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Central-Verein-Zeitung · 1931-11-13 · 46 (13.11.1931) · p. Seite 527

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
10 (1931)
Issue
46 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
Seite 527 (sequence 3)
Language
German
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L27 Durch Beschlüsse der spanischen Nationalversammlung sind die religiösen Orden der katholischen Kirche unter eine drückende Sondergefetzgebung gestellt worden. Kirchlich gesinnte Abgeordnete der Naticmalversammlung haben daraufhin das Parlament verlassen, und die junge Republik steht neuerdings ror schnoeren Erschütterungen ihres notdürftig gesicherten inneren Gefüges. Dieser Borgang^berührt uns Juden ganz besonders. Wir wisien nur zu gut, was Ausnahmegesetze und ReligionZversolgnngen bedeuten. Wir Juden haben durch unsere Geschichte, durch unsere seelische Einstellung warmes Verständnis für alle, die um ihrer Religion willen Not leiden. Hundert- Lausende aufrechter Katholiken hängen in Spanien an ihren religiösen Einrichtungen mit ganzem Herzen. Wir fühlen mir ihnen das, &it», wenn sie dieser religiösen Stühe beraubt werden und ifjnen in Gewisienssachen Koang angetan wird. Mögen die Dinge im einzelnen liegen, wie sie wollen, es wird immer schweres Unrecht bleiben, religiöse Einrichtungen unter Ausnahmegesetz zu stellen. Wir können nur wünschen, daß auch in Spanien Duldsamkeit und geaemeitiges Verständnis und damit die Kräfte zum Durchbruch kommen, die allein den inneren Frieden sichern können. r*i wf siet VMM IM) I n War schau haben SLndentenans sch r eitn ngen stattgesunden, die man in jrüheren Jahren als osteuropäisch bezeichnen konnte, die wir aber heute leider als allgemein üblich ausehen müssen. Tagelang stand Warschau unter dem Terror von einigen hundert antisemitischen Studenten, die an Frauen und Kindern ihre Tapferkeit und ihre nationale Ehre betätigten. Tie Regierung hat in einer sehr scharfen Erklärung, die sie vor dem Parlamente abgab, einen deutlichen Trennungsstrich zwiscl-en sich und diesen „Akademikern" gezogen. Trotzdem dauern die Ausschreitungen fort, ohne daß behördlicher Nachdruck in der ihin möglichen Form in die Erscheinumg tritt. Auch in Wilna fanden schönere Studeutcnunruhen statt. Zwei Personen, ein jüdischer Student und ein Rechtsradikaler, wurden dabei getötet, 20 Personen mehr oder weniger schwer verletzt. .In Rumänien hat sich in der letzten Zeit die Wirtschaftsuot in den Kreisen des jüdischen Bürgertums urwderAn gestellten schau in tragisechr Wetm verschliminert. Ter Präsident der Union r u m ä n i s ch e r Jude n und frühere Senator Tr. Wilhelm Fi ld ermann schilderte dem Bularester Vertreter der Jüdischen nelegraPheu-Ageutur (Jta) diese neue traurige Entwicklung. Wir entnehmen dieser Darstellung folgende Ausführungen: „Die allgemeine wirtschaftliche Lage ist in Rumänien nicht schlechter als in anderen Ländern Europas. Tic Weltkrise wird in Rumämen schon deshalb leichter ertragen, weil 50 Prozent der Bevölkerung Bauern sind, die ihre Bedürfnisse aus der eigenen Wirtschaft decken. Der Reichtum des Landes an natiir» Iidjcii Hilfsquellen und die geringe Laiche seiner Verschuldung au das Ausland Nellen weiter starke Widerstandskräfte gegen die Folgen der Welnvirtschaftstage dar. Die Lage der jüdischen B e v ö l k e r n n q aber i st äußerst schlecht. Ter kommende Winter wird