Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 10 (1931)
- Issue
- 46 (13.11.1931)
- Date
- 1931-11-13
- Page
- Seite 529 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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529 Eöuarö Engel Zu seinem 80. Geburtstage am 12. Novclnbcr- Von Otto Fricdmarin (Hamburg) „Wer die Gclcgcnbcit findet, Volker und Länder zu bcobach:on, der wird immer eines crkennen: die Liebe \u:n Vaterland, die lfl]rfnri;t rer ihm in bedingt durch die Ehrfurcht vor seiner spreche. Tie Bö.Br, aus. die wir ncidvoll sehen, Frankreich. Italien, sind ausgezeichnet durch eine ehrfürchtige Liebe zu ihrer Sprache. Es ist nicht nur Vngelcgen.heit der Lprachkun.de, sondern tii'Tfre Angelegen.heit des Vaterlandes, ob die Ehrerbietung vor der Sprache im Volke lebendig ist/ Ä sprach nach den Mitteilungen dieser Zeitung kürzlich Rabbiner Tr. Baeck; so könnte auch Professor Eduard (rnael, der verdienstvolle Vorkäincher für die Reinheit der deutschen Tprache, ge'?rochen haben, der am V2. Novernber den 80. Geburtstag begehen kann. Engels Bücher haben längst den Wsg in die breiten Massen des denk sichen Volkes gefunden; erst kürzlich erschien die 31. Auflage seiner ,, Deutschen 3 t i I f n n ft "; alle seine Tprachbneher („ T e u t' ch e M e i st e r p r o s a ", .3 p r i ch Deuts ch!\ „G ntes Deuts ch!" „Deutsche D p r a ab s eh ö p s e r") sind rasich y.im Ratgeber ur mwisiliche und mündliche Acnsierunaen in der Mnrler'prache gevoordeu, für die er mehr als Liebe, nämlich leidensichastliche Begeisterung empsindet. To ist es naheliegend, das; ihn der Deutsche Sprachverein zu 'einem Ehre n m i t g! i c d ernannte. Führer in sprachtieben Dingen kann aber nur jeinand sein, der die 3rilfiinft beberrscht, ein abgewogenes Urteil hat und umfassende Kenntnis der Literatur besitzt, und zwar nicht nur der deutschen Literatur, sondern der Weltliteratur überhaupt. Engels „Geschichte der deutschen Literatur", „Geschichte der englischen Literatur", „Geschichte der französischen Literatur", dann sein „Goethe, der Mann und das Werk", ferner „Frankreichs G e i st e s süh r er" und viele andere Bücher legen Zeugnis ab für die unglaubliche Dele'enheit Engels; sie führten zu den; Werk „Was bleibt?". Ties ist das erste Buch, in dem überzeugend gelehrt und an Proben anschaulich gezeigt wird, wie man sich nach festen Maststäben auch in dor Kunst ein zuverlässiges Urteil bilde:; kann. In diesem Buche „Was bleibt?" hat sich Engel, offenbar eingedenk der in seinem jüdischen Elternhaus einst zu 3toIp ansgenommenen Eindrücke, auch nur der Literatur der Hebräer beschäftigt. To schreibt er über das Buch H i o b : „Wie die im Hiob vor dem Leidens- Helden nufstciaer.de Frage bis zu diesir Ltunde die nie zum Lchweiaen gebrachte Mcnschhcitsfrage geblieben ist — Warum leider der Gerechte? fragte Heinrich Heine —, so ist jene althebräische Dichtung in ihrer dramatischen Eigenwrm eines der unter den bleibenden Werken der Weltliteratur zuhöchst stehenden. 3ic wird nicht untergehen., solange gröstte Kunst bedeutet: gröstten Inhalt in groster Fenn. Das Buch Hiob ist bleibender .sinnst besitz und dadurch zugleich bleibender Maststad für das Erhabene." Es ist wenig bekannt, da st H e i n r i ch Heines Lebenserinnerungen einst von Eduard Engel gesichtet und ll.crausgcgcbcn worden sind: das Buch, 1>^. bei Hosstuann und Eampe erschien.cn, ist längst rcvgrincn: die Herausgabe einer neuen Auslage sei hiermit angeregt. Im Besitze Engels ist übrigens das von Ludwig Gassen 1828 gemalte Bild des jungen 'Dichters, auf das Grunwald in seinem Buche „Hamburgs deutsche Juden" besonders binweist. Aber nicht nur in literarischen und sprachlichen Dinge,;, sondern auch auf dem Gebiete der Politik und in manchen. Kragen des öisintlicheu Wohls war Engel immer ein beachtenswerter Anreger. Hierbei kan; iknn zustauen, dast er als Leiter des Ltenographifchen Büros des Reichstags Vorurteilsfreier Zeuge und au'nahmesreudiger Beobachter eines bedeutenden Zeitabschnittes deu!sicher Gesiüichte geuoesim ist. In dem ver Jahresfrist hcrausaekonnnenen Buche „ 'Di e n f ch e n u n d Tinge" hält Engel Rückschau auf sein Leben, bas ihn mit vielen bedeutenden Menschen, Dichtern und Denkern, Fürsten und TLaatsnsistmeru — znsannnengeurhrt hat: gleichzeitig nimmt er Lteilung zu den Ce'chehnincu der Bergaugcnh'ir, aber ar.ch dcr Gegenwart. Als ich Professor Engel an stimm 79. Geburtstage in Bornim bei Potsdam, wohin cr sich vor Jahren aus dar Großstadt geflüchtet hat. besuchte, zeigte er mir auch seinen Garten, der manche Wunderblume au surr st. so Pracluercmplare von seltensten Ttandengurächsen. Ich habe iuuucr wieder stürmen müüen über Engels Bielsiitiakeit, besonders aber über die unbeirrbare Selbständigkeit seines Urteils. Wenn man sich das Lebenswerk Engels an seinem Geburtstag vergegenwärtigt, so kann n;an ihm und uns nur wünschen, d-ast ihn; noch viele Jahre seiner Tchasscns'rcud-e b-eschieden sein mögen, zumal cr den der beschaulichen Ruhe des Alters gewist nichts wissen will. * Eduard Engel: „LctbstgcdachLcs." Verlag Köhler n. Llnrelang, Leipzig 1931. 