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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-13 · 46 (13.11.1931) · p. Seite 528

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
46 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
Seite 528 (sequence 4)
Language
German
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52$ schuft oiganisiert sind. Der „Teutfche Handels- und JndusLrieangestelltenverb-.mdck, eine Unterorganisation de» als antisemitisch bekannten reichsdenLschen „Teutselmaticaalen Handlungsgchilsenverbandes" (THV.), nahm bisher ..Juden und im bewußten Gegensatz zum Teunchtum stehende Angehörige anderer Nanonen oder Rassen' nicht als Mitglieder aus. Das tschechische Fürsorge in i n i ft c t i a m beanstandete schon früher diese Bestimmung und machte von ihrer Beseitigung die weitere Aus- Zahlung des Staatsbeitrages, ^die bisher auf Umwegen erfolgt war, abhängig. Bei Einstellung der Bewilligung des Staatsbeitrages hätte jetzt der t'chechnche THV-, um seine Verpflichtungen erfüllen zu können, die monatlichen Mitgliedsbeiiräee von 20 auf 50 Kronen erhöhen münen. Ter Verband, d-eijen finanzielle Lage sich in letzter Zeit ständig verschlechterte, hat daraufhin in'seiner amtzerord-entlichen Tagung vom 11. Cf* tob er in A u s s i g der Aufforderung der Regierung stangegeben "und den Arierparagraphen mit grauer Mehrheit aufgehoben. Ter TÄV. in der Tschechoslowakei hat dann! den Antnemitisnms um den Preis jenes Staatsbeiiragrs verkauft. —Ui— Felix Goldmann und Jakob Klafzkin Heise hW Anlaß Tie Freie Jüdische Volkshochschule Berlin hat seit einem Jahr die Einrichtung der kontradiktorischen Abende, lieber wichtige Probleme des jüdischen Lebens wird von zwei Vertreteru entgegengesetzter Richtung in freier Rede auf dem neutralen Boden eines wissenschaftlichen Institutes diskutiert. Keine Rücksicht aui Partei Politik oder Propaganda wll die Klarlegung umstrittener Fragen hindern. Niemandem verantwortlich als der eigenen Ueberzeugnng. sollen die Redner, ungestört durch Beifalls- oder Mistfallensäusterungen, der Lerausarbeitung der ivirkliche ii Berstchieden.heiten der Anschauungen dienen, damit, ohne jede Berwischung der Gegensätze, über die Bloßlegung der Tisstrenzen hinweg der Weg zur Erkeirntnis des Gemeinsamen in Gesinnung und Tat gesucht werden kann. Tie Vortragsreihe dieses Winters eiöffnete ein Abend über „TT e Beta m p f u n g des A u t i s e m i t i s m u s". Tie Richtung des Tentschjudenülms vertrat Tr. Felix 6 o l d - mann, den Mitgliedern des Eentralrereins eine vertraute Erscheinung: der nationalsüdische Gedanke wurde durch Tr. Jakob K l a tz l i n begründet, d-cn Lesern dieser Blätter bekannt durch die kritische Besprechung seiner Bücher, die in exakter, theoretischer und manchm.al sehr zugesp'chter Form einen extremen jüdnchen Nationalismus vertreten. .Referate Gold mann hatte das einleitende Nestrat. Tie Ursache des Antistwstuisams ficht er in der Spannung zwischen Majorität und Minorität. Tie Juden sind überall die Minorität, dab.n entsteht um ne überall Spannung. Tie Bekämpfung des Aw.istmüisnurs ist eine sthr bedeutungsvolle Ausgabe: aber sie darf alle anderen jüdi'änu 'Ausgaben nicht überragen: A!an ist noch nick: Jude, SKim man nur den Anüstasttisimis bekämpft. Ter, Ankistmitisinus ist kein Fatum, keine unausrottbare Er'cheimmg. Man 'eilte ' lieber immer Judenhaß sagen. Seine Tricbkrast ist der Hatz. Hatz richtet sich gegen alles Gute im Leben der Menschen, er ist also ein sinückcs Hebel; es ist daher eine allgemein religiös-nnliche Pstcki. gegen den Hatz zu kämpfen, weil ein üuliches liebe! überwunden werden mutz. Tie Kw'l der Abwehr erwächst nicht aus Parteiprogramnr und choeckmäßigkci'senoägungen, semdein aus der Tic'e allgemeinen religw'en Empfindens. Tie Abwehrarbeit dient der Schatzung eines wabckast freien Lebeusramues. Wer den Ankistmirismus al- Schickstll hinnimmt, wird feige und durch Wunderwertigkeitsgestähle gehemmt; Neer kämpft, wird schon dadurch, unabhängig vom Erfolg in der Welt, innerlich