d i s d) e A n g e ft eilt e versucht daher der G. B. eine neue, durchaus schwierige Am gäbe zu eriüllem Er ermöglicht cs jungen jüdifmcn Menschen. die gewohnt sind, nur an sich und für sich zu denken, die an? der Unsicherheit auch ihrer nächsten Zukunft gegenüber sich von dem ^trom der Zcie haben tragen lassen uni> zum Teil gegenüber den riestreu Inhalten ihrer Gemeinschaft verstacht sind, Menschen, die gewouut sind, ihre Abende in bedeutungsloser Geselligkeit zu verbrinwu, von nun an ohne finanzielle Belastung im llreise jüdischer Berussgenonen zu noeilen, in dem sie alles, was sie als deutsche Juden bewegt, erörtern und daneben eine vonGhuen selbst zu bestimmende Form der Geselligkeit pflegen können. So wird die lebendige Verbindung mit dem Gentralvercin geschahen, das Niclltwhstn von seiner Arbeit wird schwinden. Anklagen können widerlegt, Zweifel behoben werden. Mau hört in Angestelltenkreisen so oft, der G. V. sei nichts weiter als eine Arbeitgeber orgauisttiou. Mew'chen, die tc;u Drucke wirckchastlieber Verhältnisse durch Anschlust an deutsch-politiiehe radikale Parteien bester zu begegnen glauben, werden leicht geneigt sein, eine Mitgliederschsi:, die sie als "so