einer der schwersten sein, den die rumänische Judenschaft je durchgemacht hat. Tw Juden sind ein st ä d t i s ch e s Element. Sie beschäftigen sich fast ausschließlich mit Handel und Industrie, Wirtschaftszweigen also? die jetzt besonderschwer'von der Krise betroffen sind. Große Finanzinstitute haben ihre Tore geichlosien, die .Kredite sind gemerrt. Tausende jüdische Beamte sind bereits besckchftigungslos, die'en werden sich bald weitere Tauwnde hinzugeststlen. So sind Zehutaustnde jüdischer Atenschen vom Untergang bedroht, falls nicht außerordentliche Hilfsmaßnahmen getroffen werden. Wir sehen, fuhr Tr. Fildermann fort, keine Möglichkeit, das Problem im Lande selbst und aus eigener Kraft zu lösen. Wir haben niemals an das Ausland um Hilfe appelliert. Aber ich fürchte, daß es jetzt dazu wird kommen müssen. Es ist eine Tatsache, daß das jüdische Bürgertum infolge der j ü n g st e n Ereignisse buchstäblich zugrunde gerichtet ist. Dis jetzt hat dieses Bürgertum, seine normale Funktion, den Bedürftigen beizusiehen, erfüllt. Was morgen sein wird, läßt sich, nachdem dieses Bürgertum vernichtet ist, nicht Voraussagen.. Tr. Fildermann kam zum Schluß ans die verschiedenen finanziellen Sanierungsprojekte zu sprechen, die in letzter Zeit, u. a. auch von ihm wie von anderer jüdischer Seile, der Regierung unterbreitet wurden." Nunmehr ist auch der Prozeß gegen die Rädelsführer der Berliner. Kurfürstcndamm- Ausschreituugen vom 12. September nach zwei Verhandlungswochen zu Ende gegangen. Er unterschied sich von seinem Vorgänger, dem Schnellgerichtsversahren gegen 33 Tumultuanten, in wesentlichen Purckten. Als stärkster Eindruck bleibt der, daß die Verführten damals viel schwerere Strafen bekonnnen haben als setzt die Führer. Man muß sich über die moralische Verfassung von „Führern" seine Gedanken machen, denen es an Mut mangelt, vor Gerich: siür ihre und ihrer Untergebenen Taten emzustehen. Denn daß die H e l l d o r f, E r n st , B r a n d t usw. so unschuldig sind, nsie sie, ihre Freunde und Anwälte es in dem Gerichtsiaal darstellten, das glaubte ihnen jetzt dieses Gericht, aber sonst wohl niemand. Ter'Prozeß begann damit, daß Landgerichtsdirektoc Tr. schmitz wegen Befangenheit abgelehnt und durch Landgerichtsbireftor Tr. Bren n h a u s e n als Vovsitzmdeu ersetzt wurde. Tiefem Gericht konnten die S. A. - Führer Märchen von der herrlichen. Tiszipliniertheit und der siv.rmlosigkeit ihrer Leute erzählen. Ihm konnten sie, um einen vom Vorsitzenden ungerügten Kraftausdruck, des „zahmsten" der NSTAP.- Anwälte zu gebrauchen, „Latrinenparolen" auftischen. Ihm mußte lange und umständlich erklärt werden, was ein „Polizeiflitzer" ist. WM Angestellte Gross-Bsrlius! Der Centralverein hat in der Magazinstrasse 171 (links) ein geräumiges Tages- und Abendheim für jüdische Angestellte eingerichtet. Die Eröffnung findet am Dienstag, den 17. November, 20K Uhr, statt. Jüdische Angestellte Gross-Berlins erscheint in euren Räumen! Ihr findet alles, was der Unterhaltung. Fortbildung und der Erholung dient. Fährverbindungen: Stadt-, U- und Strassenbahn Alexanderplatz oder Jannowitzb rücke. Fast nie wurden die offen im Gerichtssaal zur Schau getragenen H-akenkreuzab Zeichen, nicht die Handküsse, die die verhafteten Angeklagten mit allerlei nationalftzialistischer Weiblichkeit im Zuschauerraum auslauschwn, bemerkt, mcht die hämische Kritik, die laut und deutlich im Zuschauerraum