8^. Preis gebunden 4,50 M. Edtrard Gnfiel bar in feinem jüngsten Buch „Dclbstaedachtes^ kurze Beobachtungen und Randbemerkungen niedergclegt, in denen cr stst zu allem, was den Deutschen bewert, 'Ban und ganz persönlich Dtellnng nimmt. Auch dieses Buch ist von dar ersten bis zur leisten ^eite ein unerbittlicher Vorkämpfer für reines Teun'ch. Jeder ^christstcller und jeder Gelehrte, der nicht reines Deutsch m schreiben weist, wird darin 'charf und ätzen) getadelt. Eduard Engel pcht?o weit zu verlangen, dast niemand eine fremde Dpraebo lernen dürstn der die deutsche nicht die in alle Feinh-.iten hinein beherricht. Tas Buch steigert sich zu glühender vaterländischer Leidens (hast. wenn der Verstncr auf die jüngste politü'che Entwicklung, mr den Versailler Frieden, auf die Haltung der Franzosen zu sprechen kommt. 3!S®s^^ Ausü-fcrungsfiger: Berlin Y/EO Herrmann L Schn, lasi-aclter Slrasse 42. Prf-::< <rinc.? P:ik-n^= Ist-!.!lln>. Kein Führer unsrer Rechtsparteien, kein Redner eines der ..Bünde' in Dcnt'chland kann einen Eduard Enge! in st inen Forderungen an Volk und Vaterland übertre'sin; und dabei ist Enge! — jüdnchen llrstnunas. Tiefes Buch eines Achtsigjährig-en zu lc'en, lolmt Wehl. Engel hat mit stinem Blick viel schönes aus dar Literatur aller Völler darin verwendet. Dst, stör oft, wird man ihm nicht folgen. Manchmal ist inan vevmcht, das Buch gegen die Wand Werstn. - r e n g! c r , G u rr d r! s. Gerhart Haupt m a n n bekommen schlechteste Voten. Tb manches schönen, Klugen und Eigenwilligen aber, das in dem Buch steht, lese man es getrost. A. W. „David Solöer" 3ur Attsftthrinlg im Berliner Mozart - Taal Tie „E. B.-Zeitungch bat in ihrer Rummor 14 van- _ 3. 'Avril d. I. bereits Irene Remirvpskys ins Deutsche übersetzten Roman ,David C-old-er" und de''-en VerstlmunL, die damals einmalig in Berlin gezeigt wurde, kritisiert. Jetzt haben die ^üdstllm A.-G. und die Blaree! Vandal u. Eharl-es Telac - Produktion im Mozart - ^aal in Berlin den Film wieder herausgebrecht und damit in den de u Geben Filmivielplan übernommen. Wenn Tr. Hans Bach bereits vor neben Monaten stier mit Recht stststeltte. dast das Erscheinen des Buches in einem volirnch ungünstigen Augenblick erstegt sei. da das denn che Publikum fetzt leicht geneigt stst. ..Ein zelle eiten aus dem Zusammenhang zu reisten. TrcziaEälle zu verallgemeinern und die glänzende Formung eines höchst unwmrathischen >rto'sts prochagandisti'ch anszuwerteist, w neust in dem gcgenwäriia politisch noch viel errcawren Zeitpunkt dicst- Feststellung bei der Kritik des Films erstchecht a:r die Dvitze gestalt werden. Die Tagespreis hat die fünfilcuru>: Bedeutung des Fr.ms rsiar anerkennend gewürdigt. Die Gestalt des David Gelder in der Darstellung des Barry V a ir r ist von men'chlicher Cröste und von so tiefer Tragik, dast sie die Figur im Film ungleich chmv^lllltchei wirken lästt als in dem Buche. Der Bsiann, der zunächst um des cigenen geschäftlichen Aufstiegs willen über Leichen gebt — eine Dzerw, die im Film übrigens eben'ogut fehlen könnte, da ibr innerer Rachklang in Gestalt des 'llst.chtcu Gewiststurs. der in dem Buch eine gevoisie Bolle wiest, im Film völlig fcMt —, opstrt sich dis zum Letzter, stär die Znkunst der geliebten Tochter, auch, nachdem er erfahren hat. dast sie in Wahrheit nicht stier Rind ist. In diestna Punkte siegt der juduche Familiensinn über den llllaterraliemus. Aber in allen anderen Dzcnen des Films siegt der Btatcrialiswus über die Familie. Zm B.rwe liest man über ^zcnen wie die, in der die Frau dein todkranken Rkann die Dillsrung ihrer Zukunst durch Ileberschreibung der Billa'und anderer Vermögenswerte abfordert und aus Wut über seine Adtchnung ilun eröffnet, dast seine Tochter Gas Kind ihres Freundes sei. noch allen- / i>\ <» M DNCHEN1 r\ /£\ Lj \\ tk) U n ® ‘TD E~T © r-n a // n f?n / .3 U T } KziJ ,D -V Lj U IS 6 Pf. 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