freu An die Sülle des Vertrauens ans die Lille den Freunden des Judentums mutz die Selbsthilfe treten. Tie ganze Fra^ verlangt ein Senken in langen Zeiträumen. So betrachtet, kann man auch die Frage nach dem Erstlg der Abweb.raräeit bejahen: Früher kämpfte man für ein Rech:, heule gegen ein Unrecht. Ziel der Abwehrarbeü ist die Erlangung absoluter Freiheit in den Bc;iehungen der Gruppen untereinander innerhalb der staailichen Eemeiwchaft. Tas ist zunächst ein rein praktisches Ziel, das nur in müh st; in er Kleinarbeit zu erreichen ist. Tie prakwche Arbeit mündet aber wieder in die religiöse Aufgabe der Erfehung des Hasics durch die Liebe. Klatzkin ging in feiner Erwiderung von der Feststellung aus, daß auch er die Bekämpfung des Antisemitismus besähe und die Arbeit des (5. B. für dankenswert halte. Wenn man aber das Mißrcrbälinis nwi'chcn dem großen Energieaustoand und dem migewcheinlich geringen Ergebnis betrachte;, müA' man sich zur Erklärung die Frage vorkeaen; Was ist Antisemitismus, woher stchöpst er stina bedeutenden Kräfte? Solange das jüdistche Volk bestehen wirb, wird es immer einen Antagonismus zwischen ihm und seiner Umwelt geben, von dem der Antoemitismus nur die vergröberte Form dar stein. Je geringer die völkische Existenz der Jaden, desto schwächer der Antagonismus. Nur die restige Auslöstmg bringt den Antiscm'uismus zum Erlöstüen. Auch die Philoiemiten gewähren Eleichaercchtiaung nur für den Preis der Seckstcucha.be. Wellen wir das nicht, so miV’cn wir uns darum b'chcheänkeu. die vergröberten Formen des Antagonismus zu bekämpfen. Wichtiger als Anskiäruna unter den 'Nichtjuden ist die unter den Juden, um ue zu stärken. AussvraSe Ge chm a nn erwiderte, für rins wie für jeden aufrechten Juden sei das jüdische Cew.ein'chastsgeiühl Grundlage uwerer Existenz. Aufklärung der Juden über den Wert ihres Judentums sti vom CF. B. stets ca'orderr und getätigt worden. England und Lolland ieun, entgegen der Theorie Klatzkins, Lander mit starkem jüdischen Leben vbne Antisemilisnius, dagegen das fast bis zur ^elbstausgabe csiimiüerte Ungarn ein Tummelplatz wütenden Judenbapes. lieber den Begriff der Ammilation laue stch keine Uebereinstimmung zwischen der Anschauung Klatzkins und der seinigen erzielen. Tie große Mchrlleit der deutschen Juden, die Klahkin als in ihrer Eigenart verwischt und in Auflvümg befindlich betrachtet, erscheine ihm als deutlich ausgepräg; und von starkem jüdischen Lcbensgeiühl getragen. Ter Begriff des N a t i o n a l i s in u s crstchr noch eine kurze Beleuchtung. Ratwnalwmus, meinte Klahkin, kenne gefährlich werden. wenn er nun E ha u v i n i s m u s loerde. Er wi ober das gesunde ^ti;ben nach legitimer Ernte uz am legitimen; Boden. Erst eine solche legitime Eristenz könne denn jüdischen Volk die Möglichkeit geben, uch ungezwungen und frei und damit wirkungsvoll für einen vertieften Kosnwvolirwmmieinznsthen. Gold m a n n kennzeichucte diesen Standpuntt als K u! k u r Nationalismus im Gegenmh zunr reinen M a ch t Nationalismus, der nur Gewalt und Unterdrückung kennt. Zwischen diestun Kultuenationalisrnus und unseren; Standpunkt gebe es weltanschaulich keine Brücke, fenuiiram ober sti beiden die Anerkennung des Mew'chen^ rechts als Grundlage der Bölkersittlich.keü. Tamil werde die Bahn frei für gemeinsames Landein gegen das Unrecht, gegen den Judenbast. Tcr Antistuütsu'uus trGst uns alle, er frage nicht nach der i; nerjütiichen Einstellung. Am die l^rage Goldmauns, was Klahkin denn von st.'lwm Standpunkt ans nun praktisch, bei den in Tcut säst and gegebenen Verhältnissen tun wolle, konnte Klarstu nur vnsweickzend antworten, er glaube nichr cm Rc-cpte und Programme gegen den Avti'stunstiswns. Er kenne nur Rezepte für die In:den selber. Rät seiner Forderung, aufrechte Juden zu erstehen und in der Abwehr und Propaganda schonungslose Wahrheit nach aasten wie innen gelten zu lamm, fand er sich abschlies-end in ttebcrnustiw.mung mit einem Grundprinzip unserer E. V.