an dem Aade roten des Staatsanwalts und der Belastungszeugen geübt wurde, nicht die ungeheuerliche Beschimpfung des preußischen Innenministers, die sich einer Per .naher.ab sozialistischen „Rechts"-Anwälte in einer Erklärung ' leistete, nicht die dauernde Beleidigung der Staatsanwaltschaft durch den gleichen nationalsozialistischen V er leidiger, nicht dessen versteckte Aufforderung zu neuen Gewalttätigkeiten gehört und gerügt. Neue Einzelheiten brachte der Vrozeß^nur in geringem Umfange. So die Ausmae d-es Snirmadjulanten E o s m o l l, wonach seine Leute an jenem Abend aus den Kurstirstendamm gegangen waren, „um Juden;it verdreschen imd zu vertrimmen". So die Bekundung des Ltan-dartensührerS Knüppel, eines Kurpfuschers im Zivilberuf, der schon nachmittags um G Uhr wußte und es der S. A.-wberwhrung mi-teilte, daß es am Abend am Kursürstendamm eine „knorke Sache" geben würde, ^o die Aussage des S. A.-Manues Thieke. der am Sonntag jedem, der es hören wollte, erzählte, daß ..Gran Qelldors uns am Kurfürstcudamm gemhrt habe". Und auch sonst lag viel belastendes Material gegen die Angeklagten vor. Nach alledem haben sich die Gechehnwe doch offenkundig so abaestsielt: Tca Berliner LVerführer, sein Stabsleiter, drei Standartenführer, zwei Sturmbannführer und mehrere S. A.- Sturmsührer waren crwiestuee- und >:= gegebeuerin.aßeu am Kursstrstendamm.. Mindestens GCh> S. A.-Leuw aus elf verschiedenen Stürmen, also Angehörige der dnzipliniertesten Organisation Deutschlands, wie der Verteidiger Tr" Frank II sagte, leotärigten sich dort in mild gesagt höchst „illegaler" Weise. Tieft -^.A.-Führer von der Abstich r antiblind ergeben. Und dft'e Führer tonnten ihre gut disziplinierten Leute nicht im Haudumdrehep nach Hause schicken. Eine Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Parteianwälwn und ihren Vlaideyers erübrigt sich. -craarsauwalrschafr-rat Tr. S t e n i gch bat dazu in ftiuer krastvollen Replik das Erwrderliche geft.at, indem er an Hand eindeutiger Zeugenaussagen nochmals den klar r a d a u a n t i s e m i t i i ch c n E bar alt er dieser „Hungerden'.onstratiou" heru orbob und nachwies, mit welcher Befriedig n n g einzelne S. A. - F ü h r e r von der A b s i ch t a n t i - s e m i 11 j cf) c r (5 c \v a 111 a t e r. K e n n tnis genommen hatte n. Brandt und Helldorf. obwohl vorbestraft, kamen mit sechs VRonaten davon, die raufenden S. A.-Leute waren seinerzeit zu Gefängnisstrafen von neun Monaten aufwärts verurteilt worden. Doch das und weiterhin auch die Tatsache, daß diesen Führern ein. ganz anderes Aufgebot von Verteidigern durch die Partei gestellt wurde als den einfachen S. A.- Männern, mag die S. A. unter sich ausmachen. Wir hoffen, daß das Urteil von der nächsten Instanz korrigiert wird. W. G. MWl. M M«LÄ §cr tiÄrÄische nimm! Fnörn aus In der Tschechoslowakei erfolgen alle Auszahlungen an die Arbeitslosen durch die Gewerkschaften, die zu diesem ^chweck Beiträge von Staats wegen erhalten, staatliche Arbeiwtoseurmterstützung wird jedoch mir denjenigen Arbeitslosen bewilligt, die Anspruch auf Troanisatiousuutersiützung haben. Das tschechische" Gesetz über den Staatsbeitrag bestimmt mau, daß die Blitglicdschaft iu den mit der Auszahlung des ^taatsbeitrages betrauten Gewerkschaften lediglich an die Zngebörigkeil zu den Berufen aelnüpft sein darf, die in der j-uochtigen Gen-erk-

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