-Arboit. Werlring Wenn wir den Abend in seiner Gesamtheit prüfend überschatten, so beschäftigt uns zunächst die Technik solcher Beranstaltungen. Tie Au?, ivahl der Persönlichkeiten ist eine besonders sichivierige. Wenn, wie es hier geschah, der praktische Kämpfer Ewlldmann, der/von einer reli. giösen Allgei;ieineinsiellt:ng kommend, sein Leben in den Tienst einer Ei::zetarbest am Menstben und an der Gemeinscha't gestellt hat, und der analysierende Theerctiler Klatzkin. der von den Einzeltatsachen hinweg zur überscharfen Bloßlegitng der tieferliegenden Gesttze zu kommen, sucht, einander geg-enüber'st-eheit. dann werden sic es schwer haben, sich über die Voraussetzungen der Auseinaudersestimg zu verständigen. Z:: dieser m e t h o d i s ch e n Schwicrigteit tritt ^.ber noch eine weitere Gefahr: Tie zu weite Fällung, des Themas verhindert eine vertiestere Ti-rkussion und zwingt zu allgemein gehaltenen Formulierungen. Mau kann vielleicht, wie Hillel. zur?lot das Wesen der jüdischen Religion dem aut einem Bein stehenden -Leiden erklären; aber ein so kompliziertes Problem wie den Antisemitismus in wenigen Minuten zu untersuchen, das übersteigt selbst die Kräfte dessen, der mit beiden Beinen fest aus dem Boden suudierter Kenntnisse und erprobter Auschannngen sicht. Im übrigen aber brachte der Abend ein befriedigendes Ergebnis. Man kam zn einer exakten Grenzziehung der gegenseitigen Anschauungen i:ud darüber hinaus zur Klärung des Gemeinsamen. Es zeigt sich immer mehr, daß Theorie und Prärieder Abwehrarbeit allgemein eine znnehmeitde Bedeutung i:n jüdischen Leben bekommt. Im Interesse des Kampferfolges und der innerjüdischeu Klarheit ist aber eilte genaue Bestimmung der Methoden und Ziele des Abwehrkampfes notwendig. Immer deutlicher werden, wenn auch vielfach in Ucberschueidnngen, zivei Richtungen dieser Arbeit. 2l b w e h r als kulturelle Auseinandersetzung ist das eigentliche Arbeitsgebiet des E. B. Hierfür sind die Boraussetzungen eine eindeutige Stell lungnahme zu den Fragen tieferer kultureller Einbeziehung in die deutsche Umwelt, zum Bollsbegrisf und zur Stellung der Juden im Bolksganzen. Hier"stehen sich die Anschuumgen innerhalb des deutschen Judentums scharf abgegrenzk gegenüber. Ter E.V., der die Ueberzeugnng von der kulturellen Eingliederung der deutschen Juden als zukunftsreiches Prinzip vertritt, mutz diese Auseinandersetzung in der für ihn charakteristischen Weise eindeutig weitersühren. Er kann bei dieser Arbeit nur diejenigen um sich sammeln, die sich zu seinen Anschauungen bekennen. Daneben aber zeigt sich die Äbmehrarbcit als politische Technik. Ter politische Antisemitismus fragt nicht nach den innerjüdischen Anschauungen der von ihni Bekämpften. Alle deutschen Juden spüren den Antisemitismus in gleicher Weise. Sich kräftig gegen ihn zur Wehr zu setzen, ist allgemeine jüdische Pflicht. Tie politisck)e Technik, mit der mau sich im össeutlichen Leben gegen akute Bedrohung wendet, kann von jedem gehandhabt werden, sofern er Material und Sachkenntnis hat. Goldmann hat in seinen Ausführungen mit Recht daraus hingewnesen. daß eine solche Ab'wehrarbeit nicht der sittlichen Grundlage ermangelt, d.i? auch den Kleinkram des Alltags adelt. Ist es doch ein Kampf gegen Unrecht und für Recht, gegen zerstörenden Hatz und für menschenverbindende Liebe. Und inan kann Goldmanu nur ans vollem Herzen zustimmen, wenn er forderte, daß der Kreis der deutschen Juden, die sich in dieser Abroehr, in diesem Kamps für freien Lebensraum der deutschen Juden zusinumeufiuden. viel weiter gezogen werden müsse, als es bisher möglich war. So diente die Auseinandersetzung dic'es Abends, trotz summarischer Behandlung des Gegenstandes, der Sache durch Klarstellung der Gegensätze und Wegweisung zur Gemeinsumteit. Tie Tisfercnzierung der Ansthauungen zur Judenfrage kann und soll nicht verwischt werdern Tie deutliche Erkenntnis dieses Gegensatzes aber bereitet den Weg für gemeinsames aktives Handeln in gemeinsamer Not im Tienste des Rechtes gegen Hatz und Unrecht. Dr. Friedricli Brodnite.

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